medien_zdfgeothek.gifDas ZDF bietet allen Geografie-Muffeln mit seiner interaktiven “Geothek” einen praktischen Service. Es erinnert ein wenig an das CIA Worldfactbook, das manche Surfer der ersten Stunde des Internet vielleicht schon kennen und verbindet das Navigationskonzept von GoogleEarth mit dem journalistischen Angeboten des Senders . Über die interaktive Weltkarte lassen sich alle Länder der Erde bequem heran zoomen – nicht so nah wie bei Google, aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Viel wichtiger ist die Idee, redaktionelle Inhalte geografisch und damit übersichtlich und im Kontext zu präsentieren. Der Nutzer kann zu jedem Land den entsprechen Abschnitt laden und erhält zusätzlich eine kleine Karte mit wichtigen Informationen, wie Hauptstadt, Staatsform, Fläche, Einwohnerzahl und Amtssprache. Diese lässt sich zusätzlich auch als PDF herunterladen und ausdrucken. Auf der Karte findet man zudem kleine Kamera-Symbole. Sobald man auf diese klickt, kann der entsprechende Videobeitrag gestartet werden.

Endlich multimedial
Als ich noch zur Schule ging, da war Geografieunterricht ziemlich langweilig. Computer gab es nicht und einen digitalen Globus hatte man höchstens in einem Science-Fiction-Film schon mal gesehen. Der Politikunterricht war zu dieser Zeit schon etwas besser – immerhin gab es manchmal sogar einen Film zu sehen – aber auch nicht gerade prickelnd. Wir wissen heute, dass der spielerische Umgang mit Lerninhalten zu wesentlich besseren Resultaten führt, als stupides Auswendiglernen und das zudem ein bewegtes Bild viel mehr sagt (und auch besser in Erinnerung bleibt) als Tausend Worte. Heute ist die Technik soweit und präsentiert uns das Weltgeschehen als multimediales Feuerwerk. Einerseits sinnvoll, denn es spricht uns instiktiv an, weckt Neugier und Unternehmergeist. Andererseits bleibt immer die Gefahr zurück, dass die Realität zur Unterhaltung verkommt. Denn schiebt man mal die gelungene Präsentationsform zur Seite, geht es ja hier um die (oft bedrohliche, ernüchternde und erschreckende) Realität.

Trotzdem überwiegt bei der Geothel das Positive, da sie auch besagte Lernmuffel hinter dem Ofen hervorzuholen vermag und den Zugang zu journalistischen Themen fernab der Unterhaltung ermöglicht. Ganz nebenbei vermittelt sie auch unterbewusst das Gefühl, dass die Welt ein einziger Ort ist und kein Ereignis wirklich losgelöst steht von den Bedingungen, die anderswo auf dem Globus herrschen. Alles ist vernetzt, alles gehört zusammen. Das macht dieses Angebot deutlich. Und das ist ist allemal besser als nur geschichtliche Jahreszahlen oder Hauptstädte auswendig zu lernen.

Die rechte Gehirnhälfte förderm
Ein anderer Aspekt der sich gedanklich noch anschließt ist in der Tatsache begründet, dass unser Schulsystem in den letzten Jahrzehnten fast ausschließlich die nüchternde und analytische Seite der Schüler angesprochen und trainiert hat. Stets ging es darum, die linke Gehirnhälfte zu fördern, auf Logik und gedankliche Ordnung zu setzen. Und dieses Prinzip setzte sich im Studium fort. Heute wissen wir, dass die meisten Ereignisse von Bedeutung jedoch eher irrational gesteuert, emotional und intuitiv sind. Zudem schlummern gerade in der Kreativität die größten Potenziale. Also: Starres Auswendiglernen, ohne wirklich Zusammenhänge herzustellen, führt letztlich auch zu einer defensiven und angepassten Lebenshaltung. Es fördert die hierarchische Logik genauso wie die analytische Neigung, Situationen ausschließlich auf ihren Mehrwert, auf ihren Nutzen abzumustern. Mit allen Konsequenzen, wie wir ja aktuell sehen können.

Die neuen Technologien sind nicht nur unterhaltsamer und vermitteln uns Inhalte auf eine vollkommen neue Art. Sie fördern überdies auch endlich unsere rechte Gehirnhälfte und hilft uns damit vielleicht, ein Gleichgewicht aus Logik und Gefühl, somit letztlich aus Vorteils- und Gemeinschaftsdenken herzustellen. Denn, wer sich beginnt auch mit dem Gefühl für die Welt zu interessieren, der wird irgendwann auch seine Gefühle für sie entwickeln. Mitgefühl, Verantwortung und vielleicht sogar Empörung über all die Ungerechtigkeit mit denen andere Menschen (und sei es auch am anderen Ende der Welt) zu kämpfen haben. Für diese Entwicklung ist die Geothek unter Umständen ein weiterer Baustein.

Quelle:
ZDF – Geothek