„Das Gras ist doch grün!“

pixelio_diskussion_shofschlaeger.jpg Ich kann mich noch genau erinnern. Es ist zwar schon über zwei Jahrzehnte her, doch wenn ich heute manche der politischen Diskussionen in den Medien verfolge, klingelt mir dieser Satz mit einem Mal wieder in den Ohren. Damals war es ein aufgebrachter Lehrer der versuchte, eine sich verselbständigende Diskussion zu beenden. Wir hatten im Unterricht über den Sinn und Unsinn bürgerlichen Protests gesprochen, angeheizt durch die damaligen (heißen) Diskussionen um Abrüstung, Abtreibung und AKWs. Diese gefielen dem Lehrer ganz und gar nicht und er begann sich gegen die „ewigen Weltverbesserer“ zu wenden. „Was wollt Ihr denn alle – das Gras ist doch grün!“, raunzte er ungehalten in den Raum. Sein offensichtliches Ziel: bürgerschaftliches Engagement für übertriebene Hysterie zu erklären. Doch was damals funktionierte wird heutzutage wieder versucht, oft mit erstaunlichem Erfolg.

Die Situation heute ist ganz ähnlich. Die Gesellschaft politisiert sich wieder, nachdem es rund zwei Jahrzehnte mehr oder weniger nur um Selbstfindung, Selbstverwirklichung und Selbstbeweihräucherung ging. Menschen stellen unbequeme Fragen und wollen sich nicht zufrieden geben mit den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Lösungsmodellen, die uns in eine weltweit immer kritischer werdende Lage bringen. Menschen finden sich zusammen, engagieren sich in nichtstaatlichen Organisationen, treffen sich im Internet, suchen nach Wahrheiten, diskutieren Probleme und Lösungswege. Und wieder rückt sie ihr Einsatz für eine andere, bessere Welt in eine geradezu pathologische Rolle, die ihnen von eben denen zugedacht wird, die krampfartig an den alte Modellen festhalten. Doch dieses Mal lassen sich die Bürger nicht so einfach abschrecken. Man könnte es fast ein „Engagement 2.0“ nennen, denn es ist auch eine Neuentdeckung der eigenen Redlichkeit und die feste Absicht, sich diese nicht noch einmal rhetorisch streitig machen zu lassen.

Ist ein Gutmensch ein Schlechtmensch?
Rhetorik ist eine Technik die helfen kann, selbst grottenschlechte Argumente gut aussehen zu lassen. Als solche gilt es sie zu erkennen, wann immer sie angewendet wird. Wie häufig habe ich in der letzten Zeit, und nicht nur in den Medien, den Begriff „Gutmensch“ gehört. Er steht für eine Rhetorik die versucht, Assoziationen auf den Kopf zu stellen und aus einem Menschen mit redlichen Absichten einen fehlgeleiteten Dumbatz zu machen, der zwar das Gute will, es aber entweder zu naiv angeht oder womöglich das Gegenteil bewirkt. So werden selbst aus meuchelnden Diktatoren die nur aus taktischem Kalkül positive Absichten postulieren eben jene Gutmenschen, welche man dann mit dem Diskussionsgegner gleichsetzt. Der Begriff „gut“ wird in sein Gegenteil verkehrt wie einstmals das „besser“ im Weltverbesserer.

Da sitzt zum Beispiel der Vertreter einer Atomlobby in einer TV-Diskussionsrunde und er weiß selbstverständlich dass Kernkraft nun mal keine „Öko-Energie“ ist, dass sie erheblich Risiken birgt und Uran genauso endlich ist wie das Öl. Und doch kämpft er mit allen Mitteln, um seine Position medienwirksam zu Gehör zu bringen. Der ihm gegenüber sitzende Atomgegner, der auf die Gefahren, auf ältere und aktuelle Störfälle, Krankheiten und Probleme bei der Endlagerung hinweist, wird schnell als „Feind“ entlarvt, lächerlich gemacht, nieder geschrien und dann zum „Gutmenschen“ erklärt – ohne das dies von den Moderatoren gerügt wird. Im Gegenteil, der Medienvertreter tun alles dazu, den Atomgegner aus seiner Ecke nicht mehr heraus zu lassen.

