Zugegeben: wenn wir an Demografie – also das Altern und/oder Schrumpfen einer Gesellschaft – denken, denken wir wohl alle zuerst an die Rente. Dann möglicherweise an leer stehende Häuser. Und schließlich vielleicht auch daran, was denn die Wirtschaft mit dieser Entwicklung macht. Sicher, die düsteren Warnungen von einem dräuenden Fachkräftemangel hat wohl jeder schon mal gehört. Aber was geht’s mich an? Ist doch gut, dann finden vielleicht alle endlich wieder Arbeit…

So einfach ist das natürlich nicht. Denn für die Wirtschaft ist der demografische Wandel natürlich als ein Risiko, das bei der Wahl des Standorts zu bedenken ist: “Die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur beeinflusst entscheidend Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit und ist zu einer maßgeblichen Einflussgröße auf die Standortfaktoren geworden”, schreibt das Laboratory Demographic Change (www.demographicchange.info). Ach stimmt, wir wissen doch: in einer globalisierten Welt tritt jedes Land mit jedem anderen in Konkurrenz.

Das Forum für nachhaltige Entwicklung Deutschland macht nun auf ein Forschungsprojekt aufmerksam, das sich genau damit auseinander setzt. Toll! Unter www.demographic-risk-map.eu kann man mal nachschauen, wie Deutschland (oder ein anderes EU-Land) in den kommenden Jahrzehnten aussehen wird. Der Osten stinkt dabei erwartungsgemäß etwas ab (siehe Grafik unten).

Alles in allem scheint Deutschland aber – oberflächlich und nur nach Farben betrachtet – nicht allzu schlecht da zu stehen. Irland, Luxemburg, Dänemark und Belgien hängen uns zwar locker ab. Doch gegenüber Tschechien, Litauen, Estland und Bulgarien scheinen wir einen eindeutigen Vorsprung zu haben. Dabei fällt mir auf:

Um die Demografie scheint es vor allem in den Ländern und Regionen schlecht bestellt zu sein, in denen es wirtschaftlich nicht ganz so rosig aussieht. Könnte das etwa daran liegen, dass die jungen Menschen dort wegziehen, um zu Arbeit zu kommen? Dann beißt sich doch eher der Hund in den Schwanz: Wo der Altersdurchschnitt steigt und die Bevölkerungszahl sinkt, da will sich kein offensichtlich kein vernünftiger Unternehmer niederlassen – was dazu führt, dass der Altersdurchschnitt noch mehr steigt und die Bevölkerungszahl noch mehr sinkt.

Doch Moment mal, stimmt es eigentlich, das junge, dynamische und vielversprechende Karrierestarter die besten Arbeitnehmer sind? Nein, meint beispielsweise Dieter Reitmeyer, Chef der Redi-Group: “Wir möchten, dass ein Mitarbeiter die Firma behandelt wie sein Kind … Diese Einstellung finden wir bei älteren Arbeitnehmern. Und wir setzen auch gezielt auf Menschen, die schon länger arbeitslos sind. Für die ist das dann hier nicht mehr nur irgendein Job. Das ist ihre letzte berufliche Chance”, sagte er in einem Interview mit dem WDR.

Solche Unternehmer soll es laut WDR und anderen Berichten immer öfter geben – wenn es denn stimmt, eine schöne Entwicklung. Also ist es doch gut, das wir (Deutschland) laut”demographi-risc-map” im Mittelfeld liegen und mit Ost und West beides zu bieten haben – da können wir im internationalen Wettbewerb nichts falsch machen.

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