Eine Frau sitzt an ihrem Laptop und hat es geschafft, sich von Big-Tech-KI zu lösen. Sie reckt ihren Arm in die Luft.

Ethische KI – aber wie?

Wir stehen gerade vor der Frage, wie wir KI ethisch nutzen können – beruflich und privat. Der Streik der Synchronsprecherinnen und -sprecher gegen Netflix, die ihre Stimmen nicht an KI-Trainings und Stimmklone verlieren wollen, zeigt: Diese Frage ist existenziell – aber es gibt Alternativen, und die sind echt rebellisch.

Alle wollen sie. Alle nutzen sie. Zu diesem Eindruck kann man kommen, wenn man sich den derzeitigen, mächtigen Hype um das Thema Künstliche Intelligenz ansieht. Wer nicht sofort auf den KI-Zug aufspringt, dem bleibt nur noch ein Taschentuch zum Winken. Der Rest fährt auf dem direkten Weg ins Schlaraffenland. Die Zukunft wartet nur auf diejenigen, die ihr entgegen streben. Auf die, die den Fortschritt nicht aufhalten und wissen, wie sie die neue Technologie schlau einsetzen. Mal ehrlich, glaubst du das?

Man raunt: Künstliche Intelligenz wird uns unsere Arbeit rauben. Sie ist gut, aber nur wenn man sie jetzt schnell einsetzt. Überall. Am besten in allen Haushaltsgeräten, auf dem Computer, dem Handy, bei der Suche im Internet. Vielleicht sogar als persönlichen „Agenten“, ja als beste Freundin, besten Freund, mit einem immer offenen Ohr für das was einen wirklich bewegt. Keine Geheimnisse, keine Grenzen … Tja, wenn da nicht die Unternehmen im Hintergrund wären, die sich darüber freuen, dass wir uns gegenseitig alle wuschig machen.

KI nutzen, ohne Big Tech zu füttern?

Irgendwie kommen Ilona und ich nicht zur Ruhe. Eben erst haben wir uns von den Big-Tech-Social-Media-Plattformen verabschiedet. Weil die nun wirklich viel übles Zeug machen. Da kommt auch schon etwas Neues, ziemlich Existenzielles um die Ecke: Künstliche Intelligenz. Gibt es schon länger, ist aber jetzt mal so richtig der heiße Scheiß geworden. Du nutzt sie noch nicht – tja, selber Schuld.

Wir beide arbeiten freiberuflich. Mit unserem kleinen Schreibbüro machen wir Bücher, beraten, recherchieren. KI kann uns helfen – beim Strukturieren, Ideensammeln, Zusammenfassen komplexer Sachverhalte. Mal mehr mal weniger, wenn man über die kryptischen Halluzinationsanfälle der KI-Chatbots wie ChatGPT und Co. nachdenkt. KI erfindet jede dritte Antwort und das in einer Welt, die sowieso schon von immer mehr Falschmeldungen geflutet wird [1] [2] …

Aber das ist gar nicht die größte Sorge. Denn wir können uns ja die Quellen ansehen (und dann wundern, dass die genannten Inhalte auf den Seiten eher selten auftauchen). Uns geht es eher darum, dass wir nicht wollen, dass vertrauliche Recherchen, Manuskripte oder Kundendaten als Trainingsmaterial in den Rechenzentren von Google, Microsoft oder OpenAI landen.

Gleichzeitig wächst der Druck, überall KI einzusetzen: in Kultur, Verwaltung, Bildung, Kommunikation. In unseren Betriebssystemen und sogar in Haushaltsgeräten. UNESCO und die Deutsche UNESCO-Kommission betonen, dass KI nur dann dem Gemeinwohl dient, wenn Menschenwürde, Datenschutz und demokratische Kontrolle im Zentrum stehen – nicht Profit und Überwachung [3]. Unser Ziel ist also klar: KI ja, aber nur so, dass sie Menschliches, Soziales und Ökologisches stärkt. Und das wiederum geht nicht, mit den Big Techs. Oh man, und wir dachten, wie wären jetzt frei. Na gut, dann legen wir mal los …

KI – Risiko für Demokratie und Freiheit

Wusstest du, dass im Moment die Synchronsprecherinnen und -sprecher bei Netflix streiken, weil ihre Stimmen für KI-Trainingszwecke verwendet werden sollen – ohne zusätzliche Vergütung. Finde ich gut, würde ich auch. Denn was ist, wenn die KI erst mal die Synchronisation alleine schafft, ohne sie [4]? Hier geht es zur Petition … [5]?

