01 Mrz 2009

In welcher Welt wollen wir leben?

3 Kommentare Kurz & Knapp

pixelio_krise_gerdaltmann.jpgErle­ben wir der­zeit wirk­lich »nur« eine Wirt­schafts­krise? Geht es nur um den Erhalt des Mate­ri­el­len, um unsere Besitz­tü­mer, unsere Arbeits­plätze und unse­ren Wohl­stand? Oder han­delt es sich nicht viel­mehr um eine Krise, die viel grö­ßer ist - eine Krise der Zivi­li­sa­tio­nen oder noch genauer: eine Krise unse­rer mensch­li­chen Ideale? Sind wir bereit, diese Ideale unse­ren Ängs­ten zu opfern? Ängste die unser gesam­tes Leben bestim­men, in guten, - beson­ders aber in schlech­ten Zeiten?

Das Fens­ter der Geschichte, wel­ches seit eini­gen Mona­ten offen steht, ist ein kur­zer Augen­blick in der Welt­ge­schichte, der es uns ermög­licht umzu­schwen­ken, neue Prio­ri­tä­ten zu defi­nie­ren und zu bewei­sen, dass wir als Mensch­heit über­le­bens­fä­hig sind. Keine Zeit sich selbst zu bedau­ern, keine Zeit für Des­in­ter­esse, , Selbst­sucht oder Hab­gier. Wir kön­nen der Krise in Angst um unsere mate­ri­el­len Güter begeg­nen oder sie als Chance und letzte Auf­for­de­rung ver­ste­hen, ein neues Welt­ge­wis­sen und längst fäl­lige Prio­ri­tä­ten zu ent­wi­ckeln. Was wol­len wir? In wel­cher Welt möch­ten wir in Zukunft leben? Wir haben es in der Hand.Wer es bis jetzt noch nicht wahr­ha­ben will, der trägt wirk­lich ein dickes Fell und abso­lut blick­dichte Scheu­klap­pen: Die Geschichte hat es uns doch immer wie­der gezeigt was geschieht, wenn wir eine Gesell­schaft auf nichts als den Wunsch nach Macht und Gel­tung, nach eige­nen Vor­tei­len und dem schnö­dem Mam­mon aus­rich­ten. Kein Reich, mag es auch noch so groß und präch­tig gewe­sen sein, hatte so eine Chance zu über­le­ben, son­dern wurde statt­des­sen frü­her oder spä­ter nie­ders­ten mensch­li­chen Bestre­bun­gen geopfert.

Heute heißt es nicht sel­ten »Der Mensch war schon immer so und wird sich auch nicht ändern…« und »ich muss sehen wo ich bleibe…«, oder »das Leben ist end­lich und des­halb will ich so viel wie mög­lich für mich…« Doch die Wir­kun­gen die­ser Lebens­phi­lo­so­phien rei­chen wei­ter als wir uns vor­stel­len mögen und ver­gif­ten die Gesell­schaft nach und nach, zer­stö­ren den Gemein­schafts­geist und alle Soli­da­ri­tät - und sie zei­gen unse­ren Kin­dern eine trost­lose Welt, in der nur der zu über­le­ben und wei­ter­zu­kom­men scheint, der bereit ist, sich gegen alle ande­ren zu stellen.

Wie trost­los ist doch die Zukunft, wenn wir sie nur auf das redu­zie­ren was unse­ren per­sön­li­chen Wün­schen ent­springt. Wie trost­los und nich­tig, wenn wir beim Tanz um das gol­dene Kalb alles das ver­lie­ren, was uns doch letzt­lich das Wich­tigste war. Wir wol­len aner­kannt sein, und gemocht - viel­leicht sogar geliebt - wer­den. Wir wol­len, dass unser Leben zu etwas nutze war und ihm einen Sinn geben. Einen Sinn, den wir uns jedoch selbst ver­sa­gen. Dafür sind wir bereit uns selbst zu belü­gen, aber auch andere zu täu­schen und zu über­vor­tei­len. Wir schaf­fen uns aus Angst am Ende leer aus­zu­ge­hen genau die Welt die wir nie­mals woll­ten! Wir fei­ern die Hel­den in den Fil­men, in Roma­nen oder im All­tag. Men­schen die sich für uns ein­set­zen, die sich nicht anpas­sen und zu wil­len­lo­sen Rädern im gro­ßen Getriebe machen las­sen. Men­schen, die sogar bereit sind, per­sön­li­che Gefah­ren auf sich zu neh­men. Auf der Lein­wand fie­bern wir mit ihnen, den Super­hel­den, die tief aus unse­rem Inne­ren zu kom­men schei­nen und das tun, was wir viel­leicht selbst gern täten. Doch tun wir es selbst auch?

