Konzernmacht bekämpfen – Rebalance Now hat Vorschläge ...

Rebalance Now! Wie wir Konzernmacht beschränken

Entscheidest du, was du isst, kaufst oder denkst? Vielleicht weniger, als du meinst: denn 4 Konzerne kontrollieren 88 % des Lebensmittelhandels. 4 Tech-Riesen bestimmen, was du online siehst. Wir können die Macht zurückerobern. Aber nur, wenn wir die Regeln ändern. Lust, mitzumachen? Die Organisation "Rebalance Now" gibt Tipps.
Du kannst diesen Beitrag „Rebalance Now“ lesen oder über diese Konsole anhören!

Die unsichtbare Hand, die alle(s) kontrolliert

Stell dir vor, du gehst in den Supermarkt. Du kaufst Nudeln, Obst, Brot – und denkst, du hättest selbst gewählt. Doch was, wenn ich dir sage, dass das gar nicht stimmt? Jedenfalls nicht ganz. Denn nur eine Handvoll Konzerne entscheidet, was du kaufen kannst – und zu welchem Preis. Sie entscheiden, wie Menschen arbeiten, was auf Äckern wächst und welche Informationen du im Internet findest …

Das ist keine düstere Verschwörungstheorie. Das ist Realität.

Vier Supermarktketten kontrollieren zum Beispiel 88 % des Lebensmittelhandels. „Sie bestimmen, was produziert wird, welche Produkte in Regalen und Tiefkühltheken landen – und wer daran verdient“, erfährt man im Konzernatlas 2025, aus dem auch die Grafiken in diesem Beitrag stammt. Das verleiht ihnen viel Macht. Zum Beispiel sind die Lebensmittelpreise zwischen 2020 und 2025 laut Konzernatlas um 36,1 % gestiegen – und damit viel stärker als die allgemeine Inflation (23 %).

In anderen Bereichen sieht es nicht anders aus: Vier Konzerne kontrollieren 70 % des globalen Saatgutmarktes. Die Big-Tech-Konzerne Google, Apple, Meta und Amazon beherrschen den digitalen Raum – und damit unseren Alltag. Diese Machtkonzentration ist kein Zufall. Sie ist das Resultat jahrzehntelanger Deregulierung, politischer Einflussnahme und einer Wirtschaft, die Profit über Menschenrechte, Demokratie und ökologische Verantwortung stellt.

In Ecuador, wo Bananen für Deutschland angebaut werden, kritisieren Gewerkschaften die systematische Verletzung von Menschenrechten auf Plantagen Bildnachweise

Konzermacht zerstört Natur

Konzerne bestimmen zum Beispiel, was wie angebaut wird. So kommt es, dass wir es immer mehr riesige Monokulturen mit dem Einsatz chemischer Düngemittel und Pestiziden gibt, statt kleinbäuerlicher Vielfalt mit regenerativer Landwirtschaft. Kleine und mittlere Betriebe haben kaum eine Chance: eine sogenannte Vertragslandwirtschaft bindet laut Konzernatlas viele Landwirt*innen vertraglich an die Konzerne.

Auf der einen Seite müssen sie das Saatgut, den Dünger und die Pestizide der einen Konzerne kaufen – oft zu überteuerten Preisen. Auf der anderen Seite drücken die Supermarktriesen die Preise für Milch, Getreide oder Gemüse so weit, dass viele Höfe nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können. Laut Konzernatlas ist allein in Deutschland die Zahl der Bauernhöfe dadurch zwischen 2010 und 2020 um über 30 % gesunken.

Das ist u.a. auch ein riesiges Problem für den Schutz der Natur. Diese Konzerne verhindern, dass wir hier als Gesellschaft und als Menschheit insgesamt umsteuern und neue Wege gehen. Sie stellen ihren Profit über das Leben auf diesem Planet! Denn die Monokulturen zerstören Böden und Biodiversität. Die Pestizide vergiften Gewässer und töten Insekten. Und die Massentierhaltung führt zu einem unvorstellbaren Tierleid, Antibiotikaresistenzen und jeder Menge Klimagasen (wie die Monokulturen übrigens auch, denn ein kranker Ackerboden kann viel weniger CO2 speichert, als ein gesunder).

