Das Klimaparlament will Pflanzen, Tieren, Pilzen, Insekten und Ökosystemen eine Stimme geben. Du kannst auch Botschafter*in werden

  • Was wäre, wenn alle Wesen eine Stimme hätten?
  • Ein Theater-Kunstprojekt will das herausfinden
  • Es gründet vom 20.–22.November 2020 ein Klimaparlament

In Hamburg ist es heiß. Die Menschen laufen in T-Shirts, kurzen Hosen und Kleidern an der Hafenpromenade entlang. Es ist Ende September. Das macht das Ganze irgendwie beunruhigend. Denn es ist verdächtig warm. Zu warm. Und zu trocken. Nicht nur in Hamburg. In ganz Deutschland erleben wir das dritte Dürrejahr in Folge. Dennoch geschieht in Sachen Klimaschutz von politischer Seite aus viel zu wenig.

Was, so hat sich eine Handvoll Hamburger Künstler*innen gedacht, würde geschehen, wenn nicht nur wir Menschen eine Stimme im Parlament hätten? Was, wenn alle Wesen und Unwesen (wie Wälder, Meere, Seen oder Berge) mit entscheiden könnten, wie menschliches Leben und Wirtschaften auf diesem Planeten aussieht? Die Antwort kommt von Steffen Lars Popp, einem der beiden Initiatoren des Klimaparlaments:

Die Menschen haben nur 0,01 Prozent der Stimmen!

meint Klimaparlament-Initiator Steffen Lars Popp

Auf diesen mickrigen Stimmenanteil kommt er, weil er und seine Kolleg*innen im Team mal die Biomasse aller Lebewesen auf der Erde miteinander verglichen haben. Und da zeigte sich, dass zum Beispiel Ameisen, Wälder oder Ozeane einfach viel, viel mehr Gewicht haben. “Alle Pflanzen zusammen genommen ergeben zum Beispiel drei Viertel der gesamten Biomasse unseres Planeten” meint Judith Henning, Künstlerin, Kuratorin und Permakulturdesignerin. Hätten sie eine Stimme, würde unsere Klimapolitik bestimmt anders aussehen.

Wir gründen das Klimaparlament

Wir sitzen gemeinsam in der Urbanshit Gallery nahe dem Hamburger Fischmarkt. Dort, wo normalerweise Urban Art ausgestellt ist, gibt es nun Bilder von Pflanzen, Tieren, Menschen, Theaterkulissen und wissenschaftlichen Auswertungen zu sehen. Denn hier wird die Gründung des Klimaparlaments vorbereitet. Vom 20. bis 22. November sollen im renommierten Theater Kampnagel Botschafter*innen für verschiedene Wesen und Unwesen sprechen.

Rund 3 Minuten und 33 Sekunden hat jede*r Botschafter*in Zeit, um zu Gehör zu bringen, was ein Wesen oder Unwesen braucht, welche Rechte es einfordert und welche Missstände beendet werden sollen. Außerdem soll es in diesen Tagen auch um die Suche nach Koalitionsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Wesen und Unwesen gehen: Welche Konflikte gibt es zwischen manchen (Un)Wesen? Und wo liegen gemeinsame Ziele und Bedürfnisse? Ziel des Klimaparlamentes sind damit auch Verhandlungen und Bündnisse. Dabei sind Koalitionen mit mehr als 50 % Stimmanteil notwendig, um gemeinsame Entscheidungen treffen zu können.

Auftakt zum Ausschwärmen

Am 24. September gibt es einen Klimaparlament-Crashkurs zum Ausschwärmen. Live vor Ort in der Urbanshit Gallery und auch online unter: www.klimaparlament.org/termine

Werde Botschafter*in

Wer Lust hat, beim Klimaparlament ein Wesen oder Unwesen zu vertreten, kann sich noch bis Ende Oktober dafür bewerben. Dazu gehst du einfach auf die Website www.klimaparlament.org. Dort kannst du dich von einer Liste mit möglichen (Un)Wesen inspirieren lassen. In einer anderen Liste findest du die bereits vertretenen (Un)Wesen. Sobald du dein (Un)Wesen gefunden hast, kannst du dir die Antragsformulare herunterladen, ausfüllen und ans Orga-Team des Klimaparlaments schicken.

Um ein (Un)Wesen auch tatsächlich vertreten zu können, solltest du dich intensiv mit ihm/ihr auseinandersetzen wollen. Das heißt, du musst auch ein bisschen Zeit investieren. Außerdem musst du deine Rede von 3 Minuten und 33 Sekunden vorbereiten. Und schließlich solltest du die Zeit für mindestens zwei Proben (in der KW 46/47) und einen Theaterabend zwischen dem 20. und 22. November 2020 mitbringen.

Übrigens: Ich bin mit dabei und ich würde mich freuen, dich dort zu sehen!