Die Zeiten in denen es uns nicht kümmern wollte, ob in China ein Sack Reis umfällt, in der uns die Geschicke der Welt nichts anzugehen schienen, sind endgültig vorbei. Ob Hungerkatastrophen, ökologischer Kahlschlag, Finanzkrisen, Arbeitsplatzabbau oder sozialer Verfall der Gesellschaften – die Folgen der Weltwirtschaft betreffen längst schon jeden Einzelnen von uns. Die Idee der freien, sich selbst regulierenden Märkte bleibt weit hinter den Versprechungen zurück und hat sich eher zu einer Unterwerfung aller gegenüber den ungebremsten Kapitalinteressen und Marktmechanismen entwickelt. Doch lässt sich diese Entwicklung noch bremsen? Wir meinen ja, denn es gibt Alternativen. Wir stellen sie vor, die Visionen für morgen.

Wäre die Welt ein Wild-West-Abenteuer

Wäre die Welt ein Wild-West-Abenteuer – und vieles spricht zurzeit dafür –, so wäre jetzt der Augenblick gekommen, da sich der Held für den rechten Weg entscheiden muss. Nimmt er die Herausforderung an? Überwindet er seine Angst, um die Gerechtigkeit obsiegen zu lassen – oder lässt er den Dingen seinen Lauf? An einem solchen Punkt steht heute auch die Weltgemeinschaft. Die Helden sind wir – jeder von uns.

Doch im Gegensatz zum Western ist das Ende der Geschichte noch offen, denn was dort mit absoluter Sicherheit passiert (dass sich der Held für eine bessere Welt einsetzt und gewinnt), ist in der realen Welt leider nicht selbstverständlich. Zumindest nicht bei denjenigen, die meinen, sich noch mit den herrschenden Zuständen arrangieren zu können.

So warten wir in den noch immer reichen Industrienationen in der Regel ab, ob sich die Lage nicht doch noch irgendwie bessert – ein Warten auf den St. Nimmerleinstag. Und das während Armut, Hungersnöte und Unterdrückung die Menschen in anderen Ländern zum Äußersten treiben, ihr Widerstand wächst und in unbändige Wut umzuschlagen droht.

Alte Probleme, neue Utopien

Alte Probleme, neue Utopien. Jahrzehntelang schien das Konzept der sozialen Marktwirtschaft, zumindest hier bei uns, zu funktionieren. Privateigentum, Wettbewerb und ein freier Markt schienen mit der Sozial- und Arbeitsmarktordnung, der Leistungsgerechtigkeit und dem sozialen Ausgleich erfolgreich koexistieren zu können. Und heute? Agenda 2010, Hartz IV, ein wachsender Niedriglohnsektor und steigende Kinderarmut – nur ein paar Jahre und Vokabeln später ist von alledem Nichts mehr geblieben.

Wer heute das große Geld machen will, steigt in den internationalen Finanzmarkt ein und achtet mehr auf den kurzfristigen Shareholder Value, als auf langfristige Verpflichtungen gegenüber womöglich auch noch gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern. Wer heute überleben will, so scheint es, muss sich auf ein sowohl den Menschen als auch der Umwelt gegenüber gnadenloses Spiel einlassen.

Die Soziale Marktwirtschaft ist tot, tönen die Apologeten der neuen Linie, und verweisen auf die hohen Kosten eines Sozialstaats. Doch ihre Glaubwürdigkeit sinkt mit täglichen neuen Manager-Skandalen und Unternehmenskrisen. Es scheint vor allem einfach und billig, die heutigen Finanzierungsprobleme auf gesellschaftliche Konflikte zu schieben – Jung gegen Alt, Arm gegen Reich, Arbeitende gegen Arbeitslose auszuspielen.

Die Gründe für die Misere liegen woanders: Der eigentliche Motor dieser Entwicklung ist die Gier nach Profit, auf der unser gesamtes Wirtschaftssystem basiert. So schreibt Christian Felber, Mitbegründer von attac Österreich, in seinem neuesten Buch „Neue Werte für die Wirtschaft – Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus“ sehr treffend: „Wenn wir gewinnorientierte Unternehmensformen zulassen, schaffen wir Akteure, die Gewinn als Ziel verfolgen. Solche Unternehmen nutzen heute alle legalen und vielfach auch illegalen Mittel und Möglichkeiten, den Gewinn zu maximieren – und nicht zu ‚mäßigen’. Verwundern darf uns das nicht…“.

