Veteranen und Dekorierte, Frauen und Mütter, Opfer und Heimgekehrte, Kriegsgegner und Demonstranten – wie tief greift der Krieg in das Leben der Menschen ein?

Wie verändert er das Individuum? In der Ausstellung “Livin with War” sind Portraitfotos der Fotografin Judith Joy Ross zu sehen, die Amerikaner zeigen, die in die Kriege in Vietnam, am Golf oder im Irak involviert waren. “Kein Lächeln, keine Freude, eher eine innere Zerrissenheit und Verhärtung finden sich in den präzisen und nüchternen Fotografien mit ihrer einzigartigen Mischung aus Intimität und emotionaler Distanz”, ist in der Ankündigung des Veranstalters C/O Berlin zu lesen.

Protest the war

Die Ausstellung bei C/O Berlin zeigt drei Gruppen von Porträts: Die erste mit dem Titel „Protest the War” soll die chronologisch jüngste sein – sie entstand 2006/07 und zeigt Menschen, die in den USA gegen die Teilnahme ihres Landes am Irakkrieg demonstrieren. Begleitet werden diese Fotografien von Aufnahmen, die vor mehr als 15 Jahren entstanden.

Sie porträtieren Soldaten, die unmittelbar vor ihrem Einsatz im ersten Golfkrieg stehen. Eine letzte Gruppe entstand 1983/84 am Vietnam Veterans Memorial in Washington, D.C.. Sie stellt in Einzelporträts dessen Besucher vor, Veteranen oder Familienangehörige, die sich der Gefallenen des Krieges in Südostasien erinnern. Die Porträts von Ross nehmen nicht Partei für eine bestimmte politische Richtung, sondern stellen die Unersetzbarkeit des Individuums als Grundlage des geschichtlichen Prozesses heraus.

Schwarz-Weiß-Fotografien der Physiognomie

Judith Joy Ross zähle zu den wichtigen amerikanischen Fotografen in der Tradition des „dokumentarischen Stils”, deren Arbeit in Europa noch zu entdecken ist, so der Veranstalter weiter. Seit über 30 Jahren widme sie sich ausschließlich dem Porträt. Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien konzentrierten sich dabei ganz auf die Physiognomie der Menschen, um durch sie die innere Wirklichkeit der Porträtierten herauszuarbeiten.

Sie verzichteten auf alle darüber hinaus gehenden zeittypischen Attribute. Gleichwohl gehe es der Fotografin nicht allein um eine Individualpsychologie, sondern ebenso um eine historische und existentielle Dimension. Ähnlich wie in August Sanders Werk sei auch bei Ross das Individuum eingebunden in seine Zeit und deren geschichtliche Koordinaten.

Am Sonntag, den 28. September 2008 um 15 Uhr ist die Fotografin im Gespräch mit Thomas Weski in der Ausstellung anzutreffen. Die Ausstellung selbst geht noch bis zum 5. Oktober 2008 im Postfuhramt. Weitere Infos: www.co-berlin.com