Der Mythos von der Abschaffung der Sklaverei

Heute gibt es mehr Sklaven als je zuvor in der Geschichte – überall in dieser Welt! Auch für Dich und mich! Hintergründe und beeindruckendes Engagement gegen Sklaverei.

Die Sklaverei wird (neben dem Frauenwahlrecht) immer wieder gerne als ein Beispiel herangezogen, um zu zeigen: Etwas »Gewöhnliches« und gesellschaftlich vollkommen Akzeptiertes kann sich durch ausdauerndes Engagement und Aufklärung zu etwas allgemein als Unmoralisch empfundenen wandeln. So gruselt uns heute die Vorstellung, dass da Millionen von Afrikanern nach Süd- und Nord-Amerika verschifft wurden, um auf den Plantagen der »Weißen« zu schuften! Wie konnten die Menschen damals nur so roh und mitleidslos sein, fragen sich bestimmt Viele.

Die Wahrheit über die Sklaverei in unserer Welt

Doch der Schein trügt. Unsere strahlende, glänzende Konsumwelt ist zu nicht unerheblichen Teilen auf der Sklaverei aufgebaut. Rund 27 Millionen Sklaven gibt es heute, meint die Fotografin Lisa Kristin in ihrem äußerst sehenswerten TED-Talk, die für die NGO Free The Slaves zwei Jahre lang durch die Welt gereist ist und ganz herzzerreißende Fotos von Sklaven gemacht hat (klick auf das Foto oben, um den Film zu sehen). »Das sind doppelt so viele wie damals Menschen als Sklaven aus Afrika verschleppt wurden«, meint sie.

Diese Sklaven schaffen jährlich für einen Wert von rund 13 Billionen US-Dollar. Doch oft kosten dafür ganze Familien den Sklavenhalter gerade mal 18 US-Dollar im Jahr… Kein Wunder also, dass die Waren, die sie über Kilometer schleppen (beispielsweise schwere Steine), herstellen (zum Beispiel gefärbte Textilien) oder fördern (etwa Gold), in der Regel »wertvoller« sind, als diese Menschen. Lisa Kristin beschreibt, wie diese Menschen in sengender Hitze 16-18 Stunden am Tag arbeiten. Meist unter gesundheits- und lebensbedrohlichen Umständen. »Manche wissen gar nicht, dass sie Sklaven sind – sie kennen Nichts anderes«, meint sie…

Wann ist ein Mensch ein Sklave?

Das bringt mich zu der Frage: Was ist eigentlich ein Sklave? Antwort darauf findet man in dem Video 10 Fakten über das S-Wort von der NGO »Free The Slave«: Ein Sklave ist jemand, der unentgeltlich und unter Gewaltandrohung bzw. -ausübung für jemanden Anderen arbeiten muss und nicht einfach gehen kann. Obwohl es heutzutage so viele Sklaven gibt, wie noch nie zuvor, ist Sklaverei weltweit illegal! Die meisten Sklaven befinden sich in Afrika und Asien. Allerdings werden jährlich auch schätzungsweise 14.500 Sklaven in die USA »transportiert«. Der weltweit durchschnittliche Wert eines Sklaven ist 90 US-Dollar.

Wie viele Sklaven brauchst Du?

So schlimm diese ganzen Zahlen und Fakten sind – es kommt eigentlich noch schlimmer. Denn wir alle – ja, auch ich und Du – profitieren von diesen armen Menschen. Die Website www.slaveryfootprint.org liefert in einer wirklich schönen und gut gemachten, interaktiven Infografik nicht nur die traurigen Wahrheiten. Denn im morgendlichen Coffee-to-go, in Deinem T-Shirt, in Deiner neuen Tasche, in Deinem Smartphone – überall kann (und wird) Sklavenarbeit drin stecken. Wer es genauer wissen will und mutig ist, der kann übrigens den Test auf slaveryfootprint.org machen…

Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
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3 Antworten auf "Der Mythos von der Abschaffung der Sklaverei"