Sind erst einmal alle kleinen Fische verschlungen

Ein liberalisierter Markt, so Felber, ist immer auch ein hemmungsloser Markt, in dem jedwede Konkurrenz beseitigt werden muss. Die maximale Rendite muss damit früher oder später zum obersten Ziel eines jeden (erfolgreichen) Unternehmens avancieren – ob es will oder nicht. Und so legt sich heute diese Erfolgsvorgabe wie eine Schlinge auch um jeden Managerhals: „Das Problem ist, dass man diese Renditen von 20, 40 Prozent und mehr, die ja so stolz angepeilt und verkündet werden, irgendwie real produzieren müssen. Wenn dies nicht geschieht, bricht das System zusammen, da die Forderungen wertlos werden“, so Elmar Altvater, Ökonom sowie Soziologe und wissenschaftlicher Beirat von Attac.

Hier beißt sich somit die Katze in den Schwanz, da die scheinbar grenzenlose Profit-Maximierung der realen Produktion schlicht und ergreifend davon eilt – und somit scheitern muss. Sind erst einmal alle kleinen Fische verschlungen, sterben auch die Haie im Becken. Denn ist die Konkurrenz erst verschwunden, ist der Markt nicht mehr frei, der viel beschworene Wettbewerb tot.

Zusammen mit einer wachsenden Produktivität heißt das: steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Kaufkraft, eine Preisdynamik, die ohne Konkurrenz zum Erliegen kommt und ein Staat, der seine Einnahmen auf anderem Wege sichern muss – zum Beispiel in dem er die Mehrwertsteuer anhebt, das Volksvermögen veräußert und die Menschen obendrein zur Kasse zwingt, wenn (wie im Fall der Landesbanken) die Jagd auf die Renditen scheitert. So haben wir ein System erschaffen, das auf Gier beruht und weder ohne, noch mit ihr leben kann. Ein System, das den Profit so dringend braucht, wie das Feuer den Sauerstoff. Ein System, das sein Dilemma selbst programmiert hat. Doch was sind die Alternativen?

Das realistischste ist die Utopie

„Das Realistischste ist immer eine vernünftige Utopie“, so Elmar Altvater. Denn was noch nicht Realität ist, kann es ja noch werden. Damit es aber so weit kommt, braucht es für Altvater vor allem soziale Bewegungen, die sich für diese Utopien einsetzen. „Dazu kommt es aber nur, wenn die Menschen ein Ziel vor sich sehen, das sie für realistisch und wünschenswert halten“, meint Altvater. Und genau daran müssten wir arbeiten: “Es ist nicht so, dass sich die Vernunft ohne weiteres durchsetzt. Wir befinden uns in einer permanenten Auseinandersetzung. Die muss man aufgreifen und versuchen, seine Position, so weit es eben möglich ist, durchzusetzen“.

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v.l.n.r.: Ingrid Hohenleitner, Elmar Altvater, Peter Wahl

Geld für alle – das bedingungslose Grundeinkommen. Ein Alternativ-Konzept, das bereits älter ist, als viele glauben, ist das so genannte bedingungslose Grundeinkommen. Bereits 1516 schlug Thomas Morus es in dem berühmten Roman „Utopia“ vor, um Dieben jeglichen Grund für ihre kriminellen Aktivitäten zu nehmen. Seine Utopie wurde mit den Jahrhunderten weiter entwickelt und geriet immer mal wieder ins Interesse der Öffentlichkeit – konnte sich aber nie wirklich durchsetzen. Einige von US-Präsident Lynden B. Johnson 1967 angeregte und tatsächlich regional umgesetzte Versuche waren durchaus erfolgreich, fanden jedoch auf breiter Basis keine Akzeptanz.

Heute, da wir die Automatisierung und Computer-Revolution erleben, sich die Produktivität enorm steigert und somit immer weniger Bedarf an menschlicher Arbeitskraft besteht, ist das Thema wieder in der Diskussion: Geld für alle, egal ob man an dem produktiven Arbeitsprozess beteiligt ist oder nicht, fordert die eine Seite.

