Extension Rebellion – Menschen in einem "Die In" vor dem Brandenburger Tor

Demokratie schützen: Gene Sharps Lehre des gewaltfreien Widerstands

Demokratie lebt davon, dass sich Menschen aus der Zivilgesellschaft einmischen. Nur so wird eine Gesellschaft vital und entwickelt sich weiter. Doch wie gelingt es, sich wirksam einzumischen? Und wie aktivieren wir die 3,5 % in der Bevölkerung, die notwendig sind für einen echten Wandel? Gene Sharps Lehre des gewaltfreien Widerstands liefert überraschend aktuelle Anregungen und macht Mut!

Inhalt

Die Hitze drückt. Die Klimakrise ist da. Anstatt etwas zu tun, fördert die Regierung die Fossil-Lobby. Während sie die Superreichen schützt, baut sie den Sozialstaat ab. Und steckt Milliarden in Aufrüstung. Und du? Was fühlst du dabei? Vielleicht ist es eine Mischung aus Wut, Trauer und dem dringenden Wunsch, etwas dagegen zu unternehmen – so wie bei mir. Dann gehe ich auf die Straße. Ich unterschreibe Petitionen. Ich schreibe Blogposts, Newsletter, Bücher und Protestbriefe. Aber bringt das was? Doch dann hat Gene Sharps Lehre des gewaltfreien Widerstands mich wieder ermutigt.

Wir brauchen 3,5 % aktive Menschen in Deutschland, um echten Wandel zu bewirken!

Das sind auf Deutschland gerechnet rund 2,9 Millionen Menschen. Nicht ganz so viele, wie in Köln und Hamburg leben. Müsste doch eigentlich machbar sein! Finden zumindest Marek und ich und deshalb haben wir uns einmal mehr umgeschaut, wie wir diese Menge an Menschen mobilisieren können. Dabei haben wir jemanden gedacht, der uns genau sagen kann, wie das funktioniert: Gene Sharps Lehre des gewaltfreien Widerstands sind heute aktueller denn je. Und sie machen Mut!

Warum Gene Sharp gewaltfreien Widerstand propagiert

Es ist schon viele Jahre her, seit ich den Essay von Gene Sharp »Von der Diktatur zur Demokratie« das erste Mal gelesen habe (das Buch gibt es übrigens kostenlos online [1]). Und auch wenn der Politikwissenschaftler darin vor allem über die klassischen Diktaturen berichtet, so können auch wir hier in unserer „Demokratie unter Beschuss« etwas aus Gene Sharps Lehren des gewaltfreien Widerstands mitnehmen.

Demonstrationen können verpuffen. Petitionen in Archiven versinken. Und Mächtige den Unwillen der Bevölkerung aussitzen. Alle, die sich in den vergangenen Jahrzehnten für Klimagerechtigkeit engagiert haben, wissen, wovon ich hier schreibe. Ab und an höre ich Menschen, die sich fragen: »Vielleicht hilft nur noch Gewalt?« Doch Gewalt ist nicht nur unmoralisch, sie ist auch strategisch falsch. Selbst in Diktaturen, wie Gene Sharp schreibt. Der Grund ist, dass Regierungen immer das Gewaltmonopol haben, egal ob sie demokratisch legitimiert sind oder nicht. Man betritt hier also ein Feld, auf dem man nicht siegen kann. Außerdem hat das die negative Nebenwirkung, dass Gewalt quasi automatisch alle demokratischen Kräfte im Land schwächt.

Gewalt ist immer falsch. Verhandlung funktioniert nicht immer.

