Love Letters an Aktivist*innen: An einem Nachmittag was Gutes tun!

Love Letters an Aktivist*innen

Willst du auch die Welt verändern, hast aber kaum Zeit? Hier die gute Nachricht: mit einem Love Letter an Aktivist*innen kannst du in zwei, drei Stunden super viel Ermutigung und Wertschätzung verbreiten. Macht Spaß!

Stell dir vor, du bist jede Woche unterwegs, um anderen zu helfen und dich für eine bessere Welt einzusetzen. Du sprichst mit Politiker*innen, sammelst Unterschriften, machst Info-Stände, organisierst Podiumsdiskussionen, gehst zu Demos und, und, und. Doch am Ende fragst du dich, ob überhaupt irgend jemand all das wahrnimmt – und ob das überhaupt etwas bringt. Und nun stell dir vor, wie du eines Morgens deinen Briefkasten oder dein Email-Postfach öffnest – und einen Love Letter findest, den dir jemand (Unbekanntes) geschrieben hat. Einen Brief, indem dir diese Person für dein Engagement dankt. Was meinst du: wenn du dieser jemand wärst, was würde das in dir bewegen?

Wir brauchen 3,5 Prozent – wir brauchen dich!

Marek und ich haben ja das Ziel, 3,5 % der Menschen in Deutschland für ein Engagement für eine bessere Welt zu motivieren. Für Frieden, Demokratie, Gerechtigkeit und Umweltschutz – kurz, eine progressive Gesellschaft. Manchmal denken Menschen dann, sie könnten nur mitmachen, wenn sie viel Zeit investieren (können). Doch das stimmt nicht. Ja, ich möchte sogar ausdrücklich sagen:

Diejenigen, die sich stark engagieren, brauchen dringend diejenigen, die sich weniger stark engagieren!

Wenn du also zu denen gehörst, die denken »Eigentlich würde ich gerne mehr für eine bessere Welt tun – aber mir fehlt die Zeit«, dann lade ich dich zu dieser Aktion ein: schreibe an einem Nachmittag oder Abend einen Love Letter an Aktivist*innen. Das ist ein überschaubarer Zeitrahmen, aber – je nachdem, wie du deine Brief-Aktion gestaltest – mit einer richtig großen Wirkung!

Warum Love Letters an Aktivist*innen?

Hier ganz kurz und knapp meine Argumente, warum Love Letters an Aktivist* innen (Aktivisti) eine super Sache sind:

  • Die unsichtbare Last des Aktivismus: Viele Aktivist*innen erleben Frust und das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen. Auf der einen Seite empfinden sie eine große Dringlichkeit für ihr Anliegen. Auf der anderen Seite scheint sich manchmal kaum etwas zu bewegen. Ein Love-Letter zeigt ihnen: ihr Engagement findet Beachtung, auch wenn sie das nicht immer spüren!
  • Wertschätzung ist politisch: Wir leben in einer Welt der Konkurrenz und Leistung. Da erscheint es uns oft natürlich, dass wir andere nicht ermutigen, wertschätzen oder ihnen danken. Doch eine bessere Welt lebt von Gemeinschaft. Und Gemeinschaft lebt von der gegenseitigen Anerkennung. Wenn du einem anderen Menschen signalisierst »Ich sehe dich und ich schätze, was du tust«, dann erzeugt das insgesamt eine andere Atmosphäre!
  • Die Macht der kleinen Gesten: Schon vermeintliche Kleinigkeiten können einen Unterschied ausmachen. In deinem Alltag kannst du das erleben, wenn du mal einen Tag lang alle Menschen anlächelst und freundlich bist. Dein Leben wird sich anders anfühlen! Und mit dieser Aktion erweiterst du deinen Wirkungsradius noch einmal. Mit einem Brief, einer Postkarte, einer E-Mail oder einem Kommentar kannst du für einen anderen Menschen den Tag erhellen.
  • Sei Teil der Bewegung – auch ohne Vollzeit-Engagement: Solidarität zeigt sich in vielen Formen. Es ist total in Ordnung, wenn du weniger Zeit erübrigen kannst. Jede Tat, jedes Wort und jeder Love Letter ergeben zusammen addiert ein großes Ganzes. Trage also dein Puzzle-Teilchen dazu bei, dass wir gemeinsam eine bessere Welt erschaffen!

Stell dir vor, das Ganze ist wie ein Garten: Manche pflanzen, andere gießen, wieder andere jäten … Aber auch alle, die dabeistehen und sagen »Ist das schön!« helfen mit, den Garten wachsen zu lassen.