Doch Arbeitgeber, Arbeitnehmer und sogar Gewerkschaften leisten Widerstand. Von „sozialer Hängematte“ sprechen die einen, von einer „Stilllegungsprämie“ die anderen – und fast niemand mehr von der Ausgangsprämisse eines Thomas Morus. Auch wenn die Entwicklung derzeitig genau auf die von ihm benannten Gefahren hinaus läuft: Wie viele Menschen, die unter Existenz- und Konkurrenzdruck stehen, lehnen denn eine Arbeit ab, „nur“ weil sie unsozial, ethisch zweifelhaft oder vielleicht gar kriminell ist?

Unseriöse und unwürdige Jobs vernichten

„Die Menschen sind immer mehr Zwängen ausgesetzt. Obwohl man einerseits immer mehr ökonomischen Reichtum hat, müssen andererseits immer mehr dafür kämpfen, einen Teil von diesem Reichtum zu bekommen“, so Ingrid Hohenleitner vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und ergänzt: „Wenn wir keine Gesellschaft wollen, die – wie es jetzt ist – den Zwang, die Bevormundung und Kontrolle forciert, sondern eine, in der freie Bürger selbst bestimmt leben und arbeiten, dann brauchen wir als Basis dafür ein Grundeinkommen“.

Als Mitglied des Hamburger Netzwerk Grundeinkommen (www.grundeinkommen-hamburg.de) nennt sie die erhofften Vorzüge: Unseriöse und unwürdige Jobs würde schlichtweg keiner mehr annehmen müssen, stattdessen würden die Freiräume jenseits der Erwerbsarbeit geschaffen. Dadurch würden sich auch die Entwicklungschancen für eine solidarische Ökonomie verbessern, meint Hohenleitner. „Wenn die Menschen keine Angst um ihre Existenz haben, das Grundeinkommen also ausreichend hoch ist, haben die Menschen wieder mehr Zeit“, so Hohenleitner.

Mehr Zeit zum Beispiel für Familie und Kinder – aber auch, um sich zu informieren, wie die Güter hergestellt werden, die sie konsumieren. „Damit würde auch die Frage an Bedeutung gewinnen, auf welche Weise und unter welchen Bedingungen die Unternehmen produzieren“, findet Hohenleitner. „Die Konsumenten könnten entscheiden, wen und was sie mit Ihrem Geld unterstützen und so ihre Marktmacht besser nutzen, um Einfluss auf die Produktionsweisen und Arbeitsbedingungen zu nehmen“.

Bedingungsloses Grundeinkommen finanzieren

So rosig schätzt allerdings nicht jeder die Folgen eines bedingungslosen Grundeinkommens ein: „Das Konzept hat durchaus Ähnlichkeiten mit der Lebenshaltung eines Vermögensbesitzers. Mir erscheint diese Fixierung auf eine illusionäre absolute Freiheit als das Reklamieren eines Rechts auf gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit”, raunzte bereits 2006 Ver.di-Ökonom Michael Schlecht.

Vor allem die Finanzierungsfrage scheint alles andere als geklärt. Denn wo immer weniger Menschen Steuern zahlen, könnte der Finanzhahn schneller versiegen, als alle gucken können. Ein verbrauchsorientierter, auf Mehrwertsteuern basierender Sozialausgleich – wie ihn etliche Modelle eines bedingungslosen Grundeinkommens ansetzen –, könnte als Finanzierungsquelle wohl nur dann taugen, wenn die Unternehmen mitspielen und die Lohnkostenentlastung, die im gleichen Atemzug einsetzen soll, auch wirklich über Preissenkungen ihrer Produkte und Dienstleistungen an die Verbraucher weiter geben. Ansonsten bliebe die Finanzierung an den Konsumenten kleben.

Ein wahrlich gewagtes Unterfangen. Dann schon eher durch eine Ressourcensteuer, die die soziale Gerechtigkeit mit dem Umweltschutz verbindet. Diese Idee scheint durchaus nachdenkenswert. Ein solches Konzept könnte zwei Probleme auf einmal lösen: Wer Umweltressourcen verbraucht oder beschädigt, zahlt in einen Topf, aus dem diejenigen unterstützt werden, die sich zum Beispiel sozial oder gesellschaftlich engagieren. Damit stünde nicht mehr jede gesellschaftliche Handlung unter dem Druck der unmittelbaren Kapitalisierung.

