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Ausstieg aus dem Tierversuch in Deutschland – warum?

Ausstieg aus dem Tierversuch

Mit dem Laboratory of Pharmacology and Toxicology () musste eines des größten Tierversuchslabore Deutschlands nun dicht machen. Doch das darf erst der Anfang sein. Warum wir einen Plan für den aus Tierversuchen brauchen.

Über 7.000 Menschen hatten letztes Jahr vor den Toren des Laboratory of Pharmacology and Toxicology  (LPT) in Hamburg demonstriert, wie etwa der ndr berichtet. Der Grund waren Videos und Fotos von schreienden Affen und blutverschmierten Hunden, die Tierschützer verbreitet hatten, die sich in das Labor geschlichen hatten. Nun ist klar: Das Labor muss bis Ende Februar schließen. 49 Katzen und 80 Hunde sollen schon an Tierschutzorganisationen und Privatpersonen vermittelt worden sein. 96 Hunde warten noch auf ein neues Zuhause, so der Hellweger Anzeiger.

Wie viele gibt es?

Doch das sind ja nur einige der vielen Tiere, die jeden Tag auch bei uns hier in Deutschland gequält werden. Wie viele sind es eigentlich genau? »Obwohl der größte Teil der Tierversuche mit unseren Steuergeldern finanziert wird, gibt es keine öffentlich zugänglichen Informationen darüber, wo wie viele Tierversuche durchgeführt werden«, schreibt die Organisation Ärzte gegen Tierversuche. Sie wertet deshalb Artikel und andere Medien aus und schätzen, dass es mindestens 4.291 Tiere (Stand 10.1.2020). Andere Quellen sprechen von rund 3 Millionen Versuchstieren (vor allem Mäusen). Tendenz steigend.

Das sind schreckliche Zahlen und noch schrecklichere Bilder (wer es sich zumutet, sich das anzusehen). Und doch weiß ich, dass die emotionalen Wogen bei diesem Thema keineswegs nur bei denjenigen hochschlagen, die meinen »Tierversuche müssen wir stoppen!«. Seltsamerweise reagieren auch diejenigen recht emotional, die meinen, Tierversuche seien zwar bedauerlich, aber unvermeidlich. Deshalb hier ein Pro und Contra:

Pro und Contra Tierversuche

Wer sich für Tierversuche ausspricht tut dies, weil er oder sie meint, dass wir Menschen nur so Erkenntnisse gewinnen könnten, die für Menschen lebenswichtig sind. Sie sagen, dass es ohne Tierversuche zum Beispiel keine künstlichen Herzklappen gäbe oder keine Medikamente gegen Diabetes oder HIV. Auch Einsichten darüber, wie unser Gehirn funktioniert und ähnliches, ließe sich nur durch Tierversuche ermitteln. Weitere Infos dazu gibt es zum Beispiel auf der Homepage von Tierversuche verstehen.

Diejenigen, die die Tierversuche am liebsten ganz stoppen, aber doch zumindest massiv reduzieren möchten, sehen das anders. Nur 0,3 % der Tierversuche zur Grundlagenforschung ließen sich auf den Menschen übertragen, meint zum Beispiel Ärzte gegen Tierversuche. Nur, weil ein Medikament beispielsweise bei einem Tier wirke, müsse das beim Menschen noch längst nicht so sein (oder umgekehrt). Darüber hinaus kritisieren Tierschützer, dass Wissenschaftler zwar gesetzlich belegen müsen, dass sie keine Alternative zu Tierversuchen haben. Das es de facto aber kaum wirksame Kontrollen gäbe, die das auch gegenprüfen.

Warum Ausstieg aus dem Tierversuch?

Ob man nun meint, dass sich die Ergebnisse von Tierversuchen immer, manchmal oder sehr, sehr selten auf Menschen übertragen lassen. Es gibt mittlerweile neue Alternativen zu Tierversuchen wie Multi-Organ-Chips, Mini-Brains oder 3D-Bioprinting. Doch die bekommen laut der Initiative „Ausstieg aus dem Tierversuch“ nur 1 % der Fördergelder. Die restlichen 99 % würden nach wie vor in Tierversuche fließen. Das klingt nicht danach, als würden wir es hier in Deutschland wirklich ernst damit meinen, so wenig Tierleid wie nur irgend möglich hinzunehmen.

Anders in den Niederlanden. Hier gibt es bereits seit 2016 einen Ausstiegsplan. Auch die USA haben 2019 einen Ausstieg angekündigt. Die Argumentation hier: Die Ergebnisse ließen sich nicht zuverlässig auf Menschen übertragen und die neuen Verfahren seien schneller und verbräuchten weniger Ressourcen …

Den Ausstieg aus dem Tierversuch fordern!

Nun haben sich einige Tierschutzorganisationen zusammengeschlossen, um genau so einen Ausstiegsplan auch für Deutschland zu fordern. Die Forderungen im einzelnen sind:

  • Eine Gesamtplanung für den Ausstieg aus dem Tierversuch inklusive Zielvereinbarungen, Ausstiegsdaten, Monitoring-System und Umsetzungsmanagement
  • Durch erste Sofortmaßnahmen müssen Tierversuche in bestimmten Bereichen gesetzlich verboten werden wie das Verbot von Tierversuchen für Haushaltsprodukte sowie durch ein EU-weites Vermarktungsverbot, Verbote von Tierversuchen der Kategorie „schwer“ und ein Verbot des Tierverbrauchs im Studium.
  • Schnelle Prüf- und Anerkennungsverfahren für tierfreie Methoden
  • Die Gelder für die Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren müssen durch Umschichtung drastisch erhöht werden
  • Die Festlegung von Forschungsbereichen, für die am dringendsten solche Verfahren entwickelt werden müssen
  • Die Einrichtung von Lehrstühlen und Forschungspreisen für tierversuchsfreie Verfahren
  • Die Einrichtung eines nationalen Kompetenzzentrums als Auskunftsstelle für Behörden und Wissenschaftler

Mach mit!

Wie so oft, wird sich die Politik sicherlich erst dann bewegen, wenn es Druck von uns – den Bürgerinnen und Bürgern – gibt. Deshalb lade ich dich ein, dich mit für so ein Aussiegtsszenario einzusetzen. Also, mach mit:

1.) Unterzeichne die Online-Petition: https://www.ausstieg-aus-dem-tierversuch.de/helfen

2.) Lade die PDF-Unterschriftenliste für die Petition herunter und sammle Unterschriften: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/images/infomaterial/ausstieg_uliste.pdf

3.) Schreibe der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner einen Brief: https://www.ausstieg-aus-dem-tierversuch.de/images/News/offener_brief.pdf

4.) Berichte über das Thema in deinen Social-Media-Kanälen.

5.) Rede mit Freunden, Bekannten und deiner Familie darüber.

6.) Lade Flyer oder Poster herunter, drucke sie aus und hänge sie auf oder lege sie aus: Flyer (PDF) / Poster (PDF)

Bildquelle: "OrangeSpotted-Feb04-pic02" by KimCarpenter NJ is licensed under CC BY 2.0
Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
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