zukunftsfähiges Deutschland

Buchtipp: Gemeinwohl vor Markt

Eine neue Studie mit dem Titel „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ von BUND, Brot für die Welt und Evangelischer Entwicklungsdienst führt (mal wieder) vor Augen: So kann’s nicht weiter gehen.

In der Pressemitteilung der Organisationen heisst es: „Nicht nur die Finanzwelt lebt schon viel zu lange über ihre Verhältnisse. Dass 2007 so viel Kohlendioxid freigesetzt wurde wie noch nie und das Artensterben rasant voran schreitet, sind Belege dafür, dass wir über unsere Verhältnisse leben und die Grenzen der ökologischen Belastbarkeit des Planeten überschreiten“.

Welche Stellschrauben sollen wir drehen?

Aber was sollen wir tun? An welchen Stellschrauben sollte man (wer?) genau drehen? Wie kann ein Kurswechsel gelingen? Wie eine Veränderung unserer Produktion und unseres Konsumverhaltens, die eine zukunftsfähige Entwicklung einleitet? Da diese Fragen eigentlich wichtiger sind, als die immer wieder und wieder wiederholten Mahnungen, sollen sie auch im Mittelpunkt der Studie stehen.

Der Vorsitzende des BUND, Prof. Hubert Weiger, dazu: „Deutschland ist nicht auf dem Weg, ein zukunftsfähiges Land zu werden. Nachhaltigkeit ist heute zwar ein sehr häufig benutztes Politikerwort. Aber wenn es um politisches Handeln geht, wird vor der Umsetzung zurückgeschreckt. Die Widerstände der Industrie, der Finanz- und Agrarlobby sind groß – und finden bei den Regierungen ein offenes Ohr.

Wir brauchen dringend einen Kurswechsel in Deutschland und neue globale Übereinkünfte, die ökologisches und soziales Dumping verhindern. Wir brauchen eine forcierte Effizienzstrategie für Energie und Rohstoffe und einen Lebensstil, der die natürlichen Grenzen anerkennt. Das Gemeinwohl, national und international, muss Vorrang vor dem Markt bekommen. Wachstum ist längst keine Antwort mehr, sondern das Problem. Wir müssen auf umweltverträglichen Wohlstand setzen.“

Staat muss steuern

Die Studie wurde unter der Leitung von Dr. Wolfgang Sachs vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie erarbeitet. Die Herausgeber wollen mit der Studie eine gesellschaftliche Debatte anstoßen. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin Brot für die Welt: „Statt Beobachtung und bloßer Subventionierung der Risiken sich vermeintlich selbst regulierender Märkte, brauchen wir mehr politische Steuerungsbereitschaft und Steuerungsfähigkeit des Staates. Und wir brauchen eine breite Mobilisierung der Zivilgesellschaft, um die Wirtschaftsdynamik innerhalb von ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Leitplanken zu halten.“

Die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit der Herausgeber steht unter dem Motto „Zukunft fair teilen“. „Zwölf Jahre nach der wegweisenden ersten Studie über ein Zukunftsfähiges Deutschland möchten wir die Nachhaltigkeitsdebatte mit konkreten Analysen und Perspektiven neu beleben und zum Mitmachen anregen. Wir wollen die Weichen neu stellen – hin zu einem zukunftsfähigen Deutschland in globaler Verantwortung“, so Dr. Konrad von Bonin, Vorstandsvorsitzender des EED.

Weitere Infos zum Thema gibt es unter www.zukunftsfaehiges-deutschland.de. Bestellen kann man das Buch für 14,95 Euro entweder im BUND-Onlineshop oder beim Fischer Taschenbuch Verlag. Hier die bibliografischen Angaben:

Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt: Ein Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Brot für die Welt, Evangelischer Entwicklungsdienst (Hrsg.)
Eine Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Frankfurt a. M. 2008.
Fischer Taschenbuch Verlag. 660 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-596-17892-6.

Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
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Eine Antwort auf "Buchtipp: Gemeinwohl vor Markt"

  1. […] warum sich die Ärmsten dieser Welt tatsächlich als arm betrachten, hat laut dem Bericht “Zukunftsfähiges Deutschland” zum Beispiel ergeben, dass sich diese Menschen zumeist nicht als arm empfinden, weil sie […]

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