Schritt-für-Schritt: So schreibst du einen Love Letter an Aktivist*innen

Schritt 1: Wem willst du schreiben?

Im ersten Schritt überlegst du dir, an wen du schreiben möchtest. Ist es jemand, den du kennst – zum Beispiel ein Freund in der Klimabewegung, eine Nachbarin im Flüchtlingsrat, eine Kollegin in der Lokalpolitik? Ist es jemand, der in der Öffentlichkeit steht und den du bewunderst – etwa eine Aktivistin, die mit ihrer mutigen Aktion durch die Medien ging. Oder ein Künstler, der sich so rührig für eine bessere Welt engagiert? Oder möchtest du an eine Gruppe, Initiative oder Organisation schreiben, die dir imponiert. Etwa an die »Lokale Foodsharing-Initiative« oder »die Menschen der Sozialen Wärmewende« oder etwa anderes.

Vielleicht kommt auf diese Weise ja eine ganze Liste mit Menschen und Gruppen zusammen, denen du einen Love Letter schreiben möchtest. Wenn ja, dann behalte die Liste – und nimm dir vor, ein andermal an jemand anderen auf der Liste zu schreiben. Such dir nun die Person oder Gruppe aus, der du heute schreiben möchtest.

Tipp: Wenn dir gar niemanden einfällt, dann schreib doch vielleicht einfach mal an »die, die weitermachen, wenn ich schon aufgegeben hätte.« Wer weiß, vielleicht ist so ein Brief der allermächtigste :-).

Schritt 2: Sammle Inspiration – was willst du sagen?

Die größte Wirkung entfalten natürlich gut und liebevoll geschriebene/gestaltete Briefe. Nimm dir deshalb ein bisschen Zeit, um für dich zu klären, was du dieser Person genau sagen möchtest. Was ist deine Botschaft? Was könnte dieser Person gut tun? Mögliche Fragen zur Reflexion könnten sein:

  • Was bewundere ich an ihrem Engagement?
  • Gibt es Momente, die ich mit diesem Menschen verbinde, dich mich besonders berührt haben (etwa eine Rede, eine Aktion oder ein Beitrag)?
  • Hast du eigene Erinnerungen: »Als ich sah, wie du …«.
  • Was würde ich dieser Person sagen, wenn ich ihr gegenüberstünde?
  • Welche Inspirationsquellen habe ich? Zum Beispiel Zitate von Aktivist*innen, Songs, Gedichte oder Filmzitate, die mir Mut machen.

Beispiel:Liebe Unbekannte, die jeden Samstag vor dem Rathaus steht, ich sehe dich. Nicht nur deine Plakate, nicht nur deine Parolen – ich sehe, wie du dir die Hände reibst, wenn es kalt wird. Wie du lächelst, wenn jemand vorbeikommt und ‚Danke‘ sagt. Ich wollte dir heute einfach mal zurückgeben, was du mir gibst: Hoffnung.

Schritt 3: Wähle dein Format

Dein Love Letter kann, muss aber kein klassischer Brief sein. Ich finde ja, in diesen Zeiten der digitalen, schnelllebigen und oft auch überflüssigen Kommunikation ist so ein richtiger Brief aus Papier – vielleicht sogar auch noch per Hand geschrieben – eine echte Besonderheit. Aber du kannst natürlich auch eine Postkarte versenden, eine E-Mail oder eine Private Nachricht über Social-Media- oder Chat-Plattformen. Ich denke: Hauptsache, deine Botschaft kommt an ;-)!

Als Besonderheit möchte ich hier noch den offenen Brief ins Spiel bringen. Wenn du eine größere Reichweite hast, dann kann das natürlich auch eine super Option sein: dann veröffentlichst du deinen Brief in deinem Blog, deinem Newsletter, deinem Social-Media-Kanal oder über eine Chat-Software. Dazu könntest du zum Beispiel auch ein Foto von dem handgeschrieben Brief machen, den du verschickt hast … Achte aber natürlich darauf, dass dies der Person nicht unangenehm ist, der du deinen Love Letter senden möchtest.

Tipp: Besonders kurze und schnell machbare Love Letters sind auch Antworten auf Social-Media-Posts. Wenn zum Beispiel eine Organisation oder Person eine Aktion oder ein Ergebnis ihrer Arbeit teilt, dann kannst du auch einfach mal als Kommentar posten, wie dankbar du für die Arbeit bist, die dieser Mensch oder diese Gruppe ja für uns alle tun!

