Wie du mit Storytelling Menschen aktivierst: Eine Gruppe von Menschen lauscht einer Person in der Mitte

Mit Geschichten bewegen: Wie du mit Storytelling Menschen aktivierst

Eine gute Geschichte bewirkt viel mehr als Fakten. Sie schafft Identifikation und damit so etwas wie Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Solidarität und Engagement. Dieser Beitrag zeigt dir, wie du mit ethischem Storytelling Menschen aktivieren kannst. Ein Leitfaden.

Inhalt

Was könnte dich dazu bringen, dich für einen dir fremden Menschen einzusetzen? Für jemanden, den du nicht kennst, dessen Sprache du nicht sprichst, den du nie getroffen hast? Nun, es könnte vielleicht seine Geschichte sein!

Das jedenfalls war die Erkenntnis des britischen Anwalts Peter Benensen – er fand heraus, wie du mit Storytelling Menschen aktivierst.

1960 las er von zwei portugiesischen Studenten, die inmitten der Diktatur auf ihre Freiheit angestoßen hatten – und dafür im Gefängnis landeten. Das bewegte ihn so sehr, dass er Monate später einen Artikel über die beiden in der britischen Zeitung The Observer veröffentlichte und die Lesenden dazu aufrief, sich per Brief an die Regierung für die Freilassung der politischen Gefangenen einzusetzen. Wenig später druckten auch die französische Le Monde, die italienische Corriere della Sera und die International Herald Tribune den Text ab. Daraus ging dann die Organisation Amnesty International hervor, die bis heute Storytelling zu einem wesentlichen Werkzeug ihrer Kommunikation gemacht hat und so Millionen von Menschen zum Helfen motiviert. [1]

Oder denk an eine andere, legendäre Geschichte: Das 15-jährige Mädchen, das sich am 20. August 2018 mit einem handgemalten Schild vor das schwedische Parlament. „Skolstrejk för klimatet“ stand darauf, Schulstreik für das Klima. Ihr Anliegen war ja nicht gerade neu. Wissenschaftler*innen warnten seit Jahrzehnten vor der Klimakatastrophe. Doch diesmal hörte die Welt zu. Warum? Nicht wegen neuer Daten und Fakten, sondern weil Greta Thunberg einfach eine Geschichte lieferte, die sich super erzählen ließ und Menschen weltweit bewegte. So sehr, dass Millionen von Menschen jeden Friday For Future auf die Straßen gingen. Ein Mädchen mit ihrer Erzählung von von Mut, Wut und Hoffnung konnte die Menschen viel eher bewegen, als eine weitere PowerPoint-Präsentation mit Zahlen und CO₂-Kurven.

Es sind die Gefühle, nicht die Fakten

Diese zwei Geschichten zeigen dir: Wir Menschen lassen uns viel eher von unseren Emotionen leiten, als von Fakten. Das mag manche vielleicht frustrieren. Ich finde es aber auch positiv, denn es zeigt: wir Menschen sind eben soziale Wesen. Uns sind die Erlebnisse und Geschichten unserer Mitmenschen nicht egal. Wir lassen uns berühren und empfinden eine Resonanz mit anderen, auch wenn wir sie gar nicht kennen. Geschichten zeigen uns intuitiv, ob die »Anderen« unsere Werte teilen oder nicht und ermöglichen es uns so im Bruchteil einer Sekunde zu entscheiden, ob wir Teil der Geschichte sein wollen oder nicht.

Natürlich lässt es sich mit Storytelling und Narrativen auch hervorragend manipulieren. Auch die Werbung, die Populist*innen, autoritäre Regime nutzen Storytelling, um Menschen zu bewegen. Aber ihr Ziel ist es, sie in die Irre zu führen. »Flüchtende Menschennehmen uns was weg«, »Die Klimahysterie zerstört unsere Jobs« oder »Wenn eine Frau vergewaltigt wird, war wohl ihr Kleid zu kurz« sind Narrative, die vollkommen falsch sind – sich aber hartnäckig halten und immer wieder neu verbreitet werden.