Konzernmacht macht krank

Letztlich bestimmen diese Konzerne dadurch auch, welche Qualität von Lebensmitteln in den Supermärkten und in unseren Mägen landet. Zwar sieht es so aus, als ob die Supermärkte voll wären mit ganz vielen verschiedenen Marken und Produkten. Doch dahinter stecken oft nur einige wenige Konzerne. Das Ergebnis: billige Massenware statt regionaler Qualität.

Zum Beispiel bewerben viele Konzerne ihre ungesunden und überzuckerten Bonbons, Kekse und Schokoladen gezielt bei Kindern. Das bringt schnelle Einnahmen – aber die Kinder tragen langfristig die Schäden an ihrer Gesundheit. Krankhaftes Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu. Die Politik bleibt bislang untätig. In vielen anderen Ländern gibt es längst strengere Regeln und zum Beispiel so etwas wie eine Zuckersteuer. Hierzulande für die Union anscheinend undenkbar.

In Deutschland enthalten von Kinder konsumierte Getränke im Schnitt 7,8 Prozent Zucker. Auf ein Glas mit 250 Millilitern kommen über 6,5 Zuckerwürfel Bildnachweise

Konzernmacht schwächt Demokratie: Lobbyismus statt Gemeinwohl

Das Ganze hat natürlich auch noch eine politische Dimension (Marek hat darüber in Verbindung mit den Dark Tech Plattformen schon geschrieben): Die Konzerne betreiben nicht gerade wenig Lobbyismus. Unternehmen wie Bayer oder Nestlé geben laut Konzernatlas Millionen für Lobbying aus. So wollen sie etwa Umweltauflagen verwässern, Subventionen sichern oder Kritik unterdrücken.

Das reicht von Treffen mit Politiker*innen in Brüssel oder Berlin hin bis zum bekannten Drehtür-Effekt: Politiker*innen wechseln nach ihrer politischen Tätigkeit in die Vorstände von Konzernen – und umgekehrt. Das blockiert Reformen, die die Mehrheit der Bevölkerung eigentlich will: Strengere Tierrechte, Pestizidverbote, Klimaschutzmaßnahmen wie Tempolimit oder Verbrenner-Aus, ein Verbot personalisierter Werbung auf den Social-Media-Plattformen oder Transparenz in Sachen Datenschutz. All diese sinnvollen Verbesserungen werden durch die Lobbyist*innen der Konzerne oft jahrelang verzögert und/oder schließlich abgeschwächt.

Wenn Konzerne mächtiger sind als Staaten

Was geschieht, wenn Konzerne mächtiger werden als Staaten, kannst du derzeit auf dem Präsentierteller in den USA beobachten. Diese Entwicklung ist nicht ganz neu. Und ihre Folgen sind es auch nicht. Hier handeln die Konzernbosse nur besonders offensichtlich und schamlos. Die Erosion der Demokratie findet durch die Konzermacht aber auch bei uns statt. Die Lobbymacht kannst du dir wie eine zweite Regierung in Brüssel oder Berlin vorstellen. Hier gibt es jeweils deutlich mehr Lobbyist*innen als Abgeordnete.

Das hat Auswirkungen auf unser aller Leben: Öffentliche Güter werden privatisiert. Und wenn zuvor privatisierte Güter wieder verstaatlicht werden sollen, geschieht das nicht so leicht. Ein Beispiel dafür ist der erfolgreiche Volksentscheid „Deutsche Wohnen enteignen“ in Berlin. Die Bewohner*innen der Hauptstadt sind dafür – doch die Politik bleibt untätig. Das umgekehrte Beispiel haben wir hier in Hamburg. Da ergab eine Volksabstimmung, dass eine Reihe von Krankenhäusern nicht privatisiert werden sollte. Es geschah dennoch …