  • Klassischer Brief: Per Post (besonders wertvoll, weil selten!)?
  • Postkarte: Kurz, knackig, mit einem starken Bild oder Zitat?
  • Digitale Nachricht: Per E-Mail oder Social Media (etwa als Kommentar unter einem Post)?

Schritt 4: Schreibe deinen Love Letter

So, nun geht es ans Schreiben! Was – du kannst nicht gut schreiben? Erstens möchte ich dich dazu einladen, diesen negativen Glaubenssatz von dir noch einmal eingehend zu hinterfragen! Zweitens: wenn du wirklich davon überzeugt bist, dass Schreiben nicht dein Ding ist, kannst du dennoch einen Love Letter anfertigen.

Du kannst nicht schreiben? Ein paar Alternativen:

  • Wähle ein Gedicht aus, das dir gut gefällt und passt.
  • Male oder zeichne etwas.
  • Erzeuge eine Collage aus Zeitungsausschnitten, Magazinbildern und handschriftlichen Notizen.
  • Mach eine kurze Audio- oder Video-Aufnahme (zum Beispiel unter dem Motto »Eine Minute Dankbarkeit«).
  • Nutze eine KI zur Unterstützung (z.B. Le Chat)
  • Ergänze deinen Love Letter um kleine Aufmerksamkeiten, die passen: einen Kaffee-Gutschein, einen tollen Teebeutel (in Papier verpackt), einen Sticker u.v.m.
  • Wähle eine Postkarte mit einem passenden Spruch und/oder Bild.

Typische Bausteine für einen schönen Love Letter sind zum Beispiel:

  1. Die Anrede: Möchtest du sie lieber sehr persönlich oder allgemein halten. Ich finde: je persönlicher, desto besser kommt sie an. Duze jemanden nur, wenn du sicher bist, dass das nicht respektlos ankommt. Du kannst auch so etwas schreiben wie »Lieber Unermüdliche« oder »An die, die nicht aufgibt«.
  2. Anerkennung und Dankbarkeit: Bringe in jedem Fall deine Dankbarkeit zum Ausdruck. Je konkreter du werden kannst, desto besser ist es. Marshall B. Rosenberg – der Erfinder der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) – empfiehlt, Wertschätzung und Dankbarkeit immer anhand der vier Schritte der GfK zu beschreiben: (1) Was genau hast du beobachtet (etwa »Als ich sah, wie du Geld für das Obdachlosenprojekt gesammelt hast …«)? (2) Welches Gefühl hat das in dir ausgelöst (»war ich tief berührt …«)? (3) Welches deiner Bedürfnisse und Werte wurde hierdurch erfüllt (», weil ich sah, dass es in unserer Gesellschaft auch noch Solidarität und Mitgefühl gibt …«)? Und dann dein Dank (»möchte ich dir für dein Engagement danken!«). Ein möglicher vollständige Satz könnte also zum Beispiel lauten: »Als ich letzte Woche sah, wie du bei strömendem Regen die Lebensmittel aus dem Supermarkt gerettet hast, habe ich mich geschämt, dass ich mich nicht so engagiere – und gleichzeitig war da eine große Erleichterung, weil ich sah, dass hier jemand Verantwortung übernimmt, wo andere wegsehen. Dafür möchte ich dir danken und dir sagen, wie wertvoll dein Engagement für uns alle ist!«
  3. Hoffnung: Vielleicht ist es passend, wenn du deine Vision einer besseren Welt und die Hoffnung beschreibst, die dein Erlebnis mit der angeschrieben Person in dir ausgelöst hat. Zum Beispiel: „Dein Einsatz erinnert mich daran, dass wir nicht ohnmächtig vor dieser riesigen Lebensmittelverschwendung stehen müssen! Oder auch: »Dein Mut ist ansteckend.«
  4. Ermutigung: Vielleicht fällt dir auch etwas ein, was diese Person ermutigen und stärken könnte. Beispielsweise: »Ich wünsche dir, dass du heute … (eine Pause machst / dich feierst / siehst, was du alles getan hast).« Oder auch: »Die Welt braucht Menschen wie dich – lauter, hartnäckiger und warmherziger zugleich.«
  5. Abschluss: Schließe mit einer persönlichen Grußformel, deiner Unterschrift, gegebenenfalls deinen Kontaktdaten oder auch einem Symbol, wie ein Herz oder ein Baum.

