10 Feb 2011

Seid umschlungen Milliarden - falsches Spiel um Hartz IV

1 Kommentar Wirtschaft & Finanzen

Wie lange hat es gedau­ert, bis man die Mil­li­ar­den für die Ban­ken­ret­tung zusam­men und bewil­ligt hatte? Eine Woche? Wie lange jedoch braucht man nun schon schon, um sich in Sachen Hartz IV zu eini­gen - ein Jahr? Und am Ende schafft man noch nicht mal das. Da stimmt doch was nicht. Da ist doch irgendwo der Wurm drin. Wenn jemand ertrinkt, dann springt man und dis­ku­tiert nicht lange herum, oder? Jetzt sind die Ver­hand­lun­gen zwi­schen der Regie­rung und der SPD geplatzt und jeder gibt dem ande­ren die Schuld. Man habe ja nur das Beste gewollt. Pus­te­ku­chen… wer es glaubt wird see­lig. Nun soll es der Bun­des­rat rich­ten, not­falls mit gekauf­ten Stim­men. Und wenn das nicht klappt, was dann?

Genau so bringt man Men­schen gegen sich auf und ver­schlech­tert das ohne­hin schon ange­schla­gene Image der und ihrer Par­teien. Denn was soll ein denn den­ken, wenn er so an der Nase herum geführt wird? Er hat es ja ohne­hin schon schwer, denn unsere Gesell­schaft ist so erzo­gen, dass die meis­ten von denen die (noch) einen Job besit­zen und Ein­künfte bezie­hen eher ungnä­dig auf die Emp­fän­ger von Trans­fer­leis­tun­gen her­un­ter schauen. Das Vor­ur­teil, dass wer keine Arbeit habe, selbst daran schuld sei, ist bereits das Ergeb­nis einer mäch­ti­gen PR-Kampagne der Poli­tik. Denn diese kann ja schlecht zuge­ben, dass ihr die Arbeit­neh­mer die letz­ten Jahre so ziem­lich egal waren (mal abge­se­hen von deren Stim­men). Sie kön­nen nur schwer­lich ein­ge­ste­hen, dass sie aus­schließ­lich nach der Pfeife der Wirt­schaft tan­zen, und es unter­las­sen haben, eine anstän­dige Arbeits­markt­po­li­tik zu betrei­ben. Sie wür­den ihr Gesicht ver­lie­ren, wenn sie zugä­ben, dass sie den Laden her­un­ter gewirt­schaf­tet haben, oder zumin­dest andere nicht daran gehindert.

Alles das wol­len sie natür­lich nicht, son­dern ver­brei­ten lie­ber über die Medien das Bild vom fau­len Sozi­al­schma­rot­zer, der nun mal gar keine Arbeit will. Die Mil­lio­nen ande­ren die hän­de­rin­gend suchen, wer­den so aus dem Licht der Öffent­lich­keit geschoben.

Den geht es an den Kra­gen
Und mit der Agenda 2010 - in deren Genuss unsere Gesell­schaft ja nun gekom­men ist - wurde die­ses Pri­mat der Wirt­schaft (»Sozial ist, wer Arbeit schafft!«) nun in Beton gegos­sen. Sei­dem damals die rot-grüne Regie­rung vor den Wirt­schafts­in­ter­es­sen ein­ge­knickt ist, gab es keine ernst zu neh­men­den Ver­su­che mehr, den Zustand zu ändern und das dadurch pro­du­zierte Leid auf­zu­fan­gen. Man braucht sich nur umzu­se­hen und mit ande­ren Men­schen zu spre­chen. Ver­schul­dete Kom­mu­nen, Leer­stände in den Städ­ten, ein her­un­ter­ge­kom­me­nes Stra­ßen­bild, Aso­ziale Unter­neh­mens­prak­ti­ken, lange Gesich­ter aller­or­ten. Ein Zustand der sich nicht ver­bes­sert, son­dern immer wei­ter ver­schärft. Da hel­fen auch die geschönte Zah­len der Arbeits­lo­sen­sta­tis­tik nicht.

