Erfolgreiche Entrepreneure: 10 Tipps von Günter Faltin

Entrepreneur werden: 10 Tipps von Günter Faltin

„Erkenne den Entrepreneur in Dir. Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie“ lautet der Untertitel des neuen Buches von Entrepreneur-Erforscher und Verfechter Günter Faltin. Seine zehn wichtigsten Tipps, wie Entrepreneure die Welt verbessern.

Wirtschaft ist nicht immer schlecht

Warum wir den Aufbruch brauchen, skizziert er zu Beginn seines Buches: Unsere Wirtschaft sei zu einem System verkommen, indem Preise durch Werbung und Marketing unnötig aufgeblasen würden – nur damit sich etwas verkaufen lässt, was eigentlich keiner braucht. Dafür werden die Kosten an anderer Stelle gedrückt, auf die es – den ehrbaren Wunsch vorausgesetzt – eigentlich wirklich ankäme.

Als Beispiel nennt Faltin die sogenannte Qualitätsabbruchkante. Das ist der Punkt, an dem der Verbraucher (Laie) absichtlich geminderte Qualität anfängt zu erkennen – beispielsweise mit Wasser gestreckten Wein. Ganz zu schweigen davon, das in manchen Unternehmen/Branchen in teils gewissenloser Weise Lohnkosten gespart wird.

Dennoch wehrt sich Faltin in seinem Buch genauso gegen das Vorurteil, Wirtschaft sei per se schlecht, skrupel- und gewissenlos, egoistisch, nur auf Gewinne aus und menschenverachtend. Fast schon anachronistisch wirkt sein Plädoyer für die guten Unternehmer*innen. Diejenigen nämlich, die sich nicht scheuen Risiko und Verantwortung zu tragen, um die Welt tatsächlich zu bereichern.

Warum wir Entrepreneure für eine bessere Welt brauchen

Wir brauchen die Entrepreneure, die Produkte herstellen, die tatsächlich menschliche Bedürfnisse erfüllen – und dazu gehört ausdrücklich auch, dass die Arbeitnehmer gerne in dem Unternehmen arbeiten, die Umwelt (und damit unser lebenswertes Überleben) geschützt und im Sinne der Kunden gedacht wird.

Auch wenn es leider die negativen Auswüchse gibt – und auch wenn man dieses Ideal des unentwegt agilen, aktiven Menschen, der ständig besser, höher und weiter kommt , einmal rundsätzlich infrage stellen könnte und sollte… Ja, und auch wenn viele Missstände in unserem aktuellen Wirtschaftssystem strukturell bedingt – und es daher nicht reicht, wie Faltins vorschlägt, dass einfach jeder künftig an Unternehmenseigentum (Stichwort „Volksaktie“) beteiligt ist oder – besser – gleich selbst zur/m Unternehmer*in wird. Trotz all dem – oder auch gerade deswegen – steht wohl außer Frage: Je mehr Entrepreneure à la Faltins es gibt, desto besser unsere Welt :-).

10 Tipps für erfolgreiche Entrepreneure

Die alles entscheidende Frage ist dann: Was bracht man, um ein erfolgreicher Entrepreneur zu werden? Hier die 10 wesentlichsten Punkte, die wir aus Faltins Buch gewonnen haben:

1. Innovation neu denken

Wer das Wort „Innovation“ hört, denkt oft an etwas komplett neues – in technischer, unternehmerischer (Business Modell Innovation), gestalterischer oder sozialer Weise. Laut Faltin müssen echte Entrepreneure unter Innovation etwas neues verstehen lernen. Innovation muss nicht disruptiv (umwälzend, kreativ zerstörerisch) sein. Sie kann auch ganz unaufgeregt sein und dennoch eine große Wirkung haben. Dabei können wir arbeitsteilig vorgehen und die Schwarmintelligenz nutzen, wie dies zum Beispiel die Citizen Science tut.

Besonderer Bedeutung misst Faltin der Suffizienzinnovation (dem Weglassen) zu: „Heute ist das Schwierige nicht mehr, Produkte herzustellen, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen man auf Dinge verzichten kann“ (S.114). Faltins Tipp: Von der Funktion aus denken und nicht von der Konvention. Wozu beispielsweise brauchen wir ein Smartphone – zum Telefonieren? Fotografieren? Als Statussymbol? Und wie ließe sich diese Funktion auch anders, besser, suffizienter abbilden?

2. Business Modelle als Design begreifen

Entrepreneure müssen deshalb auch vielmehr zum Teil wie Designer denken – sie müssen an ihrer Idee arbeiten wie Künstler an ihrer eigenen Handschrift, an ihrem Thema. Sie müssen sich aber zugleich auch am Markt und den Menschen orientieren, denn sie brauchen natürlich die Nachfrage. In Sachen Innovation kommt es – wie beim Künstler – auch auf die Fähigkeit an, neue Perspektiven und Sichtachsen zu legen.

