Masanobu Fukuoka

Masanobu Fukuoka: Die Nichtstun-Philosophie

Als er mit 24 Jahren dem Tod entrann, stellte er fest, dass die Intelligenz der Menschen nicht viel wert ist. Und dass es in der Landwirtschaft und beim Gärtnern vor allem auf das Nichtstun ankommt.

Masanobu Fukuoka wird auch der Laotse der Landwirtschaft genannt. Das hat seinen Grund: Erst studierte der Japaner Mikrobiologie und arbeitete als Pflanzenpathologe. Dann erkrankte er mit 24 schwer und kehrte schließlich verwandelt in die Welt zurück: Er hatte erkannt, dass die Intelligenz der Menschen nicht viel wert ist. Und er fand, dass wir uns nicht ständig über neue Methoden und Technologien den Kopf zerbrechen sollten, wie wir eine bestimmte Sache noch tun könnten. Wir sollten uns lieber Gedanken machen, was von dem, was wir heute als normal und wichtig empfinden, wir weglassen könnten – und damit zu besseren Resultaten zu kommen.

Konferenz für eine bessere Welt

18. – 19. August 2018, Gut Karlshöhe Hamburg

Neben vielen anderen spannenden Talks und Workshops gibt es bei der Konferenz einen Workshop zum Saatgutbomben-Basteln. Dazu gibt es eine kleine Ausstellung über das Leben, die Philosophie und das Wirken von Masanobu Fukuoka. Kommt vorbei und mach mit!

Über die Konferenz Der Ort Programm Ticket & Anmelden

Nichtstun in der Landwirtschaft

Fukuoka bezog sich dabei in erster Linie auf die Landwirtschaft. Denn nach seinen einschneidenden Erkenntnissen kündigte er seinen Job als Pflanzenpathologe und wurde Bauer. Hier experimentierte er Zeit seines Lebens, was man alles sein lassen könnte, um zu besseren Ergebnissen zu kommen. Und das bedeutete für Fukuoka keineswegs, aus der gleichen Fläche Land immer mehr Ernteertrag herauszupressen. Es bedeutete für ihn vor allem: Mit wie wenig Aufwand und Zeit kann ich das erreichen, was ich zum Leben brauche?

So hielt Masanobu Fukuoka zum Beispiel nichts vom Pflügen oder überhaupt von landwirtschaftlichen Geräten. In seinem Buch „Rückkehr zur Natur“ rechnet er vor, wie viel Aufwand und Energie es braucht, um zum Beispiel einen Trecker herzustellen, den Treibstoff zu fördern und dann den Boden damit zu bestellen. Am Ende zeigt sich, dass man viel mehr Energie und Mühe hineinstecken muss, als man als positiven Nutzen daraus zieht. Und dabei steckt in seinen Berechnungen auch, wie gesund die so erzeugten Lebensmittel sind, wie viel Zeit der Bauer für anderes als Landwirtschaft in seinem Leben hat und ob die Natur intakt und sauber ist.

Saatgutbomben selber basteln

Ich fand es sehr faszinierend in seinem Buch zu lesen, wie er seine Felder bestellte: Er warf das Saatgut in kleinen Lehmbällchen aus (heute nennt man das Seedbombs oder auch Saatgutbomben. Die urbane Aktivisten aus New York City haben sie später weltberühmt gemacht). Den Schnitt von der Ernte zuvor verstreute er einfach als Mulchmaterial auf dem Feld. Dieser Mulch schützt den Boden vor dem Austrocknen und verhindert allzu viele Beikräuter (allgemein auch Unkräuter genannt). Aus seinem Buch habe ich übrigens auch viele wertvolle Erkenntnisse für unseren Garten gewonnen.

Philosophie des Nichtstuns

Besonders inspirierend finde ich Masanobu Fukuoka aber, weil sich seine Philosophie des Nichtstuns  ganz gut auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen lässt: Brauche ich wirklich all die Technik? Würde ein stromloses Werkzeug nicht auch gute Dienste leisten? Und wie viel tue ich eigentlich so den lieben langen Tag, was ich gar nicht tun muss (will)? Was füllt nur meine Zeit, ohne mir wirklich, wirklich wichtig zu sein?

Denn schließlich – wenn wir uns ansehen, was all die menschliche Betriebsamkeit für den Planeten, die Erde, die Natur und auch uns selbst bedeutet, dann steht doch fest, dass weniger definitiv besser wäre: Weniger Wirtschaftswachstum in Bereichen, die wertvolle Ressourcen für unnütze und/oder kurzlebige Gegenstände verbrauchen. Mehr Zeit für wichtige Dinge im Leben wie Muße, Nachdenken, Beisammensein, Erholung, Genuß … ja, und natürlich auch Nichtstun.

Masanobu Fukuoka starb am 16. August 2007. Doch seine Ideen, Erkenntnisse und seine Philosophie wird wohl noch lange über ihn hinaus wirksam sein. Wer das alles durch das richtige Nichtstun an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit bewirkt – der muss doch schon irgendwie verdammt klug, vielleicht sogar weise sein 🙂

Was meint ihr dazu? Hinterlasse einen Kommentar, wenn du zu Masanobu Fukuoka Ideen, Meinungen oder Fragen hast!
Bildquelle: Naturalfarming.org via WikimediaFloris Looijesteijn via Wikimedia
Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
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4 Antworten auf "Masanobu Fukuoka: Die Nichtstun-Philosophie"

  1. Sabine Lehmann 3 Monaten ago .Antworten

    Wunderbar! Vielen Dank für diesen Artikel. ich hatte noch nie von ihm gehört. werde mir ein Buch kaufen… … und „Saatbomben“ auslegen… geistig, wie physisch. Sabine

  2. Micha 4 Monaten ago .Antworten

    Hi, ich hatte von ähnlichen Ansätzen gehört und habe mich immer gefragt ob es spezielle robuste Arten und Sorten gibt, die für diese Kulturform besonders geeignet sind. Weißt du da was.

    • ilona 4 Monaten ago .Antworten

      Hallo Micha, ich vermute, dass es vor allem heimische, alte Sorten sind, die sich dafür besonders gut eignen. Also denke ich, dass es pro Gegend/Klima/Mikroklima immer andere Sorten sind und sich da keine ganz allgemeinen Tipps geben lassen. Aber eine Gartenexpertin bin ich leider auch nicht… lg, Ilona

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