Ist aber der Gutmensch wirklich ein Schlechtmensch? Ist das Gute schlecht und somit das Schlechte gut? Mich erinnert das ein wenig an die Neusprech-Diktion aus Orwells 1984. Es kann und darf nicht sein, dass wir diese Rhetorik zulassen und ohne zu murren dulden, dass diejenigen die ganz offensichtlich eigennützige Interessen verfolgen die Sprache umdeuten wie es ihnen passt. Es mag sein, dass ein guter Mensch naiv ist. Es mag auch sein, dass er es nicht anders weiß und eine Situation durch sein Handeln nicht verbessert. Es darf aber nicht sein, dass wir ihn – wenn er es tatsächlich redlich meint – mit Geringschätzung strafen. Unsere Zeit braucht gute Menschen, vielleicht mehr als jede Zeit zuvor. Unsere Zeit braucht Menschen die die Welt verbessern wollen und das sogar häufig unter Vernachlässigung ihrer eigenen materiellen und seelischen Unversehrtheit tun. Können wir eine Sprachgesinnung dulden die eine Sophie Scholl oder einen Claus Graf Schenk von Stauffenberg dafür straft, dass ihr Widerstand nicht erfolgreich war? Wollen wir es zulassen, dass Menschen die aufstehen und Courage zeigen, die also für das Gute kämpfen, als verworrene Naivlinge abgetan werden? Das man ihnen mehr Schlechtes als Gutes unterstellt?

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Erkennen und parieren
Die Rhetorik erlaubt es wie gesagt, selbst schlechteste Argumente gut aussehen zu lassen. Echte Wortakrobaten schaffen es zudem auch noch, ihr Gegenüber im Gespräch zu diskreditieren und unglaubwürdig dastehen zu lassen. Wichtig ist also, die zum Teil sehr einfachen Tricks und Kniffe eines geübten Redners zu durchschauen und ihn als das zu entlarven was er ist: Ein guter Rhetoriker mit schlechten Argumenten.

Vor einiger Zeit habe ich mal eine Übersicht im Netz entdeckt, die sich mit genau diesen rhetorischen Tricks befasst. Leider habe ich sie nicht mehr und werde daher aus dem Kopf versuchen sie wiederzugeben:

1. Argumente sind nur Argumente. Die meisten lassen sich von Außen weder beweisen noch abtun. Der Rhetoriker versucht, sich dieses Unwissen Dritter zunutze zu machen. Sein Ziel dabei ist es, seine eigene Wahrheit zu verbreiten und die Gegenseite unglaubwürdig dastehen zu lassen. Hierzu greift er oft tief in die Trickkiste, indem er

a) seine Unwahrheiten immer wieder aufs neue wiederholt und somit penetriert,
b) Unwahrheiten mit den Wahrheiten mischt, um so Sympathien auf seine Seite zu ziehen
c) Gegenargumente einfach überhört, da er gegen sie nicht ankäme

2. Gibt es tatsächlich ein gewichtiges Argument des Gegners, welches sich nicht so schnell beiseite wischen lässt, gibt es immer noch genügend Möglichkeiten, wie sich der geschickte Redner aus der Affaire ziehen kann. Und so wird er

a) Eine persönliche Beleidigung aus dem Gegenargument destillieren, „Wollen Sie damit sagen das ich lüge?“
b) das Gegenargument überhöhen, um es der Lächerlichkeit preiszugeben
b2) es absichtlich falsch verstehen (beliebt wenn es um Zahlen geht…)
c) oder die Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Redlichkeit seines Diskussionsgegners anzuzweifeln versuchen

3. Steckt der Rhetoriker fest und argumentativ an einem toten Punkt, so wird er versuchen das Gegenargument zu verwässern, es ad absurdum zu führen und damit unglaubwürdig zu machen. Er versucht

a) einzelne Begriffe heraus zu picken und darüber eine losgelöste Diskussion zu entfachen
b) gänzlich abzulenken und vielleicht eine nette, kleine Anekdote zu bringen, die absolut themenfremd ist
c) den Gegner so sehr zu reizen, dass er sich hinreißen lässt und ebenso unglaubwürdig wirkt

4. Hilft auch das nicht weiter, so versucht der Redekünstler den Kontrahenten auszutricksen, indem er

a) ihm nach Außen Recht gibt und auf diese Weise den Wind aus den Segeln nimmt
a1) ihm die Richtigkeit zugestehen, um Sympathien auf seine Seite zu lenken und hierdurch wieder zu profitieren
b) selbstverständlich ohne auf den Hinweis zu verzichten, dass sein Mitdiskutant nur „ausnahmsweise“ richtig läge

