Occupy Bewegung: Demokratie – aber wie?

Immer mehr Menschen schließen sich der Occupy Bewegung an. Auch in Hamburg harren etliche wackere Menschen aus. Die Idee: Einen Ort etablieren, an dem echte Demokratie stattfinden kann. Demokratie in dem Sinne, dass jeder mit seiner Meinung, seinen Ideen und Überzeugungen kommen, und diese mit anderen diskutieren kann. So einige Medien scheinen damit ein Problem zu haben: Das passt in keine Schublade. Es gibt ja gar keine eindeutigen Forderungen… Das stimmt.

Eine gemeinsame Demokratie

Und stimmt auch wiederum nicht. Denn die Grundidee hinter der Occupy Bewegung ist eigentlich so demokratisch, wie es unsere Volksvertreter schon lange nicht mehr sind. Wenn es nach mir geht, dann votiere ich nun nur noch dafür, eine Vorgehensweise und eine Form zu entwickeln, mit der sich gemeinsam und demokratisch Ideen und Alternativen weiterentwickeln lassen.

Das könnte zum Beispiel die Form eines Barcamps oder eines Open Spaces haben – über letzteres haben wir uns bereits im Zusammenhang mit partizipativer und direkter Demokratie Gedanken gemacht. In so vielen Städten wie möglich eine Art Agora zu etablieren – also einen Ort, zu dem die Menschen kommen können (auch wenn sie nicht im Internet aktiv sind) – ist ein wichtiger, erster Schritt der Occupy Bewegung.

Liquid democracy

Doch wir könnten die Idee weiter entwickeln. Vielleicht hat hier die Piraten Partei mit ihrer »liquid democracy« einige gute Ideen? Vielleicht könnten sich Initiativen und Organisationen wie z.B. die S21-Bewegung einbringen mit ihren Erfahrungen? Wir hätten hier die Chance, neue demokratische Verfahren zu erproben. Und wenn wir nicht die typisch deutsche Gründlichkeit obsiegen lassen – sprich: wenn wir nicht so lange planen und diskutieren und bereden, wie das nun alles genau funktionieren soll –, sondern einfach offen experimentieren, dann könnte dies zu wertvollen Erfahrungen führen.

Vielleicht hält auch unser Nachbar Österreich ein paar Inspirationen für uns bereit: Einige NGOs haben hier die Plattform »Wege aus der Krise« ins Leben gerufen, um sich mit konkreten Forderungen und Ideen in die Krisenbewältigungspolitik einzumischen. Zusätzlich gibt es »Alternativenforen« inklusive einem Ressourcenpool, über das man Infos bekommen kann, wie verschiedene Probleme in anderen Ländern und Kontinenten gelöst wurden.

Unser Dokumentarfilm: Occupy me!

Nachdem wir in Hamburg im Camp waren, haben wir uns gefragt: wie sieht es eigentlich in den anderen Städten Deutschlands aus? Als wir die Menschen im Occupy Camp in Hamburg fragen, gab es nur Schulterzucken. Kurzerhand haben wir und einen VW-Bus ausgeliehen, haben eine Kamerafrau mit an Bord geholt und sind durch Deutschland gefahren – von Stadt zu Stadt, um die Occupy Bewegung zu erkunden. Wochen später – nach langen Nächten des nervenzermürbenden Filmschnitts – sehr ihr hier unser fertiger Dokumentarfilm über die Occupy Bewegung in Deutschland:

ilona

ist freie Jour­na­lis­tin, Publizistin, Projekt­ma­che­rin und Medienaktivistin. Seit über zehn Jahren schreibt sie Bücher, Blogposts, macht Podcasts, gibt Workshops und hält Vorträge. Zudem begleitet und berät sie öko-soziale Organisationen, Gemeinschaften, Künstler:innen, Kreative und Aktivist:innen bei der ganzheitlichen und nachhaltigen Planung und Kommunikation ihrer Projekte und Bücher.

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