Für eine bessere Welt » norbert http://www.fuereinebesserewelt.info Menschen, Ideen, Visionen, Projekte und Aktionen für eine bessere Welt. Wed, 16 May 2012 17:55:14 +0000 en hourly 1 Suffizienz - Wie viel ist dir genug?http://www.fuereinebesserewelt.info/suffizienz-wie-viel-ist-dir-genug/ http://www.fuereinebesserewelt.info/suffizienz-wie-viel-ist-dir-genug/#comments Sun, 11 Oct 2009 10:56:42 +0000 norbert http://www.fuereinebesserewelt.info/suffizienz-wie-viel-ist-dir-genug/ pixelio_peakoil_kurtmichel.jpgZu Fragen der , die sich im »ominösen Punkt Peak Oil« bündeln, gibt es unterschiedliche Sichten. Die pessimistische Sicht meint, mit dem Erreichen des Erdölförderhöhepunktes ist die Zivilisation dem Untergang geweiht und chaotische Zustände sind wahrscheinlich. Die optimistische Sicht ist oft verbunden mit Technikverliebtheit und Fortschrittsoptimismus und besagt, die Menschheit fände in ihrer Kreativität schon die richtige technische Antwort: Neue Energiequellen, neue Maschinen, und vor allem: neue Technologien.


Beide Sichtweise sind Pole, die sich kaum vereinbar gegenüberstehen. Für die meisten Menschen stellen diese Pole Hürden dar, die schwer zu überwinden sind: Die wenigsten von uns sind Techniker, die sich der zugungsten neuer Technologien widmen können und vermutlich noch weniger Menschen wollen sich passiv in eine bürgerkriegsähnliche Situation verwickeln lassen. Beide Ansätze bieten also nicht unbedingt Handlungsoptionen für die Vielzahl von Menschen, die von der Energiefrage zweifellos betroffen sind. Wir brauchen deshalb neue Sichten! Sichten, die jedem Einzelnen Handlungsmöglichkeiten geben, die uns aus unserer Passivität befreien und die unsere eigenen Fähigkeiten einsetzbar machen.

. Möglicherweise bietet dieses Wort einen Weg. Es entstammt dem Lateinischen und lässt sich am ehesten mit »Genügsamkeit« übersetzen: Wie viel ist »genug«?

Suffizienz
»Suffizienz verbindet sich für mich mit Wohlbefinden, Zufriedenheit, einem neuen Wohlstandsverständnis, mit Maß und Maßhalten, mit der Übereinstimmung von Überzeugung und Handeln, von Zielen und Mitteln, von der Beziehung zwischen dem, was benötigt und dem, was produziert wird, mit der Bevorzugung des Optimums vor dem Maximum, mit dem Verhältnis von materiellen Gütern und immateriellen Bedürfnissen, mit aufgeklärtem Eigennutz und mit Solidarität.»
(Linz, M.: »Von nichts zu viel - Suffizienz gehört zur Zukunftsfähigkeit«, Wuppertal Institut, Wuppertal, 2002, S.12 f. aus »Das suffizienzorientierte Leben des Individuums«)

Eine Kernfrage der Suffizienz ist: Wie viel ist genug? Genügsamkeit, also Maßhalten bei der Frage danach, wie viel jeder von uns braucht und haben will, ist der Mittelpunkt, um den sich »Suffizienz« dreht. Bedeutet Genügsamkeit ? Bedeutet Genügsamkeit Einschränkung? Bedeutet Genügsamkeit Wohlstandsverlust? Nicht unbedingt! Wie so oft im Leben lautet die Antwort darauf: Es kommt darauf an…