Dazu kommen Steuerflucht, Steuervergünstigungen für Superreiche und tatsächlich kriminelle Projekte wie Cum-Ex. Während unsere Kommunen kein Geld für Kitas, Schulen, öffentlichen Nahverkehr und Krankenhäuser haben, wandert über die Renditen immer mehr Geld in die Taschen der Superreichen. Gleichzeitig haben Konzerne die Macht, die Löhne zu drücken. Die Union unter Merz stimmt in den Gesang ein: die Menschen sollen noch mehr arbeiten. Die Unternehmen mehr von dem bekommen, was ihre Mitarbeiter*innen erarbeiten. Während die Konzerne an den Löhne sparen, soll unser Sozialsysteme abgebaut werden. Das können wir uns nicht mehr leisten …

Rebalance Now: Konzernmacht bekämpfen

Aber zum Glück gibt es Widerstand. Zum Beispiel die Organisation Rebalance Now. Sie kämpft dafür, die Macht der Konzerne zu brechen – und uns allen die Kontrolle über unser Leben und unsere Zukunft zurück zu geben. Rebalance Now ist eine junge, gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die sich gegen die Machtkonzentration und Monopolisierung in der Wirtschaft stellt. Ihr Ziel: eine wirtschaftliche Demokratie, in der nicht wenige Konzerne, sondern viele entscheiden – die Bürger*innen, Landwirt*innen, Arbeitnehmer*innen und viele mehr.

Die NGO ist noch im Aufbau, aber ihre Mission ist klar: Sie will aufdecken, wie Konzerne unsere Wirtschaft, Politik und Gesellschaft dominieren – und zeigen, wie wir das ändern können.Denn noch fehlt es an wirksamen Gegenkräften:

  • Die Politik gibt oft den Interessen der Wirtschafts-Lobbyist*innen nach, statt die Bürger*innen zu schützen.
  • Die Medien werden ebenfalls von Konzernen beeinflusst oder gehören ihnen zum Teil sogar direkt.
  • Und die Verbraucher*innen fühlen sich ohnmächtig – sie wissen oft nicht, wie sie sich wehren können. Oft wissen sie noch nicht mal, dass sie sich wehren sollten …

Rebalance Now will das ändern. Mit Aufklärung, Kampagnen und politischen Forderungen setzt sich die Organisation dafür ein, dass Macht wieder fair verteilt wird. Zum Beispiel hat sie zum Konzernatlas der Heinrich-Böll-Stiftung beigetragen, der zeigt, wie wenige Konzerne ganze Märkte kontrollieren. Rebalance Now macht Öffentlichkeitsarbeit, um die Folgen von Konzernmacht sichtbar zu machen. Und sie betreibt politische Lobbyarbeit, um die Politik mit den Forderungen für eine faire Machtverteilung zu konfrontieren (leider mit viel weniger Mitteln als die Konzerne).

Die einst bäuerliche Raiffeisen-Genossenschaft hat sich durch Fusionen und Expansion zu einem internationalen Imperium mit enormer Marktmacht gewandelt Bildnachweise

Konzernmacht beschränken: Ideen, Forderungen, Lösungen

Unter dem Motto „Monopolmacht begrenzen, Wirtschaft neu gestalten“ haben Rebalance Now und andere Organisationen eine Reihe von Forderungen und Ideen, was wir gegen die Konzernmacht unternehmen können:

1. Politische und rechtliche Maßnahmen

Um die Macht von Konzernen einzudämmen, müssen Kartellgesetze verschärft und Monopole zerschlagen werden. Einerseits können strengere Fusionskontrollen Mega-Zusammenschlüsse wie Bayer/Monsanto oder Instagram/Facebook verhindern. Andererseits müssen Tech-Konzerne, die zu groß geworden sind – wie Google oder Amazon – in kleinere Einheiten aufgespalten werden.

Plattformen wie Amazon muss es verboten werden, eigene Produkte auf der eigenen Handelsplattform zu bevorzugen. Das ist unfair. Ein Lieferkettengesetz mit verbindlichen Sorgfaltspflichten und Haftungsregeln würde sicherstellen, dass Unternehmen Menschenrechte und Umweltstandards einhalten. Zudem braucht es Transparenzgesetze für Lobbyismus, ein Drehtür-Verbot für Politiker*innen in Konzernvorstände und eine Mindestbesteuerung für Großkonzerne, um Steuerflucht zu stoppen und öffentliche Mittel gerecht zu verteilen.

