Was haben Vladimier Putin, die katholische Kirche und die Atom-Industrie gemeinsam? Sie behindern die Pressefreiheit…

Ja, zu Zeit wird ganz schön auf den vier großen Energie-Konzernen Deutschlands – RWE, EnBW, Vattenfall und EON – herum gehackt: nicht nur, dass früher Schluss ist mit den Milliarden-Gewinnen aus der Atomstrom-Erzeugung, nein sie stehen ständig als Buhmann da. Und das, obwohl sie sich solche Mühe geben, sich in ein bessere Licht zu rücken. Doch genau das, hat ihnen nun den nächsten Rüffel eingebracht: Der netzwerk recherche e.V. vergab den Negativpreis „Verschlossene Auster 2011“ an die vier Atomkonzerne: „Sie haben beschönigt, beeinflusst und verheimlicht“, heißt es in der Pressemitteilung.

Normalerweise erhalten nur diejenigen die „Verschlossene Auster“, die zu wenig kommunizierten, erklärt die Organisation. Das kann man von den Atom-Lobbyisten nicht gerade sagen. Dazu gehörten in den vergangenen Jahren zum Beispiel die katholische Kirche, der Bundesverband der Banken, der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily, der Lebensmittelkonzern ALDI, die Hypo-Vereinsbank (stellv. für die DAX-Unternehmen), der ehemalige Chef der Deutschen Bahn AG Hartmut Mehdorn, der ehemalige russische Präsident Wladimir Putin oder das Internationale Olympische Komitee.

Keineswegs schweigsam und verschlossen

Doch dass sie schweigsam und verschlossen seien, das kann man von den Energie-Riesen nun wirklich nicht gerade behaupten. Im Gegenteil: mit breit angelegten Kampagnen und Druck auf Politiker hätten die Konzerne versucht, ihre Interessen – gegen den eindeutigen Willen der Bevölkerung – durchzudrücken.

Das belege beispielsweise das Strategiepapier „Kommunikationskonzept Kernenergie – Strategie, Argumente und Maßnahmen“ der Unternehmensberatung PRGS für Politik und Krisenmanagement aus dem Jahr 2009, berichtet netzwerk recherche e.V. „Darin schlägt die Agentur dem Energiekonzern E.ON Argumente für die öffentliche Kommunikation vor … Obgleich E.ON das Strategiepapier als Akquiseversuch der Agentur herunterspielte, sind die Übereinstimmungen zwischen vorgeschlagenem Kommunikationskonzept und verwendeter Kommunikationslinie frappierend“, so die Organisation.

Geschickte Kommunikationstaktiken

Und die beinhalte im Wesentlichen folgende Punkte – ich führe sie hier auf, um nochmals zu zeigen, wie vermeintlich allgemein bekannte und vor allem auch anerkannte Argumente schlicht nicht stichhaltig sind:

  • Zum Beispiel wird die Kernkraft ja immer so gerne als so genannte „Brücken-Technologie“ bezeichnet, die den Weg in das Zeitalter der erneuerbaren Energien überhaupt erst ermöglichen soll. Eine Laufzeitverlängerung ist damit quasi moralisch legitimiert. Andernfalls – so die immer gleiche Argumentation – müsse man auf klimafeindliche Kohlekraftwerke setzen. Dabei werden laut netzwerk recherche gerade mal zwei Prozent des Weltenergieverbrauchs durch diese Nischentechnik gedeckt.
  • Gerne wird zudem darauf verwiesen, dass die deutsche Technologieführerschaft unter einem Ausstieg leiden würde – was angesichts neuer Kernkraftwerke in Osteuropa fatal wäre. Das mit der „Führerschaft“ darf jedoch bezweifelt werden: keines der 17 Atomkraftwerke würde laut netzwerk recherche heute noch eine Genehmigung für ein Bau bekommen. „Und ein sicheres Endlager für hochradioaktiven Atommüll gibt es weltweit nicht“, so die Organisation.

Kritische Fragen, weich gespülte Antworten

Insgesamt kommt die Jury zu dem Urteil: „Kritische Fragen von Journalisten beantworten die Kommunikationsexperten der Energiekonzerne mit beschönigenden, weich gespülten Phrasen. Fakten werden einfach umgedeutet und verdreht, öffentliche Meinung versucht man zu manipulieren – und unterdessen kassieren die vier Atomkonzerne mit überhöhten Strompreisen bei den Bürgern ab, während sie gleichzeitig Milliardensubventionen in Anspruch nehmen“.

„Die Atomkonzerne werden ausgezeichnet für gefährlich einseitige, marktmächtige Information, sie werden ausgezeichnet für die Verharmlosung von Gefahren, für exzessiven Lobbyismus. Weil selbst Fukushima nichts an der Lobby- und Kommunikationsstrategie der Energiewirtschaft verändert, man sogar verfassungsrechtliche Klagen gegen Atomausstieg plant, haben sich die vier Konzerne den Preis verdient“, zieht der Verein Fazit.

Zwei Unternehmensvertreter stellen sich

Immerhin: Anders als wohl die meisten mit Negativpreisen ausgezeichneten Unternehmen oder Personen traten zwei Vertreter – RWE-Sprecher Volker Heck und E.ON-Sprecher Guido Knott – an, um auf der Jahrestagung von netzwerk recherche eine Gegenrede zu halten. Diese Herausforderung haben laut netzwerk recherche vor ihnen nur Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Manfred Weber, der Geschäftsführer des Bankenverbandes, Otto Schily und Hartmut Mehdorn übernommen. Kann man nur hoffen, dass sie dann irgendwelche neuen Argumente auf Lager haben…

Und hier gibt es die Begründung der Jury für die Preisvergabe, die Laudation von Heribert Prantl sowie die Gegenrede von Dr. Guido Knott.

Bildcredit: Thorsten Müller, Pixelio.de
Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
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