pixelio_wm_juttarotter.jpg“Nach dem Spiel ist vor dem Spiel”, so brachte es ehemals Fußballnationaltrainer Sepp Herberger (WM 1954) auf den Punkt. Auf den ersten Blick vielleicht profan, doch wenn man etwas genauer hinschaut, steckt mehr als nur fußballerische Wahrheit in diesem Satz. Die Olympischen Spiele in China sind vorbei und schon steht die nächste große Sportveranstaltung in einer “kritischen Region” an – in nur zwei Jahren ist  Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Anders als bei der Olypmiade China werden hier nicht nur die Menschenrechte, sondern auch noch ganz andere Themen im Vordergrund stehen: Die hohe Zahl der AIDs-Infizierten beispielsweise, die Gewalt gegen Frauen und Kinder, die ärztliche Versorgung, Wasser, Nahrung. Während wir uns hier vom Fußball-Rausch anstecken lassen und Bier-beseelt und Wurst-gesättigt unseren Jungs zujubeln, sollten diese Aspekte nicht in Vergessenheit geraten. Denn uns geht’s so gut – und denen so schlecht. Oder geht es uns so gut, weil es denen so schlecht geht?

Auf jeden Fall fordern schon heute mehrere Nichtregierungsorganisationen und Kampagnen Unterstützung für Südafrika, das heißt: für die Menschen. So haben sich zum Beispiel unter dem Motto “Kick For One World” mehrere Nichtregierungsorganisatione zusammengetan. Gemeinsam mit Organisationen der Zivilgesellschaft in Südafrika setzen sie sich dafür ein, dass die Veranstaltung nicht nur die Kassen der Großunternehmen füllt, sondern auch für die Menschen vor Ort Verbesserungen mit sich bringt – ökonomisch und vor allem sozial.

Pünktlich zum ersten Qualifikationsspiel der deutschen Nationalelf am 6. September fordert die Kampagne “KICK FOR ONE WORLD” in einem Brief den Präsidenten des Weltfußballverbandes FIFA, Joseph S. Blatter, auf, sich für eine gerechte Durchführung der FIFA Weltmeisterschaft in Südafrika einzusetzen.

“Durch Bildungs- und Informationsmaterialien, aber auch durch Veranstaltungsreihen und Begegnungen mit Menschen aus Südafrika möchten die Organisationen der Kampagne im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland Informationen jenseits der Themen Gewalt, Sicherheit oder Tourismus zur Verfügung stellen und Stimmen aus dem südlichen Afrika zu Wort kommen lassen.”

Auch das “South Africa Project” setzt sich für bessere Lebensbedingungen ein: “„Trotz enormer Fortschritte gibt es in Südafrika zahlreiche Probleme. Sei es die steigende Zahl HIV-Infizierter, die unglaublich hohe Rate an Vergewaltigungen, die 1,2 Millionen obdachlosen Kinder oder die Zahl an Gewaltverbrechen“, erklärt Felix Holzapfel, Chef der Werbeagentur Conceptbakery, die nun die Initiative SouthAfricaProject.org ins Leben gerufen hat.” (siehe auch unseren Artikel zum Project).

Eine weitere Initiative die um Unterstützung bittet kommt aus Baden Württemberg und nennt sich “Wir helfen Afrika”. Sie setzt auf kostenlose medizinische Hilfe vor Ort: “Wir möchten ehrenamtlich mit einem international renommierten Ärzteteam und Südafrikanischen Kliniken während der WM 2010 unter anderem hilfsbedürftigen Kindern aus Afrika kostenfreie ärztliche Behandlungen zukommen lassen. Wir sehen die WM 2010 als große Chance und auch Verpflichtung an, erneut Sportbegeisterung und Hilfsbereitschaft positiv zu verknüpfen. Das Land Baden-Württemberg würde so nicht nur die schönste, sondern auch die hilfsbereiteste Fankurve Deutschlands sein.” heißt auf der Website, die auch genauer erklärt, wie das laufen soll:

“Unser Konzept sieht vor, sinnbildlich für alle 32 an der WM teilnehmenden Fußballnationen zunächst 32 Kindern eine kostenfreie Operation zu ermöglichen. Für jedes Kind soll eine Persönlichkeit aus Sport, Kultur oder Politik als Pate fungieren. Wir möchten 32 Städte oder Gemeinden aus Baden-Württemberg dafür gewinnen bei unserem Projekt mitzumachen und sich sinnbildlich für ein Kind aus Afrika stark zu machen. In den Städten sollen Aktionen und Initiativen entstehen, die alle ein Ziel haben „Wir helfen Afrika“. Beim Hilfsprojekt „Wangen hilft Togo“ wurden während der WM 2006 von Kindergartenkindern und Schüler Unterstützerbuttons verkauft, Bäcker backten einen Togo-Taler, in den Eiscafés gab es Togo-Eis – und alle Erlöse kamen dem Hilfsprojekt und somit den hilfsbedürftigen Kindern aus Togo zu Gute. Was in einer Stadt in Baden-Württemberg funktioniert hat, funktioniert auch in 31 anderen Städten in Baden-Württemberg.”

Wer sich generell für das Thema, aber insbesondere für die sozialen, medizinischen und wirtschaftlichen Umstände der Einheimischen interessiert, findet mit dem “Südafrika Blog 2010” eine gute Anlaufadresse. Die Website berichte umfassend mit News aus Südafrika, Kapstadt und über Fussballweltmeisterschaft 2010

Quelle:
Kick For One World
South Africa Project
Wir helfen Afrika
Südafrika Blog 2010
Bildquelle: Pixelquelle.de, Jutta Rotter