27 Sep 2011

Video: Peak Everything – alles hat ein Ende…

2 Kommentare Politik & Gesellschaft

Peak Everything Oil PeakKlick auf das Bild, um den Vor­trag von zu sehen

Wir Men­schen brauch­ten einen enor­men »Ener­gie Pro­fit«, um das zu erschaf­fen, was wir die letz­ten Jahr­hun­derte so zustande gebracht haben: Groß­städte, Kunst und Kul­tur, Wis­sen­schaft, eine explo­die­rende Welt­be­völ­ke­rung. Der Tri­umph über die »Natur« könnte gewal­tig sein – wäre er in letz­ter Kon­se­quenz nicht eine gewal­tige Tra­gö­die. Denn so ziem­lich alle Res­sour­cen, die unse­ren Lebens­stil ermög­li­chen, gehen zu Ende: Der »« wie Richard Hein­berg das nennt.

Wie wohl so ziem­lich jedem bekannt ist, hat die Mensch­heit in den letz­ten 200 Jah­ren ihren Energie-Profit enorm stei­gern kön­nen: erst Dampf­ma­schi­nen, dann Ver­bren­nungs­mo­to­ren und schließ­lich die Elek­tri­sie­rung bis hin zur Com­pu­ter­tech­no­lo­gie bescher­ten uns eine Ent­wick­lung mit unglaub­li­cher Geschwin­dig­keit und unglaub­li­chen Erfolgen.

Doch müsste eine Mensch­heit noch mal auf dem Stand von vor 200 Jah­ren anfan­gen, wäre diese Ent­wick­lung schlicht nicht mehr mög­lich: Die dazu not­wen­di­gen Res­sour­cen wären nicht mehr da. Und dabei geht es laut Hein­berg kei­nes­wegs nur um den viel beschwo­re­nen »« – also den Punkt, an dem am meis­ten Erdöl geför­dert wurde und ab dem das »schwarze Gold« zuneh­mend knapp und teuer wird.

 

Ener­gie wird knapp – Peak Oil, Peak Cole, Peak Gas

Nein, wohin man schaut steht uns Knapp­heit bevor: Wann der Peak von Gas und Kohle erreicht wird, dazu gibt es laut Hein­berg lei­der nur wenige Unter­su­chun­gen. Doch die Energy Watch Group rech­net mit dem Peak so in 15 bis 20 Jah­ren. Auch Uran ist end­lich – und zwar rela­tiv bald, sodass schon allein aus die­sem Grund die Atom­kraft keine Alter­na­tive zu Öl, Gas und Kohle ist.

Bedau­er­li­cher­weise sieht es mit rege­ne­ra­ti­ven Ener­gien auch nicht viel bes­ser aus, denn zum Bei­spiel Solar­pa­nels benö­ti­gen die soge­nann­ten »sel­te­nen Erden« – und die sind, wie der Name schon sagt, sel­ten… Des­halb müss­ten wir uns ins­ge­samt dar­auf vor­be­rei­ten in einer Zukunft zu leben, in der die Dinge nicht jedes Jahr schnel­ler wer­den und wir jähr­lich mehr besit­zen – son­dern umge­kehrt: wir wer­den künf­tig spa­ren müs­sen. Vor allem Energie.

 

Die Ele­mente wer­den knapp – Peak Water, Peak Soil, Peak Crop

Doch tra­gi­scher­weise sind davon auch andere, über­le­bens­wich­tige Res­sour­cen betrof­fen: Dass trink­ba­res Süß­was­ser künf­tig knapp wird, ist sicher­lich den meis­ten bekannt. Auch die Tat­sa­che, dass unsere Meere so gut wie leer gefischt sind oder das Eis auf die­ser Erde in extre­men Maße schmilzt, dürfte dem inter­es­sier­ten Leser nicht neu sein.

Doch auch anbau­fä­hige Erde sowie der für den Land­bau so wich­tige Humus nimmt dra­ma­tisch ab: Gab es 1900 noch rund 4000 Ton­nen Humus pro Kopf, so waren es 1990 laut Hein­berg nur noch 50 Ton­nen (natür­lich spielt bei der Berech­nung auch das Bevöl­ke­rungs­wachs­tum eine Rolle). Damit zusam­men hinge ein Rück­gang der Getrei­de­pro­duk­tion, meint Heinberg.