Wohin steu­ert das Schiff Mensch­heit?
Wir bekla­gen den Lauf der Welt und kla­gen an, bekla­gen unser Unglück und geben denen die Schuld, denen wir stets ver­trau­ten. Doch jetzt stel­len wir fest, das es zu ein­fach war, alle abzu­ge­ben und sich auf »die da oben« zu ver­las­sen. Wir erken­nen mehr und mehr die Struk­tu­ren und begin­nen zu ver­ste­hen, dass wir nicht mehr sind als eine knet­bare Masse in den Hän­den derer die unsere Ängste sogar noch wei­ter schü­ren. Doch ist es nicht unsere eigene Schuld, unser eige­nes Ver­ge­hen und das Resul­tat unse­rer eige­nen Inter­es­sen­lo­sig­keit? Wir könn­ten durch­aus bewegt auf das Leid in der Welt rea­gie­ren, doch wütend wer­den wir anschei­nend erst, wenn es an unsere eigene Sub­stanz geht.

Wohin steu­ert das Schiff der Mensch­heits­ge­schichte? Las­sen wir zu, dass es an den Klip­pen zer­schellt, die wir selbst geschaf­fen haben? Wie viele von unse­ren Idea­len haben wir der Resi­gna­tion und dem Zynis­mus geop­fert? Geben wir dem Sys­tem die Schuld oder ande­ren Men­schen? Suchen wir die Schuld für das Ver­sa­gen der Mensch­heit bei uns selbst? Und vor allem - was wol­len wir dage­gen tun?

Viel­leicht ist es not­wen­dig, nicht den gro­ßen Sprung zu wagen, son­dern zunächst ein­mal bei uns selbst zu begin­nen, zu schauen, was wir auf dem Weg ins Heute alles zurück­ge­las­sen und ver­lo­ren haben… Viel­leicht soll­ten wir uns auf unsere urei­ge­nen Wün­sche kon­zen­trie­ren. Wün­sche, die ehe­mals alle in uns steck­ten und irgendwo in uns noch immer auf unsere Beach­tung - und auf unsere Taten - war­ten. Wir sind nicht ledig­lich Opfer der Ent­wick­lun­gen, nicht nur Opfer der »Gro­ßen«, son­dern wir sind Hel­fers­hel­fer, ihre Unter­ta­nen und Mit­tä­ter. Mit dem Fin­ger auf andere zu zei­gen, das wäre die ein­fachste Art sich aus der Affaire zu zie­hen. Doch warum erwar­ten wir allen Erns­tes genau von ihnen eine Lösung? Warum erwar­ten wir, dass sie sich für unsere Belange ein­set­zen - wenn wir es selbst nicht tun?

Ist es eine ?
Ob man nun an einen Gott glaubt oder nicht, spielt auf den ers­ten Blick keine Rolle. Denn Mensch­lich­keit bedarf zunächst ein­mal kei­ner Reli­gion. Doch wenn wir uns selbst auf den Thron stel­len, uns für die Krone der Schöp­fung hal­ten und uns nie­mand ande­rem als unse­rem eige­nen Gewis­sen ver­ant­wort­lich füh­len, dann wird es eng. Denn was geschieht, wenn das Gewis­sen auf der Stre­cke bleibt, wenn wir bereit sind, für unsere mensch­li­chen Träume über andere Men­schen, über Tiere und Pflan­zen, über die Natur und unsere gesamte Welt hin­weg­zu­ge­hen? Wo ver­an­kern wir unsere Mensch­lich­keit, wenn wir sie zum Spiel­ball von per­sön­li­chen Inter­es­sen machen?

