Introvertiert und poltisch aktiv? Finde deinen Weg etwas zu bewirken!

Still und engagiert? Wie du als introvertierte Person politisch aktiv wirst!

Du willst politisch aktiv werden, fühlst dich aber von der lauten Aktivismusszene überfordert? Das kann ich gut nachvollziehen! Ich habe mir Gedanken gemacht, wie du als introvertierte Person mit Tiefgang und Kreativität politisch wirksam bist!

Vielleicht kennst du das auch: bei einem Treffen sind es immer die lauten, extrovertierten Menschen, die sich mit ihren Ideen durchsetzen. Und zwar, obwohl es keinen Zusammenhang zwischen guten Ideen und guten rhetorischen Fähigkeiten gibt. Mir hat neulich eine Freundin erzählt, wie ihre Nichte ganz frustriert war, weil sie als introvertierte Person einen Vorschlag gemacht hatte, der abgelehnt wurde – und wenn kurze Zeit später äußerte eine extrovertierte, beliebte Person genau die gleiche Idee und auf einmal waren alle begeistert.

Sei introvertiert und stehe dazu!

Der meist gut gemeinte Rat an introvertierte Menschen ist, dass sie an ihrem Auftreten arbeiten sollten, damit sie irgendwie – naja – extrovertierter werden. Doch ich halte es ganz mit der Autorin Susan Cain, die das Buch „Quiet: The Power of Introverts in a World That Can’t Stop Talking“ geschrieben und einen sehr motivierenden TED-Talk „The Power Of Introverts“ gehalten hat: Introvertierte Menschen sollten sich nicht verbiegen, um in diese Welt der Extrovertierten Idealisierung zu passen. Sie sollten ihre eigenen Stärken kultivieren. Das gilt auch für all jene, die sich für eine bessere Welt engagieren möchten.

Denn du musst dich nicht lautstark auf Demos zeigen oder in hitzigen Debatten die Meinung durchsetzen, um ein Good Rebel für eine bessere Welt zu sein. Als introvertierte Person kannst du deinen eigenen, sehr bedeutsamen Beitrag leisten – und zwar mit mehr Tiefgang, mehr Zuhören, mehr Kreativität und mehr strategischem Denken, als viele extrovertierte Personen das hinkriegen. In diesem Blogpost möchte ich dir zeigen, wie du deine Stärken als Introvertierte:r nutzen kannst, um politisch aktiv zu werden, ohne dich verbiegen zu müssen.

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Eine bessere Welt braucht introvertiere Menschen

Jede zweite bis dritte Person ist laut Susan Cain introvertiert. Natürlich handelt es sich dabei um ein Spektrum (zwischen „introvertiert“ auf der einen Seite und „extrovertiert“ auf der anderen). Das heißt, du musst dich nicht an einem der extremen Pole verorten. Außerdem haben die meisten Menschen ein bisschen von beidem – je nach Situation, Tagesform und vielem mehr. Es geht also nicht darum, dich in eine Schublade zu stecken. Aber wenn deine primäre Energiequelle die Zeit mit dir alleine und deine innere Reflexion ist, und wenn soziale Interaktion dich Energie kostet (sodass du danach gezielt Ruhe suchst, um wieder innere Balance zu finden), dann bist du vermutlich eher introvertiert.

Das ist etwas Gutes. Denn introvertierte Menschen bringen wichtige Qualitäten mit, die in der politischen Arbeit oft zu kurz kommen: tiefes Zuhören, sorgfältige Reflexion und empathisches Verständnis. Diese Fähigkeiten sind superwichtig, damit wir die komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen verstehen und nachhaltige Lösungen finden.

Und natürlich braucht eine demokratische Gesellschaft die Vielfalt der Stimmen – auch die leisen. Wenn nur die Lautesten gehört werden, entsteht ein verzerrtes Bild der Realität. Deine Perspektive, deine Überlegungen und dein Engagement sind unverzichtbar, um eine inklusive und gerechte Gesellschaft zu gestalten. Du kannst eine Brücke sein zwischen unterschiedlichen Gruppen, indem du aufmerksam zuhörst und vermittelst.