  1. Mike Krüger 3 Jahren ago .Antworten

    Hallo liebe Ilona ! Ich bin Mike und möchte etwas zu dem Schriftdialog zwischen Ihnen und Enrico vor 4 Jahren schreiben. Zuerst frage ich Sie, was bezwecken Sie mit Ihrer Arbeit über Sklaven, die Sie als Jornalistin gemacht haben ? Das ist nun 4 Jahre her und seitdem liest man darüber nichts mehr, zumindest ersichtlich auf dieser Seite hier. haben Sie damit etwas erreicht ? Was wollten Sie damit erreichen ? Mir scheint, es ging Ihnen nur um ein Thema, das Ihnen als Journalistin wiederum Geld einbrachte und vermutlich ein höeres Lohnniveau als manch anderem in Deutschland, oder ? Und auch Sie tragen Kleider und benutzen Technik für Ihre Arbeit die auf Sklavenarbeit stützt , wie Sie ja selbst schon sagten. Und haben Sie Ihre Arbeit direkt an Gesetzeshütende Einrichtungen in der ganzen Welt gesendet und versucht, denen mal klar zu machen, dass Sie endlich etwas dagegen unternehmen müssen, dass es vielfach illegalen Menschenhandel und Sklaverei und sogar Kinderarbeit gibt ? Wahrscheinlich nicht, denn damit hätten Sie kein geld verdient oder Sie haben es versucht und man hat Sie in die Schranken gewiesen. Also sind auch sie Sklavin auf einem anderen Niveau. Zawr auf einem Lohnniveau und doch haben auch Sie keine Möglichkeit Ihrer Situation zu entkommen.
    Denn bitte was haben Sie denn für die “wirklichen Sklaven getan, ausser hinzufliegen und Fotos und Filme zu machen und einen Bericht darüber zu verfassen und damit wiederum Geld zu verdienen um Ihren Lebensstandart zu erhalten ? Das wird aus Ihrem Bericht über Sklaven und Ihrer Antwort zu Enricos Meinung über die Lohnsklaven und dass man hier zuerst etwas zu bereinigen hat nicht klar ersichtlich. Sie werfen Enrico vor es sei schamlos das eine mit dem anderen zu vergleichen. Jedoch hat Enrico berichtet, waser selbst dagegen unternimmt. Das haben Sie nicht und vermutlich unternehmen Sie auch nicht weiter in Sachen Sklaverei, als damit Geld zu verdienen.
    Enrico produziert selber und damit nimmt er den Hauptschuldigen an der Sklaverei ein wenig von ihrem Kapital. Und würden viele das machen, was Enrico macht, würden wir beginnen etwas zu erreichen für die Sklaven !
    Sie zum Beispiel könnten etwas von Ihrem Geld dazu nutzen und an die UNO schreiben, dass diese eine Charta von 30 Menschenrechten ausgearbeitet und als rechtgültig für ALLE erlassen haben und dass Sie Ihrer Meinung nach auch die Pflicht hätten endlich hart gegen Sklaverei auf der ganzen Welt durchzugreifen ! Haben Sie das oder etwas ähnliches gemacht, ohne daran zu verdienen ? Was haben Sie gemacht ? Fakt ist das : Wir, denen Sie diesen Bericht über Sklaverei geschrieben haben, sind in einem anderen Sinn ebenso Sklaven und haben auch keine Möglichkeit zu entkommen. Die wahren Schuldigen sind wie Sie selbst sagen weisse Menschen die andere Menschen benutzen um Sich selbst zu bereichern und bedienen zu lassen. Und diese Leute