Inhaltsverzeichnis
- Warum verlieren wir unseren Fokus – und warum ist das so gefährlich?
- Was macht der ständige Kampf um die Aufmerksamkeit mit uns?
- 5 Maßnahmen, um den Fokus zu bewahren
- Eine Welt, in der wir uns wirklich konzentrieren: Was wäre, wenn …?
In den letzten Monaten hatte ich das Gefühl, dass mich immer mehr Dinge bedrängen und ich kaum noch hinterher komme. Ich mich im Kreis drehe, weil einfach alles nach Aufmerksamkeit schreit: ökologische Krisen, politische Desaster, soziale Verwerfungen, private Beziehungen, Projekte. Selbst das bisschen Freizeit, was noch übrig war. Irgendwie wurde es immer schwieriger den Fokus zu halten. Ilona meditiert und schwärmt mir vor, wie gut das tut. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Doch ich war ständig damit beschäftigt, mich den ständig wachsenden Anforderungen zu stellen. Es ging zwar immer irgendwie weiter, aber das Gefühl, dass die Aufgaben und Probleme weniger werden, wollte sich einfach nicht einstellen. Und damit bin ich anscheinend nicht allein.
Es kam mir vor, als würde ich einen riesigen Rucksack tragen, in dem sich immer mehr Steine ansammeln. Kleine, große, leichte und ziemlich schwere. Kaum beschäftigte ich mich mit einem, kamen schon neue dazu. Oder die alten drängten sich auf. Ich musste mir dringend ein paar Tricks einfallen lassen, um den Fokus zu behalten. Mich auf eine Sache konzentrieren die mir wichtig ist und die anderen erst mal ausblenden. Mich in eine Richtung bewegen, nicht in alle zugleich. Das habe ich getan. Und vielleicht helfen dir meine kleinen Tricks ja weiter. Vielleicht hast du noch andere.
Warum verlieren wir unseren Fokus — und warum ist das so gefährlich?
Laut einer Studie des Queen’s Universität in Kingston in Ontario von 2020 haben wir im Schnitt etwa 6.200 Gedanken pro Tag (sie nennt das „thought worms“) [1]. Da kommt einiges zusammen. Und mit wie viel Informationen werden wir konfrontiert? Untersuchungen zur aufgenommenen Informationsmenge schätzen, dass Menschen heute proTag grob zehn bis einige Dutzend Gigabyte allein an digitalen Informationen sehen/empfangen (häufig zitierte Werte: ~34 GB bis ~74 GB pro Tag, je nach Methode) [2]! Viele Menschen sitzen mehrere Stunden täglich am Bildschirm. Sie arbeiten, konsumieren Social-Media- und andere Medienangebote. Und wie viel verkraften wir? Neurowissenschaftliche Arbeiten geben eine grobe Obergrenze kognitiver Durchsatzraten von ~10 bits/s für bestimmte höhere Aufgaben an, was die Diskrepanz zwischen eingehender Information und bewusst verarbeiteter Information erklärt [3].
Während diese Geschwindigkeitsbegrenzung für kognitive Funktionen auf hohem Niveau zu gelten scheint, argumentieren wir, dass die unbewusste Verarbeitung zur Echtzeitsteuerung von Bewegungen, die einen Großteil der Neuronen im zentralen Nervensystem einnimmt und den größten Teil des Informationsdurchsatzes des Menschen ausmacht, diese Grenze deutlich überschreitet.
(Britton A Sauerbrei, J Andrew Pruszynski, National Library of Medicine) [3]
In dem Moment, in dem wir uns für etwas engagieren, das uns tief bewegt, zeigt sich ganz oft nicht nur eine einzelne, klare Aufgabe, sondern einer Vielzahl gleichzeitiger Krisen, Ansprüche und moralischer Verpflichtungen. Ich zum Beispiel neigte dazu, immer mehr dieser Steine in meinen Rucksack zu stecken. Aber diese dauernde Präsenz und Dringlichkeit erzeugen mit der Zeit eine kognitive Überlastung: Die Aufmerksamkeit springt permanent zwischen den Steinen, also Problemen, hin und her. Ziele konkurrieren miteinander, und es entsteht das Gefühl, dass jede der Herausforderungen größer wird, je mehr man sich ihr zuwendet. Eine Burn-out-ähnliche Dynamik, in der Notwendigkeit, Ohnmacht und das Gefühl der permanenten Verantwortlichkeit in Rückzug und Zynismus umschlagen können. Und das ist gefährlich, denn wir wollen doch genau das Gegenteil? Ich möchte kein Zyniker sein.
