Schlechte Nachrichten + wenig Zeit = ein echt mieses Lebensgefühl … Kennst du das? Zu viele Menschen ziehen sich deshalb ganz ins Private zurück und sind politisch gar nicht mehr aktiv. Doch das ist meiner Meinung nach ein Fehler. Denn auch mit wenig Zeit und Energie kannst du etwas bewegen! Ich hab hier eine gute Idee für dich, wie du in nur 2 Stunden etwas für eine bessere Welt tun kannst – von der Couch aus. Mit dem Online-Petitionen-Marathon. Und er wirkt!
Sind Online-Petitionen wirklich sinnvoll?
Online-Petitionen genießen nicht unbedingt einen guten Ruf. Die einen finden, Online-Petitionen seien die Ausrede für faule Leute, sich nicht „in Echt“ für eine bessere Welt zu engagieren. Andere kritisieren, der „Online-Petitionswahn“ sei nur ein weiterer Ausdruck der aufgeregten Empörungsökonomie des Social Web und habe nicht mehr viel mit Demokratie und demokratischer Meinungsbildung zu tun.
An beiden Sichtweisen ist schon auch etwas dran, finde ich. Und gleichzeitig ist es so, dass Online-Petitionen eben auch ein gutes Instrument sind, um Themen in die öffentliche Aufmerksamkeit zu rücken, die wir dringend diskutieren sollten. Wer auf die Website von We Act! schaut – der Plattform von Campact für Online-Petitionen – findet einige Beispiele:
- „Die Union wollte eines der wichtigsten Werkzeuge für Transparenz in der jetzigen Form abschaffen. Doch über 430.000 Menschen forderten in einer Petition die Rettung des IFG – mit Erfolg.“ (Quelle)
- „Die Stadt Köln wollte bei der Gewaltschutzhilfe massiv einsparen. Der Frauenhilfeverein FrauenLeben e.V. konnte dies verhindern.“ (Quelle)
- „Die EU beschließt, mit dem „Recht auf Reparatur“ die Nachhaltigkeit zu fördern. Ein erster Erfolg! Jetzt muss die Bundesregierung nachziehen: Das INKOTA-Netzwerk bleibt dran und fordert einen bundesweiten Reparaturbonus.“ (Quelle)
Die drei Beispiele zeigen: um wirklich politisch etwas zu bewegen, braucht es meist mehr als eine Online-Petition. Erfolgreiche Beispiele sind in der Regel in ganze Kampagnen, teilweise sogar Bewegungen eingebettet. Dann können sie jedoch ein wichtiges Instrument sein, um einem Thema Reichweite zu verschaffen und deutlich zu zeigen, wie viele Menschen hinter einer Forderung oder einem Anliegen stehen.
Quick und wirkungsvoll: Online-Petitionen-Marathon
Aus diesem Grund bin ich auch der Meinung, dass es durchaus legitim ist, einen Online-Petitionen-Marathon hinzulegen, wenn du wenig Zeit hast, dich aber dennoch für eine bessere Welt engagieren möchtest. Du investierst ein bis zwei Stunden und unterstützt so Menschen, die sich richtig knietief für ein Thema engagieren. Das ist eine tolle Form der Kooperation, die du unbedingt nutzen solltest! Also, los geht’s!
Schritt 1: Welches Thema liegt dir am Herzen?
Wähle zunächst das Thema aus, zu dem du die Online-Petitionen heraussuchen möchtest, die du unterstützen willst. Du kannst dich dazu zum Beispiel fragen, welche Themen dir in letzter Zeit besonders ins Auge gesprungen sind: Gibt es Probleme und Missstände, die dich richtig ärgern? Hat dich eine Ungerechtigkeit in letzter Zeit besonders empört? Was würdest du am liebsten verändern?
Übrigens: Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass du viel besser mit schwierigen Nachrichten umgehen kannst, wenn du dir selbst das Gefühl gibst, dass du etwas unternehmen kannst. Deshalb spenden Menschen zum Beispiel, wenn sie von Flutkatastrophen und ähnlichem in den Nachrichten hören. Und du kannst dir diese Entlastung verschaffen, indem du einen Online-Petitionen-Marathon machst. Manche sehen das kritisch – weil sie nicht glauben, dass Online-Petitionen etwas bringen. Ich denke schon. Aber das musst du selbst entscheiden …
Schritt 2: Welche Petitionen gibt es?
Recherchiere bei Initiativen
Sieh dich als erstes im Internet nach Petitionen um, die du gut findest und unterstützen möchtest. Du kannst dazu zum Beispiel über Initiativen und Organisationen gehen, die sich deinem Thema widmen. Oft ist eine Online-Petition ein Teil einer umfassenderen Kampagne. Dann gibt es dazu meist einen Hinweis auf ihrer Startseite, im Blog, auf den Sozialen Plattformen oder im Newsletter.
P.S. Wenn du willst, kannst du der Organisation oder Initiative bei der Gelegenheit gleich folgen oder ihren Newsletter abonnieren, damit du künftig über weitere Aktionen informiert wirst.
Recherchiere auf Petitionsplattformen
Parallel dazu kannst du dich aber auch auf Petitionsplattformen umsehen. Beim Deutschen Bundestag oder dem Europäischen Parlament gibt es öffentliche Online-Petitionen, an denen man sich beteiligen kann. Erreichen diese genug Unterschriften, ist die Politik verpflichtet, sich dem Thema zu widmen. Es ist schwieriger, hier eine Online-Petition zu starten. Außerdem richtet sie sich dann „nur“ an die Politik.