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v.l.n.r.: Margit Kennedy, Michael Hönnig

Neues Geld macht neue Regeln

Neues Geld für manche – Regional- und Komplementärwährungen. „Momentan fahren wir mit einem Fahrrad, dessen Lenker sich zwar so weit nach rechts drehen lässt, wie man will, aber nur um 5 Grad nach links“, beschreibt Michael Hönnig, Mitinitiator des Vereins Hansemark – Hamburger Bündnis für nachhaltige Wirtschaft e.V. (www.hansemark.de), sehr bildlich das Dilemma unsere aktuellen Geldsystems. „So lange wir eine Rechtskurve fahren ist alles okay. Wollen wir aber auch nur mal gerade aus fahren, legen wir uns garantiert auf die Nase – mit dem Fahrrad muss man ja ein bisschen schlenkern“.

Mit der Regionalwährung „Hansemark“ möchte der Verein unter anderem zeigen, dass ein Geldsystem von Menschen gemacht ist – und wir es dem entsprechend ändern, ja verbessern können. Ziel der Komplementärwährung Hansemark ist es, zusätzliche Liquidität zu schaffen, den Leistungsaustausch in der Region zu erhöhen und Netzwerke zwischen Unternehmen, ihren Mitarbeitern und den Konsumenten zu bilden.

Noch in diesem Jahr will der Verein eigene Gutscheine emittieren, ein zweites Zahlungsmittel neben dem Euro für Hamburg und Umgebung: „Ein Landwirt gibt etwa Gutscheine auf einen saisonalen Warenkorb aus und bezahlt damit den Maler. Der Maler nimmt die Gutscheine und bezahlt damit den Musiklehrer. Und der gibt sie schließlich wieder zurück an den Landwirt“, erklärt Hönnig den geplanten Kreislauf anhand eines stark verkürzten Beispiels.

Komplementärwährungen und Hansemark

Im Gegensatz zum Euro kann man die Hansemark allerdings nicht horten, da sie mit der Zeit an Wert verliert. „Die Hansemark läuft nach derzeit geplanten neun Monaten ab. Dann hat man drei Monate Zeit, um die Gutscheine zu erneuern, bekommt aber nicht den kompletten Wert erstattet, sondern muss eine Erneuerungsgebühr von 5 Prozent bezahlen“, berichtet Hönnig. Mit dieser Gebühr finanziert der Verein die Verwaltung und Produktion seines Gutscheinsystems.

Eine Komplementärwährung auf globaler Ebene hat Bernard A. Lietaer mit dem „Terra“ vorgeschlagen. Er soll das Interesse von Unternehmen an langfristigem Denken fördern, in dem es dieses profitabel macht – also das Gegenteil von dem bewirken, was wir derzeitig erleben.

„Das dies so funktioniert liegt daran, dass der ‚Terra’ auf einem internationalen Warenkorb an Materialien und Dienstleistungen basiert – also auf physischen Gütern. Wenn ein Unternehmen eine Tonne Kupfer oder eine Milliarde Barrel Öl innerhalb der ‚Terra’-Allianz verkauft, erhält es einen Beleg – den Terra –, der den tatsächlichen Bestandswert darstellt. Allerdings verlangen Güter Lagerkosten. Daher hat der ‚Terra’ einen negativen Zins von etwa 3,5 bis 4 Prozent – das so genannte ‚Liegegeld’, wie es Silvio Gesell nannte“, erklärt Bernard A. Lietaer.

Internationale Komplementärwährungen machen krisensicher

Diese Währung ist laut Lietaer ausschließlich für den internationalen Handel und für Verträge gedacht – nicht zum Horten. „Es wäre eine weltweit gültige Währung, da die Bestandteile des Warenkorbes überall auf der Welt den gleichen Wert hätten. Wenn man mit dieser Währung planen oder Handel treiben oder Verträge schließen würde, dann würde die Zukunft aufgrund des negativen Zinses im Vergleich zur Gegenwart automatisch an Bedeutung gewinnen“, beschreibt der Wirtschaftswissenschaftler das Prinzip.