Ein Ver­sa­gen bei den Hartz IV-Verhandlungen bringt nun die Kom­mu­nen noch wei­ter in Bedräng­nis: »Wenn die vom Bund ange­bo­te­nen Ent­las­tun­gen bei den Sozi­al­aus­ga­ben jetzt nicht kom­men, wer­den die Spar- und Gebüh­ren­er­hö­hungs­or­gien der Kom­mu­nen wei­ter­ge­hen«, wird Gerd Lands­berg, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Städte- und Gemein­de­bun­des von RP Online zitiert. Immer­hin würde die durch die vom Bund über­nom­mene, soziale Grund­si­che­rung für alte Men­schen diese ab 2014 um jähr­lich 4 Mil­li­ar­den ent­las­ten. Das ist ja schon was. Bleibt dies aus, so heißt  das im Klar­text, es wird den Men­schen in der nächs­ten Zeit noch schlech­ter gehen als jetzt - nicht bes­ser. Das macht wütend: So rät der Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band bereits zu einer Klage gegen die geschei­terte .

In die­sem Spiel haben sich alle betei­lig­ten Par­teien von ihrer schlech­ten Seite gezeigt: Rot-Grün mit ihrer ver­schro­be­nen Agenda (hat diese Deutsch­land lang­fris­tig wirk­lich wett­be­werbs­fä­hig gemacht?) und ihrer offen­sicht­lich ver­fas­sungs­wid­ri­gen Berech­nung der Hartz IV-Regelsätze; die Regie­rung aus / und durch ihre weder christ­li­che, noch (im Wort­sinne) libe­rale Poli­tik gegen­über den Armen in Deutsch­land - seit Über­nahme der Amts­ge­schäfte. Man setzt auf die Wirt­schaft, doch diese macht was sie will, beu­tet Staat und Arbeit­neh­mer erst aus, um sie dann fal­len zu las­sen - oder, wie im Fall der , kräf­tig zur Kasse zu bitten.

Ein trau­ri­ges Thea­ter­stück
Lang­sam aber sicher gerät Deutsch­land nun in eine bedroh­li­che Schief­lage. Denn einer­seits wird es immer unwahr­schein­li­cher, dass unser Land seine Schul­den irgend­wann meis­tert, ohne eine fis­kal­po­li­ti­sche Zäsur, einen Wäh­rungs­schnitt o.ä. Ande­rer­seits brin­gen die Poli­ti­ker das eigene Volk sehen­den Auges immer mehr gegen sich auf, indem sie augen­schein­lich nicht mehr in der Lage sind, gerechte Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, ohne die Alli­anz mit den Wirt­schafts­in­ter­es­sen im Hin­ter­grund zu gefähr­den. Man hält die Mil­li­ar­den umschlun­gen, will sie für sich selbst und eigene Inter­es­sen behalten.

Immer­hin hat der Bun­des­tag den Appell von Lob­by­Con­trol für ein Lob­by­re­gis­ter (in wel­chem die Ber­lins nament­lich und ihren Funk­tio­nen nach auf­ge­führt wer­den soll­ten) mit Stim­men der CDU und FDP abge­lehnt. Das passt doch irgend­wie gut zusam­men. Die Regie­rungs­ko­ali­tion habe kei­ner­lei Inter­esse an Trans­pa­renz und Schran­ken für , so . Und das zeigt ja bereits, wer hier wem ver­pflich­tet ist.

Rui­nierte Kom­mu­nen kön­nen an Pri­vat­in­ves­to­ren ver­scha­chert wer­den - denn sie brau­chen Geld. Und ver­armte und ver­ängs­tigte Men­schen tra­gen die unmög­lichs­ten poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen mit, um nicht unter die Räder zu kom­men. So ein­fach ist wohl unterm Strich die Erklä­rung für die­ses trau­rige Thea­ter­stück, dass der­zeit auf der poli­ti­schen Bühne auf­ge­führt wird.

Alle Betrof­fe­nen fin­den übri­gens hilf­rei­che Infor­ma­tio­nen auf der Web­site gegen-hartz.de

Bild­quelle:
Pixelio.de, peter­ries

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Geschrieben von
Als kleiner Junge lief ich immer mit einem Bleistift in der Hand herum und fragte die Menschen in meiner Umgebung Löcher in den Bauch. Denn genauso stellte ich mir einen Reporter vor: wie einen Detektiv mit Schreibblock... Auch heute noch versuche ich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzutreten – so wie meine Helden von damals. Und das Projekt „Für eine bessere Welt“ ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
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  1. Grüner Typ
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