Ein neues Outfit für wenige Euro: Fast Fashion macht uns vor, dass wir uns immer wieder neu erfinden können und das ganz billig. Den Preis zahlen Umwelt, Tiere und Mitmenschen. Doch wie kann es vegan, fair, öko und stilvoll gehen? Die Gründerin des Ethic-Fashion-Magazins Noveaux Julia Akra-Laurien über vegane Mode.

Alles begann vor zwei Jahren. Das führte die freie Kommunikationsberaterin Julia Akra-Laurien für die Tierschutzorganisation „Animals Liberty“ eine Anti-Pelz-Kampagne durch. Was sie dabei an Fotos und Filmen gesehen hat, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Jedes Mal, wenn sie ein Modemagazin aufschlug, bekam sie nun schlechte Laune. Doch damit ist nun Schluss: Sie ihr eigenes Magazin „Noveaux“ (www.noveaux-mag.com) für super stylische und zugleich vegane Mode gegründet. Das zeigt, dass Adjektive wie fair, öko und vegan kein Gegensatz zu Begriffen wie Glamour und Lifestyle sein müssen.

Ist es kompliziert, sich vegan und schick zu kleiden?

Julia Akra-Laurien: Ganz einfach ist es nicht. Doch wer den guten Willen hat, kriegt das schon hin. Rein vegane Mode – also Kleidung nur ohne tierische Anteile – findest du eigentlich überall, auch in den bekannten Modehäusern. Ob das nun ein Baumwoll-T-Shirt ist oder eine Hose.

Wenn es darüber hinaus aber auch noch nachhaltig und fair produziert sein soll, wird es ein bisschen komplizierter. Wer gerne online einkauft, wird ganz schnell fündig. Doch einfach mal so durch die Stadt bummeln, geht derzeit nur in den großen Städten Deutschlands. Da gibt es mittlerweile so tolle Läden wie Loveco, Dear Goods oder Avesu. Es tut sich also was und es wird immer einfacher.

Worauf muss ich achten, wenn ich vegane Mode kaufen möchte?

Julia Akra-Laurien: Immer ins Etikett schauen. Nur den Stoff zu fühlen kann täuschen. Zum Beispiel fühlen normale Konsumentinnen und Konsumenten bei Modal und Seide eigentlich kaum noch einen Unterschied.

Daneben gibt es typische Stolperfallen: Da denkt man etwa, dass eine Jeans nur aus Baumwolle oder Bio-Baumwolle besteht. Doch dann hängt da so ein blöder Lederpatch dran. Auch Knöpfe können aus Horn oder Perlmutt sein. Oder im Stoff steckt ein Seidenanteil drin. Das Etikett muss solche Bestandteile immer angeben. Wer dort nachsieht, ist auf der sicheren Seite.

Was sind deine wichtigsten Argumente für vegane Mode?

Julia Akra-Laurien: Also wenn man, wie ich, der Meinung ist, dass Tiere nicht zum Anziehen da sind, dann hat man schon ganz alleine dadurch den Motor für sich gefunden. Es macht nicht so viel Mühe, ethische Kleidung zu kaufen, wenn man bedenkt, was man dadurch alles Gutes erreichen kann. Durch jeden Einkauf können wir viel ändern. Es ist quasi eine Stimmabgabe dafür, in welcher Welt wir leben möchten.

Mit einem Blick ins Etikett kannst du also nicht nur Tieren das Leben retten, sondern auch unheimlich viel Wasser und Energie sparen, Pestizide und andere Chemikalien vermeiden sowie die Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter verbessern. All das sollten wir im Kopf haben, wenn wir das nächste Mal etwas aussuchen.

Ethic-Fashion-Expertin Julia Akra-Laurien über vegane Mode

Julia Akra-Laurien lebt mit ihrem Mann und ihrem Kind in Berlin.

Das Problem ist ja nicht nur, was wir kaufen, sondern auch wie viel wir kaufen…

Julia Akra-Laurien: Das stimmt. Wenn man sich anschaut, dass einige große Fast-Fashion-Hersteller 52 Micro-Kollektionen pro Jahr herausbringen, ist das Irrsinn. Dennoch: Die Wenigsten halten sich aus den Modetrends ganz heraus. Die Mehrheit möchte schon mit der Zeit gehen.

Vegane, nachhaltige und faire Mode kann sich deshalb nur durchsetzen, wenn sie in dieser Hinsicht keine Kompromisse macht. Die klassische Öko-Mode hatte ja ihren unverkennbar eigenen Stil und das hat einfach nicht funktioniert. Daher bin ich froh, dass es endlich ein Angebot gibt, dass genauso aussieht wie normale Mode, aber sauber, vegan und fair ist.