Die Stärken von Introvertierten für politischen Aktivismus nutzen

Introvertierte Menschen haben – wie alle – viele Talente, die im politischen Aktivismus besonders wertvoll sind. Hier sind ein paar Aspekte, die wir gefunden haben:

  • Tiefes Zuhören: Du nimmst die Anliegen anderer Menschen genau wahr und kannst dadurch besser auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen.
  • Gründliche Reflexion: Du denkst sorgfältig über Probleme und Lösungen nach, bevor du handelst, was zu durchdachten und nachhaltigen Entscheidungen führt.
  • Empathie: Du kannst dich gut in andere hineinversetzen und förderst so solidarisches und respektvolles Miteinander.
  • Kreativität: Du findest oft originelle Wege, deine Botschaften zu vermitteln, sei es durch Schreiben, Kunst oder digitale Medien.
  • Ausdauer: Du bist fokussiert und kannst langfristig an Projekten arbeiten, auch wenn der Fortschritt langsam erscheint.

Introvertierte Good Rebels und ihre Erfolgsgeschichten

Viele bekannte Menschen, die sich für eine bessere Welt engagiert haben, waren oder sind introvertiert und haben dennoch etwas ganz Großes bewirkt. Als erstes fällt mir da natürlich Greta Thunberg, die mit ihrem stillem, aber äußerst entschlossenem Protest eine weltweite Bewegung für Klimagerechtigkeit in Gang setzte. Dann gibt es die berühmte Bildungsrebellin Malala Yousafzai aus Pakistan. Mit ihrer ruhigen, aber festen Stimme setzt sie sich für Bildungsgerechtigkeit ein und hat bereits Millionen von Menschen inspiriert. Auch von Mahatma Gandhi sagt man, dass er äußerst schüchtern und introvertiert war – und du weißt sicherlich, dass er einer der bekanntesten Streiter für einen gewaltfreien Widerstand ist. Er hat Geschichte geschrieben.

Ihre Lebensgeschichten zeigen eindrucksvoll, dass politisches Engagement nicht laut oder extrovertiert sein muss, um nachhaltig wirksam zu sein. Vielleicht sogar im Gegenteil. Wie Susan Cain anmerkt wirkt das Engagement solcher Persönlichkeiten viel eindringlicher: man kriegt mit, dass sie sich nicht auf eine Bühne stellen, weil sie da so gerne stehen – sondern weil ihnen ihr Anliegen keine andere Wahl lässt. Diese Dringlichkeit vermittelt sich allen anderen. Man spürt viel eher, dass es introvertierten Personen nicht darum geht, sich selbst in den Vordergrund zu stellen, sondern dass es ihnen wirklich um die Sache geht (sonst würden sie das niemals freiwillig tun :-).

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Vom Zuhören zum Handeln in deinem Tempo

Politisches Engagement ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Gerade wenn du introvertiert bist, solltest du deinen eigenen (vermutlich etwas langsameren) Rhythmus finden. Verbiege dich nicht, um dem vermeintlich „normalen“ oder „idealen“ zu entsprechen. Hier ein paar Schritte, die mir den Einstieg in der Regel erleichtern:

  • Informiere dich gründlich über Themen, die dich bewegen. Nutze Bücher, Podcasts, Videos und vertrauenswürdige Nachrichtenquellen, um dir ein solides Fundament zu schaffen.
  • Wähle eine Nische, in der du dich wohl fühlst und die dir am Herzen liegt, zum Beispiel Klimagerechtigkeit, Tierrechte oder Bildung.
  • Engagiere dich zunächst im Hintergrund. Einige Ideen, was das alles sein könnte, findest du unten in der folgenden Liste.
  • Setze dir realistische Ziele und gönne dir immer wieder Pausen und Auszeiten der Einsamkeit, um deine Energie zu bewahren.

