Wie wohl für die meisten war der Geschichtsunterricht für mich etwas, was ich so eher nebenbei erledigen konnte – er hat daher zwar nicht besonders geärgert oder aufgeregt, aber eben auch nie so richtig interessiert. Spuren hat er deshalb nicht so wirklich hinterlassen. Verschwommen kann ich mich noch an die Französische Revolution erinnern – aber mehr…? Als mir dann neulich ein kleines Taschenbüchlein in die Hände viel mit dem angenehm unprätentiösen Titel “Was bisher geschah – eine kleine Weltgeschichte” erwachte in mir plötzlich der Vorsatz, mögliche Bildungslücken zu schließen. Und was kann da einen besseren Anfang bieten, als ein Taschenbuch, dass in Kürze das Wesentlich der Menschheitsgeschichte präsentiert?

Nun mag vielleicht der ein oder andere Geschichtsbegeisterte die Nase rümpfen: Wie kann man nur? Die ganzen Kulturen, Kriege, Dramen und heroischen Augenblicke – zusammengepfercht auf etwas mehr als 370 Seiten? Das kann nicht gut gehen! Doch, es kann. Und zwar gerade durch seine Kürze. Denn der Autor und Kunstgeschichtler Loel Zwecker liefert mit seinem gut geschriebenen Werk nicht nur blendende Unterhaltung (und die sorgt sicherlich für mehr Geschichtsinteressierte, als das noch so umfangreiche, aber staubtrockene Mammutwerk).

Nein, er schafft es gerade durch dieses Konzentrat Zusammenhänge aufzuzeigen. Wie man es sich von einem Kunstgeschichtler vorstellen mag, kommt dabei Kunst und Kultur nicht zu kurz. Aber natürlich auch Politik, Religion, gesellschaftliche Strukturen und Wirtschaftssysteme stellt Zwecker kurz und knapp gegenüber. Besonders angenehm und interessant dabei: Er schafft es, die sonst so übliche eurozentristische Sichtweise zumindest ein Stück weit zu verlassen.

Und so erfährt man, wie sich die Kultur und die Gesellschaft Asiens (Japans, Chinas, Indiens, Kambodschas und Vietnams) zu Zeiten der griechischen Antike entwickelte – und welche Parallelen es dabei beispielsweise zwischen Christus, Sokrates und Buddha gibt. Ebenso aufschlussreich ist es, wenn er erzählt, wie die Indianer Nord- und Südamerikas oder der Aborigines in Australien zu Zeiten des Mittelalters lebten – und dass sie uns “fortschrittlichen” Europäern in Sachen Demokratie und Gleichberechtigung zum Teil meilenweit voraus waren.

Ich jedenfalls kann diese kurzweilige Lektüre nur empfehlen. Sie öffnet die Augen – denn es stimmt schon: Nur wenn wir aus der Geschichte lernen, können wir eine Zukunft gestalten. Und es macht zugleich auch irgendwie gelassener. Die Menschen haben sich nämlich im Grunde schon immer um das Gleiche gestritten. Die Machthabenden haben ihre Position schon immer ausgenutzt. Ideologien und Religionen wurden schon immer für die Macht missbraucht (was natürlich nicht heißt, dass es keine redlichen religiösen oder ideologischen Menschen gibt). Und die Menschen haben sich aber auch schon immer dagegen gewehrt, das Gute in der Welt gesucht, gefunden, erstritten und verteidigt.

Die bibliografischen Angabe:
“Was bisher geschah. Eine kleine Weltgeschichte” von Loel Zwecker
Pantheon Verlag, 383 Seiten, ISBN 978-3-570-55127-1
www.randomhouse.de/pantheon/

>> gibt es übrigens auch als Hörbuch bei Audiomedia