Storytelling und Narrative sind ein super Instrument, um sich für eine bessere Welt einzusetzen. Es ist aber genauso wichtig, dass du sorgsam und ethisch verantwortlich mit ihrer Wirkmacht umgehst.

Eine Checkliste, wie du mit Storytelling Menschen aktivierst, aber ethisch, findest du weiter unten!

Warum Storytelling die Basis jedes Engagements ist

Dein Gehirn kann mit Geschichten viel besser umgehen, als mit Fakten. Das liegt daran, dass Daten nur deinen präfrontalen Cortex mobilisieren – also den Teil, der für dein kritisches Denken zuständig ist. Geschichten aktivieren dagegen dein Sprachzentrum und deine Spiegelneuronen. Das bedeutet: du erlebst die Handlung tatsächlich physisch messbar mit. Auf eine Geschichte über Schmerz reagiert dein Gehirn, als würdest du den Schmerz selbst spüren. Du tauchst emotional in die Geschichte ein, vergisst deine Skepsis, öffnest dich für neue Perspektiven und kannst dich viel besser an Geschichten, als an Fakten erinnern.

Das gilt vor allem bei komplexen Sachverhalten, wie zum Beispiel die Klimakrise oder strukturelle Ungerechtigkeiten. Das ist für die meisten Menschen nur schwer fassbar. Ein Beispiel: Die Berliner Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen hätte endlos Zahlen über Mietpreisentwicklungen und Renditeerwartungen bringen können. Und das taten sie unter anderem auch. Aber sie erzählten sie die Geschichten Menschen, die sich ihre Mieten nicht mehr leisten können und in den Kampf gegen die Abzocke ziehen.

Welche Zahlen und Fakten aus deinem Engagement-Bereich kannst du durch eine einzige persönliche Geschichte ersetzen? Schreibe sie auf – und überlege, wie du mit Storytelling Menschen aktivierst.

Auf dieser Ebene können wir uns mit den Menschen verbinden. Wir verstehen intuitiv den Grund, warum es notwendig ist, aktiv zu werden. Und das kann unsere Solidarität und unser Engagement wecken. Das funktioniert auch deshalb, weil Storytelling nicht nur bestimmt, wogegen wir bekämpfen, sondern wer wir sind. Oder anders gesagt: Geschichten fördern die Identifikation. Sie schaffen ein Wir-Gefühl – und das sorgt für Solidarität und Engagement.

Gegen-Narrative: Wie du mächtige Geschichten entlarvst

Bevor du Menschen mit Storytelling aktivierst, solltest du zu allererst die Erzählungen deiner Gegenseite verstehen: Wer sind dabei die »Guten« und wer die »Bösen«? Was ist ihr zentraler Konflikt? Welche Emotionen – vor allem Ängste und Empörung – spielt sie aus? Welche Versprechen für eine Lösung gibt sie? Die us-amerikanische Organisation »Stories for Change« liefert dazu Unterlagen für gemeinsame Workshops. [2]

Ein Beispiel: Rechtspopulistische Narrative spielen oft mit der Erzählung, dass der Zielgruppe etwas weggenommen wird oder wurde, was eigentlich ihnen gehört. Etwa »Die Flüchtlinge nehmen euch die Jobs/den Wohnraum/den Termin beim Arzt etc. weg!«. Das Versprechen, das AfD & Co. Geben, lautet: »Wir sind die Einzigen, die euch vor diesem Unrecht schützen!« Diese Strategie – Sündenböcke zu nennen, emotional mit Wut, Angst und Empörung aufzuladen, um dann eine einfache Lösung zu versprechen – lässt sich nicht entkräften, in dem du sagst: »Aber Flüchtlinge nehmen doch keine Jobs/Wohnungen/Arzttermine weg!« Im Gegenteil. Tatsächlich verstärkst du damit leider das Narrativ.

