Der Aufstand der Massen

Wer in diesen Tagen die Medienberichte verfolgt, aufmerksam in einschlägigen Blogs liest oder auch nur die Stimmungen in persönlichen Gesprächen und Diskussionen aufnimmt, stellt fest, dass sich die allgemeine Befindlichkeit verändert hat. „So kann es nicht weiter gehen!“, „Wir müssen was tun!“ und „Jetzt oder nie!“, sind nur einige der Ausrufe und Parolen in den unzähligen Blog-Kommentaren.

Und auch die großen Zeitungen, Fernsehprogramme oder auch leisen Zwischentöne in den Politiker-Talkshows machen klar: Es braut sich was zusammen – nicht nur bei uns, sondern überallt. Die von den Fachleuten noch im letzten Jahr gelobten Möglichkeiten der Globalisierung weichen den Konsequenzen, die der blinden Marktgläubigkeit nun folgen. Längst ist die Krise des Geldes zu einer Gesamtkrise der Systeme geworden und sie beschleunigt immer weiter. Die soziale Ordnung ist gefährdet.

Die Völker schreien auf und erzwingen zunächst nur den Rücktritt verantwortlicher Politiker – oder nehmen ihre Firmenchefs als Geisel – doch die zaghafte Flamme des Unmutes droht sich immer mehr zu einem lodernden Feuer und einem Flächenbrand zu entwickeln. Angesichts der Fehlentscheidungen in Politik und Wirtschaft fragt man sich: Qui bono – wem nützt es womöglich?

Meldungen wie „Regierung will 60 000 Briten für Terrorabwehr trainieren„, „Finanzkrise: In den USA bereitet man sich auf mögliche Unruhen vor “ oder „Europas Führung fürchtet soziale Unruhen“ zeigen, dass Politiker, verantwortliche Wirtschaftsfachleute und Medien die Möglichkeit nicht mehr ausschließen, dass ihre Untertanen sich irgendwann zur Wehr setzen werden. Denn Leidensdruck und Angst bei den Menschen werden immer größer und wachsen zu einer unbändigen Wut heran – Wut, die sich bald entladen dürfte, wenn sie nicht kanalisiert wird – und in anderen Länder bereits entlädt. Doch man braucht nur auf das eigene Land zu schauen und Politiker bei ihren Versuchen zu beobachten, die Gefahr herunter zu spielen.

Das sind dieselben Leute, die uns vor einigen Monaten die Globalisierung noch als eine Art „höhere Naturgewalt“ verkaufen wollten. Man erinnert sich an Talk-Runden, in denen jeder der auch nur den leisesten Zweifel am System äußerte von diesen Politikern und Wirtschaftsexperten arrogant abgebügelt wurden: Man habe die Gesetze des Marktes nicht verstanden, wolle womöglich den Sozialismus zurück oder sei einfach nur hoffnungslos sozialromantisch. Aber wer hatte nun Recht?

Wo kein Kläger…

Nun ist die Karre im Dreck. Doch dieselben Talk-Gäste plustern sich mit derselben Arroganz auf und tun so, als sei alles nicht abzusehen gewesen. Als seien nur ruchlose Banker Schuld. Irgendwelche Spekulanten fernab auf den Börsenfluren und in den Broker-Büros dieser Welt – auf jeden Fall in den USA – aber nicht wir. Da fragt man sich doch gleich, warum nun unsere Banken in die Schieflage gerieten. Wurde nicht auch in Deutschland mit diesen faulen Papieren hantiert? Wurden nicht auch in Frankfurt, München, Berlin oder Hamburg die Augen der Banker – und wohl auch Politiker in den Vorständen der Landesbanken – feucht, beim Gedanken an exorbitante Gewinnmitnahmen? Es ist eine Ausrede und ein heuchlerische dazu, die Schuld von sich zu weisen, denn auch hier in Deutschland wurde feste mitgezockt. Aber wo kein Kläger ist, da kommen die Schuldigen ungeschoren davon.

Mal ehrlich: Unser System war schon vorher marode und drohte in sich zusammen zu fallen. Bereits 1989, als westdeutsche Politiker die bankrotte DDR verlachten, stand es um die westliche Wirtschaft nicht zum besten. Doch dieser historischen Augenblick wurde nicht genutzt, um die Frage nach einem neuen, nachhaltigeren System zu stellen, sondern nun rückten ganze Heerscharen fliegender Händler und Spekulanten aus, um im Osten Profite zu machen, Enteignungen durchzuführen, alten Ramsch hochgepreist zu verkaufen. Lastwagen wurden mit wertlosen Produkten voll gestopft, um sie den „dummen Ostlern“ anzudrehen. Doch wirklich dumm waren genau diese „Let´s go East-Goldgräber“, die von der Profitlust übermannt zu Hasardeuren in eigener Sache wurden. War das etwas anderes, als die Heuschrecken, über die wir uns heute beklagen? War das eine andere geistige Haltung als die, die wir jetzt den Finanzjongleuren vorwerfen?

Die große Krise – nur ein unglücklicher Zufall?