Ein Entrepreneurial Design (wie Faltins dies nennt) zu entwickeln ist daher auch weniger die Sache eines (spontanen) genialen Einfalls – sondern vielmehr des darauf folgenden, langwierigen und anstrengenden Prozesses, aus einer guten ersten Idee ein tragfähiges Konzept zu machen. Faltin plädiert hier dafür, sich Zeit zu nehmen. Unter Umständen könne so ein Konzept auch Jahre dauern, bis es ausgereift sei.

3. Authentisch: Persönlichkeit zeigen

Das bedeutet, dass Entrepreneure – was sie laut Faltin oftmals nicht tun – ihre Persönlichkeit, ihre Träume, Wünsche, Vorlieben, Fähigkeiten, Neigungen und Erfahrungen mit einbeziehen müssen, um eine gute, neue Geschäftsidee zu entwickeln.

Denn weil ein echtes Entrepreneur-Konzept eben keine Frage von „Idee – Umsetzung – Exit“ ist, sondern viel Zeit, Arbeit und Überzeugung kostet, ist es so wichtig, dass der Entrepreneur auch persönlich hinter dem Thema steht. Zumal die Authentizität, die damit einher geht, nach Faltin ein echter Marktvorteil ist. Aus einem Hobby ein Geschäft zu machen, hält Faltin daher auch für gar keine schlechte Idee.

4. Den Markt berücksichtigen

Selbstverständlich muss eine Geschäftsidee auf Nachfrage stoßen. Will man – wie Faltin – vorschlägt, auf Werbung verzichten gilt dies umso mehr. Und will man als Entrepreneur etwas anbieten, was die Menschheit (die Welt) wirklich braucht, kommt zur Nachfrage auch noch die Sinnhaftigkeit hinzu: Nicht alles, was auf Nachfrage stößt, ist auch gut für die Menschen, die Umwelt, unsere Nachfahren…

„Hauptsache es bringt Geld“ ist damit kein guter Ausgangspunkt – das kann ich nur aus eigener Erfahrung bestätigen. Wie oft habe ich es schon erlebt, dass engagierte Unternehmensgründer nach und nach ihre einst gute Idee so verbogen haben, bis eigentlich nichts mehr davon übrig blieb – nur, weil sie es partout an die üblichen Business-Modell-Muster anpassen wollten (oder auch sollten, wenn sie sich in Gründer-Coachings befanden).

5. Sympathisch: Ökonomisch, ökologisch und sozial denken

Wer seine Idee um des Geldes willen verbiegt, hat aber hinterher … nichts mehr! Meiner Meinung nach kann man dann gleich bei dem bleiben, was man bisher auch schon macht. Wirklich kluge und damit erfolgreiche Entrepreneur-Konzept dürfen nicht nur ökonomisch sinnvoll sein – sie müssen auch ökologisch und sozial sein! Sie müssen!

Wer Win-Win-Situationen schafft – etwa Vorteile für die Kunden, die Mitarbeiter, Partner und die Umwelt zu schaffen –, hat laut Faltin entscheidende Wettbewerbsvorteile: Nämlich treue Mitstreiter, die auch zum einem halten, wenn es mal eng/schwierig wird. Der Österreichische Entrepreneur Heini Staudinger kann davon sicherlich ein Lied singen: Als ihm für sein Schuhunternehmen Banken keine Kredite geben wollten, konnte er sich das Geld von Freunden, Kunden und Lieferanten leihen…

6. Standfest: Auf mehreren Beinen stehen

Ein Konzept ist laut Faltin erst dann gut, wenn es mehrere Standbeine hat. Sein Beispiel: Die Waschkampagne entwickelte ein Waschmittel, das sich aus Komponenten zusammensetzt, sodass Verbraucher nicht mehr zu viele umweltschädliche Tenside nutzen müssen (Standbein 1). Dadurch sparen sie Geld (Standbein 2). Damit jedoch noch nicht genug: Die Waschkampagne verzichtet auch auf das übliche Parfum, was vor allem für Allergiker relevant ist (Standbein 3) und die gängigen Füllstoffe, die mehr Masse vortäuschen, doch den Verbraucher kosten, obwohl sie keine Funktion haben (Standbein 4).

7. Durchhalten: Kombinieren, verwerfen, re-kombinieren

Es ist bereits angeklungen – ein gutes Konzept braucht Zeit. Möglichst schnell loslegen ist beileibe nicht immer das richtige Rezept. Auch hier können sich Entrepreneure am künstlerischen-gestalterischen Prozess orientieren: Immer wieder und wieder feilt und überarbeitet ein Kreativer an seinem Werk.

Ob Maler, Komponist, Schriftsteller oder Designer – sie alle nähern sich ihrem Endprodukt in iterativen Schritten. Das bedeutet, dass sie sich Stück für Stück und Schritt für Schritt von der ersten Idee bis zum Ergebnis vorarbeiten – und dabei auch die Größe besitzen, Zwischenergebnisse zu verwerfen und noch mal von weiter vorne zu beginnen.

