Straßenkinder sind ein Phänomen, das es nur in den Slums so genannter „Entwicklungsländer“ gibt? Keineswegs! Gestern tagte das „Bündnis für Straßenkinder in Deutschland und es kritisiert: Die Politik riskiert Obdachlosigkeit junger Menschen und fordert eindeutiges Bekenntnis der Politik. Denn die Politik von Bund und Ländern trage die Mitverantwortung dafür, dass zahlreiche Jugendliche auf der Kippe zur Obdachlosigkeit stehen. „Die aktuelle Gesetzeslage verschlechtert die Lebenssituation benachteiligter junger Menschen. Wer aus schwierigen Familienverhältnissen stammt, keinen Ausbildungsplatz findet und sonst in psychosozialen Krisen steckt, kann leicht in der Obdachlosigkeit landen“, sagte Uwe Britten, Mitglied des Sprecherrats des Bündnisses und Experte für Straßenkinder beim Kinderhilfswerk terre des hommes, im Vorfeld der Tagung.

Schwierigkeiten junger Menschen zwischen 15 und 25 Jahren würden von der Politik verharmlost, so Uwe Britten weiter. Diese würden, etwa durch bestimmte Hartz-IV-Regelungen, geradezu in die Obdachlosigkeit gedrängt. „Junge Menschen werden zunehmend zur Problemgruppe erklärt. Für sie sind Hilfen deutlich reduziert worden – sogar im Bereich der gesetzlichen Pflichtversorgung.“ Daher fordert das Bündnis, dass die Jugendhilfe wieder mehr Hilfen für junge Menschen ab dem 18. Lebensjahr leistet, wie es das Kinder- und Jugendhilfegesetz auch vorsieht.

Zwar hat Ministerin Ursula von der Leyen im Sommer eine Kampagne mit dem Titel „Für ein kindgerechtes Deutschland!“ gestartet. Doch gerade die Politik instrumentalisiert Kinder immer wieder zum Stimmenfang, wie zu Jahresbeginn bei der Wahl in Hessen. Entsprechend positiv bewerteten die Mitglieder des Bündnisses, dass trotz der sogenannten U-Bahn-Schläger von München keine Partei im bayerischen Wahlkampf dem hessischen Beispiel gefolgt und auf Kosten benachteiligter junger Menschen auf Wählerfang gegangen sei.

Das „Bündnis für Straßenkinder in Deutschland“ ist eine Vereinigung von Initiativen, die niedrigschwellig die Basisversorgung jener Jugendlichen und jungen Erwachsenen leisten, die entweder in Obdachlosigkeit leben oder von ihr bedroht sind. Prominente Unterstützerin ist Ex-Boxweltmeisterin Regina Halmich. Auch beim „Tag des Straßenkindes“ am 19. November in Berlin ist das Bündnis vertreten.

Weitere Informationen:
www.buendnis-fuer-strassenkinder.de
www.mein-kind-ist-weggelaufen.de
http://www.tdh.de/home.html