5. Um eine Diskussion die nicht allzu gut läuft herum zu reißen, gibt die rhetorische Schule noch einiges her. Nehmen wir an, dass bereits einige Fälle davon geschwommen sind, so hilft es in jedem Fall

a) das große Ganze zu beschwören, um damit zu zeigen dass man schlichtweg den größeren Horizont hat
b) sich als Opfer stilisieren, nach dem Motto: „Ich will dasselbe wie sie, aber mir sind nun mal die Hände gebunden…“
c) sich zum Beschützer der Benachteiligten zu machen, um damit das eigene Argument wieder reinzuwaschen
d) die Diskussion (ganz gleich welchen Stand sie erreicht hat) wieder auf das eigene (falsche) Hauptargument zu lenken
e) Statistiken zu zitieren (die niemand kennt), um damit die objektive Richtigkeit eigener Argumente zu belegen

5. Ist die Redeschlacht offensichtlich verloren, so greift der Gesprächstaktiker zum letzten und heftigsten Geschütz, dem persönlichen Angriff, indem er

a) die Gegenargumente des Gegners für graduell richtig, aber insgesamt unlogisch erklärt (den Verstand anzweifelt)
b) Geschichten aus dem Leben des Gegners zitiert, die seine Unglaubwürdigkeit belegen sollen
c) Die Sachkenntnis des anderen infrage stellt und damit die gesamte Argumentationskette
d) oder einfach nur ihn wüst beschimpft, um ein Gesprächschaos zu erzeugen, das von den Argumenten ablenkt
e) den Gegner für zu kompliziert und verworren erklärt, am besten sogar pathologische Züge attestiert
f) ihn durch die Kriminalisierung seiner Person/Argumentation einzuschüchtern versucht
g) ihm eine grundsätzlich und dezidiert böse Absicht unterstellt und ihn zu „entlarven“ versucht (Gutmensch-Taktik)
h) die beleidigte Leberwurst und den Unnahbaren spielt, um sich selbst aus der Schusslinie zu bringen
i) sich selbst mit einem Mal nicht mehr ernst nimmt (Kindchenschema)

Ja, es gibt wirklich eine ganze Reihe von Kniffen und Tricks. Die meisten davon erkennen wir sofort wieder, wenn wir uns den Verlauf einer Diskussion mal näher anschauen. Sind sie erst einmal offensichtlich, so wissen wir auch sofort was der Redner hier im Schilde führt. Mir geht es manchmal so, dass ich am liebsten in den Fernseher hinein steigen und dem Rhetorik-Ass die Liste seiner Tricks präsentieren möchte. Klar, das geht nicht, aber wenn man einmal seinen Blick dafür geschult hat, dann hilft alle Rhetorik des Gegners nicht weiter und er ist in seinen Absichten so offen wie ein Buch.

Die Medien als Steigbügelhalter
Auch die Medienwelt hat sich in den letzten zwanzig Jahren sehr verändert. Viele Zeitschriften, Magazine, Radio- und Fernsehsendungen, aber auch das Internet stehen unter einem enormen wirtschaftlichen und politischen Druck. Sie werden leider zunehmend instrumentalisiert, entweder als Goldesel oder Sprachrohr (häufig auch beides) zu dienen, wobei der ehrliche, was heißt unabhängige, Journalismus auf der Strecke bleibt. Und auch in den politischen Diskussionen kann man ganz deutlich den Wandel erkennen. Da werden Vertreter unbeliebter Meinungen so ausgesucht, dass man sie bestens überfahren oder anderweitig bloßstellen kann. Oder sie vertreten die Meinung derart überzogen, dass sie zum Argumentelieferanten für die Gegenseite werden. Ein Beispiel: Der maulige und faule Arbeitslose in einer Talkshow, der gegen den Staat wettert aber doch von ihm lebt. Der unbedarfte Zuschauer wird nun weniger über ungerechte Löhne und miese Arbeitsbedingungen nachdenken als vielmehr die Maßnahmen des Wirtschaftslobbyisten gutheißen, der diesen „Schmarotzern“ das Handwerk legen will.