Sowohl regionale (wie die Hansemark, von denen es allein in Deutschland immerhin 28 Bestehende und weitere 30 in Vorbereitung geben soll), als auch sektorale Komplementärwährungen (wie der Terra), haben laut Margrit Kennedy von MonNetA, einem Netzwerk zur Erforschung und Entwicklung von Komplementärwährungen (www.monneta.org), mehrere Funktionen: „Zum einen ist es wichtig, die Erfahrung zu vermitteln, dass es Alternativen gibt“, meint sie – und zwar so lange es noch möglich ist. „Also so lange das bestehende Geldsystem noch nicht solche Probleme verursacht, das keine Alternativen mehr erprobt werden können und die Menschen so unsicher sind, dass sie sich nicht mehr daran beteiligen“.

Zum anderen könnten solche Währungen laut Kennedy dann zum Rettungsboot werden, wenn es tatsächlich zu einem Zusammenbruch des jetzigen Geldsystems kommen sollte. Die diversen Finanzmarktkrisen der vergangenen Jahre – und auch die aktuelle Immobilienkrise in den USA, deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsmärkte der ganzen Welt ja noch gar nicht abzusehen sind –, deuten an, was für ein Chaos solch ein Zusammenbruch mit sich bringen könnte. „Dann hat man bereits Erfahrungen mit Netzwerken und anderen Möglichkeiten, Geld zu schaffen“, so Kennedy.

Weniger Geld für manche – die Tobin Steuer

Damit es gar nicht erst so weit kommt – sprich der internationale Finanzmarkt zusammen bricht und sämtliche Volkswirtschaften mit sich reißt – ist ebenfalls schon seit längerem die so genannte Tobin-Steuer im Gespräch: Durch die Besteuerung sollen spekulative Finanztransaktionen unrentabel werden. „Im Prinzip funktioniert dies genauso, wie beim Kauf eines Pfunds Butter: Auch hier zahlt man die Mehrwertsteuer“, erklärt Peter Wahl vom World Economy, Ecology & Developement (WEED, www.weed-online.org). „Wir wollen, dass auch der Verkauf von Devisen in der Höhe von rund zwei Billionen US-Dollar pro Börsentag mit einer kleinen Steuer belegt wird, einer Devisen-Transaktionssteuer“.

Für normale Devisen-Transaktionen – spricht beim Bezahlen von Gütern – würde die Steuer kaum ins Gewicht fallen. Spekulanten aber, die mit Promillen Gewinne machen, würde sie das Geschäft vermasseln. „Die Realwirtschaft würde jedoch von der Tobin-Steuer profitieren, da die Spekulationen die Volatilität, also die Schwankungsintensität der Währungskurse, verstärkt – und das ist für die Realwirtschaft ein Problem“, erklärt Wahl das Problem.

Auch wenn die Tobin-Steuer „nur“ Sand im Gebtriebe wäre – also unser Wirtschafts- und Finanzsystems im Grunde nicht grundlegend verändert, sondern nur dessen problematische Auswirkungen mildert – wäre sie wie viele weitere internationale Steuern, die schon lange gefordert werden, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.Bleibt allein die Frage, ob die Regierungen es endlich schaffen die Initiative zu ergreifen, oder ob sie sich schon zu weit im Gängelband internationaler Investoren verheddert haben.

Neben diesen wichtigen drei Konzepten gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Ideen, bis hin zu komplett neuen Steuerkonzepten. Jedes für sich klingt plausibel und jedes von ihnen hat Befürworter, aber auch erbitterte Gegner. Das Fazit kann nur sein: Eine bessere Wirtschaftswelt zu schaffen, ist ein hoch komplexes Unterfangen, dass am Widerstand derer bisher scheitert, die daran verdienen.

Der positive Aspekt ist, dass viele der Alternativen bereits ausprobiert und praktiziert werden und, wie es Margrit Kennedy treffend formulierte, uns als „Rettungsboote“ dienen könnten, wenn es zu einem Zusammenbruch des bestehenden Systems kommen sollte. Der oben beschriebene Western-Held hatte zwar noch keine wirkliche Chance, sich zu beweisen, doch steht er bereits in den Startlöchern – und wir könnten ihn früher brauchen als erwartet. Gut das es ihn gibt!

Bildquelle: Denise, www.pixelio.de