Ich spreche nicht von einem politischen oder aktivistischen Burn-out, der auch ein riesiges Problem ist. Hier ein interessanter Beitrag vom Deutschlandfunk der fragt, welche Wege Betroffene aus der Spitzenpolitik gefunden haben, um damit umzugehen [4]. Und ein Bericht vom Deutschen Berufsverband der Psychologinnen und Psychologen, der beschreibt, warum Umwelt-Aktivismus mit starken Emotionen wie Angst, Wut, aber auch Ohnmacht und Hilflosigkeit einhergeht. Er betont, dass die Dringlichkeit des Themas und das besagte permanente Verantwortungsgefühl zu psychischer Überlastung führen können [5]. Beides lässt uns ausbrennen.
Ich meine aber noch etwas anderes. Mir geht es um die kognitive Überlastung, also die Überladung des Gehirns, die Überforderung durch all die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind. Die Unfähigkeit, ab einem gewissen Punkt, eines davon als weniger dringend und bedrohlich zu betrachten als die anderen. Und genau das macht das (gefühlte) Gewicht des Rucksacks aus.
Probleme gab es früher auch. Es gab sie immer schon. Wir glauben vielleicht, dass sei nicht so, doch in Wirklichkeit, bekommen wir heute einfach nur viel mehr mit. Allein die Menge an Informationen, und das es nie aufzuhören scheint, zwingt uns in die Knie. Und wenn wir dann noch auf Social Media in den entsprechenden Gruppen sind oder uns gegenseitig mit (Bad) News versorgen, ist das Fassungsvermögen schnell erreicht. Und so ging es mir die ganze letzte Zeit. Bis ich darauf kam, dass ich ja nicht den Kopf in den Sand stecken muss. Ich muss einfach nur meinen Fokus finden. Ganz einfach …
Was macht der ständige Kampf um Aufmerksamkeit mit uns?
Wir leben in einer Ära der Aufmerksamkeitsökonomie. Eine Konkurrenz um das Gesehenwerden, um Reichweite und Relevanz. Es ist wie ein permanenter Diebstahl unserer Gedanken. Jede Benachrichtigung, jede neue Krise, jedes Zitat, jedes Bild oder Video, jedes vermeintliche Ereignis das uns drängt, jetzt an etwas anderes zu denken, raubt uns ein Stück Konzentration. Studien wie der D21-Digital-Index 2024/2025 zeigen mir: Die digitale Überlastung führt nicht nur zu Stress, sondern auch zu einer Erosion unserer Fähigkeit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren [6].
Das Problem sozialer Medien: Alles wirkt gleich. Ernsthafte Inhalte konkurrieren mit Werbung und Unterhaltung, oft gewinnt, wer am lautesten schreit. Politische Akteure und Medien verstärken dies durch emotionalisierte Berichterstattung.
(Prof. Dr. Tong-Jin Smith Professorin für Journalismus, Media University of Applied Science) [6]
Gleichzeitig zeigt die Psychologie, dass wer aktivistisch ist, also die Welt verändern will, besonders anfällig für diese Zerstreuung ist – weil man ständig zwischen verschiedenen Kämpfen, Pflichten und emotionalen Belastungen hin und her lavieren müssen [7]. Alles ist gleich wichtig, gleich bedrohlich, gleich eilig und ebenso flüchtig und unbedeutend. Denn die nächste Meldung, die nächste fatale Zahl, die nächste Katastrophe wartet schon. Das hält niemand aus.
Also worauf konzentrieren? Was tun? Wo anfangen? Es ist so, als würde man permanent brutale Filme und Serien konsumieren. Irgendwann stumpft man einfach ab, weil die Grenzen des Ertragbaren überschritten werden. Oder anders gesagt, der Rucksack ist übervoll.