So kannst du Schritt für Schritt vom Zuhören und Nachdenken zum aktiven Handeln kommen – ohne dich zu verbiegen oder auszubrennen.

Aufgaben für introvertierte Good Rebels

Ich bin davon überzeugt, dass es sehr viele Aufgabenbereiche für eine bessere Welt gibt, die sich für introvertierte Personen eignen, weil sie weniger lautes Auftreten und mehr auf konzentrierte Arbeit brauchen. Hier ein paar Ideen von mir:

  • Recherchiere und bereite und Informationen für politische Organisationen oder Initiativen auf
  • Schreibe Artikel, Newsletter oder Social-Media-Beiträge
  • Gestalte Flyer, Plakate oder kreative Kampagnenmaterialien
  • Organisiere Veranstaltungen im Hintergrund, übernimm etwa die Logistik oder Kommunikation
  • Betreue Online-Communitys oder moderiere Diskussionsgruppen
  • Engagiere dich bei Online-Petitionen, in Diskussionsforen oder digitalen Kampagnen
  • Schreibe Blogposts, Essays, Gedichte oder Songs zu politischen Themen
  • Nutze Kunst, Fotografie oder Grafikdesign, um Aufmerksamkeit zu erzeugen
  • Produziere Podcasts oder Videos, die deine Anliegen und Sichtweisen zeigen
  • Vernetze dich digital und/oder in kleinen Kreisen mit anderen Aktivistinnen und Aktivisten, um Ideen auszutauschen und gemeinsam Projekte zu planen.

Diese Formen des Engagements sind wirkungsvoll und bieten dir zugleich den nötigen Raum für deine Introvertiertheit.

Introvertiert Netzwerken: Qualität statt Quantität

Netzwerken ist auch im politischen Engagement wichtig. Für die meisten introvertierten Menschen ist das eine grausige Vorstellung. Doch keine Sorge. Das muss nicht bedeuten, dass du ständig auf großen Veranstaltungen präsent sein oder viele oberflächliche Kontakte knüpfen musst. Für uns introvertierte Menschen gilt: Weniger ist mehr. Meine Tipps dazu sind:

  • Suche dir kleine, vertrauensvolle Gruppen oder Tandems, in denen du dich wohl fühlst
  • Pflege intensive und nachhaltige Beziehungen zu Gleichgesinnten
  • Nutze digitale Plattformen für den Austausch, wenn persönliche Treffen zu anstrengend sind
  • Setze klare Grenzen, um deine Energie zu schützen

So kannst du dir ein kleines, aber starkes und tragfähiges Netzwerk aufbauen, das auf gegenseitigem Respekt und Unterstützung basiert.

Selbstfürsorge und Grenzen setzen

Nichts desto trotz kann politisches Engagement emotional ziemlich herausfordernd sein. Vor allem, wenn du sensibel und introvertiert bist. Deshalb ist Selbstfürsorge essenziell: Es ist total wichtig, dass du deine Grenzen erkennst und respektierst. Dabei hilft es, dass du immer wieder kleine Pausen und Auszeiten in deinen Alltag einbaust.

Beim Dragon Dreaming – eine Methodik, um Projekte des öko-sozialen Wandels regenerativ zu gestalten – machen wir zum Beispiel alle 60–90 Minuten eine 3-5-minütige Stillepause. In dieser Zeit kommen alle, still für sich, zur Ruhe. Das gibt uns die Gelegenheit, uns Fragen zu stellen wie: Wie geht es mir gerade (physisch und psychisch)? Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf? Wie geht es mir mit der Gruppe, der Situation? Passt alles noch so oder verbiege ich mich gerade?

Hilfreich ist es tatsächlich, wenn du ein kleines, aber gutes Netzwerk an Freundinnen und Freunden hast. Hier kannst du dir in Situationen, die dich überfordern, Unterstützung und Feedback holen. Nutze auch Entspannungs- und Achtsamkeitstechniken – eine Meditation, einen Spaziergang in der Natur oder eine körperliche Übung – um überschüssige Energie loszuwerden und/oder fehlende Energie zu tanken.

