pixelio_armut_peterries.jpg„Arme Menschen sind seltener politisch aktiv“, kann man jetzt im Dritten Armuts- und Reichtumsbericht (16/9915) der Bundesregierung lesen. Hoppala, das wundert uns aber! Da möchte man doch glauben, dass ein Mensch der nicht mehr weiß, wie er die nächste warme Mahlzeit auf den Tisch bekommt und seine existenziellsten Bedürfnisse bezahlen soll, genug Zeit und Muße hat, sich politisch zu engagieren. Und dann hört man so etwas Überraschendes… Und der Umkehrschluss: Wird also Politik nur von denjenigen gemacht, die es sich finanziell leisten können? Das hieße doch, dass Armut im politischen Tagesgeschäft keine Lobby findet. Könnte es also sein, dass genau deshalb die Politik entweder komplett an der erwerbsschwachen Bevölkerung vorbei geht oder lediglich versucht, dass Bild des faulen, gesellschaftlich desinteressierten „Parasiten“ zu bemühen? Also: selbst Schuld, oder?


Arme Menschen haben also keine Zeit für Politik, schlimm schlimm, und sie nehmen noch nicht einmal richtig am gesellschaftlichen Leben teil „Auch das soziale, kulturelle und bürgerschaftliche Engagement hängt von den Faktoren Einkommen und Bildung ab. Das zeige sich bereits bei den Kindern, so der Bericht. 73 Prozent der Kinder in Deutschland seien regelmäßig in einem Verein, einer Musikschule oder sonstigen Gruppe aktiv. Von Kindern aus der „untersten Herkunftsschicht“ treffe dies aber nur auf 47 Prozent zu.“, liest man bei Das Parlament. Ja, und wer wundert sich jetzt wirklich darüber? Wer nicht genug Geld zum Leben hat, der schickt seine Kinder natürlich auch nicht in einen Verein – der ja nicht kostenlos ist. Eine Erkenntnis, für die man keinen Bericht bemühen muss.

Vor einigen Tagen wurde in den Nachrichten der Anstieg der Sozialhilfekosten vermeldet. Der mürrische Unterton: „Seht, was Ihr uns kostet“ zielt jedoch genauso ins Leere. Denn bei einem wachsenden Heer aus Ein-Euro-Jobbern und unterbezahlten Billiglöhnern wächst nun mal auch das „Finanzierungsvolumen“ eben jener Arme, die sich dann ihrerseits aus dem politischen Diskurs verabschieden.

Wenn man nun eins und eins zusammenzählt, so wird bereits der Teufelskreis erkennbar: Die Fehlentwicklungen in Politik und Wirtschaft zerstören den Arbeitsmarkt und ziehen Hundertausende herunter in die Armut. Diese sind – mal vom eigenen Krisenmanagement abgesehen – nicht mehr in der Lage, sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren, und sie kosten Geld. Geld, das der Staat sich wieder holt, Steuern erhöht und damit zusätzlich auf Preise und Abgaben drückt, was wiederum auch solide Unternehmen in den Abgrund zieht. Und noch mehr Arbeitnehmer verlieren ihre Jobs, die Binnennachfrage sinkt und zerlöchern den Arbeitsmarkt immer weiter…

Die einzig wirksame Lösung liegt also nicht in der politischen Verwaltung der Arbeitslosen, sondern in der Erleuchtung der Begüterten die sich Politik zu machen (noch) leisten können. Die Erkenntnis, dass sie sich schnell auf der anderen Seite wiederfinden können und die Wirtschaftskrise auch bei ihnen nicht Halt machen wird, sollte zur Einsicht führen, dass wenn eben die Armut nicht auf die Politik zukommt, die Politik auf die Armut zugehen muss. Eigentlich selbstverständlich…

Quelle:

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Bildquelle: Pixelio.de, Peter Ries