Zwischen Sündenfall und Siegesgöttin

Da ich mich von Berufs wegen gerade mit der Frage auseinandersetzte, welche Parallelen es zwischen Religion und Marken so gibt, hier auch mal ein Eintrag zu dem doch recht interessanten Thema (eines, das bei Religionslehrern unglaublich beliebt zu sein scheint).

In den Medien wird ja viel über die „Markengläubigkeit“ gesprochen. Ein Beispiel ist der Artikel aus dem Süddeutschen Magazin – nicht nur, dass der Apfel an sich schon ein religiöses Symbol ist, Steve Jobs inszeniere sich bei seinen heiß erwarteten Keynotes wie ein schlicht gewandeter Apostel, der das neue Heilsversprechens einer Turm-zu-Babel-freien Weltgemeinschaft verkünde.

Kein Wunder, dass das neue iPhone bereits den Spitznamen Jesus Phone trage. Maccianer sieht er wie eine verschworene Gemeinde der „unterdrückten“ (gegenüber den Windows-Usern), wie es ehemals die Christen waren. Macianer widersprechen der These allerdings. Dennoch: es machen sogar schon Gerüchte um Apple-Sekten die Runde…

Bekleidung als Bekenntnis

Dennoch: Artikel wie beispielsweise „Bekleidung als Bekenntnis“ von Matthias Sellmann stimmen nachdenklich. Er zieht Parallelen zwischen der Funktion der Marke Nike (=SiegesGÖTTIN) zu denen von Religion im Allgemeinen. Auch Klassiker wie „No Logo“ von Naomi Klein werfen die Frage auf:

Kaufen wir uns Spiritualität lieber (schnell) ein, anstatt uns (zeitraubend) mit Dingen wie Meditation, Beten oder gar Gottesdienst oder einem aktiven Gemeindeleben auseinander zu setzen, die außerdem noch „unangenehme“ Verpflichtungen nach sich ziehen können? Diese „Nachteile“ sieht jedenfalls Peter Wippermann vom Hamburger trendbüro in einem Interview unter anderem als Gründe, warum Marken überhaupt die Chance haben, mit einer „spirituellen“ Markenführung beim Publikum zu landen.

Die Tatsache, das schon längst kaum jemand mehr den Versprechungen von Werbung etc. Glauben schenkt – und sich die Marken-Verantwortlichen daher schon seit geraumer Zeit die Köpfe zerbrechen, wie sie die verlorene Authentizität wohl wieder gewinnen könnten – ist sicherlich der entscheidender Anstoß der Marken, es zumindest zu versuchen. Wippermann jedenfalls hat im Frühjahr schon mal den Trend zum so genannten Karma-Kapitalismus ausgerufen…

Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
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Eine Antwort auf "Zwischen Sündenfall und Siegesgöttin"

  1. davide kochberg mitchel 5 Jahren ago .Antworten

    ahm nääää

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