02 Aug 2008

Hintergrund: ASSE II – vom Versuchs-Endlager…

Keine Kommentare Umwelt & Tierschutz

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… zur gefähr­li­chen Alt­last.
Von 1967 bis 1978 wur­den in das ehe­ma­lige Salz­berg­werk in Rem­lin­gen im Land­kreis Wol­fen­büttel 125.000 Fäs­ser mit schwach radio­ak­ti­vem und 1.300 Fäs­ser mit mit­tel radio­ak­ti­vem Müll aus Atom­kraft­wer­ken und der Kern­for­schungs­an­lage Karls­ruhe ein­ge­la­gert. Die Ein­la­ge­rung wurde nach Berg­recht geneh­migt und als „ver­suchs­weise nicht rück­hol­bare End­la­ge­rung“ dekla­riert. Die Lage­rung wurde stets als „abso­lut sicher“ bezeich­net, obwohl die benach­bar­ten Berg­werke schon vor Jahr­zehn­ten abge­sof­fen sind.

Seit 1988 regis­triert die GSF einen per­ma­nen­ten Lau­gen­zu­fluss aus dem Neben- und Deck­ge­birge, des­sen Her­kunft bis heute unge­klärt ist. Die GSF kann des­halb die Stand­si­cher­heit nur noch bis zum Jahr 2014 garan­tie­ren. Stür­zen ein­zelne Kam­mern oder das gesamte Berg­werk ein, kann das radio­ak­tive Inven­tar der Fäs­ser (u.a. 12,5 kg Plu­to­nium) inner­halb kür­zes­ter Zeit in das Grund­was­ser gelangen.

Das Nie­der­säch­si­sche Umwelt­mi­nis­te­rium will II mög­lichst schnell schlie­ßen und hofft, so das Pro­blem gelöst zu haben. Wir wol­len hin­ge­gen die Frage geklärt haben, ob der Schlie­ßungs­an­trag einer atom­recht­li­chen Über­prü­fung stand­hält oder der Atom­müll wie­der raus muss.

Lauge dringt in das Berg­werk Asse II ein, Atom­müll ist schon drin. Der Bund will das Berg­werk „nass“ schlie­ßen und nach­wei­sen, dass die sich dadurch erhö­hende Strah­len­be­las­tung unter den Grenz­wer­ten bleibt. Doch er gibt Alter­na­ti­ven – lasst sie uns untersuchen.

Das Schlie­ßungs­kon­zept des Betrei­ber, der GSF (einer Toch­ter des Bun­des), sieht vor, das Atom­müll­la­ger Asse II mit Abra­um­salz zu ver­fül­len und den ver­blei­ben­den Poren­raum mit einer Flüs­sig­keit auf­zu­fül­len. Diese Flüs­sig­keit wird bin­nen 10 bis 100 Jahre die Atom­müll­be­häl­ter voll­stän­dig zer­set­zen, so dass Radio­nu­klide in Lösung gehen. Die dadurch gewor­dene Flüs­sig­keit wird durch den Gebirgs­druck aus dem der­zei­ti­gen Gru­ben­ge­bäude aus­ge­presst und gelangt so in die tie­fe­ren Salz­was­ser­schich­ten. Diese Schich­ten zie­hen sich von Mag­de­burg bis Hil­des­heim, vom Harz­rand bis nach Lüne­burg. Auch hier in der Region Asse exis­tie­ren viele Salz­was­ser­quel­len, die das kon­ta­mi­nierte Salz­was­ser von den Atom­müll­fäs­sern an die Ober­flä­che und somit in die Bio­sphäre trans­por­tie­ren kön­nen. Die Frage hier­bei ist: Wie schnell und wie viel radio­ak­ti­ves Mate­rial wird über die­sen Weg in die Bio­sphäre gelan­gen? Die Ant­wort dar­auf steckt im, noch unter Ver­schluss gehal­te­nen, Lang­zeit­si­cher­heits­nach­weis, den die GSF zu Beginn die­sen Jah­res beim Lan­des­amt für Berg­bau, Ener­gie und Geo­lo­gie (LBEG) in Clausthal-Zellerfeld ein­ge­reicht hat und der Mitte März mit lücken­haft und unvoll­stän­dig in der Ein­gangs­prü­fung beur­teilt wurde. Oder sollte man bes­ser schrei­ben, dass er hätte darin ste­hen sollen?

Das Kern­stück die­ses Lang­zeit­si­cher­heits­nach­wei­ses ist das Strömungs- und Trans­port­mo­dell, mit dem der Weg der Radio­nu­klide von den Atom­müll­fäs­sern bis in die Bio­sphäre vom Tage der Schlie­ßung bis in 10.000 oder 100.000 Jahre nach­ge­wie­sen wer­den soll. Die Grund­lage dafür bie­tet die »Nume­ri­sche Strö­mungs­me­cha­nik« (eng­lisch: com­pu­ta­tio­nal fluid dyna­mics, CFD). Diese fin­det unter ande­rem ihre täg­li­che Anwen­dung in der Wet­ter­vor­her­sage, deren Kor­rekt­heit schon bei Berich­ten über drei oder fünf Tagen deut­lich abnimmt. Oder auch bei Crash-Tests von Fahr­zeu­gen. Zum Auf­stel­len der dafür not­wen­di­gen Modelle und einer Erhö­hung ihrer Ein­tref­fens­wahr­schein­lich­keit wer­den diese CFD-Modelle stän­dig vali­diert, das heißt ihre Vor­her­sa­gen wer­den mit dem rea­len Ergeb­nis ver­gli­chen. Die­ses wird bewerk­stel­ligt, indem reale Autos gegen exis­tie­rende Wände gefah­ren wer­den oder das vor­her­ge­sagte Wet­ter mit dem tat­säch­lich ein­ge­tre­te­nen ver­gli­chen wird. Bei grö­ße­ren Abwei­chun­gen der Vor­her­sage mit dem rea­len Ergeb­nis wird das Model wei­ter­ent­wi­ckelt, so dass sein Ergeb­nis mit dem der Rea­li­tät übereinstimmt.

