Eine lebenslange Monatsrente, die so hoch ist, dass man zwar keine großen Sprünge machen kann – aber nie mehr über Existenznöte nachdenken muss. Für viele wäre das ein Traum. Man bräuchte keine unterbezahlte Arbeit mehr anzunehmen. Die Löhne für  gesundheitsschädliche, frustrierende, unethische Tätigkeiten würden aufgrund dieser Freiheit automatisch steigen. Und das Ganze vollkommen ohne gesamtwirtschaftliche Schädigungen – denn die Lohnnebenkosten (bspw. die Arbeitslosenversicherung) würden in mindestens gleichem Maße sinken. So oder so ähnlich sehen die verheißungsvollen Konzepte für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus (es gibt eine ganze Reihe von Theorien mit unterschiedlichen Ausrichtungen). Eingespart werden könnte dann auch der riesige Verwaltungsapparat, der derzeit kontrolliert, dass bspw. Hartz-IV-Empfänger tatsächlich berechtigt sind, die Unterstützung zu erhalten.

Für viele eine Theorie, die so traumhaft erscheint, dass sie nicht glauben können, dass es doch irgendwo einen Haken hat. Wer noch am zweifeln ist oder sich in anderer Weise für dieses Thema interessiert, hat nun beim 3. Grundeinkommenskongress in Berlin Gelegenheit, sich genauer mit den Thesen des bedingungslosen Grundeinkommens auseinander zu setzen.
Einen Monat nach der Woche des Grundeinkommens mit über 100 Veranstaltungen in Österreich, der Schweiz und Deutschland findet vom 24. bis 26. Oktober in der Berliner Humboldt-Universität der 3. deutschsprachige Grundeinkommenskongress statt. Unter dem Titel „Auf dem Weg zum Grundeinkommen. Bedingungslos und existenzsichernd“ wird er von den drei nationalen Grundeinkommensnetzwerken Deutschland, Österreich und Schweiz gemeinsam mit dem globalisierungskritischen Netzwerk attac veranstaltet. Hier der Pressetext der Veranstalter:

“Bei den 36 Workshops und auf den Podien des Kongresses geht es um Alternativentwürfe zu einer Politik, die durch ihre einseitige Finanzmarkt-Orientierung und die Ausgrenzung von Menschen mit geringem Einkommen von der Bevölkerung zunehmend als ungerecht empfunden wird. „Die Krise an den Finanzmärkten und die hilflosen Reaktionen der Regierungen dokumentieren das Scheitern einer Politik, die einseitig auf Wachstum und Gewinne gesetzt hat, ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung jedoch nicht gerecht wurde“

so Christoph Schlee, Sprecher des deutschen Netzwerks Grundeinkommen. Statt nur auf kurzfristige Maßnahmen zu setzen, sei eine Kurskorrektur erforderlich. Dazu gehöre ein wirksamer Schutz gegen die ökonomische Ausplünderung der Staaten und ein bedingungsloses Grundeinkommen zur sozialen Absicherung aller Bürger.

Qualitätsmerkmal des Kongresses ist die gesellschaftliche Breite und Vielfalt der Konzepte

„Wenn dm-Gründer Götz Werner den Kongress mit einem Impulsreferat eröffnet, sind viele begeistert, andere warnen jedoch davor, den Sozialstaat nicht Kapitalinteressen zu opfern. Positionen grundsätzlicher Kapitalismuskritik stehen auf dem Kongress gleichberechtigt neben Überlegungen zur Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft. Unterschiedliche Ansätze wie diese sollen in eine breite Debatte münden, wie und unter welchen Prämissen das Grundeinkommen eingeführt werden kann.
Ebenso kontrovers wie wirtschaftspolitische Aspekte und steuerliche Fragen werden auf dem Kongress auch andere Themenbereiche abgebildet: die Chancengleichheit von Frauen und Männern bei der Einführung des Grundeinkommens, die Auswirkungen auf individuelle und kollektive Freiheitsrechte, sozial- und umweltpolitische Effekte. Neben Prominenten wie dm-Chef Götz Werner, Thüringens Wirtschafts-Staatssekretär Prof. Christian Juckenack oder Katja Kipping, MdB, stellv. Bundesvorsitzende DIE LINKE kommen Vertreter der sozialen Bewegung und von Erwerbsloseninitiativen aus Spanien, Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie die über 30 regionalen Grundeinkommensinitiativen zu Wort. Durch partizipative und kulturelle Elemente sollen alle TeilnehmerInnen angesprochen werden.

Weitere Teilnehmer des Kongresses: Prof. Yannick Vanderborght, Basic Income Earth Network (BIEN), Österreichs Sozialminister Dr. Erwin Buchinger, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Politikwissenschaftler und MdB Bündnis/Grüne, der Schweizer Soziologe und Armutsforscher Prof. Ueli Mäder, Werner Rätz von attac Deutschland, Sozialphilosoph Dr. Manfred Füllsack, Margit Appel von der Katholischen Sozialakademie Österreichs sowie Dr. Harald Rein von der Bundes AG der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiativen. Highlight am Sonntag ist eine Diskussion mit Vertretern aus Sambia und Namibia, wo das erste hoffnungsvolle BGE-Projekt in Afrika begonnen hat”.

Weitere Infos: www.grundeinkommen2008.org