Man kann über die Bush-Regierung denken was man will – die Amerikaner selbst sind einfach ein wundervolles Völkchen! Kaum haben die Obama-Anhänger die letzten Web-Videos abgedreht, die letzten Plakate aufgehängt und die letzten Tränchen heraus gequetscht – da kommen schon die nächsten und möchten den neuen Präsidenten mit einer wahrlich aufmerksamkeitsstarken Aktion an seine vielen, gut klingenden Wahlversprechen erinnern: Sie verteilten eine gefaikte New York Times mit dem Titel “Iraq War Ends”.

Datiert auf den 4. Juli 2009 – den amerikanischen Unabhängigkeitstag – berichtet das Blatt, das US-Gefangenenlager Guantanamo sei nun geschlossen und Bush wegen Hochverrats angeklagt worden. Exxon entschuldigt sich in einer ganzseitigen Anzeige für seine Umweltverschmutzungen und gelobt Besserung, und die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice für Lügen über die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak. Eine Öl-Steuer werde zur Finanzierung von Umweltstudien, den Ausbau von Fahrradwegen in New York und die Einführung einer nationalen Gesundheitsvorsorge eingeführt.

Insgesamt haben angeblich über 30 Autoren Texte beigetragen – sogar aus der Redaktion der echten New York Times sollen Berichte stammen… Die Zeitung selbst hat sich anscheinend noch nicht wirklich dazu geäußert. Aber die Aktion geht natürlich durch die Medien und könnte der Zeitung eine Riesen-PR liefern – wenn sie nicht ohnehin schon so bekannt wäre. Dahinter sollen angeblich die Yes Men stecken – zwei Globalisierungskritiker, die seit etlichen Jahren mit haarsträubenden Thesen und Agrumenten den Neoliberalismus ad absurdum führen (siehe auch unseren Bericht vom 23. Juli diesen Jahres). Auf der Website der beiden ist kein Hinweis darauf zu finden.

Wir können jedenfalls nur sagen: Hut ab. Während sich die internationale Alternative-Medienszene im Netz mehr oder weniger über die einseitige Berichterstattung der meisten klassischen Medien ärgert, haben diese beiden die Sache mal wieder auf den Kopf gestellt – sie haben eben auch einseitig berichtet. Einseitig überspitzt, wie es so ihre Art ist. Wer sich selbst mit der Lektüre amüsieren möchte: Über Spiegel online kann man ein PDF herunter laden…