Die Lösung liegt dann darin, eine Gegenerzählung zu entwickeln und zu verbreiten. Oder auch eine Erzählung, die größer ist und beide Seiten umfasst. Das hat sich zum Beispiel die Initiative »Soziale Wärmewende« vorgenommen: sie möchte Menschen erreichen, die sich warme Wohnungen nicht mehr leisten kann – und sie für den Kampf für Klimagerechtigkeit gewinnen. Anstatt dass sie der Lüge des »Heizungshammers« aufsitzen, wollen sie gemeinsam mit ihnen für die Wärmewende eintreten. Allerdings eine, bei der nicht die Schwächsten der Gesellschaft die Kosten dafür zahlen, sondern die wohlhabenden Vermietenden.

Story of Self, Us and Now: Wie du Menschen mit Storytelling aktivierst

Die Soziale Wärmewende setzt dabei gezielt auf die Methode des »Organizing«. Sie stammt aus den USA, wird derzeit vor allem von Gewerkschaften angewandt. Organizing setzt – stark verkürzt gesagt – darauf, die Betroffenen selbst zu fragen, was ihre Forderungen sind und sie dann dabei zu unterstützen, sich selbst so zu organisieren, dass sie ihre Forderungen mit politischen Aktivitäten verwirklichen kann. Organizing geht damit den umgekehrten Weg wie Aktivismus und politisches Campaigning. Das formuliert erst eigene Forderungen (auf Basis eigener Problemanalysen zum Beispiel) und dann versucht, möglichst viele Menschen dahinter zu versammeln, um politischen Druck zu erzeugen. Und auch das Organizing nutzt Storytelling als wichtige Methode. Zunächst ist wichtig:

Jede Geschichte hat eine Hauptfigur, die vor einer Herausforderung steht und eine wichtige Entscheidung treffen muss, damit ein gewünschtes Ergebnis eintritt.

Die Hauptfigur könnte jemand sein, der unsere Hilfe braucht. Wie eingangs die beiden Studierenden, die aus politischen Gründen ins Gefängnis gesperrt wurden. Es kann aber auch die angesprochene Person selbst sein – nämlich die Menschen, die den Artikel des britischen Anwalts und Amnesty-International-Gründers Peter Benensen lasen und daraufhin Protestbriefe schrieben. Es kann aber auch die Geschichte von »uns« als Wertegemeinschaft sein: wir, die wir für Menschenrechte eintreten.

Marshall Ganz, Experte und Professor für Community und Graswurzel Organizing, hat daraus ein Framework mit drei Säulen gestrickt: Der »Story of Self«, der »Story of Us« und der »Story of Now«. Alle drei sind miteinander verbunden. Und wenn du alle drei Geschichten für dein Anliegen zusammen mit deinen Mitstreitenden entwickelst, dann kann euch das strategisch einen großen Schritt weiterhelfen. Ihr bekommt einerseits viel mehr Bewusstsein und Klarheit für euch selbst. Und infolge dessen könnt ihr andererseits auch eure Anliegen und Forderungen viel klarer nach Außen erzählen.

1. Story of Self: Warum ich hier bin?

In der »Story of Self« erzählst du, was dich zu genau diesem Engagement gebracht hat, bevor du Menschen mit Storytelling aktivierst. Frage dich dazu:

  • Wann wollte ich das erste Mal zu dieser Sache gehört werden? Wann hatte ich das Gefühl, handeln zu müssen?
  • Wieso gerade dieses Thema? Welche Werte sind mir dabei wichtig?
  • Was habe ich getan?
  • Was habe ich dadurch bewirkt und was habe ich daraus gelernt?

Die persönliche Motivation deiner Geschichte macht dich glaubwürdig (natürlich muss die Geschichte echt sein. Mach nicht den Fehler, die Realität zu überzeichnen, um eine ‚gute‘ Geschichte zu bekommen!). Ich für mich könnte zum Beispiel sagen: »Als ich 2008 die Weltfinanzkrise erlebte, erkannte ich, wie unsinnig mein kleines Karrierestreben war. Ich kündigte meinen gut bezahlten Job und widmete mich nur noch dem Engagement für eine bessere Welt. Seit dem verdiene ich viel weniger, aber mein Leben ist voller Sinn, Selbstwirksamkeit und Freiheit.«

Die kreativen Arbeitsheft für eine bessere Welt!

