Der Inhalt dieses Beitrages auf einen Blick:
- Wie könnte eine Alternative zum Kapitalismus aussehen?
- Was ist an Tauschlogik so verkehrt?
- Wie geht gemeinschaftsbasiertes Wirtschaften?
- Wie sieht die solidarische Finanzierung von „Für eine bessere Welt“ aus?
Der Kapitalismus funktioniert schon lange nicht mehr gut für alle. Wenn er es denn jemals getan hat. Auf der einen Seite entstehen riesige Mengen an Dingen, die nicht wirklich jemand braucht. Nach dem Prinzip „rausholen, verarbeiten, nutzen, wegschmeißen“ haben wir uns ein lineares Wirtschaftsmodell geschaffen, dass nach und nach alles Leben auf diesem Planeten ausbeutet, auslaugt und auffrisst. Auf der anderen Seite haben sinnvolle Ideen mit großer Relevanz für das Leben und Wohl aller geringe Chancen. Der Unverpacktladen. Die regenerative Gärtnerei. Der Kulturraum für alle. Viele Menschen sehen ihren Nutzen und wünschen sich, dass es sie gibt. Doch wo die meisten Unternehmen ihre sozialen und ökologischen Kosten auf andere schieben, können solche Organisationen einfach nicht mithalten. Viele machen nach anfänglicher Euphorie wieder dicht.
Wie könnte eine Alternative zum Kapitalismus aussehen?
Es gibt sie, eine Alternative zum Kapitalismus. Meint jedenfalls Timo Wans. Er ist eigentlich Soziologe, also nicht unbedingt in der Wirtschaftswissenschaft zuhause. Per Zufall kam er auf die Solidarische Landwirtschaft. Hier finanziert eine Gemeinschaft von Menschen eine Gärtnerei oder einen bäuerlichen Betrieb solidarisch. Das bedeutet, dass jedes Mitglied soviel zahlt, wie es kann – und so viel erhält, wie es braucht, wenn alles fair verteilt wird. Damit ist die Logik von Tausch, Maximierung und Konkurrenz des Kapitalismus aufgehoben:
Die Gärtnerinnen und Gärtner sagen, was sie für den Betrieb der Landwirtschaft brauchen und bekommen dies. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sagen, was sie brauchen. Und auch sie bekommen es. Natürlich ist es in der Praxis nicht ganz so einfach, wie ich es hier hinschreiben kann. Natürlich kommt es auch hier zu Konflikten. Immerhin steckt uns die kapitalistische Ideologie tief in den Knochen, sie durchdringt so sehr alle Bereiche unseres Lebens, dass wir das nicht von heute auf morgen einfach so abschütteln können. Die negativen Glaubenssätze mit all ihren Gefühlen im Schlepptau – wie Angst, Neid, Wut oder Scham – sitzen tief.
Wieso ist Tauschlogik eigentlich verkehrt?
Ich muss gestehen, dass ich selbst lange Zeit nicht so ganz verstanden habe, wieso Tauschlogik eigentlich verkehrt sein soll. Ist doch gut, wenn sich in etwa ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen zwischen Menschen einstellt, dachte ich mir. Immerhin stört mich am Kapitalismus doch, dass sich die „Tauschlogik“ hier immer nach dem Nutzen des Stärkeren richtet, wenn Gesetze dies nicht verhindern. Und selbst da finden skrupellose Menschen immer Schlupflöcher, um eine unfaire „Tauschlogik“ zu ihren Gunsten hinzukriegen!
Doch dann habe ich eine gute Erklärung gelesen in dem Buch „Ich tausche nicht mehr. Ich will mein Leben zurück“ (gibt’s als PDF-Download unter https://ich-tausch-nicht-mehr.net): Stell dir vor eine Bäckerin hat ein Brot, das sie nicht selbst braucht. Sie will es weitergeben. Nun stehen drei Menschen vor ihr: der Erste hat schon ein Brot sowie eine volle Geldbörse. Der Zweiter hat einen Käse für den er noch Brot braucht. Auch er hat Geld, aber nicht so viel wie die erste Person. Und der Dritte, der nichts hat – weder Brot, noch Käse noch Geld.
Nun, wer kriegt in der Welt der Tauschlogik das Brot? Vielleicht der, der am meisten zahlen kann. Also die erste Person, die eigentlich schon alles hat. Vielleicht aber auch die zweite Person, die zwar einen Käse hat, aber kein Brot, die dafür ebenfalls auch bezahlen kann (vielleicht nur etwas weniger). Vermutlich wird es nicht Person drei sein, denn sie kann ja nicht bezahlen. Der „Tausch“ wäre nach gängiger Tauschlogik „unfair“. Und das, obwohl die dritte Person das Brot am dringendsten bräuchte. Sie muss wohl hungrig schlafen gehen.
