Vor ein paar Tagen haben wir uns ja mal die Mühe gemacht, sämtliche News durchzusehen die wir im letzten Jahr unter “Kurz & Knapp” veröffentlicht haben. Darunter oft Meldungen die zwar nicht unserer Meinung entsprechen, die aber zeigen wie andere  “ticken”. Auch zum Thema FDP war einiges dabei und wenn man die Meldungen geballt liest, wird schnell klar, warum sich diese Partei, nebst Vorsitzenden, gerade ins Abseits katapultiert. Mittlerweile hat das Ganze etwas von einem Affenfelsen der im Meer versinkt.

Mal ehrlich: Kaum eine Partei hat sich im Verlauf der letzten Monate und Jahre gesellschaftlich so unsozial geäußert wie die FDP. Und das kam gar nicht gut an. Man kann zwar verstehen, dass man sich hier versuchte an die “Kernzielgruppe” der Mittelständler zu schmiegen, doch der Rest der Welt hörte gleichermaßen zu – und staunte nicht schlecht.

Während man zur Finanz- und Weltwirtschaftskrise kaum Gescheites zu hören bekam – und das von einer selbsternannten Wirtschaftspartei – prasselte es kurze Zeit später nur so auf uns ein: Leidenschaftlich wurde auf Hartz IV-Empfänger und überhaupt auf alle Armen eingedroschen, was der eigene intellektuelle Oberarm so her gab. Das passte nicht so recht zu den Lobby-Aktivitäten, Parteispenden oder auch zum Geheimnisverrat in Sachen WIKILEAKS.

Man hatte den Eindruck, dass die FDP zwar bereit sei ein Kesseltreiben gegen Schwächere zu veranstalten, jedoch keinen Maßstab an das eigene Verhalten anzulegen bereit war. Dabei, und das dürfte doch selbst jeder Politikmuffel mitbekommen, leben wir in Zeiten in denen politisches Handeln zunehmend auch moralisch von den Menschen bewertet wird. Wenn nun Tausende Bürger sich mit Demonstrationen gegen politische Arroganz wenden, ist es nicht eben schlau – nicht einmal strategisch – sich selbst arrogant zu verhalten; vor allen Dingen dann, wenn man augenscheinlich selbst nicht immer “astrein” handelt. Die Umfragewerte der FDP gingen in den Keller, was sich schon lange abzeichnet und nur logisch ist. Denn wenn man durch politische Maßnahmen auch den Mittelstand in die Knie zwingt, ist am Ende keiner mehr da der einen klasse finden kann.

Meine Prognose nach dem Mauerfall war, dass die FDP die erste Partei seien würde, die von der politischen Bühne verschwindet. Wenn nicht als Organisation, dann zumindest der Bedeutung nach.

Der Zustand heute ist etwas nebulös… Einerseits wird massiv am Stuhl des Vorsitzenden und Außenministers Guido Westerwelle gesägt. Andererseits hat das Ganze etwas von einem Affenfelsen, auf dem mächtig geklammert wird, während er in den Fluten der Bedeutungslosigkeit versinkt. Da ist das Geschrei, Zetern und Jammern natürlich groß, doch so richtig Mitleid mit anderen schienen diese Damen und Herren vorher auch nicht gehabt zu haben. Deswegen hält sich das politische Mitleid ihnen gegenüber nun auch in Grenzen. Dennoch kommt dieser Zerfall ungelegen, stellt die FDP doch auch einen Teil der Regierung. Eine zerstäubende FDP kann natürlich auch kein starker Partner im Bund mehr sein. So sind in der nächsten Zeit weitere Irritationen im Regierungsgeschäft zu erwarten. Und die können wir eigentlich gar nicht gebrauchen. Es sei denn, man würde am Ende den Bruch der Koalition verkünden und zu Neuwahlen aufrufen – vielleicht sogar eines der strategischen Ziele politischer Gegner..?

In dieser Phase der politischen Posse bekommt man wieder einmal den Eindruck, dass die Politik sich keinesfalls um die großen Probleme der Zukunft Sorgen macht, sondern vielmehr um die eigene Kernklientel. Doch auch diese wandelt sich. Die FDP beschäftigt sich fast ausschließlich mit sich selbst, was sich in guten Zeiten vielleicht tolerieren ließe. So aber ist das ziemlich nervig anzuschauen und zeigt uns, dass eine Partei wie die FDP weder in der allgemeinen, noch in der internen Krise aus der eigenen Haut kann. Von allgemeiner Empathie ist wenig zu spüren, dafür umso mehr von dem Versuch einen guten Kleber zu entwickeln, der es schaffen kann den eigenen Hosenboden unlösbar mit den Stühlen der Macht zu verbinden.

Und genau deshalb wird es nicht gelingen, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Hier wäre ein Umdenken und ein Zuwachs an allgemeiner Empathie von Nöten gewesen und ich bezweifle doch sehr, dass es dazu kommt, bevor sich das große Tor der Geschichte schließt.

Bildquelle:
Pixelio.de, Dieter Schütz