Bereit, gemeinsam die Welt zu verändern?

Dann sind die »Kreativen Arbeitshefte für eine bessere Welt« dein praktischer Begleiter. Ob du gerade einsteigst oder schon viel Erfahrung mitbringst: Die vielen Übungen, Checklisten, Anleitungen, Challenges und Test unterstützen dich dabei, selbst zu der Veränderung zu werden, die du dir für diese Welt wünschst! Mach mit und zeige, dass Menschen mit Freude gemeinsam viel bewegen können! Mehr erfahren!

2. Story of Us: Wer sind wir?

Auch diese Geschichte fokussiert auf die Herausforderung und den Entscheidungspunkt. Aber diesmal bist nicht du die Hauptfigur, sondern die Community, die du aktivieren möchtest. Damit du Menschen mit Storytelling aktivierst, sollte diese Geschichte nicht nur auf das Problem hinweisen, sondern auch auf die von euch gewünschte Lösung. Ganz schreibt dazu »Hoffnung ist eine der wertvollsten Geschenke, die wir uns und den Menschen machen können, mit denen wir zusammen Veränderungen bewirken wollen.« [2] Fragen, die ihr euch dazu gemeinsam stellen könnt, sind zum Beispiel:

  • Welche Werte teilst du/teilt ihr mit der Community (also den Menschen, die ihr erreichen wollt)?
  • Welche Erfahrungen hatten den größten Einfluss auf sie? Welche Herausforderungen hat diese Community erlebt?
  • Welche Veränderung wünscht sich die Community und warum?

Das Ergebnis dieses Prozesses sind gemeinsame Werte, die euch zusammenschweißen! Also etwas super wertvolles, wie ich finde.

3. Story of Now: Warum wir jetzt handeln müssen!

In dieser Geschichte erzählst du, warum es wichtig ist, genau jetzt aktiv zu werden. So kannst du mit Storytelling Menschen aktivieren. Du schilderst, wie die Zukunft aussieht, wenn deine Community nicht handelt (der Alptraum). Und du schilderst, wie die Welt aussieht, wenn ihr erfolgreich seid (der Traum). Dann schlägt diese Geschichte die Brücke von der Frage »Warum?« ein Menschen handeln sollte – zu der Frage »Wie?« bzw. »Was?« eine Person tun kann. Auf der einen Seite motivierst du also deine Zuhörer*innen. Und auf der anderen sagst du ihnen, was sie unternehmen können. Fragen, die dir dabei helfen könnten, sind zum Beispiel:

  • Was ist die dringliche Herausforderung, vor der ihr gerade steht?
  • Auf welche Veränderung hofft ihr? Wie würde die Welt aussehen, wenn sie eintritt? Und wie würde sie aussehen, wenn ihr es nicht schafft?
  • Welche Entscheidung müssen die Menschen treffen, die du ansprichst?
  • Was können oder sollten sie deiner Meinung nach tun? Welche Wirkung hätte das? Was steht auf dem Spiel, wenn sie inaktiv bleiben?

Wichtig: Es ist ein schmaler Grad zwischen Dringlichkeit und Panikmache oder Weltuntergangsgeraune. Versuche die Dringlichkeit deutlich zu machen, ohne mit Angst, Wut und Empörung zu spielen! Denke immer daran, dass zu viel Fokus auf Leid vor allem Ohnmacht in den anderen Menschen erzeugt: Wenn die Probleme und Herausforderungen zu überwältigend groß sind, dann entmutigt das Menschen. Sie ziehen sich zurück, machen dicht und tun gar nichts mehr. Und das möchtest du ja nicht.