Mit einer guten Balance zwischen Engagement und Selbstfürsorge bleibst du langfristig motiviert und gesund.

Zweifel und Ängste im politischen Engagement annehmen

Wenn du dich politisch für eine bessere Welt engagierst, ist normal, dass nicht alles, was du machst, sofort die Wirkung hat, die du dir wünschst. Akzeptiere, dass nicht jede Aktion sofort sichtbare Erfolge bringt. Nimm aber auch an, dass du dich manchmal ohnmächtig, überfordert oder unsicher fühlst – gerade in Zeiten großer gesellschaftlicher Herausforderungen. Das ist normal und es ist nicht hilfreich, wenn du solche Gefühle versuchst zu verdrängen oder „loszuwerden“.

Eine Übung, die mir bereits oft geholfen hat, nennt sich „Durch den Fluss schwimmen“. Nimm dir einige Minuten Zeit, schließe vielleicht sogar die Augen und versuche dich, auf dein Inneres zu konzentrieren. Stell dir nun vor, wie du in einen breiten Fluss steigst, um ihn zu durchschwimmen. Nahe am Ufer ist die Strömung noch gering. Das entspricht deinen ruhigeren Emotionen. Doch je mehr du in die Mitte des Flusses gelangst, desto stärker ist die Strömung, die dich mitreist. Vielleicht gibt es sogar Stromschnellen und Wirbel. Das sind die herausfordernden Emotionen, wie Traurigkeit, Wut, Empörung oder Angst. Stelle dich ihnen – mit der Gewissheit, dass du bald wieder am anderen Ufer ankommst, wo es wieder ruhiger wird. Versuche nicht, dich gegen sie zu stemmen oder sie zu vermeiden. Spüre, wie es dir damit geht und welche Kraft sie entfalten. Schwimme jedoch weiter, bis du am anderen Ufer ankommst. Spürst du, wie sich die Emotionen hier auch wieder beruhigen und verklingen? Denke daran: alles verändert sich die ganze Zeit. Auch deine Emotionen sind „nur“ ein temporärer Zustand, den du durchlebst.

Hier noch einige Tipps, wie du mit schwierigen Situationen und Emotionen umgehen kannst:

  • Erkenne deine Motivation und deine Werte, für die du einstehst (so geht’s)
  • Teile deine Zweifel mit vertrauten Menschen oder in unterstützenden Gruppen
  • Setze dir realistische Erwartungen und feiere deine Erfolge – auch die kleinen (so geht’s)
  • Informiere dich über Strategien zur Resilienz und Stressbewältigung
  • Erinnere dich daran, dass auch kleine Beiträge wichtig sind und Wirkung entfalten
  • Arbeite konkret an deiner Hoffnung als Kraftquelle (so geht’s)

Fazit: Introvertierte Menschen braucht das Land!

Als introvertierte Person kannst du politisch aktiv werden – auf deine eigene, kraftvolle Weise. Nutze deine Stärken, finde deinen Rhythmus und setze dich für eine bessere Welt ein, ohne dich zu überfordern. Dein Engagement ist wichtig und wird gebraucht. Du bist Teil einer vielfältigen Bewegung, die mit Mut, Empathie und Kreativität die Gesellschaft verändert. Trau dich, deine leise Stimme zu erheben – sie hat Gewicht. Werde ein Good Rebel für eine bessere Welt!

ilona

ist freie Jour­na­lis­tin, Publizistin, Projekt­ma­che­rin und Medienaktivistin. Seit über zehn Jahren schreibt sie Bücher, Blogposts, macht Podcasts, gibt Workshops und hält Vorträge. Zudem begleitet und berät sie öko-soziale Organisationen, Gemeinschaften, Künstler:innen, Kreative und Aktivist:innen bei der ganzheitlichen und nachhaltigen Planung und Kommunikation ihrer Projekte und Bücher.

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