sitzen nicht nur in Afrika sondern auf der ganzen Welt. Daher gibt es überhaupt auch nur diese schändliche Sklaverei noch. Ja wir Lohnsklaven, profitieren aus der Sklaverei welche Sie aufzeigen. Doch das wird bewußt verschleiert und da wir Lohnsklaven sind können wir auch nicht aus. In Amerika werden 1,6 Milliarden Tötungsgeschosse bereitgehalten und Millionen Särge an 800 Standorten. das ist eine Drohung an die Lohnsklaven, welche beginnen, das System zu durchschauen und womöglich aufständig zu werden. Also sagen Sie nicht, wir seien keine Sklaven, weil wir für unsere Arbeit (und ich arbeite auch an manchen Tagen weit mehr als 10 Stunden ohne das was zuhause noch an Arbeit wartet) unterm Strich 30 % Lohn bekommen.
    Wenn ich mich auflehne und sage ich arbeite zu diesen Bedingungen nicht mehr, schlafe ich demnächst unter der Brücke. Und für jemanden, der sowas noch nicht getan hat, ist das wie für einen “wirklichen“ Sklaven körperlicher Gewalt ausgesetzt zu sein. Es gibt nur einen Weg raus und das ist, eben friedlich den Sklaventreibern das Wasser (Geld) abzugraben ! Und somit müssen wir zunächst vor der eigen Tür beginnen. Enrico macht es bereits. Was machen Sie ? Was mache ich ? Ich habe bereits an die UNO geschrieben bzw. einer Organisation, welche die 30 Menschenrechte der UNO verbreitet. Und ich bin gespannt, ob ich von dort eine Antwort bekomme.
    Für Sie hätte ich einen Tipp : Machen Sie es wie Enrico und fangen mal an, über absolute Missstände in Deutschland zu berichten die eben auch illegal sind aber vielfach verschleiert existieren. Zum Beispiel, dass es Viele Firmen gibt, die Ihre Mitarbeiter oft bis zu 17 Stunden manche sogar mit viel zu wenig Pause tagelang arbeiten lassen und damit das Risiko von tödlichen Unfällen mit beteiligung Unschuldiger vermehren und erhöhen. Und das seit Jahrzehnten und die Gewerbeaufsicht tut fast gar nichts dagegen, weil das eben auch von den Sklaventreibern so gewollt ist ! Ja hinter all den Illegalen Missständen stecken genaugenommen die gleichen Verursacher die eben auch reale Sklaven in Afrika “besitzen“ ! Ilona wir müssen hier beginnen auf friedliche Weise der Lohnsklaverei ein Ende zu machen. Denn wenn wir den verursachern der Lohnsklaverei das wasser abgraben, haben wir auch einem Teil der Verursacher der Sklaverei in Afrika das Wasser abgegraben ! Mit Ihren Berichten erreichen Sie kaum etwas. Ja Sie verdienen geld und ab und an liest einer Ihren Bericht. Ebenso wie die Charta der 30 Menschenrechte werden auch Berichte wie der Ihre über diese schändliche Sklaverei in Afrika, von den Verursachen der Sklaverei auf der ganzen Welt, bewußt und gezielt versteckt und kaum beachtet gehalten. Es gibt keine wahre Pressefreiheit. Ebenso wie die 30 Menschenrechte von den eigenen Verfassern mit Füssen getreten werden. Denn die UNO hätte Macht aber in Ihr sitzen Mitglieder welche womöglich selbst gern und bewußt von Sklavenarbeit profitieren.

