CCS: Ablenkungsmanöver oder Brückenschlag ins Solarzeitalter?

Gerade ging die erste Anlage zur CO2-Abscheidung mit dem Oxyfuel-Verfahren im Kraftwerk Schwarze Pumpe von Vattenfall in der Lausitz in Betrieb. Die Abscheidung oder auch Speicherung von CO2 ist eine umstrittene Technik (wie es genau funktioniert kann man in einem Interview bei Greenpeace lesen).

Die einen – zumeist die Befürworter von Kohlekraftwerken – sehen in ihr das Heil. Nämlich eine Möglichkeit, Energie zu gewinnen ohne die klimaunfreundliche CO2-Produktion vermeiden zu müssen. Die anderen – meist die Gegner der Kohlekraftwerke – halten die Technik noch nicht für ausgereift und erprobt. Hinzu kommt, dass die CO2-Abscheidung und -lagerung (CCS) noch nicht verbindlich vorgeschrieben ist – mit anderen Worten: Man kann auch ohne solche eine Anlage Kohlekraftwerke bauen.

“Andererseits kann die Technologie, wenn sie denn hält, was sie verspricht, eine wichtige Brückentechnologie auf dem Weg ins Solarzeitalter sein”, kommentiert GermanWatch nun in einer Pressemitteilung. Denn derzeit seien weltweit etwa 800 neue Kohlekraftwerke in der Planung. Wenn diese ohne CCS gebaut würden, seien alle ernsthaften Klimaschutzziele zum Scheitern verurteilt. Glaubwürdig sei eine solche Strategie allerdings nur, wenn zugleich massiv die Energieeffizienz und ein zügiger Pfad zu einer hundertprozentigen Versorgung mit Erneuerbaren Energieträgern vorangetrieben wird. “Wir brauchen die verbindliche Zusage der Stromwirtschaft, keine neuen Kohlkraftwerke mehr ohne CCS zu bauen,” kommentiert Christoph Bals, der Politische Geschäftsführer von Germanwatch.

Im Rahmen einer überzeugenden Solarstrategie sei die Entwicklung von CCS ein notwendiger Schritt, um die Möglichkeit offen zu halten, die globale Erwärmung noch unter zwei Grad zu begrenzen, meint Germanwatch. “Wir brauchen jetzt Demonstrationsanlagen. Die Zeit drängt, um die Belastbarkeit der neuen Technologie zu testen,” so Bals.

Nun jedenfalls: die Vattenfall-Pilotanlage Schwarze Pumpe läuft. Erst wenn die Anlagen getestet sind, können wir entscheiden, ob wir uns auf sie verlassen können.In jedem Fall hieße dies mal wieder: Das Problem auf zukünftige Generationen abwälzen (siehe auch Stichwort Asse II), anstatt gleich nach nachhaltigen Lösungen zu suchen.

Zu verhindern sei jedoch der Neubau von Kohlekraftwerken ohne CCS, so Germanwatch. Da neu in Betrieb gehende Kraftwerke 40 oder sogar 60 Jahre lang Strom erzeugen können, belasteten sie die CO2-Bilanz von Deutschland über Jahrzehnte. “Wir müssen vermeiden, uns durch neue Kohlekraftwerke ohne CCS in eine Stellung einzubauen, mit der ernsthafter Klimaschutz nur noch bei frühzeitiger und teuerer Stilllegung der Kraftwerke zu erreichen ist. Das würde eine Kapitalvernichtung im großen Stil mit entsprechenden Forderungen der Stromerzeuger an den Staat bedeuten. Damit wäre erheblicher Widerstand Deutschlands gegen Klimaschutz und weitergehende Reduktionsziele bis zum Jahr 2050 vorprogrammiert”, kommentiert Treber.

Übrigens:  Die Wettbewerbsfähigkeit Erneuerbarer Energien wird gegenüber mit CCS aus- bzw. nachgerüsteten Kohlekraftwerken wesentlich früher erreicht werden. Denn CCS treibt die Kosten von Kohlestrom hoch.

Infos: www.germanwatch.org