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Biete Lebenszeit, suche Kaufhaus!
Der technikorientierte Lösungsansatz sagt ja vor allem: Weiter so wie bisher. Nur mit anderer . Also: Weiter verbrauchen, weiter konsumieren, produzieren, verkaufen. Er geht dabei davon aus, dies wolle jeder Mensch. Dabei zeigen Umfragen, daß die Ländern mit dem höchsten materiellen Wohlstand und jene mit der höchsten Wachstumsrate der Wirtschaft längst nicht die glücklichsten Bewohner haben. Glücksempfinden und materieller Wohlstand sind nur bis zu einem gewissen Grade miteinander gekoppelt. Die Wohnung, den Keller und die Garage voller Kram zu haben macht nicht zwingend glücklicher. Auch wenn uns Werbung und der konsumorientierte Zeitgeist vermitteln, der Sinn des Lebens läge im Kaufen und Horten, im Arbeiten und Anhäufen, so stellen immer mehr Menschen diesen Sinn in Frage. Sie erkennen beispielsweise: Um einzukaufen braucht ich Geld. Um Geld zu bekommen muss ich mich der Arbeit widmen. Für die Arbeit allerdings brauche ich Zeit. Sie erkennen also: Sie tauschen Einkaufen gegen Lebenszeit. Lebenszeit, die unwiederbringlich hinter uns liegt, wenn wir sie eingetauscht haben. Lebenszeit, die jedem von uns nur begrenzt verfügbar ist und mit das Wertvollste darstellt, was uns gegeben ist. Die sich daraus entwickelnde Frage, ob uns das Einkaufen unsere Lebenszeit wert ist, führt direkt zur Idee der Genügsamkeit: Wo liegt ein sinnvolles Verhältnis zwischen dem Einsatz unserer Lebenszeit und unseren Konsummöglichkeiten?

Kreativität gesucht!
Die Antworten könnten gefunden werden, wenn wir die menschliche Kreativität in andere Bahnen lenken. Kreativität nicht dazu zu verwenden, wie wir noch mehr Produkte herstellen, um uns gegenseitig unser Geld (=Lebenszeit) aus den Taschen zu ziehen, sondern beispielsweise darüber nachzudenken, wie wir Gesellschaft organisieren. Wie läßt sich ein bestimmtes Wohlstandsniveau bei möglichst geringem Zeit- und Ressourcen-Einsatz bewerkstelligen?

Für den Einzelnen liegt diese Antwort nah: Verschwendung vermeiden. Auch Energie will gekauft und bezahlt werden. Wer Energie verschwendet muss mehr Zeit aufwenden, um die finanziellen Mittel dafür ran zu schaffen. Wer mit Energie sparsam umgeht, spart sich Geld und damit Zeit. Unter der Maßgabe, dass »« ein reales Phänomen ist, ist im Laufe der kommenden Jahre mit steigenden Energiekosten zu rechnen. Und mit einem niedrigeren Energieangebot. Die eigene Verschwendungssucht in den Griff zu bekommen ist also ein erster Schritt, mit dem sich jeder selbst helfen kann: Mehr Geld/Zeit für den Genügsamen, weniger Energieverbrauch für uns alle. Und wer einen Schritt weitergehen will, der wird sich fragen: Brauche ich dieses oder jenes technische Gerät wirklich? Ist es sinnvoll, die Heizung bei offenem Fenster zu betreiben? Muss ich den nächsten Weg mit dem Auto zurücklegen oder habe ich Alternativen wie Fahrrad oder den öffentlichen Verkehr?

