Wir können alles – ausser Hochdeutsch

Ich kann mich noch erinnern, wie mit einem mal in den 80er Jahren ein furchtbares englisch-deutsches Kauderwelsch die Wirtschaftswelt erfasste und aus den mir bekannten, Schlips tragenden „Wirtschaftsfachleuten“ plötzlich halbe Amerikaner machte.

Angesprochen auf die oft unglücklichen Anglizismen, kam meist nur etwas heiße Luft hinterher. Wer im internationalen Wettbewerb mitmischen wollte, war auf das „Denglish“, eine verquaste Mixtur aus Wirtschaftsenglischfetzen, platten Amerikanismen und deutschsprachigen Platitüden angewiesen. Grundsätzlich ja nicht schlimm, wenn Sprache sich verändert und erweitert – doch das hier war nicht mehr als stumpfsinniges Nachplappern. Eine paar Kostprobe gefällig?

[flash]http://de.youtube.com/watch?v=uqHd_Y3LOc0[/flash]

Es ist wirklich elend, lächerlich und peinlich. Wenn der Begriff „fremdschämen“ noch nicht erfunden wäre, hier würde er sich aufdrängen. Sicher, unser Bürokraten- und Aktendeutsch ist manchmal ziemlich gestelzt und absichtlich unklar formuliert. Trotzdem ist unsere Sprache zu reich, zu wertvoll und zu sehr ein Träger unserer Kultur, als das wir sie so einfach in den Rinnstein werfen sollten. Ein bisschen Denglish ist in Ordnung, etwas mehr noch gerade zu ertragen, aber zu viel ist wirklich zu viel.

Vor einiger Zeit sah ich eine Fernsehumfrage, bei der ältere Menschen gefragt wurden, wie gut sie mit den Veränderungen in der deutschen Sprache zurecht kämen. Denn mittlerweile haben die Anglizismen ja die Wirtschaftswelt verlassen und sind Hauptbestandteil der Werbung, der Technik und auch Jugendsprache geworden. Nicht gerade einfach.

So waren einige der älteren Herrschaften ganz verwundert, warum es in der letzten Zeit so einen explosiven Zuwachs an Cafe aus Togo gäbe („Cafe to go!“)… In den Werbeagebturen mag es ja „hip“ sein, wie ein Amerikaner zu klingen, aber denkt denn niemand darüber nach, dass die Werbebotschaft dann ins Leere geht?

Warum nur muss man glauben, dass alles was über den großen Teich zu uns kommt „cool“ ist? Das Ganze hat etwas von Mimikri, also dem Nachäffen fremder, beobachteter Verhaltensweisen – ohne Reflexion. Doch bei uns wirkt es eben nicht weltgewandt, sondern umso provinzieller – wie man im Video oben sehen kann. Muss dass sein? derStandard.at merkt hierzu an:

„Nicht jede Sprache saugt sich dermaßen voll mit englisch-amerikanischen Wortimporten wie das Deutsche. Die linguistische Résistance der Franzosen ist hinlänglich bekannt. Spannender noch läuft es auf Island, wo eine akademische Kommission laufend daran arbeitet, technologische bzw. soziale Innovationen mit einem Wort(-konstrukt) zu versehen, das aus dem Isländischen ableitbar ist. Das „Telefon“ heißt hier etwa sími (ein altes Wort für Draht), der „Computer“ tölva (eine nicht unoriginelle Vermischung der Wörter für „Zahl“ und „Wahrsager“) und „Software“ hugbunadur (wörtlich: „Denkausrüstung“). Na bitte, geht doch …“

Natürlich: Wer will auf so ein schnuckeliges Wort wie „Handy“ verzichten? Doch für eine ganze Reihe dieser Begriffe gäbe es durchaus Alternativen. Einige (wenn auch manchmal scherzhafte gemeinte) findet man bei e-fellows.net:

Assessment Center
: Auswahltagung, Auswahlverfahren, Auswahltagung, Personalauswahlverfahren durch systematische Charakterobservierung (kurz: Psycho)
Bachelor
: Baccalaureus
Master
: Magister
Brainstorming
: Gedankenaustausch, Ideensammlung, IFIS (Ideen-Findungs-Sitzung), Gedankensammlung, Gehirnstürmung
Browser
: Stöberer
City Group
: Ortsgruppe
Controlling
: Überwachungsrechnung
Customer Relationship
: Kundenbeziehungen
e-fellows
: E-Kommilitonen, Elektrokameraden
E-Mail
: Netzpost, Netzbrief, E-Post, E-Brief
e-fellows.net
: elektrokumpel.netz, talente.netz
Flip-Chart
: Papiertafel, Präsentationstafel
Global Player
: Weltunternehmen, Weltkonzern
Handy
: Motele (für Mobiltelefon), Funkfon
Hardware/Software
: Fest-/Weichware
High Potentials
: Hochqualifizierte, Hochprozentige, Hochpatente, Hochpotente
Homepage
: Netzpräsenz, Empfang(sseite)
Human Resources
: Personalwesen
Internet
: Weltnetz
Jobletter
: Stellenbrief
Joystick
: Spielknüppel
Laptop
: Klapprechner, Schoßrechner
Layout
: Graphische (Aus-)Gestaltung, Gesamtgestaltung
Marketing
: Vermarktung
Master of Business Administation:
Wirtschaftsmagister
Mentee
: Mentand
Mind Map
: Gedankenstruktur
Newsletter
: Infobrief, Rundschreiben
online/offline
: eingenetzt/ausgenetzt
Online-Banking
: Fernbanken
Outsourcing
: Geschäftsbereichsübertragung, Ausgliederung, Entlassungen ohne Negativ-Nachrichten (kurz: EON)
Handheld
: Handrechner
Portfolio
: Leistungsspektrum
Spam-Mail
: E-Müll
Supply-Chain-Management
: Lieferkettenplanung
Top-Event
: Spitzenspektakel, Spitzenereignis
Trainee
: Edelpraktikant
Unique selling proposition (USP)
: Alleinstellungsmerkmal
Young Professional
: Jungprofi, Junger Experte, Berufseinsteiger, Nachwuchstalent, Berufseinsteiger, Jungprofessioneller (oder Jungpro, ähnlich wie Azubi), nicht mehr so jungfräulicher Bewerber

(e-fellows.net)

Einen interessanten Artikel, der Anglizismen auch als Kostenverursacher sieht, findet man zudem hier.

Die neuesten politischen Bestrebungen die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern ist vielleicht etwas zu weit gedacht, doch der Sinn für unser Kulturgut, und das ist unsere Sprache, sollte nicht verloren gehen. UWenn man das Video auf dieser Seite ansieht, dann funktioniert auch das Argument nicht mehr, dass wer seine Sprache nicht internationalisiere, außen vor bleibe. Also: wenn schon englisch dann richtig! Ansonsten fällt es auf uns zurück. Nicht, dass einer der es wirklich kann noch auf den Gedanken kommt, er habe es hier mit ein paar Provinzlern zu tun.

😉

Autor: Marek Als kleiner Junge lief ich immer mit einem Bleistift in der Hand herum und fragte die Menschen in meiner Umgebung Löcher in den Bauch. Denn genauso stellte ich mir einen Reporter vor: wie einen Detektiv mit Schreibblock... Auch heute noch versuche ich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzutreten – so wie meine Helden von damals. Und das Projekt „Für eine bessere Welt“ ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
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