8. Mehrdeutigkeit und Unsicherheiten aushalten

Eine der wichtigsten Eigenschaften eines Entrepreneurs ist laut Faltin die Fähigkeit, Unsicherheiten und Mehrdeutigkeit auszuhalten. Das kann ich bestätigen. Denn – und auch hier finden sich Parallelen zu kreativen Schaffensprozessen – ein Entrepreneur muss in der Konzeptionsphase durch eine lange Periode des Chaos und der Unsicherheit. Er muss einer Idee folgen, die andere außer ihm nicht sehen, vielleicht sogar nicht verstehen, für zum Scheitern verurteilt halten. Er muss – leider.

Denn nur wer den mühevollen Weg auf sich nimmt, aus einer ersten guten Idee durch viele Irrungen und Wirrungen ein richtig gutes Konzept zu machen, findet echte Kreativität und damit Innovation.  Doch: Sich zu schnell der mit einer Lösung zufrieden zu geben führt nur zur vermeintlich sicheren Konvention und „noch mehr vom Gleichen“. Den schlaflosen Nächte, die Sinn- und Selbstzweifel, ja vielleicht sogar gesundheitlich-physischen Strapazen ist jedoch nicht jeder gewachsen.

9. Die Rolle des Change-Agent annehmen

Nach all dem dürfte klar sein: Echte Entrepreneure erkennen Handlungsspielräume und übernehmen Selbstverantwortung. Wie bei einem Künstler veräußern sie ihre Persönlichkeit in Form eines Unternehmens, eines Geschäftskonzepts, eines Produkts oder einer Dienstleistung. Sie sehen, wo sie die Welt verbessern können und nehmen Schwierigkeiten, Risiken und Unsicherheiten auf sich, um dies zu tun.

Anders als ein Künstler kommt es jedoch nicht (vorwiegend) auf Provokation an. Entrepreneure müssen zumindest ihre Kunden und Partner mitnehmen, sich an ihren Bedürfnissen und Wünschen mit ausrichten. Die Zeit spielt ihnen in die Hände: Mittlerweile ist es ein echter Wettbewerbsvorteil ökologisch und sozial zu denken. Wirtschaft und Gewissen – so Faltin – schließen sich eben nicht aus, sondern begünstigen sich gegenseitig.

10. Entrepreneurship ent-heroisieren

Das alles klingt nun ziemlich heroisch – als müsse man ein/e eche/r Held*in sein, um Entrepreneur*in zu werden. Nicht doch… Das genaue Gegenteil müsse der Fall sein, meint Faltin. In etlichen Kapiteln geht Faltin darauf ein, wie und warum die wissenschaftliche Ausbildung zum Manager/Unternehmer*in zu einer Realitäts- oder zumindest Entrepreneur-fremden Institution geworden ist, die sich durch Fremdworte vom Rest der Menschen abzugrenzen versucht.

Gleichzeitig plädiert er dafür, dass heutzutage wirklich jede*r zum Entrepreneur*in werden kann: „Man muss nicht sein Leben, seine Haltung, seine Überzeugungen ändern, um Entrepreneur zu werden. Es reicht, zu erkennen, dass Entrepreneurship heute fast jedem Menschen zugänglich geworden ist und dass man ein Unternehmen gründen und betreiben kann, ohne sich verbiegen, ohne seine Verhaltensweisen und Werte aufgeben zu müssen“ (S. 255).

 

Entrepreneure: 10 Tipps von Günter FaltinsWir sind das Kapital
Erkenne den Entrepreneur in Dir. Aufbruch in eine intelligentere Ökonomie

Autor: Günter Faltin
Verlag: Murmann Verlag
ISBN: 9783867744195
Preis: 22 Euro (gebunden), 15,99 Euro (E-Book) (D)
Bestellen: Bei Buch7

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Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
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3 Antworten auf "Entrepreneur werden: 10 Tipps von Günter Faltin"

  1. […] ein echter Entrepreneur werden will, sollte zwar sicher nicht den ganzen Tag vor Videospielen verbringen, aber für eine […]

  2. Gabi 4 Jahren ago .Antworten

    Mich würden nun doch die Beispiele interessieren von „guten Unternehmen“ wie hier beschrieben. Gibt es gute „große“ Business? Oder meint er die ganzen 2-Mann-Betriebe die eine engagierte Idee haben (was toll ist) aber gewiss keine Aktien?

    • ilona 4 Jahren ago .Antworten

      Hallo Gabi, leider nennt Faltin in seinem Buch selbst kaum konkrete Beispiele, die er gut findet. Er geht nur einmal natürlich auf sein eigenes Unternehmen „Die Teekampagne“ ein und dann noch einmal auf „Die Waschkampagne“ (siehe oben). Generell geht es ihm aber sicherlich nicht um große Unternehmen im Sinne von vielen Mitarbeitern, riesigen Fuhrparks und großen Investitionen. Ganz im Gegenteil. Es kommt v.a. auf die gute Idee an und darauf, dass man genial reduziert. Die Waschkampagne hat bspw. ein Rechtsanwalt allein entwickelt und gestartet. Er wird wahrscheinlich schon Dinge wie Buchhaltung oder Vertrieb auslagern. Aber er hat keine Waschmittelfabrik gebaut, sondern kooperiert hier mit einer Fabrik, die Waschmittel herstellt und lässt sich von denen „sein“ Waschmittel genauso machen, wie ihm das vorschwebt…

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