Der öffentliche Verkehr ist ein Beispiel dafür, wie kollektive Genügsamkeit aussehen kann. Für viele Menschen ist das Auto Statussymbol (böse Stimmen sagen »Schwanzverlängerung«) und Bequemlichkeitsfaktor in einem. Aber es ist auch teuer: Ein Einzelner muss meist viele Monate arbeiten, um soviel Geld angesammelt zu haben, um sich ein Auto zu kaufen. Dieses Auto, in welches schon bei der Herstellung große Mengen Energie eingeflossen sind, steht dann den Großteil seiner Lebenszeit ungenutzt herum, während andere sich ebenfalls Autos kaufen, denen dasselbe Schicksal beschieden ist. Auch die Nicht-Nutzung eines Autos kostet: Versicherungsgebühren, Steuern, Platz in den Gemeinden. Welch Verschwendung von Ressourcen, Kapital und Zeit! CarSharing ist ein kreativer Ansatz, der dieses Problem aufgreift. In einem CarSharing-System teilen sich mehrere Menschen mehrere Autos, so dass deren Auslastung steigt und damit die Gesamtkosten für den Einzelnen sinken. Dieser Weg des Teilens von Ressourcen lässt sich sicherlich in andere Bereiche der Gesellschaft übertragen - wenn wir als Gesellschaft unser Augenmerk und unsere Kreativität darauf richten. CarSharing zeigt den Tausch, den der Einzelne vornimmt: Er verliert den Eigentumsstatus über ein Auto und dessen jederzeitige Verfügbarkeit, er gewinnt Zeit&Geld, welches er nicht für die Anschaffung eines Autos einsetzen muss. Derzeit müssen CarSharing-Nutzer intensiver planen und die Nutzung eines Autos anmelden. Aber wie sähe unsere Mobilität aus, wenn CarSharing ein allgemein genutztes Prinzip wäre. Wenn Autos an jeder Ecke stünden, die man mietet statt sie zuvor kaufen zu müssen? Könnte man dann nicht Bequemlichkeit und Ressourceneinsparungen zu einer Win-Win-Situation verknüpfen?

Wohin wollen wir?
Autos stehen auch heute schon an jeder Straßenecke. Und man könnte meinen: Das muss so sein! Weltweit sind alle Volkswirtschaften auf ein Hauptziel ausgerichtet: Wachstum. Es wird nicht hinterfragt. »Mehr Wirtschaftswachstum« ist (in)offizielle Agenda jeder Regierung der Welt. Um das zu erreichen ist es wichtig, so viele Produkte wie möglich herzustellen und zu verkaufen. Im Sinne der Steigerung des Bruttoinlandsproduktes ist Mehr immer besser. Natürlich verträgt sich das schlecht mit der Idee einer »kollektiven Suffizienz«. Je mehr Menschen sich »genügen« würden, umso schwieriger wäre es, das Ziel des ewigen Wachstums aufrecht zu erhalten. Suffizienz und Wachstumsideologie passen also nicht zusammen.

Doch vielleicht ist die Zielsetzung des ewigen Wirtschaftswachstums auch nicht unbedingt die sinnvollste. Auch wenn die große Politik und die Medien diese Zielsetzung unhinterfragt wiederkäuen: In einer demokratischen Gesellschaft ist es nötig, daß über Ziele diskutiert wird! Worauf wollen wir unsere Wirtschaft eigentlich ausrichten? Welchem Ziel soll unser Wirtschaften dienen? Wofür wollen wir unsere Lebenszeit »opfern«? Einfach nur für »mehr«? Was fehlt uns denn eigentlich noch?

«Was will ich wirklich wirklich?«
(Fridtjof Bergmann)

Dass wir die Wahl haben, dass wir bestimmen könnten, in welche Richtung wir unsere gesellschaftliche Entwicklung ausrichten wollen, wird leider in der Öffentlichkeit viel zu selten thematisiert. Doch es ist so! Wirtschaftswachstum ist längst nicht das einzige Ziel, das sich eine Gesellschaft setzen kann. In den 1980er Jahren hat das Königreich Buthan seinem Wirtschaftssystem eine andere Zielsetzung verpasst: Dort will man das Bruttonationalglück steigern (Gross National Happiness), nicht das Bruttoinlandsprodukt. Wirtschaft soll also nicht auf möglichst großen Output optimiert werden, sondern die Rahmenbedingungen sollen so gesetzt werden, dass die Bewohner Buthans möglichst glücklich werden. Solch eine Zielsetzung scheint ungewohnt für jene, die Wirtschaftswachstum als einziges Kriterium kennen. Die Idee des Bruttonationalglücks zeigt jedoch eins: Wirtschaft könnte auch ganz anderen Zielen dienen! Doch welche Ziele wollen wir?