Daneben gibt es Plattformen, auf denen es einfacher ist, eine Online-Petition zu starten. Außerdem kann sich eine Online-Petition hier an die Politik wenden – sie ist aber nicht verpflichtet, sich dem Thema zu widmen. Gleichzeitig können sich Petitionen hier aber auch an ein Unternehmen oder eine Institution oder ähnliches wenden, um so Veränderungsdruck zu erzeugen.
Hier ein paar Surftipps
- Change.org
- OpenPetition
- E-Petition an den Deutschen Bundestag
- Avaaz
- We Act!
- Petition ans Europäische Parlament
Fehlt noch ein wichtiger Linktipp? Dann schick uns eine E-Mail oder hinterlasse am Ende dieses Beitrages deinen Kommentar. Danke!
Was sind gute Auswahlkriterien?
Mein Tipp: wäge gut ab, welche Petition du unterstützen möchtest. Denn ob eine Online-Petition wirkungsvoll ist – und ob ihre Wirkung darüber hinaus auch noch gesellschaftlich hilfreich und sinnvoll ist, das hängt stark von der Online-Petition selbst ab. Hier die Kriterien, die ich anwende:
- Entspricht die Online-Petition und die dazu gehörige Kampagne meinen Werten? Selbst wenn mir das Thema am Herzen liegen, müssen sich Ausrichtung, Wortwahl und Sound einer Kampagne nicht unbedingt mit dem decken, was mir an Werten wichtig ist.
- Ist die Petition sachlich und respektvoll? Oder richtet sie sich zum Beispiel gegen einen Menschen oder eine Menschengruppe? In diesem Fall würde ich die Petition zum Beispiel nicht unterschreiben. Das Instrument der Online-Petition dazu zu verwenden, um Menschen aus ihrem Job zu entfernen, eine Aufenthaltsgenehmigung zu entziehen oder ähnliche Dinge – so etwas möchte ich jedenfalls nicht unterstützen.
- Ist die Online-Petition in eine umfassendere Kampagne eingebettet? In diesem Fall ist die Wirkung der Petition in der Regel größer. Deine Unterschrift hat mehr Gewicht.
- Wie viele Menschen haben die Online-Petition schon unterschrieben? Hier beißt sich die Katze ein bisschen in den Schwanz: erst wenn eine Online-Petition eine hohe Aufmerksamkeit mit vielen Unterschriften erreicht, kann sie Wirkung entfalten – du solltest also unterschreiben und hoffen, dass viele Stimmen zusammen kommen. Zudem kommt es mal wieder darauf an: eine Online-Petition mit regionaler Zielrichtung kann natürlich mit viel weniger Unterschriften erfolgreich sein, als eine EU-weite Petition mit mehr Unterschriften … Überlege dir also, ob sich die Sache für dich lohnt.
Schritt 3: Petition unterzeichnen
Wenn du genug Petitionen zusammengetragen hast, die du gerne unterstützen möchtest, dann unterzeichne sie. Du musst dich dazu bei den verschiedenen Plattformen jeweils einmal anmelden. Das Unterzeichnen selbst geht dann ganz einfach.
Du kannst dabei entscheiden, ob deine Unterschrift öffentlich zu sehen sein soll. Manchmal kannst du auch einen Kommentar hinterlassen, warum du unterzeichnest. Außerdem kannst du entscheiden, ob du per E-Mail von den Petitions-Initiator*innen über den weiteren Verlauf der Petitionskampagne informiert werden möchtest. Beachte dabei, dass diese dann deine Daten speichern!
Sobald du unterschrieben hast, bekommst du in der Regel noch mal eine Email an die von dir angegebene Email-Adresse. Wie bei einem Newsletter-Abo musst du deine Unterschrift dann noch mal mit einem Klick bestätigen.
Schritt 4: Online-Petition verbreiten
Wenn du die Petition unterzeichnet hast, wirst du in der Regel automatisch dazu aufgefordert, die Petition per E-Mail, Insta, Facebook oder in anderen sozialen Kanälen zu teilen. Das ist grundsätzlich auch eine gute Idee.
Um deine Daten zu schützen, empfehlen wir dir jedoch, nicht einfach dem Button zu folgen. Kopiere stattdessen die URL der Petitionsseite aus der Browser-Zeile und verschicke sie händisch zusammen mit deinem kleinen Textchen über E-Mail, Mastodon und so weiter.
Schritt 5: Werte dein Engagement aus!
Du hast es geschafft und die Aktion „Online-Petitionen-Marathon“ erfolgreich beendet! Ich danke dir für dein Engagement! Es ist toll, dass auch du dich für eine bessere Welt engagierst. Wir brauchen mehr Menschen wie dich! Auch die vielen Menschen, die sich für das Gelingen der Online-Petitionen sowie der Kampagne darum herum einsetzen, sind dir bestimmt dankbar. Und wer weiß – vielleicht ist es genau deine Stimme, die die Petition zum Erfolg werden lässt.
Aber wie geht es dir damit? Nimm dir am besten noch ein paar Minuten Zeit, um dich zu fragen:
- Wie geht es mir jetzt?
- Mit welchen Themen habe ich mich auseinander gesetzt? Was hat das in mir verändert?
- Könntest du dir vorstellen, dich regelmäßig an einen Online-Petitionen-Marathon zu machen?
- Wenn du dir die Missstände und Ungerechtigkeiten ansiehst, mit denen du dich heute beschäftigt hast: Was könntest du in deinem Leben noch verändern, um etwas dagegen zu unternehmen? Was wäre ein so kleiner Schritt, dass er dir auf jeden Fall machbar erscheint? Willst du ihn tun? Es wäre wieder ein Schritt hin zu einer besseren Welt 😉
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