Man mag den Begriff der Sünde für alt­mo­disch, für reli­giös ver­quast oder ein­fach nur für uncool hal­ten. Doch wenn man ihn sich mal aus einer rein menschlichen/mitmenschlichen Per­spek­tive anschaut, dann fällt schnell auf, dass er ziem­lich genau die Schand­ta­ten benennt, die wir als Men­schen uns und unse­rer Umwelt antun:

Der
Gerade in die­sen Tagen, in Zei­ten der Krise, wären Soli­da­ri­tät und gegen­sei­tige Anteil­nahme so wich­tig. Nicht, um sich bes­ser zu füh­len, nein, son­dern um den Fra­gen die unsere Krise her­vor­ge­ru­fen haben wirk­lich auf den Grund zu gehen. Doch so wie schon vor­her stel­len sich man­che hin und behaup­ten mit Stolz geschwell­ter Brust die ein­zi­gen Lösun­gen zu ken­nen, die uns aus eben die­ser Krise her­aus hel­fen kön­nen. Es sind die­sel­ben Leute, die noch vor kur­zem das Gegen­teil behaup­te­ten. Poli­ti­ker, Wirt­schafts­fach­leute, Medi­en­ver­tre­ter, aber auch Stamm­tisch­red­ner die alles bes­ser wis­sen, die sich in stol­zer Eitel­keit gegen alle wen­den, die ihre Hypo­the­sen bezwei­feln. Sie mei­nen es nicht gut mit uns - auch wenn sie sich die­ses viel­leicht tat­säch­lich ein­re­den - son­dern ent­schei­den über unsere Köpfe hin­weg, und das mit einer Eitel­keit und Ruh­mes­sucht, die in ers­ter Linie nur ihnen per­sön­lich dient.

pixelio_suende_hochmut_gerd-altman.jpg
Geht es wirk­lich immer nur um uns selbst?

(Gerd Alt­man, Pixelio.de)

Wenn wir uns auf Men­schen ver­las­sen, die sich jetzt mit aller Ver­ächt­lich­keit für uns »dumme« Bür­ger hin­stel­len und sogar noch bewusst Red­lich­keit vor­täu­schen, nur um sich selbst zu gefal­len und ihr Pöst­chen zu behal­ten, dann wer­den wir am Ende ver­las­sen sein. Kei­ner von ihnen wird sich hin­ter­her der Ver­ant­wor­tung stel­len. Und aus­ba­den wer­den es unsere Kin­der, unsere Enkel­kin­der und deren Kin­der. Wir haben die Böcke zu Gärt­nern gemacht und wun­dern uns, dass sie das Feld leer gefres­sen haben. Wir haben ihre Hoch­mut für Kom­pe­tenz gehal­ten. Doch jetzt mer­ken wir, dass sie viel­leicht bes­sere Rhe­to­ri­ker sind, aber auch nur mit Was­ser kochen. Ihre Hoch­mut gilt es zu erken­nen, zu ent­lar­ven und aus­zu­brem­sen, denn mit die­ser wer­den sie uns nicht ret­ten, son­dern nur noch wei­ter ins Chaos führen.

Der
Jah­re­lang, nein Jahr­zehnte lang, haben wir vom Wohl­stand gespro­chen, haben den Wachs­tum über alles gestellt. Wir haben gelernt, das Geiz geil ist und das wir in einer Welt leben, in der es gilt, dem ande­ren zu über­trump­fen und aus­zu­boo­ten. Wir haben uns ein Sys­tem aus Hier­ar­chien geschaf­fen, in denen nicht die­je­ni­gen die red­lich und ehr­lich sind auf­stei­gen, son­dern die Trick­ser, Illu­sio­nis­ten und Taschen­spie­ler. Doch wir haben nicht auf­ge­schrien, als die Bil­der aus aller Welt mit den Fol­gen unse­rer Hab­gier zu uns in die Wohn­zim­mer dran­gen. Wir haben nicht um die Hun­der­tau­sende und Mil­lio­nen geweint die auf der Stre­cke blie­ben, die Opfer unse­rer Kriege und Spe­ku­la­tio­nen wur­den. Der Geiz war wich­ti­ger und hat es sogar geschafft, unsere Her­zen vor denen zu ver­schlie­ßen, die die Ver­lie­rer inner­halb des Sys­tems waren. Oft waren es genau die Men­schen die sich nicht anpas­sen woll­ten, die stand­haft blie­ben und nicht kor­rum­pier­bar waren und des­halb im sozia­len Abseits lan­de­ten. Sie waren nicht unsere Hel­den, son­dern wur­den zu den Under­dogs, den Geäch­te­ten und Sozi­al­schma­rot­zern - ganz gleich, ob gleich­zei­tig der Geiz in den Kon­zern­zen­tra­len Kriege und Kri­sen für die eige­nen Pro­fit­ma­xi­mie­rung beschlossen.

pixelio_suende_geiz_balzermatthias.jpg

Wie wol­len wir behan­delt wer­den, wenn wir am schwächs­ten sind?
(Bild: Bal­zer Mat­thias, Pixelio.de)