    Ilona und Enrico, ich wünsch mir von Herzen sie lesen beide was ich geschrieben habe. Ich bin seelisch erkrankt seit Monaten, weil ich das was auf der Welt passiert nicht mehr ertragen kann. Und ich wünsche mir, dass wir, die bereits verstanden haben was da vorgeht, leise und friedlich den rest der Sklaven und Lohnsklaven zunächst bei uns und dann weltweit wachrütteln und zur Tat bewegen können !!! Fakt ist es wird nicht leicht. Die Verursacher und Schuldigen der Misstände sind auch nicht dumm und beobchten alles !!! Und die wollen nicht aufhören sich als die Besseren zu betrachten und sich von uns als den wertlosen bedienen und reich machen zu lassen.
    Materiell reich und mächtig- charakterlich sind diese auf der alleruntersten Ebene !!! ALLE Meschen sind gleich und das muss endlich wahr werden auf der Welt !!!!

  2. Enrico 7 Jahren ago .Antworten

    Auch ich bin Sklave: Lohnsklave. Keiner hat mich dazu gezwungen, ich habe mich selbst dazu gemacht. Zunächst arbeite ich für meinen Chef, damit dieser immer reicher wird. Dann arbeite ich für die Gesellschaft. Damit dieser Wohlfahrtstaat irgendwie finanziert wird zieht man von meinem Lohn ganz dreist 40% einfach so ab. Kaufe ich mir dann etwas sind in den Produkten viele andere Steuern eingepreist, so dass man auf eine steuerliche Belastung von ca. 70% kommt.

    Ist das keine Ausbeutung?

    Das Mittelalter war ein Steuerparadies dagegen. Man bezahlte den Zehnten und alle waren zufrieden. Man pachtete ein Stück billiges Land, baute ein Haus und konnte anständig Leben. Es gab viele, viele Feiertage an denen man nicht arbeitete und viel feierte. Selbst der Ablass für die Sünden an den Klerus war keine so große Schweinerei, wie sich aktuell Unternehmen und Staat beim Bürger bedienen.

    Wie kann man sich der ganzen Sklaverei nun entziehen? In dem man selbst Sachen produziert. Ich habe 2 Gärten gepachtet und baue eigene Lebensmittel an. Weiter strebe ich an, den Anteil der Lohnarbeit zu reduzieren.

    Wenn alle Sklaven der Welt einfach nicht zur Arbeit gehen, dann sind die Sklavenhalter mit einem Schlag „arme Schweine“. Gerade die Linken haben durch ihre Anhimmelung der Arbeiterklasse zusammen mit den Großkapitalisten für eine Versklavung für einen Großteil der Gesellschaft gesorgt. Arbeit für ALLE! Sozial ist, was Arbeit schafft! Bei diesen Sprüchen geht es nie um Selbständigkeit, sondern immer um Arbeiten für andere. Das hält auch das politische System am Leben und die Linken profitieren überdurchschnittlich davon.

    Wie gesagt. Sklaverei findet nicht nur in den Entwicklungsländern statt, sondern auch bei uns in Deutschland. Das Niveau ist nur ein wenig anders. Deshalb würde ich dafür plädieren, erst den Müll vor der eigenen Haustür zu entsorgen. Ich habe angefangen.

    • ilona 7 Jahren ago .Antworten

      Hallo Enrico, danke für Deinen Kommentar. Allerdings enthält der doch ein paar Sachen, die ich gerne richtig stellen würde:
      1 // Sklave sein bedeutet: (a) kein Geld für die Arbeit zu bekommen (b) keine Möglichkeit, der Situation zu entkommen, weil man sonst (c) physischer Gewalt ausgesetzt ist. Definitiv lässt sich Deine Lage nicht mit der tatsächlicher Sklaven vergleichen. Es geht hier keineswegs um ein „etwas höheres Lohnniveau“. Nein: diese Menschen schuften bis zu 20 Stunden am Tag, bekommen zu wenig zu essen und zu trinken und müssen in stark gesundheitsgefährdenden Umständen arbeiten. Viele davon sind Kinder. Schau mal auf die Website von „Free The Slaves“ und schau Dir die Bilder und Filme an. Das ist wirklich nicht zu vergleichen. Das wäre schamlos. Und – tut mir leid – aber zu sagen „bevor hier nicht alles pikobello aufgeräumt ist, sollten wir anderen Menschen in dieser Welt (denen es viel schlechter geht) nicht helfen“ kann ich auch nicht unterstützen. Man kann das eine tun ohne das andere zu lassen.
      2// (okay, das ist nur ein Detail): Der Spruch „Sozial ist was Arbeit schafft“ stammt nicht von den Linken, sondern von dem neoliberalen Think Tank „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Initiative_Neue_Soziale_Marktwirtschaft).

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