2. Alternativen fördern

Außerdem können wir wirtschaftliche Alternativen fördern, wie Genossenschaften und regionale Strukturen. Statt von Konzernen abhängig zu sein, können genossenschaftliche Modelle in Landwirtschaft, Tech und Energie den Wandel vorantreiben. Landwirt*innen könnten sich in Genossenschaften zusammenschließen, um Saatgut, Verarbeitung und Vermarktung selbst zu steuern – unabhängig von Agrarkonzernen. Plattformgenossenschaften im Tech-Bereich würden Fahrer*innen oder Lieferant*innen ermöglichen, ihre Arbeitsbedingungen demokratisch zu gestalten – statt von Uber oder Lieferando ausgebeutet zu werden.

Regionale Wertschöpfungsketten wie Direktvermarktung, solidarische Landwirtschaft und kommunale Supermärkte stärken lokale Wirtschaftskreisläufe. Öffentliche Infrastruktur – von gemeinwohlorientierten Digitalplattformen bis zu kommunalen Wohnungsbaugesellschaften – sollte in Bürgerhand bleiben, nicht in der von Investor*innen. Das können wir ändern, die die Power haben, solche Organisationen (gemeinsam) zu gründen. Wie, das zeigt zum Beispiel der Beitrag über „Solidarisches Wirtschaften“. Und wir müssen von der Politik fordern, dass sie einen Rahmen setzt, der solche Gründungen erleichtert.

3. Gesellschaftliches Engagement

Schließlich kommt es auch auf unser allerEngagement an! Jeder Mensch kann Konzernmacht entgegenwirken, indem er bewusst konsumiert: regional, bio und fair gehandelte Produkte unterstützen kleine Landwirt*innen und faire Arbeitsbedingungen. Politisches Engagement – von Unterschriftenkampagnen für Lieferkettengesetze bis zu Demonstrationen für Klimaschutz – erhöhen den Druck auf Entscheidungstragende. Der Aufbau von Alternativen wie Food-Coops, Solidarischer Landwirtschaft, Open Source oder den Digital Independence Day zeigt, dass gemeinwohlorientierte Modelle funktionieren.

Wichtig ist auch die Aufklärung: Sprich mit deinen Freund*innen, Nachbar*innen, Kolleg*innen und in deiner Familie über Konzernmacht. Teile kritische Inhalte in den sozialen Medien und engagiere dich lokal in Umweltvereinen, Stadtgärten oder Gewerkschaften. Gemeinsam können wir die Regeln ändern.

Fazit: Die Macht liegt bei uns – wenn wir sie nutzen

Die Macht der Konzerne ist kein Naturgesetz. Sie ist von Menschen gemacht. Sie ist das Ergebnis von politischen Entscheidungen, Wirtschaftssystemen und unserem eigenen Konsumverhalten. Das Gute daran ist: Wir können sie ändern!

Organisationen wie Rebalance Now zeigen, dass es Alternativen gibt. Dass wir nicht ohnmächtig sein müssen. Dass wir gemeinsam die Regeln ändern können – durch politischen Druck, bewussten Konsum und den Aufbau demokratischer Strukturen.

Die Frage ist nicht, ob wir etwas tun können. Die Frage ist: Tun wir es?

Was ist dein nächster Schritt?

  • Informieren: Lies den Konzernatlas und erfahre, wer wirklich die Fäden zieht.
  • Engagieren: Unterstütze Rebalance Now oder eine lokale Initiative.
  • Handeln: Ändere eine Konsumgewohnheit – und erzähl anderen davon.

Die Welt verändert sich nicht von allein. Sie verändert sich, weil wir sie verändern.


Weiterführende Links und Quellen:

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Für diesen Text haben wir die KI neuroflash für den Dialog über die Struktur genutzt.

ilona

ist freie Jour­na­lis­tin, Publizistin, Projekt­ma­che­rin und Medienaktivistin. Seit über zehn Jahren schreibt sie Bücher, Blogposts, macht Podcasts, gibt Workshops und hält Vorträge. Zudem begleitet und berät sie öko-soziale Organisationen, Gemeinschaften, Künstler:innen, Kreative und Aktivist:innen bei der ganzheitlichen und nachhaltigen Planung und Kommunikation ihrer Projekte und Bücher.

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