Die Hab­sucht hat das Herz der Gesell­schaft ver­här­tet und uns der Fähig­keit beraubt, uns in andere Men­schen hin­ein zu ver­set­zen. Bei allem was wir tun, geht es stets nur um die Frage: »Was habe ich davon? Wo ist mein Vor­teil? Wo bleibe ich?« Wir erken­nen weder die Ver­ant­wor­tung gegen­über ande­ren, noch emp­fin­den wir etwas bei dem Anblick ihres Lei­des. Wir stel­len uns nicht auf die Straße oder bom­bar­die­ren unsere Poli­ti­ker mit der For­de­rung erst dann an das große Sys­tem zu den­ken, wenn wir uns um die­je­ni­gen geküm­mert haben, die schon längst durch seine Maschen gefal­len sind. Wel­che Gnade wol­len wir in der Krise erwar­ten, wenn wir kei­ner­lei Gnade für andere zeigen?

Der ein­zige Weg die Gesell­schaft nicht dem Chaos preis zuge­ben, wird das neue Erler­nen des Mit­ge­fühls und der Empa­thie sein. Denn wenn wir diese in uns nicht wie­der wecken und zum Grund­prin­zip unse­res Mit­ein­an­ders machen, wer­den wir irgend­wann selbst zum Opfer des Gei­zes wer­den. Ohne Mit­ge­fühl zer­bricht alles was uns wich­tig ist und wir über­ge­ben uns schutz­los den Wir­ren der Zeit. Kein Mensch, auch nicht der ärmste Schlu­cker ist nied­ri­ger als der Höchst­ge­stellte unter uns. Wenn wir das nicht rea­li­sie­ren, wer­den wir uns frü­her oder spä­ter in einem sinn­lo­sen Ver­tei­lungs­kampf zerreiben.

pixelio_suende_geiz_carola-langer.jpg
Wie lange über­lebt eine Gesell­schaft ohne Mit­leid?
(Bild: Carola Lan­ger, Pixelio.de)

Die Wol­lust
Es gibt heute fast kei­nen Bereich der Gesell­schaft mehr, die nicht sexua­li­siert wäre. Natür­lich, Sex ist etwas Schö­nes und sollte kei­nes­falls ver­teu­felt wer­den, doch als Gesell­schaft haben wir längst eine Grenze über­schrit­ten, die das Beson­dere, das Ein­zig­ar­tige und die Magie der Liebe noch ach­tete. Kaum eine Wer­bung, die nicht mit Sex ope­riert. Kaum eine Publi­kums­zeit­schrift, die nicht ent­we­der eine nackte/fast nackte Frau prä­sen­tiert oder aber Tipps gibt, wie man noch »sexier« und noch begeh­rens­wer­ter wird. Sel­ten nur ist hier von inne­ren Wer­ten die Rede.

pixelio_suende_wolllust_jerzy.jpg
Gibt uns die Sexua­li­tät die Fähig­keit zu lie­ben zurück?
(Bild: Jerzy, Pixelio.de)

Zehn­jäh­rige schauen sich Por­nos an und wis­sen gar nicht, das Sexua­li­tät auch mit Liebe zu tun haben kann. Sex ist zur Ware ver­kom­men, eine Ware die wir bie­ten oder selbst kau­fen. Dabei steht sie für die Liebe und Zun­ei­ni­gung nach der sich jeder von uns sehnt. Warum las­sen wir zu, dass junge Frauen alles daran set­zen, äußer­lich attrak­tiv zu sein, anstatt sich das eigene Innen­le­ben näher anzu­schauen? Wir las­sen sie lie­ber auf Model­masse abma­gern als ihnen zu erklä­ren, dass die Fixie­rung auf ein per­fek­tes Äuße­res ledig­lich dem Absatz von Pro­duk­ten dient und mehr Unglück als Glück brin­gen wird. Sind uns unsere Kin­der wirk­lich so unwich­tig, dass wir ihnen nichts Bes­se­res anbie­ten kön­nen als zu Skla­ven der Schön­heits­in­dus­trie zu wer­den und ihnen oben­drein noch die Ein­zig­ar­tig­keit der Liebe vorenthalten?