Ein weiterer Einwand ist: Sollten wir nicht lieber auf Verhandlung und schrittweise Verbesserungen setzen? Natürlich sind Verhandlungen ein sehr nützliches Instrument, um in Konflikten gerechte Lösungen zu erlangen. Aber sie haben ihre Grenzen. Überall dort nämlich, wo es um grundsätzliche, ethische Fragen geht. Ob ein Menschenleben mehr wert ist als ein anderes lässt sich nicht verhandeln. Deshalb wäre es zum Beispiel auch unmöglich zu verhandeln, wie viele der Menschenleben im Mittelmeer gerettet werden. Unsere Normen und Werte sagen uns: wir müssen jedes Menschenleben retten. Es kann keinen Kompromiss geben, der etwa lautet: »Na gut, 500 Menschen können ertrinken, dafür retten wir die anderen 500 – das ist unser Kompromiss.«

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In solchen Fällen kann ziviler Widerstand politischen Druck erzeugen, um Veränderungen zu bewirken. Nach Gene Sharps Lehre des gewaltfreien Widerstands müssen wir dabei auf vier Aspekte beherzigen:

  1. Wir müssen die Menschen in der Bevölkerung in ihrer Entschlossenheit, ihrem Selbstvertrauen und ihrem Widerstandsgeist stärken.
  2. Wir müssen unabhängige Institutionen und Gruppen stärken.
  3. Wir müssen für eine durchsetzungsfähige, interne Widerstandsbewegung sorgen.
  4. Wir brauchen eine kluge, umfassende Strategie für die Veränderung bzw. die Befreiung.

Meine Hypothese für diesen Artikels lautet:

Die 3,5 % für eine bessere Welt sind kein Glücksspiel, sondern eine Frage der Strategie!

Gene Sharps Lehre des gewaltfreien Widerstands zeigt uns, dass Macht kein unüberwindlicher Block ist. Macht entsteht aus einem Netzwerk. Auch eine Diktatur kann nur bestehen, wenn es genug Menschen gibt, die sie am Laufen halten. Die Richter*innen, die Polizei, die Lehrer*innen, die Pflegekräfte, die IT-Spezialist*innen und so weiter. Es sind diese Netzwerke, die mächtig sind. Und die Kunst besteht darin, ihre Macht für die gute Sache zu gewinnen.

Wo kommt Macht eigentlich her?

Ich höre immer wieder, dass Menschen glauben, Regierungen, Regime oder Konzerne seien stark und mächtig, weil sie viele Waffen, viel Geld oder eine Armee haben. Doch Gene Sharp dreht diesen Gedanken um: Ihre vermeintliche Stärke ist nur dann real, wenn wir sie durch unser Handeln bestätigen. »Stell dir vor, es ist Krieg, und niemand geht hin«. Dieser Satz macht mehr als deutlich, was gemeint ist: Jede Macht braucht eine Vielzahl von Menschen, die diese stützen. Wenn ein Diktator oder superreicher Firmenmogul eines morgens aufwacht und feststellt, dass ihm niemand mehr folgt, ist er über Nacht machtlos.

Macht ist nichts, was ein Mensch besitzt. Macht entsteht aus einem Geflecht an Kooperationen.

Kein Diktator regiert allein. Er braucht Beamte, die seine Gesetze umsetzen. Richter*innen, die sie rechtfertigen. Lehrer*innen, die seine Ideologie verbreiten. Soldat*innen, die auf seine Befehle schießen. Ohne diese Mitspielenden bricht das System innerhalb von Stunden zusammen. Und genau das ist die Achillesferse eines jeden Machthabenden.

Die vier Säulen der politischen Macht nach Gene Sharp

Gene Sharp identifiziert in seiner Lehre des gewaltfreien Widerstands vier Quellen der Macht. An jeder von ihnen können wir ansetzen:

  1. Autorität: Die Menschen müssen davon überzeugt sein, dass es richtig ist, dem Regime zu gehorchen. Es braucht Legitimität oder auch Autorität. Solange die Menschen zum Beispiel glauben, dass ein König Gottes Vertreter auf Erden ist, hat er natürlich eine große Macht. Wenn die Menschen das aber nicht mehr glauben, verliert er sie.
  2. Menschliche Ressourcen: Wie viele und welche Art von Menschen gehorchen und machen mit? Das ist eine entscheidende Säule der Macht. Ein Beispiel: Am 24. Oktober 1975 legten 90 Prozent der Frauen in Island ihre Arbeit nieder. Mehr als 20.000 Frauen versammelten sich zu Demonstrationen. Sie forderten unter anderem gleichen Lohn für gleiche Arbeit und gleiche Aufteilung der Care Arbeit unter Männern und Frauen. → Wenn du über deine Gegenmacht nachdenkst: Welche Gruppen müssten ihre Zusammenarbeit verweigern, um die Macht zu schwächen? Und welche würden es deine Ansicht nach auch tatsächlich tun? Unter welchen Umständen? Mit welchem Ziel?
  3. Fähigkeiten und Wissen: Macht braucht nicht nur irgendwelche Menschen, sondern auch welche mit spezialem Know-how. Ohne IT-Expert*innen bricht auch die beste Überwachungsinfrastruktur zusammen. Ohne Beamt*innen kann keine Regierung handeln. Ohne Pflegekräfte funktioniert kein Gesundheitssystem. → Also, auf welche Expert*innen ist Macht angewiesen, die du verändern willst? Was würde ihre Unterstützung ins Wanken bringen?
  1. Unsichtbare Faktoren: Das sind ideologische oder psychologische Faktoren, die die Menschen dazu bringen, zu gehorchen. Beispielsweise Gewohnheiten, Ideologien oder Religionen. Wenn die Menschen zum Beispiel daran glauben, dass Frauen und/oder Leute mit dunkler Hautfarbe minderwertig sind, dann akzeptieren sie eine entsprechende Ordnung.
  2. Materielle Ressourcen: Zugang zu Boden, Bodenschätzen, Eigentum, Finanzmitteln, Wirtschaftssystem oder Kommunikations- und Transportmitteln.
  3. Sanktionsfähigkeit: Macht ist nur dann mächtig, wenn sie Sanktionen bei Nichtgehorchen glaubwürdig androhen und umsetzen kann. Dazu braucht es wiederum personelle Fachexpertise, wie Richter*innen, Polizist*innen oder Gefängniswärter*innen. Das wiederum kann dazu führen, dass Menschen sich nicht getrauen, nicht zu gehorchen – selbst wenn die Machthabenden kaum noch Autorität haben.

Fragen für deine Praxis

Nimm dir einen Moment. Lies diese sechs Punkte durch und frage dich:

  • → Welche dieser Säulen stützt das System, das wir verändern möchten? Wo und wie könnten wir seine Beharrungskraft schwächen?
  • → Wenn du an deine Gegenmacht denkst: welche Symbole oder Narrative stützen denn dessen Autorität? Und wie kannst du sie infrage stellen. Wenn du hier tiefer gehen möchtest, dann schau dir doch auch mal unseren Beitrag über »Wie du mit Storytelling Menschen aktivierst«.
  • → Wie ist es in deinem Fall: Welche Mythen hält deine Gegenmacht aufrecht – und wie kannst du sie entlarven? Mehr im Beitrag über »Wie du mit Storytelling Menschen aktivierst«.
  • → Was siehst du hier: mit welchen Sanktionen werden in deinem Bereich Menschen eingeschüchtert? Mir fallen da sofort die Sanktionen für Arbeitssuchende bzw. Erwerbslose ein (mehr Infos bei der Organisation Sanktionsfrei [2]).

Proaktion statt Reaktion

Gene Sharp kritisiert in seiner Lehre des gewaltfreien Widerstands, dass die meisten Kampagnen nur auf Missstände und Fehlentwicklungen reagierten. »Nein zum Sozialabbau!«, »Stoppt den Krieg!« oder »Schluss mit Gas!« könnten aktuelle Beispiele sein. Sie alle beziehen sich jedoch auf das, was die Gegenseite tut oder fordert. Leider stützt dies das Narrativ der »Anderen«. Gene Sharps Lehre des gewaltfreien Widerstands propagiert deshalb das proaktive Denken und Handeln. Nicht »Was wollen wir verhindern?« ist die richtige Frage, sondern: »Womit entziehen wir der Gegenmacht ihr Fundament?«

Versuche nicht die Gegenmacht zu überzeugen. Entziehe ihrdie Fähigkeit zu herrschen!