Nun weißt du, wieso Tauschlogik eine blöde Sache ist: Nicht der Mensch kriegt das Brot, der es am meisten braucht. Sondern die Person, die (am meisten) zahlen kann. Wer es anders macht, ist in unserer Welt eine schlechte Geschäftsperson. Ein Gutmensch vielleicht.
Gemeinschaftsbasiertes Wirtschaften – so geht’s
Aber kehren wir zurück zu Timo Wans. Er hat anderen von der Solidarischen Landwirtschaft erzählt, sie dafür begeistert, erfolgreiche eine ins Leben gerufen – und sich dann überlegt, dass sich dieses Prinzip doch auf alle möglichen anderen Unternehmungen übertragen lassen müsste. Den Unverpacktladen. Die regenerative Gärtnerei. Den Kulturraum für alle. Und so hat er das gemeinschaftsbasierte Unternehmen „Myzelium“ gegründet, das Gründende, Unternehmerinnen und Unternehmer dabei berät, wie sie selbst ein gemeinschaftsbasiertes Unternehmen aufbauen bzw. sich dazu entwickeln können. In einem Podcast-Interview erzählt er sehr inspirierend und unterhaltsam von der ganzen Sache: https://heldenundvisionaere.de/wirtschaft-ohne-markt-kunden-ohne-fertiges-produkt/
Sein Fazit: Wer die Idee des gemeinschaftsbasierten Wirtschaftens erst einmal verinnerlicht hat, bekommt einen riesigen Selbstwirksamkeitsschub! Denn im Grunde können Menschen – Bürgerinnen – damit alles bewerkstelligen, was sie sich erträumen. Du wünscht dir ein E-Bike-Sharing in deiner Gegend? Begeistere andere dafür! Du musst eben „nur“ genug Menschen finden und zu einer Gemeinschaft zusammenschweißen, die die Sache finanziell trägt.
Und wenn das nicht gelingt? Nun, dann war die Idee wohl nicht so wichtig, dass sie genug Leute begeistern konnte, meint Timo in dem erwähnten Podcast. Ich möchte zwar noch ergänzen: oder es handelt sich um eine nicht-privilegierte Person, die die Idee hatte. Ein Mensch, der nicht so gut reden kann etwa. Oder jemand, der keine Menschen mit Geld kennt. Usw. usf. Hier könnten und sollten wir gerne noch mal über unterschiedliche Privilegien in unserer Gesellschaft sprechen … Aber die Grundidee des gemeinschaftsbasierten Wirtschaftens à la Myzelium finde ich dennoch richtig gut.
Gemeinschaftsbasiertes Wirtschaften für Kreative
Ganz neu ist die Idee aber auch nicht. Freie Medienschaffende nutzen schon lange solche gemeinschaftsbasierten Finanzierungsformen. Viele Podcaster*innen, Medienschaffende, Musiker*innen, Künstler*innen oder Game-Designer*innen setzen darauf. Ja, es gibt sogar Plattformen wie Steady (https://steady.page/de/) oder Patreon (https://www.patreon.com/), die sich genau darauf spezialisiert haben. Hier können sich Kreative einen Account anlegen, ihre Fans können dann darüber Mitgliedschaften abonnieren.
Die Vorteile: Erstens sind die Angebote so für alle kostenfrei. Eine Gemeinschaft von Menschen, denen die Sache besonders am Herzen liegt und die es sich leisten kann, finanziert sie. Zweitens sind die Kreativen von der „Last“ befreit, ein Business zu betreiben, das allein von den Absatzzahlen abhängt (eine furchtbar unangenehme Sache für die meisten, die ich kenne). Auch Marek und mir geht es so: seit 2007 betreiben wir die Plattform „Für eine bessere Welt“ mit einem Online-Magazin, einem Newsletter, Videos, Veranstaltungen, Workshops, Printables, Plakaten und vielem mehr. Das meiste davon komplett kostenlos. Manches davon zum geringen Selbstkostenpreis.
Allerdings haben wir (noch) keine gemeinschaftsbasierte Wirtschaft. Bisher verdienen Marek und ich unser Geld mit anderen Dingen. Dann versuchen wir mit möglichst wenig Geld auszukommen, sodass wir noch genug Zeit haben, um diese Angebote herzustellen und weitgehend kostenfrei anbieten zu können. Nicht, weil wir glauben, dass sie nichts wert sind. Sondern, weil wir uns wünschen, dass sie allen offen stehen. Immerhin geht es uns um mehr, als um’s Geld verdienen. Wir wollen unsere Welt zu einem besseren Ort machen – gemeinsam mit euch.

Wir wollen gemeinschaftsbasiert wirtschaften – für eine bessere Welt!