Der
Wir leben im 21. Jahr­hun­dert und schei­nen noch immer nichts dazu gelernt zu haben. Wir ver­hal­ten uns wie Wahn­sin­nige, die keine Gren­zen ken­nen, wenn es darum geht, eigene Inter­es­sen umzu­set­zen. Wir set­zen uns etwas in den Kopf und dul­den kei­nen Wider­spruch, keine Gegen­wehr. Wenn diese doch kommt, dann sind wir bereit, uns mit aller Kraft zu weh­ren. Wir zie­hen es vor zu mor­den (oder mor­den zu las­sen), nur weil wir wirt­schaft­li­che Vor­teile davon haben oder einer ande­ren Gruppe unsere Art zu den­ken auf­zwin­gen wol­len. Wir sind wütend, wol­len Ver­gel­tung und Rache, wenn es anders läuft als gewünscht. Wir nen­nen die Ärms­ten und Unter­drück­ten die­ser Welt Ter­ro­ris­ten und ver­su­chen ihrer hab­haft zu wer­den, anstatt uns zu fra­gen, wel­che Not sie dahin treibt das zu tun, was gewiss nicht ihr Her­zens­wunsch ist. Lie­ber legen wir ihre Län­der in Schutt und Asche, anstatt uns die Ursa­chen anzuschauen.

Wir sind wütend auf die Geknech­te­ten die­ser Welt und haben Angst vor ihnen. Kein Gedanke daran, dass unsere Gier eine Ursa­che für den Zustand ist. Wir haben Jahr­hun­derte andere Län­der über­fal­len, Men­schen ver­sklavt, ihre Boden­schätze geraubt, sie auf­ein­an­der gehetzt, sie kolo­nia­li­siert, sie in unsere Abhän­gig­keit gezwun­gen und ihnen das Leben zur Hölle gemacht. Wir haben irgendwo auf der Welt Kin­der unsere Klei­dung knüp­fen las­sen, nur damit wir sie ein paar Cent güns­ti­ger kau­fen kön­nen. Doch anstatt unsere Han­deln zu hin­ter­fra­gen, haben wir nur Angst, Wut und Zorn für sie übrig.

pixelio_suende_zorn_joakant.jpg
Brin­gen unsere Kriege zu Erde, Was­ser und Luft wirk­lich Frie­den?
(Bild: joa­kant, Pixelio.de)

Doch nicht nur in den Bezie­hun­gen zu ande­ren Kul­tu­ren regiert die Gewalt. Auch in unsere eigene Welt haben Ver­gel­tung und Rach­sucht Ein­zug gehal­ten. Wir haben zuge­las­sen, dass Keile in unsere Gesell­schaft getrie­ben wur­den, die sie nun zu zer­stö­ren dro­hen. Es gibt Zorn zwi­schen Mann und Frau, Jung und Alt, Besit­zen­den und Habe­nicht­sen, zwi­schen Reli­gio­nen, zwi­schen Unter­neh­men, zwi­schen Ideo­lo­gien und Mei­nun­gen - der Zorn und die Ver­ach­tung sind stär­ker als der Zusam­men­halt. Gewalt durch­dringt unser Leben, durch­zieht alle Berei­che unse­res Daseins und ist längst fes­ter Bestand­teil unse­rer Medienwirklichkeiten.

pixelio_suende_zorn_rs.jpg
Wel­che Welt wol­len wir unse­ren Kin­dern über­ge­ben?
(Bild: RS, Pixelio.de)

Wie sol­len unsere Kin­der ler­nen, dass es noch andere Wege gibt, um Pro­bleme zu lösen, wenn wir es ihnen nicht vor­le­ben? Und sind wir wirk­lich bereit, nur für unse­ren Zorn ihre Zukunft aufs Spiel zu set­zen?  Wir reden schlecht über andere, sind wütend wegen Klei­nig­kei­ten und las­sen uns gehen. Tat­säch­lich, wir sind schlechte Vor­bil­der, doch in uns schlum­mert noch immer etwas von dem Ideal, von jenem Arche­ty­pus, dem inne­ren Hel­den, der uns gemahnt, unser Leben nicht für unse­ren Eigen­sinn weg­zu­wer­fen und unsere Ängste dem Zorn Preis zu geben. Es gilt die zu brem­sen, die die Gewalt ver­herr­li­chen oder als Lösung für poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che und gesell­schaft­li­che Pro­bleme zu favo­ri­sie­ren. Gewalt hat noch kein Pro­blem lang­fris­tig gelöst.

