Recht auf Stadt Hamburg

Recht auf Stadt – die Bewegung

Was ist eigentlich Stadtleben: wie sieht es aus? Und inwieweit können wir mitbestimmen, wie der Lebensraum Stadt aussieht? Die Bewegung „Recht auf Stadt“ hat dazu ganz reale Forderungen. Wir haben Recht-auf-Stadt-Aktivisten Niels Boeing getroffen.

Es war der französische Soziologen und Philosoph Henri Lefebvre, der 1968 in seinem Buch Le droit à la ville erstmals das Recht auf Stadt erhob. Dazu kam er, weil sich die Städte nach dem Krieg durch Massenwohnungsbau und anderes aus seiner Sicht nicht besonders positiv entwickelten. Eigentlich könnte die Stadt ja ein Kreativhort sein. Viele unterschiedliche Menschen treffen hier aufeinander. Sie könnten gemeinsam ganz ungewöhnliche, spektakuläre oder einfach nur schöne und lebenswerte Dinge anstellen.

Statt dessen sah Lefebvre, dass sich die Stadtbewohnerinnen und -bewohner immer mehr nach den nüchternen Überlegungen der Industrie zu richten hätten: Sie sollten sich in „Schachteln, Käfigen oder ‚Wohnmaschinen‘ einschließen lassen“. Wichtiger als das Experiment Stadt wurde die Rendite. Heute spricht man auch von Gentrifizierung: Wer nicht genug Geld mitbringt hat an den hübschen Fleckchen einer Stadt auch nichts mehr zu suchen. [Quelle]

Die Konferenz für eine bessere Welt

18. – 19. August 2018, Gut Karlshöhe Hamburg

Konferenz für eine bessere Welt 2018 - Niels BoeingDer Recht-auf-Stadt-Aktivist Niels Boeing ist bei der Konferenz für eine bessere Welt. Komm und debattiere mit ihm über die Möglichkeiten und Spielräume in der Stadt. Überlege, was wir gemeinsam für bezahlbaren Wohnraum und eine friedliche und schöpferische Nachbarschaft tun können!

 

 

Über die Konferenz Der Ort Programm Ticket & Anmelden

Was heißt Recht auf Stadt?

Grund genug also, etwas anderes zu fordern! Und so haben sich seit der Jahrtausendwende überall auf der Welt Recht-auf-Stadt-Initiativen entwickelt. Es gibt sie in Istanbul, New Orleans, Madrid und Hamburg. Seit 2007 gibt es in den USA die „Right to the City Alliance“ (RTTC). Sie alle widersetzen sich der Gentrifizierung ihrer Städte.

Und sie fordern, dass die Stadtbewohnerinnen und -bewohner ein Recht auf ein Leben im Zentrum einer Stadt haben. Dass sie einen Zugang zu den Orten des gesellschaftlichen Reichtums und der städtischen Infrastruktur haben. Und sie verlangen ein Recht darauf, den öffentlichen Raum ihrer Stadt für Begegnungen und gemeinsame Projekte zu nutzen. Sie wollen mit entscheiden, wie ihre Stadt aussieht, unter welchen Gesichtspunkten sie sich politisch und strategisch weiter entwickelt. Und schließlich möchten sie, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ihren Anteil an den schöpferischen Überschüssen der Stadt erhalten.

Recht auf Stadt Hamburg

In Hamburg hat sich 2009 die in Deutschland wohl erfolgreichste und wirkungsvollste Recht-auf-Stadt-Initiative gegründet (www.rechtaufstadt.net). Genauer gesagt ist es ein Netzwerk aus Hamburger Initiativen wie Wohnprojekte, Gemeinschaftliche Stadtgärten, Kulturkollektive und noch viele weitere.

Sie setzen sich gemeinsam für bezahlbaren Wohnraum, nicht-kommerzielle Freiräume, die Vergesellschaftung von Grund und Boden, eine neue demokratische Stadtplanung und die Erhaltung von öffentlichen Grünflächen ein. Außerdem fordern sie das Recht auf Stadt für alle Bewohner*innen – ob mit oder ohne Papieren. Und sie machen sich stark gegen Gentrifizierung, Repression, neoliberale Stadtentwicklung und geschlossene Grenzen.

Mit der Nachbarschaft fängt es an

Der Journalist und Aktivist Niels Boeing ist Mitglied der Recht-auf-Stadt-Bewegung in Hamburg. Wir haben ihn bei einer Aktion im Arrivati-Park nahe Feldstraße getroffen. Dort haben wir mit ihm über die Bedeutung der Nachbarschaft in einer lebendigen und lebenswerten Stadt gesprochen. Ihr könnt es euch denken: Natürlich spielt sie eine große Rolle …

„Die Nachbarschaft ist es, wo sich eigentlich das Leben abspielt“, meint Niels. Für ihn fängt alles, was für eine positive Stadtentwicklung wichtig ist, in der Nachbarschaft an. „Wenn wir uns fragen, was gut im Alltag ist oder was besser werden sollte in der Gesellschaft – dann ist die Nachbarschaft der Ort, wo es losgehen muss“, weiß er aus vielen Jahren eigener Erfahrung. Das hat er nicht immer gedacht. Doch an die ganz großen, hoch fliegenden und ambitionierten Bewegungen glaubt er im Moment nicht.


„Ich glaube eher, dass die Power der Nachbarschaften – wenn sie sich denn alle miteinander verbinden – eine ganze Menge bewirken kann“, erklärt er. Hier können die Menschen ihre Unterschiedlichkeit sehen und Konflikte gemeinsam lösen (anstatt nur in den Medien lauter Schrecklichkeiten zu hören und gar nicht mehr miteinander zu sprechen, sondern nur immer gegen das Andere zu demonstrieren).

Deshalb fordert Niels: Raus aus dem Sessel! Raus aus dem Haus! Rein in die Straße und in die Stadt. Entdecke, wer neben, über und unter dir wohnt. Nimm Kontakt auf zu den Menschen, an denen du Tag für Tag vielleicht sogar grußlos vorbei hastest. Knüpfe dein Netzwerk, entwickle mit anderen zusammen Ideen für gemeinsame Projekte – sei es ein Nachbarschaftsfest, ein urbaner Gemeinschaftsgarten oder eine Food-Coop.

Ideen für Nachbarschaftsprojekte

Ideen für Gemeinschaftsprojekte in deiner Nachbarschaft findest du unter anderem in unserer Online-Akademie für Weltverbesserer und Weltverbesserinnen:

Nachbarschaftsprojekte

Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!

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