Ein Beispiel für diese Taktik liefert die britische Initiative Stop Funding Hate [3] aus dem Jahr 2016. Sie wollte Medien schwächen, die »Angst und Hass nutzen, um mehr zu verkaufen« [4]. Das taten sie jedoch nicht, indem sie die Medien selbst zum Umdenken aufforderten. Vielmehr wandten sie sich an deren Anzeigenkunden und riefen diese auf, sich zurückzuziehen. Mit Erfolg. Ähnlich arbeitete die Social-Media-Kampagne Sleeping Giants gegen Hate-Medien [5].

→ Praxis: Nimm dir einen Moment. Lies dir durch, was du zu den sechs Säulen der Macht geschrieben hast. Gibt es hier einen Aspekt, bei dem du dir vorstellen könntest, dass ihr eine proaktive Kampagne ansetzen könntet? Wie würde das aussehen? Was wäre das Ziel? Welche Verbündeten bräuchtet ihr dafür? Und was könnte diese überzeugen, mitzumachen?

198 Methoden und drei Kategorien

Gene Sharp hat in seinem Buch »Von der Diktatur zur Demokratie« 198 Methoden des gewaltfreien Widerstandes zusammen getragen. Eine Liste als PDF findest du zum Beispiel beim Campus für weltverändernde Praxis [6]. Eine Übersicht über rund 350 Methoden gibt es auf der Website nonviolenve international [7]. Gene Sharp unterscheidet dabei zwischen drei Kategorien von Aktivitäten.

1. Stufe:Gewaltfreie Proteste und Überzeugungsarbeit

Hier geht es im Prinzip um eine Kommunikation ohne direkte Konfrontation. Sie ist ein guter Startpunkt für Protest und Widerstand. Mit diesen Methoden kannst du das Klima testen, eine Basis mobilisieren und öffentliche Aufmerksamkeit schaffen. Sie sind der erste Schritt, um aus der Isolation herauszukommen, sichtbar zu werden, Meinungen zu bilden oder Symbole zu setzen. Zum Beispiel trugen die Menschen in Hongkong schwarze Kleidung als Zeichen des Widerstands. In Polen malten Aktivist*innen während des Abtreibungsverbots Graffiti mit der Telefonnummer einer Hilfsorganisation.

→ Praxis: Nimm dir 10 Minuten. Welche symbolische Aktion wäre in deinem Umfeld möglich, die Aufmerksamkeit auf dein Anliegen lenkt, ohne aggressive Konflikte zu provozieren?

2. Stufe: Kooperation einstellen

Einen Schritt weiter gehst du, wenn du den Status quo blockieren willst. Das kostet die Gegenmacht Zeit, Geld und Legitimität. Ein Streik trifft mehr als ein Marsch. Allerdings erfordert dies auch mehr Mut und kollektive Organisation. Einzelne Aktionen wirken wenig; koordinierte Maßnahmen können sehr viel verändern. Das Prinzip: Der systematische Entzug der Zusammenarbeit. So kann viel Druck entstehen. Zum Beispiel boykottierten Schwarze Eltern in Südafrika Apartheid-Schulen und gründeten eigene Bildungsprojekte. Den Frauenstreik in Island 1975 habe ich bereits erwähnt.