Der Netflix-Streik ist ein Symbol für einen viel größeren Konflikt: Stimmen, Gesichter, Texte – alles kann ungefragt kopiert, synthetisiert und zur weiteren Automatisierung von Kulturarbeit genutzt werden. Parallel warnt die Forschung vor neuen Formen der Manipulation: KI-gestützte Empfehlungssysteme und Social-Media-Algorithmen verzerren öffentliche Debatten, erzeugen Echokammern und begünstigen Desinformation.

  • Algorithmische Feeds priorisieren Aufmerksamkeit statt Wahrheit – mit realen Folgen für Wahlen, gesellschaftliche Spaltung und das Vertrauen in Medien.
  • KI-Schwärme und Bots können in sozialen Netzwerken wie echte Menschen wirken und dadurch scheinbare Mehrheiten erzeugen – eine direkte Gefahr für demokratische Prozesse.
  • Organisationen wie AlgorithmWatch fordern deshalb eine gemeinwohlorientierte KI-Politik und warnen vor biometrischen Superdatenbanken, Gesichtserkennung im öffentlichen Raum und intransparenten KI-Systemen [6].

Unser Konflikt: Wir wollen die Potenziale von KI nutzen – aber nicht Teil dieses Überwachungs- und Manipulationsökosystems sein. Geht das überhaupt?

Wenn KI uns abhängig macht

Was Mustafa Suleyman und Michael Bhaskar in ihrem Buch „The Coming WAVE“ [7] als eine Art Naturgewalt beschreiben, die Welle die über alles hereinbricht, sehe ich eher wie eine Versickerung. Wenn KI stetig und unbemerkt in nahezu jeden Lebensbereich eindringt: als Copilot in Betriebssystemen, als “smarte” Funktionen in Smartphones, als Filter in Social-Media-Feeds oder als Office-Assistenten, die Dokumente analysieren.


Bald werden wir von KI umgeben leben. Sie wird komplexe Aufgaben übernehmen – Unternehmen leiten, unbegrenzte digitale Inhalte produzieren und wichtige staatliche Dienstleistungen erbringen.
Die kommende Welle wird dieses Jahrzehnt zum produktivsten in der Geschichte machen.

Mustafa Suleyman / Michael Bashkar „The Coming Wave“ C.H.BECk 2024


Ich sehe hier drei große Gefahren, die wir ernst nehmen müssen.

  • Überwachung: Nutzungsdaten, Inhalte und Verhaltensmuster werden in großem Stil gesammelt, verknüpft und ausgewertet. Studien zu vertrauenswürdiger KI zeigen, dass insbesondere intransparentes Tracking das Vertrauen massiv untergräbt [8].
  • Manipulation: KI-optimierte Inhalte passen sich an Schwächen, Emotionen und Vorlieben an – vom Microtargeting in der Werbung bis zur politischen Beeinflussung [9].
  • Abhängigkeit & Entmenschlichung: Wenn wir Kreativität, Entscheidungen und zwischenmenschliche Kommunikation an proprietäre KI delegieren, verlieren wir nicht nur Kompetenzen, sondern auch Gestaltungsmacht. Die UNESCO weist explizit darauf hin, dass KI die Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützen soll – nicht ersetzen [3].

Kurz: Die bequeme Nutzung von Big-Tech-KI droht, unsere berufliche Selbstständigkeit, unsere Privatsphäre und unsere Demokratie zu untergraben.

Die Alternative: ethische KI

Unsere Reaktion war ja bereits: Wir steigen aus dem Big-Tech-Ökosystem soweit wie möglich aus und suchen Alternativen, die drei Bedingungen erfüllen: datenschutzfreundlich, transparent und möglichst lokal. Und genau diese Bedingen haben wir nun für unsere Arbeit mit KI angesetzt. Nicht einfach, denn wir nutzen derzeit Perplexity.ai [10] für allgemeine Recherchen (im Inkognito-Modus und weil wir da die Quellen prüfen können) und Neuroflash [11] (im DSGVO eingehegten Bereich). Aber wenn wir uns die Sache mal ernsthaft ansehen, dann reicht das auch nicht. Wir mussten also noch zwei Schritte weiter gehen:

1. Ethik-Leitplanken verstehen

Organisationen wie die Deutsche UNESCO-Kommission, AlgorithmWatch und verschiedene Forschungsinstitute arbeiten an Kriterien für “ethische KI”: Transparenz, Datenschutz, Fairness, Nachvollziehbarkeit und Gemeinwohlorientierung. Das hilft uns, konkrete Fragen zu stellen:

  • Wo liegen die Server?
  • Wer hat Zugriff auf meine Daten?
  • Werden meine Inhalte zum Training verwendet?
  • Ist der Code offen einsehbar?