Weite Bereiche der Medien haben mit ihrer Abhängigkeit auch die Verantwortung abgegeben. Würden jemals ein privater Fernsehsender oder eine Zeitschrift gegen die Hand aufbegehren, die Anzeigen und Arbeitsplätze finanziert? Wahrscheinlich nicht. Je abhängiger, desto geringer der Wunsch nach investigativer Kritik. Und selbst bei den staatlichen, von Bürgern finanzierten, Medien kann man sich nicht sicher sein, dass die Berichterstattung neutral und ausgewogen ist. Inwiefern spielen hier handfeste parteipolitische (und damit wieder wirtschaftliche Interessen) eine Rolle, sollte man stets hinterfragen? Und so wird aus den meisten öffentlichen Diskussionen durchaus wichtiger Themen Schaukämpfe, bei denen nichts dem Zufall überlassen wird. Das einzige was man da tun kann, ist genauer hinzuschauen und sich niemals aus einer Quelle allein zu informieren. Leider gibt es noch kein Schulfach Medienkompetenz und es ist auch klar, warum das so ist…

Interessant sind hierzu auch dieser Buchtipp und die wissenschaftlichen Werke (insbesondere über das Fernsehen) von Pierre Bourdieu.

Und hier noch eine aufschlussreiche Videodokumentation (Der Medienkrieg) über die Machenschaften des Fernsehens am Beispiel des US-Sender FOX.

Was tun?
Diese kleine Aufzählung der Rhetorik-Tricks hilft bei der Aufdeckung der unrühmlichen, teils sehr tückischen Gesprächstaktiken. Schaut Euch beim nächsten Mal Diskussionen in den Medien genau an und achtet auf die Taktik der Diskutanten (und Moderatoren)! Schon nach kurzer Zeit werdet ihr aus deren Argumenten mehr heraus lesen als nur das was sie vordergründig zu sagen scheinen. Und was im ersten Moment ganz plausibel, nett und gut gemeint klingt, entpuppt sich als reinster Budenzauber.

Lasst Euch nicht das Wort im Munde herum drehen, wenn es darum geht Eure Position zu verteidigen. Lasst nicht an Euren guten Absichten zweifeln. Im Zweifel kocht euer Gegenüber genauso mit Wasser und wird, wenn er erst einmal überführt wurde, argumentativ keinerlei Punkte mehr für sich verbuchen. Schreibt den Sendern, das ihr das Spiel durchschaut und nicht mehr sehen wollt.

Begeht nicht den Fehler euch darauf einzulassen und diese Tricks selbst anzuwenden… Es geht nicht so sehr darum ein guter Rhetoriker zu sein, als vielmehr wahrhaftig zu argumentieren. Politische Phrasen, Lügen und taktisches Palaver werden in der Zukunft immer mehr als das erkennbar was sie sind: Sand, den man euch in die Augen streuen will. Lasst euch nicht an der Nase herum führen, sondern bleibt fest in der Argumentation!

Am besten ist es, sich nicht auf das Niveau gewiefter Rhetoriker herab zu lassen – denn genau das wollen sie. Zeigt lieber im Gespräch, dass Ihr es gut meint (und zwar auch für alle…). Ganz gleich, ob ihr nun Weltverbesserer, Gutmenschen oder was auch immer „geschimpft“ werdet. Im Gegenteil: Seid stolz auf euren Wunsch die Welt besser zu machen. Keiner erwartet dass Ihr es alleine schafft. Habt keine Hemmungen ein guter Mensch zu sein, denn es werden Zeiten kommen in denen es ganz gleich ist, wie viel Geld und Statussymbole ihr habt. Zeiten in denen der Mensch allein an seinen guten Taten gemessen wird.

Es mag sich heute noch seltsam anhören, denn alles scheint dagegen zu sprechen, doch die Zukunft braucht euch, braucht eure Zuversicht und den guten Willen sich für andere einzusetzen – selbst für eure Gegner. Die Zukunft wird, je schlimmer und bedrängender sie wird, immer mehr eine klare Position von euch fordern. Ihr könnt probieren, Euch zu ducken (in der Hoffnung ungeschoren davon zu kommen), Ihr könnt versuchen euren Profit aus allem Chaos und der Schwäche anderer zu schlagen (was man sich merken wird) oder ihr könnt versuchen das Beste in Euch zutage zu fördern, um Teil einer Gemeinschaft zu sein, die am Ende geläutert aus dem Chaos hervorgehen und sich eine neue, gerechtere und bessere Welt schaffen wird.

