“Klettern für eine bessere Welt”, so übertitelt die Frankfurter Rundschau eine Bilderstrecke zu einer Aktivistin, die aufgrund ihrer ungewöhnlichen – und zwar ungewöhnlich charmanten und liebenswürdigen – Protestaktionen immer mehr Aufmerksamkeit findet: Cécile Lecomte. Sie klettert, anstatt zu protestieren. “Man kann auch vertikal, statt horizontal, gehen”, hat sie der Frankfurter Rundschau gesagt. Und das tut sie:

Einmal stoppt sie ganz allein einen Zug, der von der Urananreicherungsanlage in Gronau nach Rotterdam unterwegs ist, indem sie heimlich in der Nacht Kletterseile in der Höhe der Lok über die Gleise gespannt und sich dann kopfüber daran gehängt (mehr als sechs Stunden soll es gedauert haben, bis eine Spezialeinheit der Bundespolizei Cécile Lecomte aus den Seilen holen konnte). Mal spannt sie ihre Hängematten im Kelsterbacher Wald auf, um – zusammen mit anderen Demonstranten – die Rodung für den Ausbau des Rhein-Main-Flughafens zu verhindern. Mal erklimmt sie Frankfurts Bankenhäuser (und andere Gebäude), um dort ihre Plakate mit Protestbotschaften zu entrollen. “Ich wollte dem Kapitalismus auf der Nase tanzen”, antwortet sie der Frankfurter Rundschau.

Mit derlei friedlichem, politischem Widerstand sammelt Cécile Lecomte immer mehr Fans und Unterstützer. Eigentlich kam die Französin nach Deutschland, um BWL zu studieren. Doch Presseberichte über die Castor-Transporte brachten sie zum politischen Widerstand. Heute ist sie Vollzeit-Aktivistin.

Sicher – mit ihren Aktionen beschert Lecomte jede Menge Unkosten, wie die FAZ in einem Bericht über die Aktivistin unterstreicht. Was aber beeindruckt ist die Konsequenz mit der die Aktivistin ihre Meinung vertritt: auf einen festen Job und damit ein regelmässiges Einkommen (und die damit einher gehende Bequemlichkeit und Sicherheit)  verzichtet sie – private Spenden sowie die Bewegungsstiftung unterstützen sie. Statt dessen scheut sie keine Unbequemlichkeiten, um sich für das einzusetzen, was sie für richtig hält, allerdings auf friedlichem Wege.

Wir finden, Cecile Lecomte ist (ob man nun ihre Überzeugungen teilt oder nicht) damit ein Vorbild. Ein Vorbild in dem Sinne, dass sie zeigt: eine lebendige Demokratie kann nicht bestehen, wenn es sich alle Teilnehmer dieser Gesellschaft gemütlich vor dem Fernseher bequem machen.  Es muss die geben, die sich nicht vor den Umbequemlichkeiten des Streits, des Protestes und des Widerstands scheuen. Allerdings muss dies friedlich ausfallen – im besten Fall (so wie bei Lecomte) mit einer kräftigen Prise Humor und Augenzwinkern.

Einige der vielen Artikel über Cecile Lecomte findet man hier: www.muensterschezeitung.de, www.fr-online.de, www.faz.net

Wer Cécil Lecomte unterstützen möchte, kann dies über eine Bewegungsstiftungs-Patenschaft tun: www.bewegungsstiftung.de/patenschaften.html