Fraunhofer Studie: Faszination Coworking

Buchtipp: Faszination Coworking – vom Hope zum Hype

Coworking ist faszinierend. Coworking Spaces sind cool. Wie Unternehmen, Teams und Startups davon profitieren können, hat jetzt das Fraunhofer IAO im Verbundforschungsprojekt “Office 21″ zum ersten Mal untersucht. Das Ergebnis ist eine ebenso faszinierende wie coole Studie.

Da ist in den letzten Jahren ein echtes Phänomen entstanden: Man sitzt nicht mehr allein zuhause oder in einem tristen Büro, sondern gemeinsam mit anderen im sog. Coworking Space, einem Gemeinschaftsbüro – zusammen mit anderen kreativen Köpfen, die man (noch nicht) kennt. Und irgendwie färbt sie ab und greift um sich, die Atmosphäre. Sie wirkt sich auch positiv auf einen selbst aus. Und mehr noch: Man hat ein Netzwerk, kann „mal eben“ jemanden fragen, der an einem ähnlichen Problem herum frickelt, findet vielleicht auch professionelle Beratung im Coworking-Pool oder sogar Mitstreiter für die eigene Sache. Und das Ganze ist meist auch noch recht gut bezahlbar, denn man braucht nicht eine komplette Infrastruktur zu finanzieren, was beim Einzelkampf ganz sicher der Fall wäre.

Überhaupt ist das Konzept Coworking ein echtes Gegenbeispiel zum ewigen Konkurrenzmodell, das immer weniger Menschen einleuchten.

Im Rahmen unseres Verbundforschungsprojektes Office21 beschäftigen wir uns seit vielen Jahren mit unterschiedlichsten Aspekten der Arbeitsumgebung Büro. Coworking Spaces konnten daher aufgrund ihrer speziellen, faszinierenden Charakteristika schon früh unsere Aufmerksamkeit wecken. Im Laufe unserer Studie wurde schnell offensichtlich, dass Coworking Spaces tatsächlich imstande sind, eine ganz einzigartige Faszination zu erzeugen, der wir natürlich auf den Grund gehen wollten. (Klaus-Peter Stiefel, Mitautor)

Aber was sind nun die konkreten Möglichkeiten, die das Arbeiten unter einem gemeinsamen Dach mit sich bringen? Wie können Unternehmen und ihre Teams, Startups oder einsame Freelancer davon profitieren? Das hat nun das Fraunhofer Institut in einer Studie untersucht. Denn während in vielen Unternehmen Leistungsfähigkeit und Kreativität mit erheblichen Mitteln gepusht werden müssen, scheinen diese in Coworking Spaces fast wie von alleine zu entstehen. „Wie kann es sein, wie passt das zusammen?“ wollte man wissen. Denn eins scheint sicher: Der Einfluss des Coworking wird die Wissensarbeit zweifelsohne verändern.

Was ist das Ziel?

Wohin entwickelt sich das, was wir häufig lapidar das „Büro“ nennen? Wird alles einfach nur „schöner“ oder vielleicht auch „funktionaler“, als dies bislang der Fall war? Oder möglicherweise schlicht kostenbewusster, billiger?

An erster Stelle steht also die Frage, was dieses System „Büro“ ausmacht: Infrastruktur? Informations- und Kommunikationstechnik? Mitarbeiter? Organisation? Kultur? Was braucht man für den Erfolg und welche Infrastruktur kann einem das geben? Gerade auch, wenn man nicht die Ressourcen eines Großunternehmens mitbringt. Doch auch in diesen hat Nachdenklichkeit um sich gegriffen, finden Experimente statt, werden neue Wege gegangen. Denn es ist immer auch eine grundsätzliche Haltung, die wir der Arbeit, dem Erfolg und insbesondere der Zusammenarbeit entgegenbringen.

Freelancer und Startups haben keine großen Strukturen, um zu experimentieren. Sie suchen, das liegt in der Natur der Sache, den direkten Weg in die Welt. Quasi alternativlos. Und gerade deshalb entstehen in diesem Bereich Lösungen, die sich dann bis in die Chefetagen herumsprechen und von den Großen aufgegriffen werden. Das Ziel ist es, die zur Verfügung stehenden Ressourcen geschickter zu nutzen, gegenseitige Inspiration und Unterstützung zu „institutionalisieren“ sowie den eigenen Wirkungsraum finanziell erschwinglich zu halten. Und genau hier setzt die interessante Studie vom Fraunhofer Institut an.

Vom Hope zum Hype

Eine wesentliche Ursache für die Entstehung von Coworking Spaces lässt sich mit Sicherheit im Trend zum Outsourcing und Offshoring von IT-Dienstleistungen finden. Hieraus entstanden nicht nur eine ganze Reihe von IT-Unternehmen, die vielfach von Unternehmen als externe Dienstleister unter Vertrag genommen wurden, sondern es entwickelten sich auch ein breites Feld beruflicher „Einzelkämpfer“ – Freelancer, die vielfach über ein hohes Know how verfügen, aber nicht unbedingt alle sehr gut verdienen.