3. Stufe: Gewaltfreie Interventionen

Indem du direkt eingreifst und Systeme unterbrichst, störst du den normalen Ablauf. Das ist oft riskanter und kühner. Bei einer klugen Strategie schaffst du es, die Gegenmacht in ein Entscheidungsdilemma zu bringen: Soll sie deine Aktivitäten unterdrücken und dabei unglaubwürdig werden? Oder nachgeben und auch unglaubwürdig werden?Wenn Mächtige die Unterdrückung wählen, verlieren sie manchmal wichtige Unterstützungspfeiler. So etwa, als Mahatma Gandhi in Hungerstreik trat. Die britische Kolonialmacht kam unter Zugzwang. Oder ein aktuelles Beispiel wären die diversen Klimaklagen [8]. Sie nutzen Gerichtsentscheidungen, um Staaten zu zwingen, ihre Ziele einzuhalten. Extinction Rebellion legte mit Straßenblockaden den Verkehr lahm, um Druck für Klimagerechtigkeit zu erzeugen.

Strategie statt Improvisation – die Mischung macht’s

Keine Methode aus Gene Sharps Lehre des gewaltfreien Widerstands allein reicht aus, um echte Veränderungen zu bewirken. Erfolgreiche Kampagnen kombinieren Protest (Sichtbarkeit), Nichtkooperation (Druck) und Intervention (Entscheidungskampf) miteinander. Ein Beispiel dazu findest du auch in unserem Beitrag über Otpor-Mitgründer Srđa Popović mit dem Titel »Wie gewaltfreier Protest gelingt«.

Wähle die Methoden anhand deiner Zielgruppe, dem Risiko und deiner Gegenmacht

Die Kunst liegt in einem strategisch sinnvollen Wechsel. Das ermöglicht es einerseits unterschiedlichen Menschen teilzunehmen. Nicht jede Person macht bei einer Intervention mit. Aber bei einer Demo (Protest) sind vielleicht viele dabei. Oder eher bei einem Streik (Nichtkooperation)? Hier sind drei Schritte, die für die strategische Planung wichtig sind:

  • Diagnose vor Aktion: Bevor du startest, solltest du genau wissen, wer dein Gegner ist und was seine Machtquellen sind. Wenn du zum Beispiel für die Wärmewende bist, dann ist das Wirtschafts- & Energieministerium vielleicht dein Gegner. Dieses arbeitet mit der Legitimierung der »Energiesicherheit«. Menschliche Ressourcen könnten Mieter*innen sein, die nicht für teure fossile Heizungen zahlen wollen. Fähigkeiten wären Wissenschaftler*innen und Ingenieur*innen, die die Machbarkeit der Wärmewende bestätigen. Das könnte den unsichtbaren Faktor, den Mythos »Es gibt keine Alternative«, entkräften.
  • Die Dynamik des Widerstands: Starte klein mit einer sicheren Aktionen (z. B. eine Mahnwache), um Vertrauen aufzubauen. Steigere dann den Druck – etwa, indem du schrittweise von Protest zu Nichtkooperation und von dort zu Intervention gehst. Plane ein, welche Repressionen möglich sind: Wie werden die Medien über eure Aktion berichten? Braucht ih rechtliche Unterstützung? Ist die Basis solidarisch genug, um bei Verhaftungen nicht einzubrechen?
  • Einheit und Disziplin: »Teile und herrsche« ist ein berühmtes Credo, denn es funktioniert. Mit das größte Risiko für deinen Erfolg ist, wenn sich die Menschen nicht einig sind – oder es sogar gewaltsame Ausschreitungen gibt. Das schwächt eure Glaubwürdigkeit und moralische Überlegenheit. Und es kostet euch die Unterstützung passiver Mitstreitenden. Deshalb ist es so wichtig, zu trainieren. Ihr könnt in Rollenspiele kritische Situationen üben, Deeskalation trainieren und Kommunikationskompetenzen aufbauen.

Ethische Reflexion und persönliche Grenzen

Gewaltfreier Widerstand und Protest ist nicht nur eine Strategie. Es ist eine innere Haltung, eine Weltanschauung. Sie ist wirksam, aber sie verlangt auch viel Selbstdisziplin und inneres Wachstum. Die Kunst liegt meiner Ansicht nach darin, die Menschlichkeit der Gegnerseite zu sehen – selbst dann,wenn diese böse handelt! Die Herausforderung ist, Rachezyklen zu vermeiden, selbst wenn Unrecht geschieht. Das bedeutet auch, dass du lernen musst, deine Wut und deinen Frust positiv zu kanalisieren. Das »Journaling für Engagierte« kann dir dabei zum Beispiel helfen.