Schau dir mal die Kampagne von Zohran Mamdani an. Er hat bei seinem Wahlkampf um das Bürgermeisteramt von New York City ebenfalls auf Organizing gesetzt und es sehr gut verstanden, positive, Mut und Optimismus verbreitende Wir-Geschichten zu verbreiten. In diesem Vortrag des Movement Hub mit dem Titel »Was können Soziale Bewegungen von Zohran Mamdani« erfährst du mehr darüber:

Wir-Botschaften und Race-Class-Narrative (RCN)

Wie das geht, zeigt das Kommunikationsmodell der Große-Wir-Botschaft. Das Berliner Movement Hub hat es auf Basis des amerikanischen Models des Race-Class-Narrative (RCN) entwickelt, um dem Kulturkampf von rechts zu entschärfen und Menschen mit Storytelling zu aktivieren.

Diese Geschichten und Botschaften sollen explizit die Menschen ansprechen, die sich nicht mit progressiven Bewegungen identifizieren. Mit einem Beispiel angelehnt an die Kampagne »Wir fahren zusammen« beschreibt der Movement Hub [4], wie das in vier Schritten geht:

  1. Ihr benennt die unterschiedlichen Werte, mit denen die Rechte normalerweise spaltet (etwa »Egal ob wir Yilmaz, Schmidt oder Kowalski heißen, wir alle wollen mit dem wir genug Zeit haben für Familie, Freund*innen und Freizeit.«)
  2. Dann beschreibt ihr das Problem (etwa »Aber immer mehr Fahrten fallen aus. Linien werden gestrichen. Auf dem Land fährt oft kein einziger Bus mehr, und in der Stadt quetschen wir uns in Bahnen, die zu voll sind.«)
  3. Dann stellt ihr dem großen Wir ein kleines »sie« gegenüber (etwa »Das Verkehrsministerium hat unseren Nahverkehr heruntergewirtschaftet. Darum haben wir viel zu wenige Fahrer*innen.«)
  4. Und zum Schluss nennt ihr die Vision und was dafür jetzt getan werden muss (etwa »Wir tun uns zusammen, um mehr Geld für Bus und Bahn und gute Arbeitsbedingungen zu erreichen. Wenn nötig, streiken wir. Wir wollen alle, dass unser Nahverkehr eine Zukunft hat mit guten Jobs.«)

»Mit dieser Strategie versuchen wir, eine überzeugendere Vision der Zukunft zu vermitteln, statt der hasserfüllten Botschaften, die derzeit den öffentlichen Diskurs dominieren«, schreibt das Movement Hub auf seiner Website [4].

Hier ein Beispiel für ein Race-Class-Narrative bzw. eine Wir-Botschaft des Movement Hub. Von der Website kannst du dir Arbeitsblätter herunterladen, um deine eigene Wir-Botschaftsgeschichte zu entwickeln [4].

Tipp: Praktische Übung für dein Storytelling

  • Schreibe deine eigene Story of Self in drei Sätzen.
  • Frage mindestens drei Menschen aus deiner Gruppe nach ihrer Version – und baue daraus eine Story of Us.
  • Erzähle die Story of now in drei Sätzen. Achte dabei darauf, Hoffnung zu verschenken.

Ethik und Verantwortung – wie du Menschen mit Storytelling aktivierst und dabei keine Grenze überschreitest

Wie bereits oben beschrieben, ist es ein zweischneidiges Schwert, wenn du Menschen mit Storytelling aktivierst. Du kannst mit Storytelling Menschen aktivieren und sehr viel Positives bewirken. Du kannst damit aber auch Menschen so manipulieren, dass sie etwas tun oder glauben, was ihnen und/oder anderen schadet. Deshalb hier auch noch mal ein paar Punkte, die du unbedingt bedenken solltest, wenn du Storytelling für dein Engagement für eine bessere Welt nutzt:

  • Vermeide »Poverty Porn« und Viktimisierung. Viele Kampagnen inszenier(t)en das Leid geradezu, um Mitgefühl zu erzeugen. Berühmt berüchtigt sind die schwarzen Kinder mit großen, traurigen Augen, die Menschen zum Spenden motivieren sollen (Spende, oder dieses Kind stirbt!). So etwas erzeugt rassistische Stereotype. Außerdem nimmt es den Betroffenen ihre Würde und Autonomie. Frage dich zum Beispiel mal: Wäre die Hauptfigur deiner Geschichte stolz darauf, so dargestellt zu werden?
  • Stelle eine informierte Einwilligung und Kontrolle sicher. Es ist eigentlich selbstverständlich, aber ich möchte es hier dennoch noch einmal betonen: Wenn du die Geschichte von einem anderen Menschen erzählst, oder andere Menschen in deiner Geschichte eine Rolle spielen, dann musst du unbedingt sicherstellen, dass sie ausreichend informiert sind, um einwilligen oder ablehnen zu können. Sie sollten nicht nur entscheiden können, ob, sondern auch wie die Geschichte erzählt und wo genau sie verbreitet wird (z.B. nur im Newsletter, aber nicht auf Social Media). Sie müssen genau wissen, welche Nachteile die Geschichte für sie vielleicht haben könnte. Zum Beispiel erfahren viele Frauen erhebliche Nachteile, die über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt offen berichten. Vielleicht ist eine Anonymisierung möglich. Vielleicht kannst du die Geschichte aber auch einfach nicht erzählen. Schau bei der Folgenabschätzung auch weit in die Zukunft: was ist, wenn deine Kampagne vorbei ist?
  • Reduziere Komplexität, ohne zu sehr zu vereinfachen. Um Menschen mit Storytelling zu aktivieren, musst du immer die Komplexität der echten Welt vereinfachen. Es geht leider nicht anders. Es ist aber sehr, sehr wichtig, dass du dadurch nicht die Realität verzerrst. Wenn du zum Beispiel die Erfolgsgeschichte eines Menschen erzählst, ist es wichtig, dass du nicht den Eindruck erweckst, das Problem insgesamt sei behoben. Mach dies transparent, etwa indem du so etwas schreibst wie »Dies ist eine von vielen Geschichten – nicht die ganze Wahrheit.« oder »Unser Kampf ist noch nicht vorbei.«

Fazit: Storytelling für eine bessere Welt

Ich mag Storytelling sehr gerne. Marek und ich nutzen es nicht nur, um unsere Texte zu schreiben oder unsere Kommunikationsstrategie zu entwerfen. Wir konzipieren damit auch Bücher, Workshops und andere Angebote. Immer fragen wir uns: wenn die Menschen, die wir erreichen wollen, die Hauptfiguren dieser Geschichte wären – was wäre ihr Problem? Was möchten sie erreichen? Und was können wir tun, um als Mentor*innen bei dieser »Held*innenreise« möglichst hilfreich mit dabei zu sein?

Doch Storytelling ist eine Medaille mit zwei Seiten. Sie kann sehr viel für eine bessere Welt bewegen. Die Frage ist aber: wie du Menschen mit Storytelling aktivierst. Denn die Methode kann aber auch schädlich und manipulativ sein, wenn sie unethisch verwendet wird. Deshalb ist mein Appell an dich: Nutze Storytelling! Aber nutze es mit Mut, Sorgfalt und Achtsamkeit. In unserem friedvollen Kampf für eine bessere Welt muss es immer darum gehen, mehr Vertrauen, mehr Verständnis und mehr Verbundenheit zwischen uns allen herzustellen – und nicht Aufmerksamkeit um jeden Preis!

Ich freue mich, wenn dieser Beitrag dich dabei unterstützen kann. Schreibe uns eine E-Mail oder hinterlasse einen Kommentar, wenn du weitere Ideen, Fragen oder auch Kritik hast. Ich freue mich darauf!

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Hinweis: Für die Recherche haben wir teilweise die KI »Le Chat« verwendet.

ilona

ist freie Jour­na­lis­tin, Publizistin, Projekt­ma­che­rin und Medienaktivistin. Seit über zehn Jahren schreibt sie Bücher, Blogposts, macht Podcasts, gibt Workshops und hält Vorträge. Zudem begleitet und berät sie öko-soziale Organisationen, Gemeinschaften, Künstler:innen, Kreative und Aktivist:innen bei der ganzheitlichen und nachhaltigen Planung und Kommunikation ihrer Projekte und Bücher.

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