Schritt 5: Verschicke deinen Brief

Nun geht es darum, wie dein Brief an seinen Empfänger oder seine Empfängerin gelangt. Manchmal ist das recht einfach: Du wirfst den Brief bei deinem Nachbar in den Briefkasten (oder überreichst ihn). Du findest die E-Mail-Adresse auf einer Website. Oder du schickst eine Privat-Nachricht. Oder, oder, oder. Manchmal ist es aber vielleicht auch nicht so leicht: du musst die Foodsaverin abpassen, wenn sie das nächste Mal beim Supermarkt Lebensmittel rettet … Oder du schickst deinen Brief an den Verlag oder die Agentur einer berühmten Person – solche Briefe werden immer weiter geleitet!

Noch mehr Wirkung? Das geht!

Wenn du einen öffentlichen Brief schreiben möchtest, dann sende eine Kopie und/oder ein Foto davon auch an (lokale) Zeitungen oder Magazine – vielleicht veröffentlichen sie ihn als Leser*innenbrief! Oder du postest ihn in einem deiner Kanäle. Zum Beispiel mit dem Kommentar»Ich habe heute einen Love Letter an einen tollen Menschen geschrieben. Wer macht mit?« So könntest du glatt eine Love-Letter-Aktion in deinem Freundeskreis, unter deinen Kolleg*innen, an deiner Schule oder in deinem Verein lostreten. Oder du wirst richtig aktiv und verteilst Briefpapier mit einer kleinen Anleitung – zum Beispiel in Cafés in deiner Umgebung.

Außerdem kannst du dir die Love Letters an Aktivist*innen natürlich auch zur Gewohnheit machen und jeden Monat oder jedes Vierteljahr einen Love Letter an eine*n Aktivist*in zu schreiben. Wie ein kleines Ritual der Solidarität und Dankbarkeit! Dabei kannst du nach und nach auch immer kreativer werden, wenn du magst.

Tipp: Du kannst auch eine kleine Gruppe rund um die Love Letters gründen! Trefft euch gemütlich zu zweit, zu dritt oder zu noch mehreren. Bei Kaffee und Kuchen könnt ihr wunderbar gemeinsam kreativ werden. Tauscht euch aus, wem ihr warum schreiben wollt. Lest euch gegenseitig eure Briefe vor. Oder schreibt vielleicht auch alle gemeinsam an eine Person oder Gruppe und schickt ihr gebündelt eure Love Letters. Das potenziert eure Wirkung sicherlich noch mal!

Die Welt verändernmit einem Brief nach dem anderen

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: es ist einfach wahnsinnig motivierend und stärkend so einen Love Letter zu bekommen. Wenn Marek und ich auf diese Weise mitkriegen, wie viel unsere Bücher, unser Newsletter, unsere Konferenz oder unsere Workshops im Leben anderer bewirken – dann ist das einfach wunderbar. (Danke an dieser Stelle an alle, die uns ihr Feedback geschenkt haben!) Wenn du also Sorge hast, dein Love Letter könnte komisch ankommen: das wird nicht geschehen! Vertraue mir ;-).

Und du trägst dazu bei zu zeigen, dass Aktivismus nicht mühselig und aussichtslos ist. Dass er in unserer Gesellschaft geschätzt wird und ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Demokratie ist. Das ist enorm wichtig in Zeiten, in der die Union damit beginnt, zivilgesellschaftliches Engagement zu diskreditieren, wo es ihr nicht passt – wie zum Beispiel bei dem Programm »Demokratie leben!«.

Also: Nimm dir heute Abend oder nächstes Wochenende doch einfach mal zwei, drei Stunden Zeit. Such dir einen tollen Menschen aus – oder schreibe, was dich im Herzen bewegt. Und dann erzähl uns davon! Teile deinen Brief hier im Kommentar oder schick ihn an ichbin@fuereinebesserewelt.info.

Lasst uns eine Flut der Wertschätzung lostreten. Jeder Brief zählt!

Die Welt wird nicht nur von denen gerettet, die kämpfen – sondern vor allem auch von denen, die den Kämpfer*innen sagen: »Ich stehe hinter dir!«

ilona

ist freie Jour­na­lis­tin, Publizistin, Projekt­ma­che­rin und Medienaktivistin. Seit über zehn Jahren schreibt sie Bücher, Blogposts, macht Podcasts, gibt Workshops und hält Vorträge. Zudem begleitet und berät sie öko-soziale Organisationen, Gemeinschaften, Künstler:innen, Kreative und Aktivist:innen bei der ganzheitlichen und nachhaltigen Planung und Kommunikation ihrer Projekte und Bücher.

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