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Ausgehend von »Peak Oil« könnte eine Zielsetzung lauten: Energieeffizienz steigern! Dasselbe produzieren bei halbem Energieeinsatz - wäre das nicht eine Herausforderung für das gesamte Ingenieurwesen? (Wobei der Rebound-Effekt zu beachten sei, denn leider führt eine höhere Energieeffizienz selten zu echten Einsparungen, vielmehr wird - durch Preis-Effekte - das Eingesparte anderswo durch Mehrverbrauch wieder verpulvert. Ein klassisches Dilemma.)

Die Zielsetzung könnte auch lauten: Zeiteffizienz steigern! Dasselbe produzieren bei Halbierung der Arbeitszeiten der Bevölkerung. Was wäre das für eine Welt, wenn sich unsere halbe Arbeitszeit in Freizeit wandeln würde? Und natürlich könnte das Ziel auch sein, nur noch die Hälfte zu produzieren aber trotzdem Ideen zu entwickeln, die uns die Halbierung nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung erscheinen lassen. Mehr Zeit für Kinder, Freunde und Familie. Mehr Sozialleben statt Arbeitsleben. Gesündere Umwelt mit weniger Verkehr und weniger Ressourcenverbrauch.
Doch es gäbe noch weitere Ziele, die denkbar sind und die mehr mit Genügsamkeit als mit ewigem Wachstum zu tun haben…

Die pessimistische Sicht auf Peak Oil sagt: Das kommt sowieso. Die Wahl der künftigen gesamtgesellschaftlichen Produktionsmenge ist keine, die wir treffen können - sie wird uns durch die Ölknappheit aufgezwungen. Unser ölabhängiger, auf Wachstum programmierter Lebensstil ist nicht nachhaltig und wird von Peak Oil hart getroffen. Die optimistische Sicht interessiert das alles nicht, sie sagt: Weiter geht’s und weiter wird es gehen! Doch abseits davon liegt die persönliche Entscheidung für den Lebensstil natürlich in der Hand eines jeden von uns. Und gipfelt in der Frage an uns selbst: Wie viel ist mir genug?

Norbert Rost

Links

»Das suffizenzorientierte Leben des Individuums«, eine Hausarbeit von 13 Seiten
»Das Problem mit dem Rebound«: Warum das Sparen an der einen Ecke die Verschwendung an einer anderen nach sich ziehen kann
»Die Energiekatastrophe« ist ein Beitrag im berlinradler Blog mit dem folgenschweren Satz »Was will man 2050 verbrennen, um immer noch 50% des heutigen CO2-Ausstoßes zu erreichen?»
»Die 1,5 Kilowatt-Gesellschaft« - Vision und Aufforderung von Hans-Peter Dürr
»Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar« - »Energiewende zwischen infantilen Phantasien und Ernüchterung»
nachhaltigbeobachtet.ch: »Optionen für den Übergang in eine post-fossile Zivilisation»
»Wie wollen wir leben?« fragt SPIEGEL ONLINE angesichts dessen, daß uns die Arbeit auszugehen scheint
Menschen, die Inspirationen für ein weitergehendes gesellschaftliches Ziel suchen, sollten sich Utopien wie dieser zuwenden: »Die Vision der globalen Dörfer»
»Jahrhundert der Bescheidenheit«: Ein Interview mit Kurt Biedenkopf
»Décroissance« - Wachstumsverweigerer - eine Bewegung aus Frankreich (Definitionsversuch in der anarchopedia)
autofrei.de - Es geht auch ohne!?