Und genau diese Vali­die­rung des Strömungs- und Trans­port­mo­dells der Schacht­an­lage Asse und sei­ner Umge­bung ist nicht mög­lich, da die Über­prü­fung der Simu­la­tion nur im nach­hin­ein in vie­len tau­sen­den von Jah­ren mög­lich wäre. Dadurch sinkt die Wahr­schein­lich­keit der Kor­rekt­heit signi­fi­kant – so stark, das das Ergeb­nis der Simu­la­tion genauso wahr­schein­lich wie auch unwahr­schein­lich im Ver­gleich zu jedem ande­ren Ergeb­nis wäre.

Um das Risiko der radio­ak­ti­ven Kon­ta­mi­na­tion nicht zu erhö­hen, sind in der oben beschrie­be­nen Gegend tun­lichst tie­fere Boh­run­gen zu unter­las­sen. Diese kön­nen sich als Weg­sam­keit für die Radio­nu­klide ent­pup­pen. Somit wurde hier die Nut­zung des nächs­ten Ener­gie­trä­gers, der wirt­schaft­lich aus­zu­beu­ten ist – der Geo­ther­mie – der Gar­aus gemacht. Auch das ver­brin­gen von CO2 unter die Erde in alte Lager­kam­mern von Erdöl oder Gas wäre zu risi­ko­reich. Durch das der­zei­tige Schlie­ßungs­kon­zept ent­ste­hen der hie­si­gen Region gra­vie­rende Nach­teile für eine nach­hal­tige Energieversorgung.

Was gibt es für Alter­na­ti­ven? Neben dem „nas­sen“ Schlie­ßungs­kon­zept des Bun­des besteht die Mög­lich­keit der „fes­ten“ Ver­fül­lung mit Beton, wie sie im ande­ren deut­schen exis­tie­ren­den Atom­müll­end­la­ger in Mors­le­ben ange­wen­det wird. Oder die Ver­wen­dung eines Füll­mit­tels das die Gebinde nicht zer­setzt oder für eine Immo­bi­li­tät der Radio­nu­klide sorgt wie ein Gel. Auch besteht die Mög­lich­keit, den Atom­müll oder Teile des Mülls wie­der aus der Schacht­an­lage zurück zu hoh­len um sie ver­ant­wor­tungs­voll end­zu­la­gern.
Es fehlt auf jeden Fall die wis­sen­schaft­li­che Aus­ar­bei­tung wei­te­rer Alter­na­ti­ven zum geplan­ten Kon­zept mit einer Gegen­über­stel­lung der Vor- und Nach­teile sowie eine Bewer­tung der ver­schie­de­nen Risi­ken – der Opti­ons­ver­gleich. Die­ses, mit Hilfe einer Wert­ana­lyse auf einem trans­pa­ren­ten Weg gefun­de­nes Ergeb­nis wird kein „gol­de­ner Weg“ sein, es han­delt sich dabei nur um das „kleinste Übel“.

Da die­ser Weg des Opti­ons­ver­glei­ches vom Bund zur­zeit nicht gewollt ist, bleibt uns nur, es gericht­lich zu erzwin­gen. Das der­zei­tige Schlie­ßungs­kon­zept beruht auf dem Berg­recht und der Strah­len­schutz­ver­ord­nung. Ein Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren nach Atom­recht ist für das Berg­werk Asse II nie durch­ge­führt wor­den. Die­ser Wech­sel nach Atom­recht erzwingt den Betrei­ber, einen Opti­ons­ver­gleich zu erstellen.

Diese Klag auf Atom­recht muss von einer natür­li­chen Per­son durch­ge­führt wer­den, juris­ti­sche Per­so­nen wie Gemein­den oder Land­krei­sen ist die­ser Weg ver­wehrt. Frau Irmela Wrede aus Mön­che­vahl­berg ist bereit, die­sen Weg zu gehen und gegen das Land Nie­der­sach­sen zu kla­gen. Um die Klage von Frau Wrede finan­zi­ell abzu­si­chern wurde der Asse-II-Rechtshilfefonds gegrün­det. Es sind Kos­ten von bis zu 40.000 € für die erste Instanz zu erwarten.

Einen Video­vor­trag zum Thema gibt es hier.

Des­halb rufen wir zu Spen­den und/oder Mit­glied­schaft im
Asse-II-Rechtshilfefonds auf
Konto-Nr. 112 723 3000
BLZ 269 910 66
Volks­bank Braunschweig-Wolfsburg

Termin-Tipps:
am Sonn­tag, 17.8 fin­det ein Vor­trag Klima-Camp in Ham­burg über Asse II hal­ten.
Die Uhr­zeit ist noch nicht klar.
Ort: im Zirkus-Zelt.

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung:
Asse II

Bild­quelle: Pixelio.de, Sergej23

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Geschrieben von
Als kleiner Junge lief ich immer mit einem Bleistift in der Hand herum und fragte die Menschen in meiner Umgebung Löcher in den Bauch. Denn genauso stellte ich mir einen Reporter vor: wie einen Detektiv mit Schreibblock... Auch heute noch versuche ich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzutreten – so wie meine Helden von damals. Und das Projekt „Für eine bessere Welt“ ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
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