Social Startups

Viele groß tönende Worte sind schon über das Web 2.0 verloren worden. Viel zu viele eigentlich. Dennoch muss ich es an dieser Stelle noch mal wiederholen, dieses leidige Schlagwort. Denn: Es tut sich was – besonders erfreuliches – in diesem Web 2.0… Und zwar lässt sich beobachten, dass es immer mehr „Web-2.0-Services“ gibt, die sich für’s Fundraising, die Vernetzung und Information von Engagierten sowie als Plattform für gemeinnützige Aktionen anbieten: Beispielsweise elargio.de. Hier kann auf der einen Seite jeder eine Aktion ausschreiben – egal, ob es sich dabei um einen Marathon, eine Party oder um eine Dauerknutsch-Aktion für den Weltfrieden handelt. Auf der anderen Seite kann jeder spenden – Freunde, Bekannte, Unbekannte… Das gesammelte Geld überweist elargio dann an gemeinnützige Organisationen.

Über helpedia.org kann man hingegen anhand von Ort, Thema und Tätigkeitsgebiet genau die Organisation, den Verein oder die Initiative finden, bei der man sich gerne ehrenamtlich engagieren möchte. Eine echte „Marktlücke“. Denn obwohl alles in Zeiten des Internet leicht zu finden ist – einen umfangreichen und interaktiven Guide, über den man (vor allem auch kleinere) Organisationen finden kann, gab es im deutschsprachigen Raum bislang noch nicht, so helpedia-Gründer Sebastian Schwiecker. Ein Service, der vor allem das Drittel unserer Bevölkerung nachhelfen könnte, das laut Freiwilligensurvey zwar generell bereit wäre zum ehrenamtlichen Engagement, aber noch keine konkreten Ansätze hat (ein anderes Drittel engagiert sich schon und das letzte Drittel würde sich laut Survey auf keinen Fall engagieren).

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betterplace.org vermittelt hingegen (nicht nur, aber) vor allem hiesige Spender von Geld, Sachspenden oder Mitarbeit an Projekte in ärmeren Ländern dieser Welt – also beispielsweise an ein Selbsthilfeprojekt für Jugendliche in La Paz, ein Projekt für arme Alte in Bolivien oder für Microkredite in Ecuador. Der Clou an der Sache ist laut Gründer Till Behnke, dass die Plattform betterplace eben auch für Transparenz und einen direkten, fortdauernden Austausch steht. Das heißt, jeder kann sich genau informieren, wohin seine Spende geht, bleibt auf dem Laufenden was Neuigkeiten angeht und kann auch direkten Kontakt mit den Initiativen aufnehmen – egal wie groß oder klein das Projekt ist.
Netzwirken.net will hingegen Aktive und Unternehmen mit einander in Verbindung bringen. Hier können unterschiedliche Projekte, Aktionen oder Initiativen ihr Vorhaben beschreiben.

Pro förderndem Unternehmen gibt es zwei Projekte und jedes Mitglied der Online-Community kann seine Stimme einem der beiden geben – das Fördergeld wird dann prozentual und entsprechend der Anzahl der Stimmen auf die beiden Projekte aufgeteilt. Campact.de wiederum bringt Aktivisten zusammen – also „Campaign“ und „Action“ (daher auch der Name). Organisationen et cetera können hier ihre Aktionen ausschreiben – und die Besucher der Website zur Teilnahme motivieren. Dazu gehören jedoch nicht nur Online-Kampagnen – also beispielsweise Emails-Schreiben an Politiker, um damit auf deren Entscheidungen Einfluss zu nehmen –, sondern auch solche im realen Leben. Zusammen mit verschiedenen NPOs organisierte Campact im letzten Jahr beispielsweise eine Sommertour durch die Wahlkreise der 25 wichtigsten Politiker Deutschlands, um Einfluss in Sachen Gentechnik-Gesetz zu nehmen.

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Es gibt noch etliche weitere – beispielsweise weltretter.org oder eben auch die vielen Vorbilder aus dem angelsächsischen Raum, wie etwa i-genius.org, wearewhatwedo.org, amazee.com oder justgiving.org. Zumindest hierzulande verstehen sich die meisten jedoch keineswegs als NGO oder NPO – sondern als das, was man im Neudeutschen „Social Entrepreneurs“ nennt. Also Unternehmer, die die Umsatz- und Gewinnmaximierung nicht als einziges und allem anderen vorrangiges Unternehmensziel erkennen, sondern mit ihrer Unternehmung genauso die Lösung sozialer, gesellschaftlicher Probleme anstreben. Noch steht die Finanzierung dieser „Social-Web-Services“ in der Regel noch nicht auf wirklich sicheren Füssen – aber es gibt eine Reihe von Finanzierungskonzepten, die sinnvoll und machbar erscheinen. In den kommenden Tagen und Wochen werden wir die Interviews veröffentlichen, die wir mit den Gründern und Machern geführt haben. Ein erstes mit Achim Ritzmann von elargio findet ihr hier.

Dass es sich dabei nicht um Ausnahme-Erscheinungen handelt, sondern sich hier tatsächlich eine neue Bewegung, eine neue Social-Startup-Branche zu entwickeln scheint, zeigt auch das Social Camp – eine Veranstaltung, die im Juli 2008 Networker und NGOs/NPOs zusammen bringen und durch diesen Austausch neue Potentiale und Möglichkeiten für Engagement und aktive Demokratie per Web 2.0 (hier ist es schon wieder) ermitteln wollte. Einen Film der Veranstaltung gibt es hier.

Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
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