Geschenkt?

pixelio_strom_joachimreisig.jpg„Erster Strom-Anbieter führt Sozialtarif ein“ – vermeldet heute der Berliner Kurier und meint damit die Aktion von E.on-edis in Brandenburg, bei der insgesamt 5000 sozial schwachen Haushalte eine Gutschrift von (sage und schreibe) 74,58 Euro erhalten. Andere Anbieter wollen nachziehen. Ob es sich hier um regelmäßige Zahlungen handelt, geht aus dem Artikel nicht hervor – macht aber auch nichts, denn es kommt ja auf die Symbolik an. Ich möchte mich nicht darüber äußern, welche Art von Symbolik einer solche krummer Betrag besitzt (E.ons Jahresumsatz lag zuletzt bei 64,1 Milliarden Euro!), sondern habe mit Erstaunen festgestellt, wie umstritten der Gedanke des Sozialtarifs für Energiekosten bei manchen Politikern ist.

In den letzten Monaten sind die Preise für Strom, Gas und Wasser derart in die Höhe geschossen (wir haben gleich drei Erhöhungen erhalten), dass immer mehr Familien und Single-Haushalte echte Probleme bekommen. Die ersten Meldungen über Privathaushalte die einfach von der Stromversorgung abgekoppelt wurden, machten bereits die Runde. Auch wenn jetzt der Vorstoß der Energieversorger – die ja eine ziemlich schlechte Presse hatten und haben – eher als ein PR-Manöver gewertet werden muss, so erscheint mir die Einführung eines Sozialtarifs ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung. Wobei ein Zubrot von knapp 75,00 Euro für eine Großfamilie oder einen Hartz IV-Empfänger mit gerade mal 350,- Euro monatlich zur freien Verfügung eben nur als symbolisch verstanden werden kann.

Die Gründe für die Erhöhung stehen noch auf einem anderen Blatt – warum z. B. koppelt man den Gaspreis an das Öl und warum springt der Staat nicht ohnehin hier in die Bresche, wo er doch nicht schlecht an den Energiekosten verdient? – was wirklich erschüttert, dass ist der Streit der über dieses Thema mittlerweile ausgebrochen ist: „Die Union lehnt jede Form von Sozialtarifen, wie sie die SPD vorschlägt, ab“, sagte Joachim Pfeiffer, energiepolitischer Koordinator der CDU, dem Handelsblatt. Es sei sinnvoller, den Wettbewerb im Strommarkt zu verbessern, als mit staatlichen Sozialtarifen in die Planwirtschaft zurückzufallen. Die Forderungen der Sozialdemokraten nannte Pfeiffer „populistisch“, liest man dazu im Handelsblatt. Das die Liberalisierung des Strommarktes in die Hose ging, nimmt man allein mal die Preisentwicklung, und ein freier Markt das Problem der Wucherei so nicht in den Griff bekommt, sollte sich jedoch auch bis in die Union herumgesprochen haben…

Dabei scheint Hilfe und Unterstützung für die Ärmsten der Gesellschaft nicht nur aus christlichen Überlegungen geboten, sondern auch eine volkswirtschaftlich relevante Maßnahme. Denn wenn beim Bürger nichts in der Brieftasche bleibt, wer soll dann dem desolaten Binnenmarkt wieder auf die Beine helfen?

Quelle:
Bildquelle: Pixelio.de, Joachim Reisig

Autor: Marek Als kleiner Junge lief ich immer mit einem Bleistift in der Hand herum und fragte die Menschen in meiner Umgebung Löcher in den Bauch. Denn genauso stellte ich mir einen Reporter vor: wie einen Detektiv mit Schreibblock... Auch heute noch versuche ich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzutreten – so wie meine Helden von damals. Und das Projekt „Für eine bessere Welt“ ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
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3 Antworten auf "Geschenkt?"

  1. […] auch “Sozialtarife” für bedürftige Menschen anbieten (darüber berichtet auch das füreinebesserewelt-blog), kaum noch zu ertragen. Da kann man es doch leicht verschmerzen, dass E.ON (Homepage des […]

  2. Nibiru 10 Jahren ago .Antworten

    Was für eine affige Aktion der „Stromer“. Auch wenn sich die Haushalte über die milde Gabe bestimmt freuen … sehr spendabel ist das nicht. Da muss noch mehr passieren.

    Nibiru

  3. Thialfi 10 Jahren ago .Antworten

    Wer schenkt denn hier wem was? Ein Konzern, der dem Bürger den letzten Cent für Strom und Heizung aus der Tasche zieht und dann, wenn sowieso nix mehr zu holen ist, großzügig die Sparhosen herunterlässt… äh anzieht? Und hinterher heißt es dann sicher: “ Seht Ihr, liebe Wähler, unser soziales Engagement und unser Verantwortungsbewusstsein ist nur möglich, weil wir saubere und umweltverträgliche Atomkraftwerke haben, die günstig Strom erzeugen! Und nun versteht Ihr doch sicherlich auch, warum die Laufzeiten der alten (aber selbstverständlich immer noch sichersten) Atomkraftwerke nicht abgeschaltet werden können, sondern (bis zum St. Nimmerleinstag, oder bis sie uns um die Ohren fliegen) weiter am Netz bleiben müssen!“
    Bei einem Überschuss in Höhe von 7,7 Mrd. € im Jahr 2007 bei E.ON, lässt es sich halt leicht „großzügig“ sein und sicher werden die für diese „soziale Aktion“ anfallenden knapp 574.000 € nicht vom Gewinn abgezogen, sondern als Betriebskosten geltend gemacht und somit steuermindernd dem Staat vorenthalten!

    Sehr informative und vielfältige Artikel auf Eurem Blog übrigens, gefällt mir gut,

    liebe Grüße sendet Thialfi vom TempelderGaia

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