 

Der Erfin­dungs­geist wird knapp

Zu guter Letzt nimmt auch die Zahl der Erfin­dun­gen pro Jahr ab, wie Hein­berg meint. Sicher gibt es da einen Zusam­men­hang – doch kei­nen beru­hi­gen­den. Denn gerade mit den gewal­ti­gen Pro­ble­men, die anste­hen, soll­ten wir Erfin­dungs­reich­tum zeigen.

Und genau dazu ruft Hein­berg dann schließ­lich auch auf – ein Happy End hat er näm­lich lei­der nicht zu bie­ten. Jeder Ein­zelne von uns solle sich auf die Dür­re­zei­ten vor­be­rei­ten. Zum Bei­spiel, indem man einen eige­nen Gar­ten anlegt – auch in der Stadt. Oder in dem man lernt, Dinge zu bauen, zu recy­clen und zu repa­rie­ren. Indem man öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel unter­stützt und in erneu­er­bare Ener­gien inves­tiert – auch wenn diese unse­ren der­zei­ti­gen Ener­gie­kon­sum nie­mals wer­den decken können.

 

Und was kann man tun?

Und Hein­berg rät, sich zu ver­net­zen und Gemein­schaf­ten auf­zu­bauen, in denen die Koope­ra­tion und gegen­sei­tige Hilfe im Vor­der­grund steht. Denn – so Hein­berg – es gebe 3 Zukunfts­sze­na­rien, wie die Mensch­heit mit der dro­hen­den »Dürre Ever­y­thing« umge­hen könne:
1. mit einer Öko-Diktatur (die aller­dings sei­ner Mei­nung nach nicht lange Bestand hätte)
2. mit einer Form eines »« – also einer mehr oder weni­ger demo­kra­tisch, aber auf jeden Fall mit einem von »oben«, vom Staat ver­ord­ne­ten Wan­del.
3. mit einem Wan­del von »unten«, aus der Bevölkerung.

Und da man sich die erste Vari­ante nicht wün­schen will und auf die zweite nicht unbe­dingt hof­fen kann – zumin­dest wenn man den aktu­el­len Zustand betrach­tet – sollte man selbst die Initia­tive ergrei­fen. Dass das nun alles nicht so düs­ter ist, wie es viel­leicht scheint, möchte ich zum Schluss doch noch anmer­ken. Denn seien wir mal ehr­lich: hat uns die Kon­sum­ge­sell­schaft in der Mehr­heit glück­lich gemacht? Nein, sicher­lich nicht!

Das Gute im Schlech­ten – oder was wir dar­aus ler­nen kön­nen

Natür­lich schreckt es, wenn sich das Leben, die Gesell­schaft, die Welt so ele­men­tar wan­delt. Ver­än­de­run­gen machen immer Angst, weil man nicht genau weiß, wie und wo sie enden. Doch bleibt uns nichts ande­res übrig und so soll­ten wir sie als Lern­auf­gabe der Mensch­heit betrach­ten – nicht umsonst spielt der Ver­zicht in nahezu allen Welt­re­li­gio­nen und vie­len Phi­lo­so­phien ein bedeu­tende, spi­ri­tu­elle Rolle.

Wer mehr dazu erfah­ren möchte, sollte sich die 6 Youtube-Filme mit dem Vor­trag von Richard Hein­berg anschauen (klickt dazu ein­fach oben auf das Bild), auf denen die­ser Arti­kel fusst. Dane­ben hat Richard Hein­berg auch ein Web­site. Die Seite des »Post Car­bon Insti­tute« (www.postcarbon.org) lie­fert wei­tere Infos. Und wer es ganz genau wis­sen möchte, kann das Buch »Peak Ever­y­thing« von Hein­berg lesen.

Vie­len Dank an Gerd Pfaff für das schöne Bild! (via pixelio)

Tags:, , , , , , ,
Geschrieben von
Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
Ähnliche Artikel

2 Antworten to “Video: Peak Everything – alles hat ein Ende…”

  1. Grüner Typ
    AntwortenVeranstaltungen mit Peak-Oil-Kontext | peak-oil.com says:

    […] Bei FuerEineBessereWelt.info hat man sich mit Peak Everything […]

  2. Grüner Typ
    AntwortenBuchtipp: Grüner Umbau. Neue Allianzen für die Umwelt says:

    […] die ins­ge­samt zur Neige gehen­den Res­sour­cen (siehe auch unse­ren Bei­trag zum Thema »Peak Ever­y­thing«). Und damit mei­nen sie nicht nur die sel­te­nen Erden, die zum Bau von beispielsweise […]

Einen Kommentar schreiben