Heute ist es soweit: Die zwanzig international führenden Wirtschaftsnationen dieser Welt (G20) treffen sich.

Das Ziel: die Neugestaltung des Finanzmarktes. Angela Merkel hat sich im Vorfeld schon ausgiebig als Befürworterin von strengen Regulierungen positioniert. Zu verlieren gibt es ja nichts – auch wenn sie sich mit diesen Forderungen wohl kaum durchsetzen dürfte, so bringt das hierzulande schon mal gute Presse. Dabei sind sich die Medien einig: Es ist eigentlich klar, dass es unwahrscheinlich ist, dass es in absehbarer Zeit tatsächlich Ergebnisse gibt. Zu unterschiedlich sind die Meinungen der G20.

Deshalb wollen wir uns heute so unsere eigenen Gedanken darüber machen, wie eigentlich eine gerechte Wirtschaftsordnung aussehen könnte – und auf welchen Werten sie jenseits jeglicher Ideologien fußen könnte. Denn wenn man den Blick durch die Weltgemeinschaft schweifen lässt, wird klar, dass die Basis kein sozialistisches, neoliberales oder gar religiöses Fundament sein könnte. Zu unterschiedlich sind die Kulturen, die regionalen oder nationalen Bedingungen und Überzeugungen.

Eine internationale Wertebasis

Da kam uns bei unseren Überlegungen ein Jahrestag zu Hilfe: Die internationale Charta der Menschenrechte jährt sich dieses Jahr zum 60. Mal. Eine Charta, die viele Nationen unterschrieben und sich damit zu deren Einhaltung verpflichtet haben. Soweit die Theorie, denn in der Praxis wird ihr tatsächlich selten Vorrang vor – beispielsweise – wirtschaftlichen Interessen eingeräumt. Auch nicht in Europa, auch nicht oder von in Deutschland. Doch was wäre, wenn wir sie als Fundament, als Ausgangsbasis für alle internationalen und nationalen Gesetze und Vereinbarungen einhalten würden?

Könnte es dann eine neoliberale Wirtschaftspolitik geben? Könnte dann ein Staudamm gebaut werden, der zwar Strom (und Gewinn) für eine Reihe von Menschen liefert – aber die einfachen Bauern von ihrem Land vertreibt? Könnten Geldgeber dann auf der Zahlung von Schulden (die zum Teil von gescheiterten Diktaturen gemacht wurden) bestehen – auch wenn dies bedeutet, dass für die Ärmsten einer Gesellschaft nichts mehr übrig bleibt?

Könnte dann ein Raubbau an der Umwelt betrieben werden, der den Schwächsten einer Gemeinschaft und ihren Nachkommen die Lebensgrundlage entzieht? Könnten wir in den reichen Industrienationen dann weiterhin in Saus und Braus leben, exzessiv Energie und Lebensmittel verbrauchen und auf Schnäppchenjagd gehen, während die Menschen in so genannten “Entwicklungsländern” dafür durch unmenschliche Arbeitsbedingungen, Vernichtung ihrer eigenen Existenz und eine durch den Klimawandel unwirtliche Umwelt zahlen müssen? Wohl kaum – das sind rhetorische Fragen.

Was ist wirklicher Reichtum?

Ein wirklich idealistisches Gedankenspiel. Aber es lohnt sich, denn mit dem offensichtlichen Scheitern der neoliberalen Wirtschaftspolitik müssen wir uns über Alternativen Gedanken machen – und darüber, ob wir “Wohlstand” und “Fortschritt” tatsächlich aus dem richtigen Blickwinkel betrachten. Eine Umfrage, die ermittelt hat, warum sich die Ärmsten dieser Welt tatsächlich als arm betrachten, hat laut dem Bericht “Zukunftsfähiges Deutschland” zum Beispiel ergeben, dass sich diese Menschen zumeist nicht als arm empfinden, weil sie wenig Geld und Konsumgüter haben.

Sie fühlen sich arm, weil sie ein Ohnmachtsgefühl empfinden. Das Gefühl herum gestoßen zu werden. Weil sie meinen sie könnten die Gesellschaft, in der sie leben, nicht mit gestalten. Die meisten – so der Bericht – wollen deshalb in erster Linie nicht unbedingt mehr Geld haben. Sondern sie wollen gesellschaftlich-politische Teilhabe und Sicherheit (also nicht unbedingt mehr Geld, aber das sicher).

Unser Fazit

Damit kommen wir zu der Erkenntnis: Sicher, vieles läuft falsch in unserem Finanzsystem und es lässt sich mit Sicherheit gerechter und vernünftiger gestalten. Doch dürfen wir nicht glauben, dass sich damit (selbst im Idealfall) unsere Probleme lösen ließen. Denn die eigentliche Ursache liegt noch tiefer. Sie liegt in den grundsätzlichen falschen Ausgangsüberlegungen.

Wir sollten aufhören zu glauben, dass mehr Geld mehr Menschenrechte bedeutet. Wir sollten aufhören zu glauben, dass mehr Geld mehr Demokratie bedeutet. Wir sollten aufhören zu glauben, dass mehr Geld mehr Umweltschutz bedeutet. Und wir sollten selbstverständlich aufhören zu glauben, dass mehr Geld mehr Lebensglück bedeutet.

Kurz und gut: wir sollten aufhören zu glauben, dass Wirtschaftswachstum ein Allheilmittel ist. Denn wohin sollte es führen – gesetzt den ebenfalls utopischen Fall -, dass die so genannten Entwicklungsländer ein mit “uns” vergleichbares Bruttosozialprodukt erreichten? Würde unsere Erde tatsächlich so viele PKWs, Laptops, Big Macs und Billigflieger verkraften? Wohl kaum – eine rhetorische Frage…

HINWEIS: Wie ihr vielleicht oben schon gesehen habt, können wir vier Exemplare des Buchs zum Film “Let’s make MONEY” von Erwin Wagenhofer verlosen. Dafür möchten wir dem Verlag orange press danken! Wer leider nicht bei der Verlosung gewonnen hat, dem seien hier die bibliografischen Angaben genannt – vielleicht möchte der ein oder andere das Buch bestellen:

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buch_letsmakemoney.jpgCaspar Dohmen
Let’s make MONEY
Was macht die Bank mit unserem Geld?
orange press (Verlag)
ISBN 978-3-936086-41-6
20,00 Euro

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