Einige Jahre haben wir das nicht mehr geschafft. Wir werden auch nicht jünger. „Für eine bessere Welt“ pausierte und lag bracht. Doch dann kamen Trump, der Backlash, die TechBros, der Sturm auf die Demokratien und den Frieden. Nun können wir nicht länger „ruhig“ bleiben. Wir haben uns letzten Sommer aufgemacht und „Für eine bessere Welt“ neu aufgesetzt und wollen als „Good Rebels“ möglichst viele Menschen dazu bringen, sich ebenfalls für eine bessere Welt zu engagieren. Wir haben bereits darüber berichtet …
Nun wollen wir „Für eine bessere Welt“ so weit wie möglich auf gemeinschaftliche Beine stellen. Wir haben uns dazu eine Kombination aus drei Modulen überlegt und werden in den nächsten Monaten und Jahren ausprobieren, ob das so funktionieren kann:
- Anteil: Gemeinschaftsbasiert finanziert Unsere allergrundlegendsten Ausgaben wollen wir gerne via Steady durch eine Gemeinschaft von Mitgliedern solidarisch finanzieren – den Good-Rebel-Supportern. Das umfasst Miete, Heizung, Strom, Nebenkosten, Telefon, IT und Kommunikation sowie alle Ausgaben, die direkt mit der Erstellung der Inhalte für eine bessere Welt zu tun haben (etwa Reise- oder Lizensierungskosten, Fremdhonorare u.ä.) sowie ein kleines Basis-Honorar für Marek und mich. Dafür wünschen wir uns derzeit alles in allem (Stand Februar 2026) auf 2.500 Euro/Monat
- Anteil: Selbstfinanziert Während Online-Magazin, Newsletter, Podcast und Online-Events allen kostenfrei zur Verfügung stehen sollen, gibt es auch ein paar Medien, die sich zumindest zum Teil selbst finanzieren müssen. Dazu gehören zum Beispiel die Arbeitshefte für eine bessere Welt, unsere Bücher sowie manche Materialien (etwa manche Poster oder Merge).
- Anteil: Querfinanziert Und schließlich gibt es Angebote, die unseren Lebensunterhalt sichern und damit unsere Arbeit „für eine bessere Welt“ quer finanzieren. Dazu gehören zum Beispiel Workshops oder Projektberatungen, das Ghostwriting von Büchern oder die Sachbuchberatung (nur für sozial-ökologische Themen!). Hier finden wir jeweils eine Finanzierungsform, die aus unserer Sicht am besten passt. Während es bei einem Workshop vielleicht eine Förderung gibt, sind es bei einem anderen gestaffelte Teilnahmebeiträge und bei einem dritten eine solidarische Finanzierungsrunde, bei der jede Person frei das beiträgt, was sie kann und mag, bis der notwendige Gesamtbetrag erreicht ist (also im Grunde wie bei einer Solidarischen Landwirtschaft). Daneben gibt es auch die gängigen festen Honorare.
Wie siehst du das gemeinschaftsbasierte Wirtschaften?
Ich sage es offen und ehrlich, wie es ist: Marek und ich sind immer wieder unsicher, was unsere Ideen für Marketing und Finanzierung angehen. Wir stehen dem Kapitalismus, dem Leistungsgedanken, der rücksichtslosen Konkurrenz und der sinnlosen Überproduktion kritisch gegenüber. Und wir möchten hier ehrlich und transparent sein. Und dann geht es uns wie vielen freischaffenden Kreativen und Medienmachenden: Wir fragen uns, ob die Welt das, was wir zu bieten haben, überhaupt braucht? Möchten andere Menschen das? Ist es fair und nachvollziehbar, dafür um Geld zu bitten?
Unser Traum ist es, eine neue, nicht-kapitalistische Form der Finanzierung von „Für eine bessere Welt“ zu finden. Wir wünschen uns eine Gemeinschaft, der wir dienen können. Wir wünschen uns eine Gemeinschaft, die uns dabei unterstützen möchte und die wie unterstützen können. Aus unserer Sicht wäre das die Idealform unseres Wirtschaftens, Schaffens, Beitragens und Anbietens. Es würde ein Kreislauf des Gebens und Nehmens entstehen, der so frei ist, dass sich alle Menschen, die das möchten, daran beteiligen können. Ohne Tauschzwang. Mit der Freiheit, das zu nehmen, was eine Person braucht – und das zu geben, was sie kann und möchte.
Wie siehst du das?
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Dann schreibe uns eine E-Mail an ichbin-at-fuereinebesserewelt.info oder hinterlasse unten einen Kommentar.
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Für diesen Text haben wir die KI Lumo von Proton zur Unterstützung bei der Recherche und im Dialog über die Struktur genutzt.

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