Norbert Rost
www.peak-oil.com

Bildquelle:
Kurt Michel, Pixelio.de
www.peak-oil.com
www.regionales-wirtschaften.de

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Sparend in die Krisehttp://www.fuereinebesserewelt.info/sparend-in-die-krise/ http://www.fuereinebesserewelt.info/sparend-in-die-krise/#comments Mon, 20 Oct 2008 22:00:29 +0000 norbert http://www.fuereinebesserewelt.info/sparend-in-die-krise/ pixelio_gold_-gerhardwellmann.jpg
Mitten in der aufkeimenden weltweiten trommeln Banken und Versicherungen weiterhin, jeder solle möglichst zeitig mit der Altersvorsorge beginnen. Je zeitiger Geld bei diesen Institutionen deponiert wird, umso kräftiger wirkt der Zinseszins-Effekt, der eingezahltes Geld über die Zeit verdoppelt und verdreifachen kann. Aus individueller Sicht stimmt man diesen Rufern schnell zu. Doch besieht man sich die Sache aus gesellschaftlicher Sicht, so tritt Sonderbares zu Tage.

Nehmen wir an, Joseph wäre zur Geburt seines Sohnes Jesus dem Rat der Geldanlage gefolgt und hätte (der zeitübergreifenden Einfachheit halber) ein 1 Millimeter großes Kügelchen aus zu einem lächerlichen Zinssatz von 3,55% angelegt. »Die Macht der Zeit« hätte aus dieser Investition während 2000 Jahren eine zwiespältige generationenübergreifende Altersanlage gemacht: Es wäre daraus eine Goldkugel mit einem Durchmesser von 12.600 Kilometer erwachsen. (Berechnung siehe Wikipedia). 12.600 km: Das ist fast der Durchmesser unseres schönen Planeten.

Das klingt schön, zeigt aber…
Langfristig ist dieses Szenario unmöglich. Wirklich langfristig kann der Zinseszinseffekt nicht funktionieren, ohne Nebenwirkungen auszulösen.

Nebenwirkungen: Das ist in erster Linie der Untergang von Währungen, in denen diese Mechanismen wirken, die sich durch den Zinseszins-Mechanismus systembedingt in Hyperinflationen auflösen. Zusammen mit Schulden und Gespartem.

Das ist natürlich nicht das Thema der Altersvorsorge-Reklame. Die Versicherer versuchen, unserem Hang zur finanziellen Altersvorsorge mit umsetzbaren Vorschlägen zu dienen. Nur: Was ist, wenn sich Leute heute auf diese »Vorsorge« einlassen, um dann vielleicht in 30 Jahren nur noch wertloses
Papier vorzufinden? Unrealistisch?

Geldvermögen, welches sich verzinsen soll, setzt voraus, dass auf der anderen Seite Geldschulden existieren, die genau diese abwerfen. Die Bank (oder Versicherung) schuldet dem Einleger, sie verleiht weiter oder investiert weiter, aber deutlich wird: Die Höhe der Geldvermögen entspricht genau der Höhe der Geldschulden, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene - denn die Höhe der Geldvermögen und Geldschulden einer Gesellschaft ist nichts anderes als die Summe aller Geldvermögen und Schulden ihrer Individuen.

Wenn nun aber die Geldvermögen exponentiell durch Zins & Zinseszins wachsen sollen, so müssen es zwangsläufig auch die Geldschulden tun. Wohin nun aber im Lauf der Zeit mit all den (exponentiell wachsenden) Schulden? Wo neue Schuldner finden, die einerseits die Kredite aufnehmen, andererseits die Zinsen bedienen, die notwendig sind, um die versprochene Altersvorsorge aufzubauen?