Doch ohne Fokus wird Engagement zur Qual. Wir handeln nur noch reaktiv statt strategisch, verlieren uns in Details. Am Ende bleibt das Gefühl, irgendwie beschäftigt zu sein – aber nicht wirklich wirksam. Als ich das bemerkte, habe ich lange überlegt und mir auf einen Zettel geschrieben, was ich dagegen tun möchte. Oder positiv gesagt: Einen Plan aufgestellt, wie ich mir meinen Fokus bewahren kann. Denn ich will weiter aktiv sein, mich nicht verzetteln und vor allem, die Hoffnung nicht verlieren. Das Gefühl haben, dass ich mich in eine Richtung bewege. Was bewirken kann. Heraus kamen …
5 Maßnahmen, um den Fokus zu bewahren
- Definiere deine „Eine Sache“ – und verteidige sie wie eine Festung
Engagement beginnt nicht immer mehr zu tun, sondern klar zu entscheiden. Frag dich mal: Was ist der eine Hebel, der die größte Wirkung hat? Eine lokale Initiative, die Kampagne, das Buch, das du schreiben willst? Alles andere ist Ablenkung. Schreib es auf, häng es an die Wand, und wehre alles ab, was nicht direkt dazu beiträgt. Das ist kein Egoismus, denke ich. Es ist eine Rebellion mit Fokus. Finde dein Thema und deine ganz persönliche Art, die darum zu kümmern. Lade beides mit Aufmerksamkeit auf und meide Ablenkungen. - Schaffe dir kleine „Fokus-Rituale“ — nicht nur Zeitblöcke
Es geht nicht darum, „mehr Stunden“ zu arbeiten, sondern darum, die Qualität deiner Aufmerksamkeit zu schützen. Und genau da helfen kleine Rituale weiter: Das könnte ein tägliches 20-Minuten-Journaling sein, in dem du fragst: „Wofür habe ich heute eigentlich meine Energie gegeben – und war es das wert?“ Oder ein wöchentliches „Nein-Training“, in dem du bewusst eine Verpflichtung ablehnst, die nicht zu deiner „einen Sache“ gehört. Werfe deine Anker in die Brandung. - Trainiere deine „Ablenkungsmuskeln“
Unser Gehirn ist wie ein Muskel: Je öfter wir uns ablenken lassen, desto schwächer wird unsere Fähigkeit, uns zu konzentrieren. Leider. Aber dagegen kannst du was tun. Fang erst mal klein an: 5 Minuten ohne Handy, 10 Minuten ohne Multitasking, 15 Minuten mit voller Aufmerksamkeit auf deine Aufgabe. Dann steigere dich langsam. Du wirst merken: Fokus ist kein Zustand, sondern eine Fähigkeit. Ich arbeite gerade daran und merke sofort den Unterschied. - Baue dein „Fokus-Kollektiv“ auf
Allein durchzuhalten ist echt schwer. Suche dir Menschen, die ähnliche Ziele verfolgen – und verabredet euch zu regelmäßigen Check-ins. Nicht, um euch gegenseitig unter Druck zu setzen, sondern um euch zu erinnern: „Warum tun wir das eigentlich?“ Gemeinsame Klarheit schafft individuelle Resilienz. Wir überlegen gerade, ob wir solche Treffen veranstalten. Denn sie tun uns selber gut. - Akzeptiere, dass Fokus auch bedeutet, Dinge nicht zu tun
Der größte Feind des Fokus ist nicht die Faulheit, sondern die Illusion, alles schaffen zu müssen. Und zwar wirklich alles. Aber Engagement lebt nicht von deiner Hektik, sondern von der bewussten Auswahl. Frage dich jeden Tag: „Was kann ich heute weglassen, um mehr Wirkung zu erzielen?“ Manchmal ist das Revolutionärste, was du tun kannst, einfach stehenzubleiben und den Rucksack abzusetzen, statt mit ihm immer weiter zu hetzen.
Eine Welt, in der wir uns wirklich konzentrieren: Was wäre, wenn …?
ich stelle mir gerade vor, wir würden aufhören, uns zu verzetteln.Nur die Hälfte der Energie, die wir heute in Multitasking und Selbstzweifel stecken, in klare, fokussierte Handlung investieren – was wäre dann nicht alles möglich? Mich beflügelt das sehr.
- Unser Engagement würde uns und anderen Kraft geben, statt kosten
- Kampagnen würden nicht mehr im Chaos und Unmut versanden
- Debatten wären keine endlosen Schleifen, sondern zielgerichtete Dialoge
- Wir würden nicht mehr ausbrennen, sondern mit langfristig durchhalten.
Ich finde, das ist keine unerreichbare Utopie. Sondern viel mehr der Wunsch, die Regeln zu ändern.
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Für diesen Text haben wir die KI-Tools Neuroflash und LeChat genutzt. Es hat uns bei der Recherche des Beitrages unterstützt.
Links & Quellen
- [1] „New study suggests we have 6,200 thoughts every day“ . BIG THINK: https://bigthink.com/neuropsych/how-many-thoughts-per-day/
- [2] „How Much Information Does the Human Brain Learn Every Day?“ . Medium: https://medium.com/@askwonder/how-much-information-does-the-human-brain-learn-every-day-92deaad459a6
- [3] „The brain works at more than 10 bits per second“ . National Library of Medicine: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12320479/
- [4] „Mentale gesundheit: Die Suche nach innerer Balance in Politik und Aktivismus“ . Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunk.de/mentale-gesundheit-burn-out-politik-100.html
- [5] „PSYCHOLOGISCHE PERSPEKTIVEN IM KLIMAWANDEL: STRATEGIEN UND KONZEPTE“ . Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen: https://www.bdp-verband.de/fileadmin/user_upload/BDP/website/dokumente/PDF/themen/Klima_und_Psychologie/BDP-Bericht-2024_Psychologische-Perspektiven-im-Klimawandel_Strategien-und-Konzepte.pdf
- [6] „D21-Digital-Index 2024/2025“: https://initiatived21.de/publikationen/d21-digital-index/2024-25
- [7] „Aktivismus: Burnout oder Empowerment?“ . Sascha Heller: https://sascha-heller.de/buecher/aktivismus-burnout-oder-empowerment/

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