Die
Unser gesam­tes, von Kon­sum gepräg­tes Leben basiert auf dem Prin­zip der Maß­lo­sig­keit. Wir kau­fen und ver­kau­fen, scha­chern und wett­ei­fern um Güter, um Pro­dukte und Mar­ken - und neh­men uns auch noch wich­tig dabei. Wir haben kein schlech­tes Gewis­sen stän­dig Neues zu wol­len, mehr als wir brau­chen und mehr als uns satt macht. Wir wol­len das Leben fei­ern und zu einer ein­zi­gen Party machen - bis wir begrei­fen, dass unsere Gefrä­ßig­keit nicht nur die Welt ins Unglück stürzt, son­dern auch unser eige­nes Leben.

pixelio_suende_masslosigkeit_johannesvortmann.jpg
Glau­ben wir wirk­lich, das wir Glück kau­fen kön­nen?
(Bild: johan­nes vort­mann, Pixelio.de)

Wir haben auf Kos­ten der Welt gelebt und konn­ten den Hals nicht voll genug bekom­men. Beim Schluss­ver­kauf haben wir uns wie toll­wü­tige Tiere auf die Waren gestürzt, gezankt, geknufft, gestrit­ten - nur um unsere Son­der­an­ge­bote zu ergat­tern. Wir sehen den hun­gern­den Men­schen am ande­ren Ende der Welt zu, wäh­rend wir genuss­voll in die Chips-Tüte grei­fen. Wir neh­men uns mehr (weit mehr) von allem als wir brau­chen. Man muss gar nicht in die USA schauen, um zu sehen, was geschieht, wenn man über seine Ver­hält­nisse lebt. Wir sind auch nicht bes­ser. Denn bei allem Kon­sum war es uns ziem­lich egal, dass es Men­schen unter uns gibt, die kaum etwas zu Bei­ßen auf den Tisch bekom­men. Die Krise ist eine Ant­wort auf unsere Unmä­ßig­keit, nur das andere schon lange in dem von uns gemach­ten Elend leben müs­sen, wäh­rend wir nur Angst um uns selbst haben. In wel­cher Welt wol­len wir leben? In einer Welt, in der die einen bis zum Hals gestopft sind und andere gleich­zei­tig in Armut zugrunde gehen? Glau­ben wir wirk­lich, dass so eine Welt über­le­ben wird?

Der
Unsere Gesell­schaft lebt nach einer mate­ri­el­len Phi­lo­so­phie, eine Phi­lo­so­phie die die­je­ni­gen hoch ach­tet, die mehr haben und die­je­ni­gen ver­ach­tet, die wenig oder nichts besit­zen. Ange­trie­ben durch die Angst nicht genug ab zu bekom­men, sind wir bereit, die­ses Sys­tem am Leben zu erhal­ten und zu unse­rem Vor­teil zu nut­zen. Doch wehe, der Nächste hat mehr als wir oder scheint auch nur bes­ser weg zu kom­men. Dann ist es vor­bei mit Igno­ranz und Inter­es­sen­lo­sig­keit, denn dann bekommt der Neid Ober­hand. Wir fra­gen nicht nach, ob die Dinge mit denen wir umge­ben wirk­lich wich­tig für uns sind. Wir wol­len sie besit­zen, das reicht. Doch haben wir sie erst, so sind wir schon aufs Neue unzu­frie­den und wol­len mehr, und noch mehr und immer mehr.

pixelio_suende_neid_gerdaltmann.jpg
Was brin­gen uns unsere klein­li­chen Strei­te­reien wirk­lich?
(Bild: Gerd Altmann(geralt)/mosh(shapes))

Unser Wirt­schafts­prin­zip funk­tio­niert nur so lange es an unsere Gier, unse­ren Gel­tungs­drang und an unse­ren Neid appel­liert. Die Wer­bung sagt uns, dass wir nichts wert seien, das unser Leben schlech­ter sei oder wir zu Outs­idern wer­den, wenn wir das eine oder andere Pro­dukt nicht kau­fen. Und wir glau­ben die­sen Unsinn, fal­len auf die Sug­ges­tion rein und rich­ten uns nach Moden, nach gemach­ten Sta­tus­sym­bo­len und Schein­wel­ten, in denen wir wer sind - doch nur für einen Moment. Denn sobald der erste Hun­ger gestillt ist, wird uns neuer gemacht und so läuft es immer weiter.

