Was wir heute mit Griechenland erleben, die Übernahme eines kompletten Landes durch Kredite, könnte der Anfang einer gigantischen europäischen Enteignungskampagne sein. Es ist aber keinesfalls der Anfang einer Praxis, welche die Kriegsführung gegen Nationen ermöglicht, ohne dass auch nur ein einziger Schuss fällt. Die Volkswirtschaften eines Landes mit Krediten abhängig zu machen ist die Aufgabe der “Economic Hit Man”, jener Armada von Fachleuten die im Auftrag großer Konzerne und Kartelle mit nicht mehr als einem Aktenkoffer in den Wirtschaftskrieg ziehen. Einer dieser “EHM”, John Perkins, beschreibt in seinem Buch seine Arbeit für die (wie er es selbst nennt) internationale Wirtschaftsmafia. “Ein Buch bei dessen Lektüre man sich wünscht, alles wäre nur Fiktion”, wie es das Greenpeace Magazin beschreibt. Und ein leidenschaftliches Bekenntnis gegen die Ausbeutung eines ganzen Planeten.

John Perkins Beschreibung seiner Arbeitsmethoden legen einen Blick auf die sog. “Wirtschaftshilfe” frei der zeigt, dass es sich hier zu keiner Zeit um einen Akt der Menschlichkeit handelt, sondern stets um eiskalte Kalkulation. Das Prinzip ist ganz einfach, und daher umso brutaler:

1. Man bewerte die Volkswirtschaft einer Nation möglichst positiv,
2. finde dann einen willigen Herrscher der bereit ist sich schmieren zu lassen,
3. zahle ihm eine beachtliche Provision dafür,
4. dass er Kredite bei großen Institutionen wie der Weltbank aufnimmt.
5. Man sorge dafür, dass diese Kredite für den Ausbau der Struktur des Landes eingesetzt wird,
6. für den Straßenbau, die Ausbesserung des Stromnetzes oder der Wasserversorgung, Sanierungen etc.
7. und sorge dafür, dass diese Arbeit von eigenen/befreundeten Unternehmen durchgeführt werden.
8. Die Kreditschulden müssen nun vom jeweiligen Staat getilgt werden, was jedoch unmöglich wird,
9. da die Kreditgeber die Zinsen mit der Zeit erhöhen, und
10. der Staat seinem Schuldendienst nicht mehr nachkommen kann.
11. Sobald die Rückzahlung ins Stocken gerät, kommt der dritte, entscheidende Deal…
12. Jetzt muss der Staat in Sachwerten zurückzahlen und z.B.
13. Bodenschätze, Land, die sanierten Betriebe, Patente auf heimische Tiere und Pflanzen veräußern,
14. oder einen weiteren Kredit aufnehmen, um Schuld und Zinsen zu tilgen

Es versteht sich von selbst, dass es den Ländern geradezu unmöglich gemacht wird, aus diesem Spinnennetz zu entfliehen. Sollte tatsächlich der willfährige Herrscher durch einen anderen ersetzt werden, der dieses Spiel nicht mitspielen will – und auch die Economic Hit Man – argumentativ versagen, so treten die sog. “Schakale” auf den Plan. Diese haben nur eine Aufgabe: die Beseitigung des unwilligen Landesoberhauptes. Wie dies geschieht kann man sich denken.

Sollte auch das nicht funktionieren, so wird die nächste Karte ausgespielt und es entsteht einer dieser seltsamen Kriege, dessen Ursache man sich nicht so richtig erklären kann.

Der Hauptgrund für diese Praxis wird nicht durch hehre Ideale getrieben, sondern durch den unseeligen Wunsch, den Energiebedarf des eigenen Landes zu sichern oder ganz einfach nur möglichst viel aus anderen Ländern heraus zu holen. Gleichfalls kann sie “positive” Auswirkungen auf die geostrategische Position eigener Armeen haben. So sollte man im Falle Afghanistans bedenken, dass eine größere Truppenpräsenz allein deshalb ins militärische Kalkül passen könnte, da Afghanistan eine Landesgrenze zum Iran hat. Einem Land, bei dem sich die letzten Jahre über die EHM die Zähne ausgebissen haben.

Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben und verzichtet nicht auf Emotionalität. Man erfährt etwas darüber,  wie ein Mensch dazu kommt, einen solchen Job zu machen. Was er dabei denkt und auch, welche Erlebnisse ihn dazu brachten, seiner Arbeit den Rücken zuzudrehen und ein Buch zu schreiben, dass seinen Auftraggebern nicht gut gefallen dürfte.

Wir empfehlen das Buch, da es einige Einblicke in die Praxis der Großen gibt und zeigt, dass sie vor nichts zurück schrecken, wenn es um ihre Interessen geht. Es zeigt aber aber auch, dass diese Interesse aus einer verblendeten Ideologie der monetären Weltherrschaft erwuchs und viel profaner ist als man vermuten mag. Denn der Geist auf denen diese Imperien gebaut sind, verdient diesen Namen nicht, denn er wird von den niedersten Trieben gestützt die die Menschheit zu bieten hat.

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag Verlag (12. März 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442154243
  • ISBN-13: 978-3442154241
  • Preis: 9,95 Euro