Wir Frauen in Deutschland und Österreich sind doch emanzipiert – oder? Vertreterinnen der alten neuen Frauenbewegung würden sich bei dieser Feststellung sicherlich die Stirn runzeln. Und nicht nur sie. Abgesehen davon, dass Frauen immer noch rund 20 Prozent weniger verdienen, als ihre männlichen Berufskollegen. Auch die Medien zeichnen ein Frauenbild, das sich recht kritisch betrachten lässt.

Vorbei die Zeiten, in denen man sich über Busenwunder auf Covern, in der Werbung oder in den Promi-News aufregte. Wir sind doch schließlich aufgeklärt, tolerant und so weiter und so fort. Gerade mal entrüsten sich einige Unverbesserliche über die Bügelbrett-Modells, die mit ihren XXS-Body-Index immer mehr Mädels zu Magersucht und Bulemie anregen.

Aber wen stört es schon, wenn Vorabendserien, Thriller und Co. die Spezies Frau als (natürlich gut aussehendes) unselbständiges Wesen skizziert, das die starke Schulter des Mannes braucht, von der Ehe als höchster Erfüllung ihres Lebens träumt und bis dahin ihre Zeit mit Ängsten und Sorgen um Klamotten, Make-up und Parties verbringt? Oder dass Frauen schlicht auch gar nicht vorkommen (in Diskussionsrunden beispielsweise)?

Die Medienfrauen stört es: Einmal jährlich vergeben sie die so genannte „Saure Gurke“: Seit 1980 werden beim alljährlichen Medienfrauentreffen jene Film- und Fernsehbeiträge begutachtet, die während des Jahres von Kolleginnen eingereicht wurden: Spielfilme, Diskussionen, Dokumentationen, Shows und Soaps. Beurteilt wird beispielsweise, ob ein Beitrag Frauen diskriminierende Elemente aufweist.

So sind schon Frank Elstner und Ranga Yogeshwar mit dem Wanderpreis beglückt worden. Dieses Jahr geht die Auszeichnung an an den Programmdirektor der ARD Günter Struve für die „innovative“ Einführung frauen-affiner Formate, wie etwa „Liebe nach Rezept“, „Der Traum ihres Lebens“ und ganz besonders in „Ein Wink des Himmels“ aus der Reihe „Der Arzt vom Wörthersee“.

Übrigens sind auch Frauen nicht gefeit vor der Sauren Gurke: Carmen Nebel erhielt für ihre Show am 16.02.2008 um 20.15 in ORF 2 und ZDF einen Trostpreis. „Ihr einfühlsamer Umgang mit Pamela Anderson und einem Ehepaar aus dem Publikum bleibt im Gedächtnis“, schreiben die Medienfrauen.

Alles in allem scheinen die Objekte der Auszeichnung noch relativ zahm. Die Herren Programmdirektoren können sicherlich froh sein, dass nur Spielfilme, Diskussionen, Dokumentationen, Shows und Soaps bedacht werden, die von oder für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten (also ARD, ZDF, ORF) produziert wurden…

Infos: http://medienfrauen.orf.at

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