Quellen:
Bildquelle Bild 1: Pixelio.de, S. Hofschlaeger
Bildquelle Bild 2: Pixelio.de, Gerd Altmann (geralt)

Autor: Marek Als kleiner Junge lief ich immer mit einem Bleistift in der Hand herum und fragte die Menschen in meiner Umgebung Löcher in den Bauch. Denn genauso stellte ich mir einen Reporter vor: wie einen Detektiv mit Schreibblock... Auch heute noch versuche ich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzutreten – so wie meine Helden von damals. Und das Projekt „Für eine bessere Welt“ ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
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3 Antworten auf "„Das Gras ist doch grün!“"

  1. marek 10 Jahren ago .Antworten

    Hallo Nibiru,

    ja, mir geht es auch so. Natürlich gibt es Menschen die nur so tun als ob – schau Dir nur mal an, was im Bereich des Öko-Marketings geschieht (Stichwort: „Green Wash“). Aber mir kommt es so vor, als würde man das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn man diese Skepsis auch auf die ausweitet, die zwar Gutes wollen und es auch versuchen, aber nicht so erfolgreich sind wie es ihre Wünsche und Ankündigungen erwarten lassen. Menschen die bewusst lügen und sich als Wolf im Schafspelz erweisen, müssen selbstverständlich als solche benannt werden – allein die Wortwahl erscheint mir im hohen Maße doppelmoralisch.

    Ich meine, dass es ein sprachliches Problem ist und man durchaus Begriffe wie „Schaumschläger“ oder „Angeber“ verwenden könnte, um diese Menschen viel besser zu beschreiben.

    Das Beispiel mit dem Gutmenschen ist für mich auch eher nur symptomatisch, um auf grundsätzliche rhetorische Techniken hinzuweisen. Es geht um die Gesprächskultur, um die Achtung vor anderen und (für mich) um die Furcht, dass man all der rhetorischen Trickserei nie soweit kommt, wirklich gemeinsam Probleme zu lösen. Eine Unterhaltung in einer Talk-Show ist für mich Budenzauber, wenn sie a) nicht tief genug geht und an den eigentlichen Problemen rührt und b) sich in Wortgefechten verliert, ohne den Anspruch auf eine gemeinsame Lösung.

    Viele Grüße,
    Marek

  2. Nibiru 10 Jahren ago .Antworten

    Hallo,

    ich habe eben Eure Seite entdeckt. Gefällt mir ausgesprochen gut. Zuerst habe ich den Brennpunkt gelesen und bin gleich ins grübeln gekommen.

    Zu den Gutmenschen… Ich bin hin und her gerissen, denn ich weiß nicht, wie man hier eine gerade Linie ziehen kann. Einerseits stimmt es, dass wir in unserer Gesellschaft die Sprache verdrehen. Wir drehen die Begriffe in ihr Gegenteil und so auch unsere Ansichten. Auf der anderen Seite muss es doch zuverlässige Begriffe für die Menschen geben, die nur so tun als ob. Also wenn jemand sich hinstellt und den Moralapostel macht, obwohl er es gar nicht ernst meint… Er ermahnt andere Menschen und spielt sich auf, dabei tut er selbst nichts Gutes. Oder er gibt mit seinen guten Taten an und stellt sich also als ein guter Mensch da und macht sich damit wichtig und unverdächtig. Welchen Begriff kann man für sojemanden finden, bei dem Schein und Sein nicht zusammen passen. was machen wir mit den falschen Propheten??

    Mir gibt der Beitrag von Euch zu denken, aber ich habe auch keine Lösung. Ich werde in der nächsten Zeit mal genauer hinsehen, wenn im Fernsehen Nachrichten und Talkshows laufen. Aber was kann man tun? Soll man an die Sender schreiben? Soll man abschalten? Was könnte etwas ändern?

    cu

  3. Max Headroom 10 Jahren ago .Antworten

    Wow! Das ist ja ein ziemlich heftiger Stoff diesmal. Ihr solltet wirklich häufiger Brennpunkt-Artikel machen. Die finde ich sehr spannend, besonders dann, wenn sie Tipps für die Alltagswirklichkeit enthalten. Ich habe ihn gleich mal ausgedruckt und werde mir demnächst eine Talkshow anschauen und eine Strichliste führen.
    😉

    Ich hab zwar schon früher häufiger mal was über die Rhetorik-Tricks der Politiker und Wirtschaftsvertreter gelesen, aber so geballt bringt es bestimmt Spass, sie zu entlarven. Was mir bei dem Artikel noch etwas fehlt, dass sind die geeigneten „Waffen“ mit denen ich mich in ganz alltäglichen Gesprächen gegen diese Tricks und Killerargumente wehren kann. Ansonsten super!!

    MaxHeadroom

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