Es geht nicht darum, ob ein Mensch viel besitzt oder nicht, ob er gewisse Mar­ken trägt, beson­dere Pro­dukte kauft oder diese ein­fach nur hor­tet, um damit anzu­ge­ben. Kein Mensch ist bes­ser, nur weil er mehr hat. Viel wich­ti­ger ist, was er aus sei­nem Leben macht und ob er es schafft, andere Men­schen glück­lich zu machen und ihnen eine Hilfe zu sein. Wenn wir uns von unse­rem Neid auf Besitz davon ablen­ken las­sen und sprich­wört­lich über Lei­chen gehen, dann wird uns am Ende nichts nach­blei­ben, außer dem Gefühl der eige­nen Unzu­läng­lich­keit. Wenn wir uns von unse­rem Kon­sum­zwang befreien und den Wert ande­rer Men­schen, wie unse­ren eige­nen auch, daran mes­sen, wie red­lich er sich in der Gesell­schaft ver­hält, dann hat der Neid als Antriebs­mo­tor kaum eine Chance. Wenn alle das wol­len was andere haben - ob im Klei­nen oder im Gro­ßen - so wird am Ende für nie­man­den etwas übrig bleiben.

Die Träg­keit
Jeder der genann­ten Punkte ist geeig­net, unser Leben und das der ande­ren zur Hölle zu machen. Und sie sind zusam­men genom­men die Ursa­che für die Krise, in der wir uns befin­den - die wir der­zei­tig nur als Wirt­schafts­krise ver­ste­hen, obwohl sie viel­mehr eine spi­ri­tu­elle Krise, eine Krise des Gesell­schafts­geis­tes ist. Doch was tun wir? Wir recken die Hälse wenn es um uns geht und sehen weg, wenn wir mit der Not ande­rer kon­fron­tiert wer­den. Wir sind faul, feige und igno­rant, wenn es um unsere Umwelt geht. Wie kön­nen wir uns dar­über wun­dern, dass die Krise uns nun zu fres­sen droht?

pixelio_suende_traegheit_estherthomae.jpg
Wann rich­ten wir end­lich unse­ren Blick auf das Wesent­li­che?
(Bild: esther tho­mae, Pixelio.de)

Wir schauen uns die Talk­shows an und schimp­fen mit. Wir lesen in der Zei­tung von neuen sozia­len Unge­rech­tig­kei­ten und jam­mern um unsere eigene Zukunft. Doch wenn es um die Gemein­schaft geht, sind wir träge und erbar­mungs­los. »Sol­len doch die ande­ren sel­ber sehen, wie sie klar kom­men!« oder »Die ande­ren sind doch selbst schuld, wenn es sie trifft…«, sehr viel mehr fällt uns nicht ein. Der am nächs­ten lie­gende Gedanke kommt uns dabei nur sel­ten: Wenn jeder sich nur um seine eigene Dinge küm­mert, dann wird er am Ende alleine da ste­hen. Unsere und Inter­es­sen­lo­sig­keit droht uns zum Ver­häng­nis zu wer­den, nicht sofort und auf einen Schlag, son­dern ganz lang­sam. Diese Igno­ranz zeigt am bes­ten, dass wir weder die Dimen­sion der Krise ver­ste­hen wol­len, noch bereit sind aus ihr wirk­lich zu ler­nen. Dabei ist genau jetzt die Gele­gen­heit - und viel­leicht letzte Chance - dazu.

In wel­cher Welt wol­len wir leben?
Natür­lich gibt es Men­schen die ganz anders sind und die alles tun, um den Frie­den der Gesell­schaft zu stär­ken und sich für andere Men­schen, für die Umwelt, für Tier- und Pflan­zen­welt ein­zu­set­zen. Doch es müs­sen mehr wer­den. Es muss zur »Mode« wer­den, Gutes zu tun und für den ande­ren da zu sein. Solange wir die­sen Wunsch unter dem Begriff Gut­men­schen­tum abtun, tre­ten wir auf der Stelle. Denn einen ande­ren Weg als die »Hei­lung« unse­rer Gesell­schaft gibt es nicht.

Nie­mand ist per­fekt und es gibt wohl kei­nen, der auf dem Weg in die Krise keine Feh­ler gemacht hätte. Doch wer jetzt noch zögert und noch immer vol­ler Hoch­mut auf Geiz, Genus­sucht, Gewalt, Ver­schwen­dung, Neid und Igno­ranz setzt, wird keine andere Welt for­dern kön­nen als jene, die ihm genau das zu bie­ten hat. In wel­cher Welt wol­len wir leben? Jeder ein­zelne von hat einen inne­ren Traum und die­ser hat nichts mit den mate­ri­el­len Din­gen die­ser Welt zu tun, son­dern ent­springt dem tief im Her­zen ver­bor­ge­nen Wunsch nach Frie­den, Liebe und Gemein­schaft. Wer diese Wün­sche lächer­lich macht, sie sogar bekämpft oder die dar­aus resul­tie­ren­den Ängste der Men­schen für seine Zwe­cke nutzt, gefähr­det das Gemein­wohl und letzt­lich unsere Zivi­li­sa­tion als Gan­zes. Ohne eine Besin­nung auf diese inne­ren Wün­sche geben wir jenen Men­schen die Welt Preis, die uns nichts Bes­se­res als wei­tere Krieg, Hass und Ego­is­mus als Lösung bie­ten wer­den. Egal was sie uns erzäh­len - an ihren Taten kön­nen wir sie erkennen.