2. Ethische Alternativen – jenseits von Big Tech

Wir fanden eine Reihe von Werkzeugen, die genau hier ansetzen:

  • Suche ohne Tracking:
    • DuckDuckGo [12]: Suchmaschine ohne personalisierte Profile und mit Fokus auf Privatsphäre.
    • SearXNG [13] [14]: Selbst hostbare Metasuchmaschine, die Ergebnisse aus verschiedenen Quellen bündelt, ohne Nutzerprofile zu erstellen.
  • Lokale KI-Modelle (ohne Cloud):
    • Ollama – Framework [15], das große Sprachmodelle wie Llama3 lokal auf dem eigenen Rechner ausführt, ohne Daten an Dritte zu senden.
    • LocalAI – Open-Source-Alternative [16], die eine OpenAI-kompatible Schnittstelle (API) lokal bereitstellt, sodass Apps darauf zugreifen können, ohne das Internet zu benötigen.
  • Ethische Rahmenwerke und Analysen:
    • UNESCO-Empfehlung zur Ethik der KI und ihre Umsetzung in Deutschland.
    • Artikel und Studien zu KI, Vertrauen und Verantwortung, die zeigen, wie wichtig nachvollziehbare, geprüfte Systeme sind.

Das hört sich alles nerdig an, aber stopp, es lohnt wirklich, sich das einmal anzuschauen. Wir werden es ausprobieren. Denn wir sagen: “Wir wollen KI, aber nicht zu jedem Preis.” Und wir denken, dass ist der erste Schritt zu einer anderen digitalen Kultur.

Komfort vs. Kontrolle

Und wie schon beim Social Media entsteht für uns ein echtes Dilemma, gerade für uns als Freiberufler:

  • Big-Tech-KI ist extrem bequem: einloggen, losschreiben, perfekte Integration in bestehende Tools.
  • Ethische Alternativen erfordern dagegen etwas Einarbeitung, manchmal Installation, manchmal etwas technische Neugier.

Viele Studien zeigen zudem, dass Vertrauen in KI stark davon abhängt, ob die Systeme verständlich, transparent und kontrollierbar sind – aber nur ein kleiner Teil der Unternehmen setzt bisher auf echte Ethik-Gremien oder unabhängige Audits [17].

Wir stehen also zwischen:

  • Komfort: Sofort produktiv mit großen, zentralisierten komfortablen Modellen arbeiten – dafür aber mit Datenabgabe und Abhängigkeit.
  • Kontrolle: Lokale oder gemeinwohlorientierte KI nutzen – dafür mit etwas mehr Initialaufwand, aber langfristiger Autonomie.

Für uns ist klar: Wenn wir wirklich “für eine bessere Welt” sind, müssen wir uns für den Datenschutz entscheiden. Das nervt, denn schön ist sie schon die „brave new world“. Aber wir wollen keine Überwachung, keinen Datenmobserei und schon gar nicht den Ausverkauf menschlicher Fertigkeiten und Kultur.

Konsequent auf nicht‑Big‑Tech‑KI setzen

Unsere Entscheidung lautet deshalb: Wir setzen – wo immer möglich – auf KI jenseits der großen Plattformen und gestalten unsere eigene digitale Infrastruktur. Für uns bedeutet dies, dass wir ganz bestimmte Maßnahmen für unser Schreibbüro umsetzen. Maßnahmen, die wir für ziemlich rebellisch halten, denn um uns herum tobt die KI-Panik und die besagte große Welle bricht eben gerade über uns herein. Vielleicht sind diese drei Maßnahmen auch etwas für dich, privat oder beruflich. Für uns ist es übrigens ein Experimentierfeld. Schreib uns gern von deinen Erfahrungen. Konkret nehmen wir uns drei Dinge vor:

1. Recherche mit lokaler, KI-gestützter Suche

Statt Perplexity oder Bing testen wir eine Kombination aus:

  • SearXNG als selbst gehostete Suchmaschine (z. B. auf einem kleinen Server oder sogar lokal), um das Web ohne Tracking zu durchsuchen.
  • Perplexica [18] als Open-Source-Suchoberfläche, die SearXNG-Ergebnisse mit einem lokalen Modell wie Ollama zusammenfasst und analysiert – ähnlich wie bekannte KI-Suchdienste, aber ohne Datenabfluss.

