Die Automobilbranche ist derzeit ja wohl der am heißesten debattierte Wirtschaftszweig Deutschlands. Auf der einen Seite stehen die, die ihr Auto lieben wie andere ihren Hund, ihr Kind oder ihre Frau. Auf der anderen Seite die, die die derzeitige Politik in Sachen Automobilbranche für rückwärts gewandt und nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch gefährlich halten.

Die Autobauer selbst scheinen – so der äußere Anschein jedenfalls –  die Situation irgendwie nicht so richtig einschätzen zu können. Oder zumindest schaffen sie es nicht, über ihren Schatten zu springen, Fehler einzugestehen und nun wirklich mit Volldampf in die Zukunft zu steuern – wie sonst ließe sich erklären, dass es bereits seit Monaten einen heftigen Lobby-Krieg gegen die vielleicht kommenden Klimaschutz-Verordnungen durch die EU gibt? (Nur noch mal zu Erinnerung: Die Automobilindustrie hatte in einer Selbstverpflichtung eine Höchstmenge von 140g CO2-Ausstoß angegeben und wäre damit schon fast bei den von der EU angepeilten 120g – allerdings hat sie ihre eigenen Ziele, wie schon zu anderen Gelegenheiten, nicht erreicht und ist bei 160g).

Wie sonst ließe sich erklären, dass die deutschen Auto-Bosse offensichtlich nicht begreifen, dass wir schnell Änderungen brauchen, wollen wir die Umwelt – oder besser gesagt uns selbst – schützen? Und, dass sie nicht begreifen, dass ihre Kunden schon weiter sind – und sich notfalls eben bei den Autobauern aus dem Ausland die umweltfreundlicheren Fahrzeuge holt? Dass diese Vorstellung schlicht und ergreifend nicht in den Köpfen der deutschen Autohersteller angekommen zu sein scheint, zeigt nun auch ein Bericht von Germanwatch: Die Organisation hat die Geschäftsberichte europäischer  Automobilunternehmen verglichen und kommt zu dem Ergebnis: “Wesentliche Wettbewerbsfaktoren wie der CO2-Ausstoß und die Treibstoffeffizienz der Modelle werden nach wie vor unzureichend in den jährlichen Geschäftsberichten berücksichtigt. Somit werden potentielle Geschäftsrisiken durch den Klimawandel meist verschwiegen”.

Der Klimawandel, die stark schwankenden Rohölpreise und nun auch die Finanzkrise veränderten zunehmend die Spielregeln der Wirtschaft, meint Germanwatch. Der Erfolg von Automobilunternehmen sei deshalb zunehmend durch Klimaschutzregulierungen, wie den bevorstehenden Beschluss zur Schadstoffbegrenzung des Automobilsektors in Europa, bestimmt. Auch veränderte Kaufentscheidungen der Konsumentinnen und Konsumenten zugunsten umweltfreundlicherer Autos sowie die allgemeine Unsicherheit der Investoren durch die Finanzkrise seien nennenswerte Risikofaktoren.

Allerdings zeige der Lageberichte auch, dass es in dieser Hinsicht wohl keine großen Unterschiede zwischen deutschen und anderen europäischen Autoherstellern gibt: alle Geschäftsberichte großer europäischer Automobilkonzerne des Jahres 2007 seien noch immer nicht auf der Höhe der gesetzlichen Anforderungen an die Transparenzpflicht. Und: Gegenüber dem Berichtsjahr 2006 habe sich nur eine geringfügige Verbesserung ergeben.

Weitere Infos unter: www.germanwatch.org