In wel­cher Welt wol­len wir leben?
Es lohnt sich, dar­über ein­mal etwas län­ger nachzudenken.

Tags:, , , , , , , , , , ,
Geschrieben von
Als kleiner Junge lief ich immer mit einem Bleistift in der Hand herum und fragte die Menschen in meiner Umgebung Löcher in den Bauch. Denn genauso stellte ich mir einen Reporter vor: wie einen Detektiv mit Schreibblock... Auch heute noch versuche ich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzutreten – so wie meine Helden von damals. Und das Projekt „Für eine bessere Welt“ ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
Ähnliche Artikel

3 Antworten to “In welcher Welt wollen wir leben?”

  1. AntwortenLucy in the Sky says:

    Hallo Alle,

    in Theo­rie ist alles so ein­fach. Aber in der Pra­xis. Vor­bil­der sind weg. Der gute Wille fehlt. Die meis­ten haben ein­fach nur Angst. Sie haben nicht gelernt, mit Kri­sen umzu­ge­hen. Wol­len nicht wahr­ha­ben, dass die fet­ten Jahre vor­bei sind. Wer macht Mut? Wer ist ehr­lich? Wir brau­chen neue Vorbilder!

    Lucy

  2. AntwortenSilvanus says:

    Falls es einen Gott gibt, hat er sich sicher­lich sei­ner Krea­tur mit­ge­teilt.
    Ich denke ein­mal in sei­ner per­fek­ten Schöp­fung mit per­fek­ten Natur­GE­SET­ZEN und Schön­heit.
    In wel­cher Mit­tei­lung Got­tes finde ich die Schön­heit, Liebe und Wahr­heit des Kre­ie­rers denn wie­der?
    Wel­chen Ein­druck hin­ter­lie­ßen die Män­ner, die angeb­lich im Auf­trag des Schöp­fers kamen/lebten?
    An den Früch­ten wer­det ihr sie erken­nen!
    Du darfst nicht Reli­gion und Kir­che mit einer ech­ten per­sön­li­chen Bezie­hung zum Schöp­fer ver­wir­ren, so wie das macht­gie­r­eige und vom Bösen fehl­ge­lei­tete mäch­tige Insti­tu­tio­nen (Chris­ten­tum: RKK u.a. Sek­ten / Islam: Staats­ge­bilde) tun. Die RKK tat übri­gens alles dafür, um die Bibel unver­ständ­lich in Latein zu hal­ten und echte Nach­fol­ger Jesu, die Bibeln besa­ßen wur­den ver­folgt und ver­brannt.
    Ich sehe Yeshua (Jesus) als Vor­bild. Er hat nie­mals gesün­digt und wurde trotz­dem getö­tet,
    weil er die »Tod­sünde« beging, sich Gott zu nen­nen. Selbst in sei­nen grau­sa­men Todes­qua­len betete er für seine Mör­der.
    Was wir tun müs­sen ist zu ihm zu gehen, uns ihm zuwen­den und in sei­nem Namen Gott den Vater um Ver­ge­bung für alles zu bit­ten. Diese wun­der­bare Erleich­te­rung ist total spür­bar und du machst die Augen auf und alles ist tat­säch­lich hel­ler gewor­den. Wah­rer Friede und Liebe war­ten bei ihm! Nimm es an, jetzt, es ist nicht mehr viel Zeit!

  3. AntwortenName says:

    marek, vie­len dank für die­sen text. sprichst mir sehr aus der seele. wir sind es doch, die unsere welt machen, wir men­schen. mit allen unse­ren hand­lun­gen. wir müs­sen uns doch ein biss­chen umein­an­der küm­mern!
    trotz­dem werd ich oft über­rannt von mei­ner klei­nen angst um mich und meine zukunft und mein leben.

Einen Kommentar schreiben