Damit können wir komplexe Recherchen durchführen, Studien und Berichte finden und zugleich sicher sein, dass unsere Suchanfragen keine Profile für Werbekonzerne füttern oder in noch ganz andere Kanäle gelangen.

2. Schreiben, Planen, Ideen entwickeln – alles lokal

Für das tägliche Schreiben, Plotten von Büchern, Erstellen von Konzepten und E-Mails nutzen wir lokale Sprachmodelle:

  • Ollama [15] mit Modellen wie Llama 3–Varianten, die völlig ohne Internetzugang laufen.
  • In Kombination mit Notiz- und Schreibtools (z. B. auf Linux oder macOS), sodass unsere Texte nicht einmal kurz einen externen Server sehen.

Das ist auch psychologisch befreiend: Die Angst, “zu viel Preis zu geben”, schwindet.

3. Politische und gesellschaftliche Dimension ernst nehmen

Gleichzeitig sehen wir unsere individuelle Praxis als Teil eines größeren politischen Projekts, das wir unbedingt unterstützen. Akteure wie UNESCO, AlgorithmWatch und zivilgesellschaftliche Bündnisse fordern:

  • konsequente Umsetzung des EU‑KI‑Gesetzes,
  • klare Grenzen für biometrische Überwachung,
  • gemeinwohlorientierte KI‑Forschung,
  • Transparenz über Energieverbrauch und ökologische Folgen von KI.

Indem wir Alternativen nutzen, unterstützen wir indirekt genau diese Entwicklung: weg von monopolistischer Datenmacht, hin zu vielfältigen, demokratisch kontrollierten Infrastrukturen. Übrigens bietet die Intiative DI.DAY [20] wunderbare Hilfe beim Wechsel.

Unser digitales Leben befindet sich in der Hand weniger Überreicher. Mit der Monopolstellung ihrer Unternehmen bestimmen Menschen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg weltweit, wie wir uns online informieren, wie wir diskutieren, kommunizieren oder handeln. Einen solchen unkontrollierten Einfluss sollte kein Mensch und kein Unternehmen besitzen, weil wir dann nicht mehr in Freiheit leben können.

DI.DAY Homepage


Fazit: Ethische KI heißt auch, aus dem System auszusteigen

Wir fragen uns im Moment: “Ethische KI – aber wie?” Und das bedeutet, sich immer wieder zu vergegenwärtigen:

  • Keine blinde Nutzung von Big-Tech-KI, nur weil sie bequem ist.
  • Lokale, freie Systeme bevorzugen, wo immer möglich.
  • Bewusst entscheiden, welche Daten wir wem anvertrauen – und wann wir lieber offline bleiben.

Die gute Nachricht: Es gibt bereits heute Werkzeuge und Konzepte, die genau diesen Weg ermöglichen – von lokalen LLMs über selbst gehostete Suche bis hin zu ethischen Leitlinien großer Organisationen.

Ethische KI ist also nicht nur eine abstrakte Forderung, sondern eine konkrete Praxis: jede Suchanfrage, jeder Text, jedes Tool kann ein kleiner Akt des Widerstands gegen Überwachung, Manipulation und Totalitarismus sein – und ein Schritt hin zu einer wirklich besseren, menschlicheren digitalen Welt.


Quellen und Links

Marek

ist freier Medienmacher und Rebell – ein unbequemer Fragesteller und leidenschaftlicher Geschichtenerzähler. Schon als Kind zog er mit Bleistift und Neugier los, um die Wahrheit hinter den Fassaden zu entdecken. Heute kämpft er gegen die Scheinwelten aus Manipulation, Spaltung und Oberflächlichkeit. Mit rebellischem Geist und klarem Blick berichtet er über die Themen, die unsere Zukunft formen: digitale Freiheit, gesellschaftlichen Wandel, echte Gemeinschaft und lebenswerte Zukunft. Sein Antrieb: Menschen zu inspirieren, zu motivieren und gemeinsam eine bessere Welt zu schaffen.

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