Welche Auswirkungen hatte diese Entwicklung? Wie entstanden die ersten Coworking Spaces? Wie sieht das Erfolgsmodell Coworking aus? Ist es überhaupt eins? Die Autoren beleuchten die Faktoren ausgiebig und zeigen damit auf, warum es zu einer langsamen, aber stetigen Verbreitung der neuen Arbeitsumfelder kam. Wie aus Hoffnung der Einzelnen ein echter Hype wurde…

Was macht eigentlich Coworking aus?

Zusammenarbeit gab es ja schon immer – irgendwie. Mal gelang sie besser, mal schlechter, mal war sie erfolgreich, mal weniger… Was ist aber nun das neue am Coworken? Nur der coole Name? Gewiss nicht? Die Studie nähert sich immer mehr dem Kern und dem Wesen des Phänomens, zeigt, dass es ein Thema mit vielen Variationen ist. Wie könnte man Coworking definieren? Was macht den besonderen Spirit aus, der damit einher geht? Welche Grundwerte liegen der Bewegung zugrunde? Je mehr man liest, desto klarer wird: Dieser Trend geht noch weit über die Organisation und Selbstorganisation von Arbeit hinaus. Der Begriff „Gemeinschaftsbüro“ trifft es eben doch nicht. Es steckt wesentlich mehr dahinter!

Was hat der Freelancer davon?

Da die weltweite wirtschaftliche Lage teilweise prekär ist, seitdem durch die Finanzkrise 2007 der finanzielle Druck auf Unternehmen erhöht wurde, kommt es vermehrt zu atypischen Anstellungsverhältnissen. Die Zahl der Freelancer wächst also nicht nur aus individuellen, sondern aus strukturell-wirtschaftlichen Gründen und führt im Sinne der Normalverteilung zu einer höheren absoluten Zahl von Worst-Cases.

Mit anderen Worten, wer sich als Freelancer durchschlagen muss, hat es manchmal extrem schwer. Man braucht nun mal dringend eine Struktur, eine Community sowie die Freiheit und Unabhängigkeit, um sich zu entfalten. Und alles das bietet ihm der Coworking Space. Die Studie zeigt, was das konkret bedeutet und widmet sich dann den vielfältigen Ausgestaltungen, z.B. den Kooperationspotenzialen mit Unternehmen. Unternehmen, die sich…

…im Thema Coworking engagieren, praktisch Schnittstelle zwischen der Unternehmenswelt und den evolvierten Formen freier Arbeit sind.

Hierzu gibt es jede Menge interessante Fallbeispiele.

Was bringt es Unternehmen?

Auch Unternehmen machen sich so ihre Gedanken darüber, wie sie die Potenziale des Coworking für sich nutzen können. Und die Ideen, Formen und Zielsetzungen sind dabei heute schon sehr vielfältig.  Vorausgesetzt, sie lassen sich auch auf eine neue Unternehmens- und Arbeitskultur ein. Wie könnte das aussehen? Auch dazu haben sich die Macher der Studie Gedanken gemacht: Coworking statt Homeoffice, Coworking zur Weiterbildung, als Sabbatical, im Unternehmen – es gibt viele spannende Ansätze. Warum nicht einfach mal Startups für die Ideen- und Produktentwicklung buchen? Frischen Wind gibt´s bestimmt gratis mit dazu.

Uns hat das Buch »Faszination Coworking – Potenziale für Unternehmen und ihre Mitarbeiter« gut gefallen, denn es nimmt das Wesen dieser noch recht neuen Arbeitsform detailliert unter die Lupe. Gerade in der geballten Form werden einem die großen Potenziale umso deutlicher und bekommt man natürlich Lust, es gleich mal auszuprobieren. 🙂

Buchtitel: Faszination Coworking

 

Faszination Coworking: Potentiale für Unternehmen und ihre Mitarbeiter
Wilhelm Bauer (Herausgeber)
Autoren: Stefan Rief, Klaus-Peter Stiefel, Agnes Weiß
176 Seiten
Fraunhofer Verlag
ISBN 3839607647

Erhältlich ist die Publikation seit Mitte September. Das Buch kann zum Preis von 24 Euro im IAO-Shop bestellt werden.

Autor: Marek Als kleiner Junge lief ich immer mit einem Bleistift in der Hand herum und fragte die Menschen in meiner Umgebung Löcher in den Bauch. Denn genauso stellte ich mir einen Reporter vor: wie einen Detektiv mit Schreibblock... Auch heute noch versuche ich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzutreten – so wie meine Helden von damals. Und das Projekt „Für eine bessere Welt“ ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit.

Eine Antwort auf "Buchtipp: Faszination Coworking – vom Hope zum Hype"

  1. silvia 5 Jahren ago .Antworten

    Das ebook klingt sehr interessant. Gerade für entstehende Startups oder welche die noch neu im Business sind, wie meines. Der Beginn lag in meiner Wohnung, nach guten Aufträgen stellte sich die Frage nach einem Büro mit Sekretariat und ähnlichem, oder doch einem Co-Working Space oder virtuellen Büro. Die Entscheidung fiel auf das virtuelle Büro in Wien

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