Norbert Rost

Quelle:
Bildquelle: Gerhard Wellmann, Pixelio.de

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Nichts hält ewighttp://www.fuereinebesserewelt.info/nichts-halt-ewig/ http://www.fuereinebesserewelt.info/nichts-halt-ewig/#comments Wed, 09 Jul 2008 15:21:25 +0000 norbert http://www.fuereinebesserewelt.info/nichts-halt-ewig/ pixelio_oel_stephandietl.jpg

Nichts hält ewig. Nicht einmal Erdöl. Sein Ende ist absehbar.
Was den Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA) zu der Aussage bringt: »Ja, eines Tages wird es definitiv zu Ende sein! Und ich denke wir sollten das Öl verlassen, bevor das Öl uns verlässt.«

Dann sollten wir uns aber beeilen, denn der wichtigste materielle Rohstoff auf dem Planeten wird knapp und knapper. Die Vorräte reichen zwar noch einige Zeit, aber wir Menschen haben Schwierigkeiten, die Fördergeschwindigkeit im selben Tempo zu steigern, wie die Nachfrage nach dem schwarzen Saft steigt. Vielmehr ist der Zeitpunkt nah, der als Wendepunkt in die Geschichte der Menschheit eingehen wird: .

Peak bedeutet soviel wie „Spitze“. Peak Oil kennzeichnet den Höchstpunkt der Erdölförderung. Jedes Ölfeld beinhaltet nur begrenzt , welches am Anfang der Förderung relativ schnell förderbar ist. Je mehr aus einem Ölfeld abgepumpt wird, umso schwieriger wird es, an die „Reste“ zu kommen. Reste, die übrigens 40 bis 60% des tatsächlich vorhandenen Öls ausmachen können – denn soviel verbleibt bei den heutigen Fördertechniken im Boden und ist nicht herauszukriegen. Zeichnet man die Fördermenge eines Ölfeldes in ein Diagramm, ergibt sich eine Glockenkurve. Der Höhepunkt dieser Glockenkurve ist der „Peak“. Summiert man alle Ölfelder auf dem Planeten, so sieht die Gesamtglockenkurve ganz ähnlich aus. Und damit beginnt unser Problem.…

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Grafik: peak-oil.com

Manche gesellschaftlichen Veränderungen kommen aus Richtungen, aus denen man sie nicht erwartet. Der Druck in Richtung nachhaltiger Veränderungen in unserer Wirtschafts- und Lebensweise kommt nicht mehr nur von Menschen, die sich bewusst für eine andere, bessere Welt entscheiden, er kommt zunehmend auch über die Geldbörsen von Otto Normalverbraucher: Die steigenden Benzinpreise sind nicht nur Spekulationen geschuldet, sie sind der aufscheinenden Lücke zwischen Ölnachfrage und Ölangebot zuzuschreiben. Aufstrebende Schwellenländer wie China und Indien und aufholende Entwicklungsländer wollen ihren Lebensstil an jenen der Europäer und US-Amerikaner anpassen. Und alle heutigen Volkswirtschaften brauchen Erdöl. Nicht nur für Transport & Verkehr, sondern für eine Vielzahl von Produkten, an die man im ersten Moment gar nicht denkt: Düngemittel und Pflanzenschutzmittel, Plastik und Farben, Lacke und andere chemische Produkte basieren auf Erdöl. Wie würde unsere Welt wohl aussehen, wenn all diese Produkte verschwinden? Wie würden sich über 6 Millionen Besitzer von Ölheizungen allein in Deutschland im Winter wärmen? Wie würden wir Verkehr organisieren, wenn nur ein Bruchteil der Fahrzeuge mit anderen Treibstoffe klar kommt als mit Ölprodukten wie Benzin und Diesel?

„Peak Oil“ zwingt uns zum Umdenken.
Die steigenden Preise sind nur der Anfang. Sie sind das sichtbare Symbol einer Entwicklung, die wir in seinem vollen Ausmaß noch gar nicht begreifen. Öl und Ölprodukte werden für die Produktion und die Distribution (also die Verteilung) jedes Produkts und jeder Dienstleistung benötigt, denn wir müssen Produkte von A nach B schaffen, vom Produzenten zum Konsumenten. Und wir Leistungserbringer müssen unseren täglichen Weg an unseren Arbeitsplatz finden. Deshalb schlägt jede Preissteigerung bei der durch auf die Preise aller anderen Güter. Und jede Versorgungslücke beim Erdöl ruft unter dann eine Versorgungslücke bei anderen Gütern nach sich, wenn diese Öl als Rohstoff oder als Transportbrennstoff benötigen. Die heutige Wirtschaftswelt ist unvorstellbar ohne Öl. Die Frage steht: Wie muss unsere Welt umgestaltet werden, damit sie ohne Öl auskommt?

