Green IT war ja mal wieder das Schlagwort der Cebit. Doch wie grün die Elektronik-Geräte und wie fair die Herstellungsbedingungen tatsächlich sind, das steht auf einem anderen Blatt. Das europäische Netzwerk makeITfair hat nun eine Studie veröffentlicht, die zu ganz anderen Ergebnissen kommt, als den Verbrauchern (hierzulande) in diversen TV-Spots, Anzeigen et cetera suggeriert wird: nämlich dass sich große Produzenten von Unterhaltungselektronik wie Microsoft, Sony, Apple, Motorola und Philips zu wenig um die Arbeitsrechte bei chinesischen Zulieferer-Firmen kümmern!

Für die Studie sind insbesondere Produktionsstätten untersucht worden, in denen Teile für Spielekonsolen und MP3-Player produziert werden. Das Ergebnis: „Viele Aspekte der Studie spiegeln die schlechten Arbeitsbedingungen wider, die sich durch geringe Löhne, unzählige Überstunden und ein ungesundes Arbeitsumfeld auszeichnen. Die Studie zeigt, dass viele Firmen zwar einen Verhaltenskodex unterschrieben haben, der auf Menschenrechte und Arbeitsbedingungen Bezug nimmt. Bei den Zulieferfirmen wird dieser Kodex jedoch nach wie vor verletzt“, sagt Charles Ho von SACOM, einer Organisation aus Hongkong, die sich für Arbeitsrechte in China einsetzt und vor Ort für die Studie recherchiert hat. Schätzungen zufolge werden circa 30 bis 40 Prozent der tragbaren MP3-Player in China produziert.
Dem Bericht zufolge werden die überwiegend jungen Frauen, die viele Stunden pro Tag bei sehr schlechter Bezahlung am Fließband arbeiten, oft vergessen. Ziel der makeITfair-Studie sei es daher, Empfehlungen an die Unternehmen zu geben, wie sie deren Arbeitsbedingungen verbessern können:

„Wir drängen die Industrie dazu, mehr Verantwortung für die gesamte Wertschöpfungskette zu übernehmen, die Diskriminierung von Menschen mit übertragbaren Krankheiten wie Hepatitis B zu beenden und Überstunden zu begrenzen“

erklärt Cornelia Heydenreich, Referentin für Unternehmensverantwortung bei Germanwatch und Koordinatorin von makeITfair in Deutschland.
Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise verschärfe zudem die inakzeptablen Arbeitsbedingungen in der Branche. „Die Rezession zieht an und gibt Anlass zur Sorge, dass die bereits rechtlich im Stich gelassenen noch stärker getroffen werden könnten“, meint Eeva Simola, Direktorin von FinnWatch. Die Markenfirmen und ihre Zulieferer erhielten im Vorfeld die Möglichkeit, zum Entwurf der Studie Stellung zu nehmen. Die Unternehmen haben dies genutzt und darauf teilweise mit Ablehnung reagiert, teilweise aber auch mit Versprechen, sich verstärkt um faire Arbeitsbedingungen zu bemühen.

Weitere Infos und Link zu vorformulierten Briefen, mit denen ihr Unternehmen zu einem verantwortungsvolleren Handeln aufrufen könnt, findet ihr unter: www.germanwatch.org/makeitfair