Doch die Mühe lohnt sich. Das zeigen alle Untersuchungen und Studien: Ergebnisse, die durch Gewalt erzwungen werden, sind oft instabil. Veränderungen, die gewaltfrei durch starke Überzeugungen und den geduldigen Entzug von Macht geschafft wurden, halten länger. Außerdem wirken sie in der Gesellschaft befriedend.

Was kann ich tragen? Wo liegen meine Grenzen? Wie ist mein Beitrag zum großen Ganzen wertvoll?

Wir Menschen sind alle unterschiedlich. Nicht jede Person kann oder will jedes Risiko eingehen. Eltern von Kindern können zum Beispiel nicht einfach ins Gefängnis gehen. Nicht alle halten Anfeindungen im Internet oder auf der Straße aus. Das ist legitim. Und es sollte auch kein Problem sein, denn bei gewaltfreiem Protest und Widerstand gibt es viele verschiedene Rollen, die alle ihren eigenen, wertvollen Beitrag leisten. Macht die unterschiedlichen Rollen transparent und ladet Menschen ein, sich die passende Stelle auszusuchen. Fragt euch zum Beispiel: Wer protestiert öffentlich? Wer organisiert hinter den Kulissen? Welche Person macht Fotos, Videos oder Dokumentationen? Welche Gruppe übernimmt Care-Arbeiten, wie Verpflegung oder auf Kinderbetreuung? Wie können wir für ausreichend Schutz sorgen – etwa durch Anonymität, rechtlichen Beistand oder digitale Sicherheit?

Was ist dein erster Schritt hin zu gewaltfreiem Widerstand?

Gene Sharps Lehre des gewaltfreien Widerstands zeigt uns: Auch große Macht lässt sich überwinden, wenn wir aufhören, gehorsam zu sein. Ich finde, das ist gerade in heutigen Zeiten eine wunderbar ermutigende Nachricht. Gene Sharp hat 198 Methoden aufgelistet, wie du gewaltfrei eigene Wege gehen und Veränderungen friedvoll bewirken kannst – von der stillen Verweigerung (etwa dem Schulstreik) bis hin zur massenhaften Besetzung (etwa der Straßenblockade).

Wir brauchen dich! Gehörst du zu den 3,5 % der Menschen in Deutschland, die echten Wandel bewirken?

Der entscheidende Punkt ist, dass wir 2,9 Millionen Menschen in Deutschland werden müssen, die sich aktiv engagieren, um echte Veränderungen hin zu Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Umweltschutz zu erreichen. Das bedeutet: wir brauchen dich!

Auch wenn dein Beitrag klein und/oder unregelmäßig ist, ist er wichtig und wertvoll. Ebenso wichtig und wertvoll ist es, wenn du über dein Engagement für eine bessere Welt berichtest und so weitere Menschen dazu motivierst. Deshalb freuen wir uns, wenn du einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlässt und von deinen Erfahrungen und Erkenntnissen berichtest. Oder schreibe mir eine Email! Ich freue mich, von dir zu hören.

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Quellen

Hinweis: Für die Recherche habe ich die KI »Lumo« verwendet und für die Bilderstellung und für Strukturierungsvorschläge die KI »Neuroflash«.

ilona

ist freie Jour­na­lis­tin, Publizistin, Projekt­ma­che­rin und Medienaktivistin. Seit über zehn Jahren schreibt sie Bücher, Blogposts, macht Podcasts, gibt Workshops und hält Vorträge. Zudem begleitet und berät sie öko-soziale Organisationen, Gemeinschaften, Künstler:innen, Kreative und Aktivist:innen bei der ganzheitlichen und nachhaltigen Planung und Kommunikation ihrer Projekte und Bücher.

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