Dennoch stimmt es, dass wir eben nicht mehr so viel konsumieren können. Anfangen kann man, indem man Spontankäufe sein lässt, die meist ohnehin nur als Kleiderschrankleiche enden. Da ethische Kleidung ein bisschen teurer ist als konventionell hergestellte, kann man sich meistens ohnehin nicht mehr so viele Kleidungsstücke leisten. Dann fängt man an, genau auszusuchen, was man tatsächlich braucht.

Dabei ist es wichtig, seinen eigenen Stil zu finden. Viele kaufen und kaufen und kaufen und denken, sie könnten sich in irgend etwas anderes verwandeln. Doch das Ganze ist im Grunde eine Stilsuche. Wenn man die Teile gefunden hat, die man wirklich braucht und die einem gefallen, kauft man nur noch das, was man langfristig braucht und trägt.

Da kommt dann auch mehr Wertschätzung ins Spiel. Denn Kleidungsstücke, die ich mir genau aussuche und die ich vielleicht auch länger suche, sehe ich mit ganz anderen Augen, als wenn ich im Vorbeigehen ein Stück für fünf Euro mitnehme.

Wie findet ich meinen eigenen Stil?

Julia Akra-Laurien: Da hat die Bloggerin Daria Daria kürzlich einen super Beitrag dazu gepostet, den ich hier gerne teilen möchte: Einen eigenen Stil zu finden ist ein Prozess. Daria Daria hatte den Tipp, dass man sich ein Moodboards erstellen. Damit kann ich prüfen, ob mir etwas einfach nur gefällt oder ob ich es wirklich auch anziehe. Und wenn ich es tatsächlich trage, ob es mir auch steht.

Eigentlich wissen die meisten ja, welche Auswirkungen Fast Fashion hat. Aber sie kaufen dennoch weiter. Was können wir hier tun?

Julia Akra-Laurien: Ich war neulich auf einer Konferenz und da wurde das eigentlich ganz gut erklärt: Da hieß es, dass Mode wie eine Sucht sein kann. Das ist wie ein Versprechen, dass wir uns ständig neu erfinden können – und das für super wenig Geld. Wie bei anderen Süchten auch kommt man da mit vernünftigen Argumenten gar nicht an. Deswegen fände es auch toll, wenn schon in der Schule darüber gesprochen werden würde. Dort gibt es meist das Fach Ethik, in dem man über solche Themen sprechen könnte.

Mode an sich ist ja nichts Negatives, im Gegenteil. Sie gibt uns die Möglichkeit, uns auszudrücken. Im jungen Alter ist es natürlich schwierig, weil da zum einen oft noch das Selbstbewusstsein fehlt, um es anders zu machen, als alles anderen. Zum anderen stecken junge Menschen meist in einer Selbstfindungsphase.

Problematisch ist dabei, dass Fast Fashion suggeriert, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn man sich mal verkauft. Dann kauft man sich halt was Neues und schmeißt das „Alte“ weg. Hier müssen wir ansetzen. Da haben sicherlich auch die Medien mit die höchste Verantwortung, denn sie geben vor, was gerade angesagt ist.

Spielen solche Themen in deinem Magazin auch eine Rolle?

Julia Akra-Laurien: Ja, auf jeden Fall. Auch wenn sich Modemagazin und Nachhaltigkeit in manchen Köpfen vielleicht ausschließen, gibt es in Noveaux ja nicht nur Kauf- oder Verbrauchertipps. Wir liefern auch viele Hintergrundinformationen, etwa zur Herstellung oder zu alternativen Materialien – meinem Lieblingsthema.

Zum Beispiel gibt es eine Alternative zu Leder, das sogenannte Ananasleder. Es wird aus den Blättern der Ananas gewonnen, einem Abfallprodukt, und ist super weich und wasserabweisend und hat die gleichen Eigenschaften wie normales Leder. Doch keiner muss dafür sterben und es ist viel umweltfreundlicher.

Denn auch wenn die Ananas nicht auf heimischen Feldern wächst, braucht die Produktion dieses Leders nicht so viel Chemikalien und Energie wie die Herstellung von herkömmlichem Leder. Der überwiegende Anteil wird noch mit Chrom gegerbt und das ist fatal für die Menschen und die Umwelt.

Vielen Dank, wir wünschen dir weiterhin viel Glück mit dem Magazin!

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Links zum Thema Vegane Mode

  • Magazin Noveaux: www.nouveau-mag.com
  • Vegane Mode: Online-Ratgeber der Organisation Peta http://veganemode.info
  • Wer macht was: Die Organisation Animals Liberty bewertet auf der Website und in der App unterschiedliche Hersteller in Bezug auf Tierschutz, auch Bekleidungsmarken. www.wermachtwas.info
  • Pelzinfo: Nichts für schwache Nerven ist diese Website, die aufklärt, unter welchen Bedingungen Billigpelz in Asien entsteht. Der ist oft billiger als Kunstpelz. www.Pelzinfo.de

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