Diese Frage ist sowohl auf individueller Eben als auch auf gesellschaftlicher Ebene anzugehen. Es kann nicht schaden, wenn sich jeder Einzelne überlegt, was er anders machen würde, wenn Benzin plötzlich 4 oder 6 oder 10 Euro pro Liter kosten würde. Auch wenn wir von solchen Preisen noch weit entfernt scheinen, können Gedankenspiele nicht schaden. Bahn und Fahrrad fahren statt Auto? Haus isolieren? Regionale Produkte kaufen? Energiesparlampen statt Dauerbeleuchtung? Netzstecker ziehen statt Stand-By-Betrieb?

Auf gesellschaftlicher Ebene lassen sich umfassendere Prozesse anstoßen.
Nachdem Bio-Sprit als Sprengstoff für die Lebensmittelpreise identifiziert wurde, ist es fraglich, ob Benzin wirklich auf dem Acker wachsen sollte. Atomkraft geht nicht in den Tank, hinterlässt uns eine jahrtausendlang strahlende Zukunft, ist ein Sicherheitsrisiko und steuert auf einen „Peak Uran“ zu – den Höhepunkt der Uranförderung, der uns vor ähnliche Probleme stellen wird wie „Peak Oil“. Erneuerbare Energien sind wohl die vielversprechendste Zukunft, aber sie brauchen enormen technischen Fortschritt, um dieselbe Versorgungsdichte zu erreichen, wie es bislang mit fossilen Energieträgern möglich war. Gesellschaftliche Anreize für und Ausbau dieses Industriezweiges wären sinnvoll, doch diese geschehen nur durch politischen Willen – den wir als Demokraten jederzeit äußern können: Bei Wahlen, in Leserbriefen und Diskussionen sowie im persönlichen Gespräch mit Politikern, Lobbyisten und Unternehmern.

Wohin die gesellschaftliche Reise gehen soll steht noch nicht fest. Denkbar wäre, die Wirtschaft mehr in Richtung regionaler Wirtschaftskreisläufe zu orientieren. Kurze Transportwege verringern den Kraftstoffbedarf. Kurze Transportwege erlauben auch eine größere Einflussnahme durch den Verbraucher und mehr Einblick in die Arbeits- und Produktionsbedingungen der Unternehmen. Regionales Wirtschaften kann die Abhängigkeit von weit entfernten Entwicklungen reduzieren. Dazu gehört auch die Abhängigkeit vom Erdöl.

Keine Frage: Wir müssen umdenken.
Das sollten wir hinsichtlich Umweltzerstörung, Klimawandel und Armut sowieso. „Peak Oil“ wird diesen Prozess beschleunigen, denn scheinbar reagieren wir Menschen wesentlich sensibler auf Einwirkungen auf unsere Brieftasche als wir auf Appelle, TV-Reportagen oder Zeitungsberichte reagieren.

Peak Oil ist sowohl eine Gefahr als auch eine Chance für unsere Gesellschaft. Die Gefahr ergibt sich beim blinden Vertrauen in das „immer weiter so“, dem ein plötzliches Erwachen gegenüberstehen könnte. Die Chancen ergeben sich dort, wo kreative Ideen auf eine nachhaltig orientierte Weltsicht treffen.

Verlassen wir das Öl, bevor es uns verlässt!

Norbert Rost


Quelle:

www.peak-oil.com
Bildquelle: Pixelio.de, Stephan Dietl

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