pixelio_roboter_kfm.jpg“Forscher erschaffen Roboter mit Rattenhirn”, eine aktuelle Meldung, die nur am Rande der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, könnte für die Robotik einen ähnlichen Paradigmenwechsel in der Wissenschaft bedeuten, wie einst das erste Klonschaf “Dolly”. Denn die Robotik ist damit einem ihrer Traumziele – der Verbindung aus Mensch und Maschine – ein gutes Stück näher gekommen. Mit keinem Satz erwähnen die meisten der Journalisten die ethischen Gefahren der Forschung. Denn hierbei geht es auch um Fragen wie: “Ab wann ist eine Maschine eine Lebensform?” und “Welche Rechte gestehen wir dann zu?” Ein Motiv, dass bereits von dem genialen Science Fiction-Autor Isaac Asimov in einer Kurzgeschichte und später in ihrer Verfilmung “Der 200-Jahre-Mann” aufgegriffen wurde. Schaffen wir in wenigen Jahren eine ganz neue Spezies, den “Robot Sapiens”? In der Geschichte vom 200-Jahre-Mann stellt sich zum Ende hin die Frage, nach der Definition allen Menschlichen. Die Hauptfigur, ein Roboter, sieht zuerst ganz genau so aus, wie wir uns einen Androiden vorstellen. Doch mit den Jahren kommt er seinem Wunsch ein echter Mensch zu sein immer näher. Man kennt das Motiv aus Pinocchio. Hier aber, die Geschichte spielt in ferner Zukunft, schafft es der 200-Jahre-Mann menschliche Organe nachzubauen, die in ihrer Funktionsweise echten Organen in nichts nachstehen. Die von ihm selbst verkauften Produkte werden mit den Jahren immer attraktiver für die Menschen, die auf diese Weise ihren kranken Organe austauschen können. Doch ab einem gewissen Grad, als die Anzahl die künstlicher Organe in menschlichen Körpern so groß wurde, dass man auch hier von einem Mischwesen hätte sprechen müssen, sind sich Mensch und Maschine sehr ähnlich geworden. Und man spricht dem Roboter am Ende seines Lebens – er wählt freiwillig den Tod – die Menschlichkeit zu. Bei alledem hatte er jedoch immer über ein eigenes Bewusstsein verfügt, ein Bewusstsein dass ihn zu einem Inidividuum machte. Dieses kann man von den bisherigen Robotern unserer Zeit wahrlich nicht behaupten. Doch was ist mit der Ratte?

Hier ein Video, dass den Ratten-Roboter zeigt:
[flash]http://de.youtube.com/watch?v=AuOX433VY88[/flash]

Man muss davon ausgehen, dass die Ratte bei der Transplantation ihres Gehirns in die Maschine lebendig war. Da wurde also einem Tier bei lebendigem Leib der Schädel geöffnet und das Gehirn entnommen – nur um es frisch einsetzen zu können (ich wäre dankbar für eine Erläuterung der genauen Vorgehensweise). Es war zu lesen, dass die Wissenschaftler nicht eben wenig stolz darauf waren, das Gehirn bei “Fehlfunktionen” jederzeit austauschen zu können. Wie praktisch für die Wissenschaft – wie grausam für die Tiere…

Ich bin Gordon!
Eine Ratte besitzt ein Ich-Bewusstsein. Sicherlich nicht so komplex und ausgeprägt wie das von anderen Tieren. Gerade darum dürfte es Begehrlichkeiten bei den Wissenschaftlern wecken, noch weiter zu gehen – auch wenn das Gegenteil behauptet wird: “ Vor allem aus ethischen Gründen dürfte es unwahrscheinlich sein, dass die Forscher in Reading eines Tages Roboterhirne aus menschlichen Nervenzellen für ihre Experimente einsetzen. Möglich wäre das wohl, spekuliert Warwick, denn der Hauptunterschied zwischen Ratten- und Menschengehirnen liegt nicht in der Qualität der Neuronen, sondern in der Menge. Während Ratten lediglich eine Million Nervenzellen haben, sind es beim Menschen 100 Milliarden.” (WELT ONLINE)

Mit der Ethik ist das so eine Sache, wenn mir mal an die aktuelle Mensch-Tier-Hybrid-Forschung in Großbritannien denken. Mal abgesehen davon, was sich zum Beispiel in der geheimen Militärforschung gänzlich der Öffentlichkeit entzieht. Wer garantiert, dass es hier eine ethische Grenze gibt?

Eine Ratte besitzt ein Ich-Bewusstsein und da drängt sich natürlich die Frage auf, ob dieses nach der Transplantation erhalten bleibt. Der Sinn einer solchen Forschung kann ja nur sein, die dem Tier biologisch gegebenen Eigenschaften auf die tote Maschine zu übertragen. Was könnte also das mögliche Forschungsziel sein? Offiziell, so heißt es, geht es zunächst einmal darum, dass Gehirn als solches in seiner Funktionalität besser zu verstehen, um dann zum Beispiel Krankheiten besser in den Griff zu bekommen. Doch scheint dieses nicht wirklich der einzige Grund zu sein. Eine Verbindung aus Mensch und Maschine trüge immerhin die körperliche Kraft, Perfektion und Robustheit einer Maschine und die psychologischen Verhaltensmuster des Lebewesens in sich. Das Ergebnis wäre ein perfektes Mischwesen, dass viele Möglichkeiten in sich birgt. Verbunden mit dem Militär bringt diese Überlegung einige unangenehme Assoziationen mit sich.

Man wird die Entwicklung genauso scharf beobachten müssen, wie die Hybrid-Forschung und anderen Bereiche der Genforschung – auch wenn es der Öffentlichkeit nicht leicht gelingen dürfte. Im Übrigen fällt es schwer zu glauben, dass Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Militär tatsächlich nur das Wohl des Menschen dabei im Auge haben. Zwar ist auch hier Extraktion neuer, milliardenschwerer Märkte denkbar, doch es wäre geradezu ein Wunder, wenn es dabei bliebe – denn schließlich ist die Unversehrtheit des menschlichen Individuums nicht gerade eine große Stärke der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Weltagenda.

Schaf Dolly kann sich nicht mehr beschweren, denn es ist schon vor einiger Zeit gestorben. Doch Gordon, mit seinem auswechselbaren Gehirn, könnte irgendwann stellvertretend für seine Spezies Fragen an uns stellen. Ethische Fragen. Vielleicht ist es kein Zufal, dass Gordon in Frankreich, dem Heimatland der “Frankenstein”-Autorin Mary Shelley, das Licht der Welt erblickte…

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Bildquelle: Pixelquelle.de, kfm