Der 11. September hat die Welt verändert. Mal abseits von der Terrorhysterie entschlossen sich damals die Verantwortlichen in den USA, um einer Wirtschaftskrise vorzubeugen, den Kreditzins erheblich abzusenken. Dies führte zu einem Bombast an Finanzprodukten und zu einer Zunahme von Kreditangeboten für Menschen, die sich diese Kredite gar nicht leisten konnten. Insbesondere der Immobilienmarkt wurde überschwemmt von winkeligen Verkaufskonzepten, die die Banker mit Nachdruck verkauften, um sich satte Provisionen zu sichern.

Diese Schuldverschreibungen wurden ihrerseits gebündelt und weiter verkauft, so dass dann irgendeine Bank auf der Welt die Schuldpapiere im Tresor hatte. Nachdem klar wurde, dass die Gelder nicht zurück gezahlt werden konnten, zumal die Zinsen nun wieder gestiegen waren, kam der Markt gehörig ins Wanken – verstärkt durch den Preisverfall im Immobilienbereich. Die Spekulationsblase platzte und riss nach und nach alle beteiligten Banken in den Abgrund. Soweit die offizielle Version. Doch schuldlos waren diese internationalen Banken keinesfalls. Wer das behauptet, verschleiert, dass es sich hier um ein weltweites Spekulationsdysaster handelt. Oder gar um noch mehr?

Die inoffizielle Version klingt auch nicht schöner und ist keinesfalls beruhigender. Denn wenn man sich auch nur ein wenig mit dem Thema Bank und Geld beschäftigt, dann tauchen Fragen auf, die noch viel gravierender sind:

  1. Eine Bank lebt unter anderem davon, dass sie das Geld der Besitzenden an die Besitzlosen verleiht. Wer also Vermögen besitzt und es bei der Bank einzahlt, der verleiht es letztlich an deren Kreditnehmer. Und er wird es auch zurück fordern, mit Zinsen versteht sich… Fragen: Wem gehören die Banken? Wem gehört das Geld das „verloren“ wurde? An wen zahlt es die Bevölkerung über Staatsschulden nun zurück?
  2. Wer druckt das Geld? Immerhin handelt es sich ja erst mal nur um Papier und Münzen, auf dessen Werte man sich geeinigt hat. Die Zinspolitik und auch die Geldmenge werden von den jeweiligen Zentralbanken festgelegt – doch wem gehören diese eigentlich? Auf jeden Fall nicht dem Staat und damit nicht dem Volk. Sie sind in privater Hand. Frage: Gibt es hier ein „Lizenz zum Gelddrucken“ für eine Handvoll Privatleute und Konsortien?
  3. Wem gehört die Welt? In den letzten Jahren wurde mit der Ausrede „das ist das Gesetz der Globalisierung“ jedwede Regelung des Marktes verteufelt. Und das von allen großen Parteien… Ein Freibrief für diejenigen, die über so viel Kapitalmacht verfügten, um Industrien und Staatseigentum weltweit zu filetieren. Das Konzept: Kaufen, zerschlagen, verkaufen – natürlich mit hübschen Profit. Was sich wehrte wurde platt gemacht. Fragen: Wandert hier also Vermögen sprichwörtlich von der rechten in die linke Tasche? Was passierte mit dem „abgezwackten“ Geld?
  4. Der Kapitalmarkt ließ Spekulationen mit fiktiven Werten zu, die mit der echten Wirtschaft und der realen Industrie nichts mehr zu tun hatten. Auf diese Weise wurden unglaubliche Summen angehäuft, die wiederum brutal eingesetzt wurden, um Reales zu kaufen, zu zerschlagen und zu verkaufen. Frage: Warum ließen Volksvertreter dies zu? Und warum haben diese Politiker heute noch immer etwas zu sagen? Warum lässt die Bevölkerung das zu?
  5. Unter dem Deckmantel der „Finanzkrise“ wurden Unternehmen zerschlagen und in den Bankrott getrieben – es reicht ja, wenn die Bank plötzlich den Geldhahn zudreht. Mit dem Zauberwort „Rettungsschirm“ wurden sodann von der Bevölkerung verbriefte und verbürgte Milliardenbeträge in die Banken gepumpt und fielen somit wieder in die Hände derer, denen die Banken gehören. Komplette Industrien und Länder wurden durch diesen Prozess ganz einfach ausgelutscht und willfährig gemacht. Frage: Handelt es sich bei der Krise eher um eine weltweite Enteignungskampagne? Was sind die Ziele – nur noch mehr Profit, oder soll das Geld für einen speziellen Zweck verwendet werden?

Unsere Volksvertreter ließen es nicht nur zu, sondern unterstützen den Prozess sogar. Dabei spielen Ideologien, spielt Links und Rechts überhaupt keine Rolle. Wer jedoch dagegen moralisch argumentierte, wurde als linker Querulant dramatisiert; als gewaltbereiter Antidemokrat oder gar Anarchist kriminalisiert. Wer aufbegehrte und das System in Frage stellte, wurde – und wird – rein rhetorisch bereits in den Bereich terroristischen Gedankenguts hinein definiert.

Die Medien, mittlerweile selbst dem internationalen Spekulantentum anheim gefallen oder durch Kommerzialisierung unter der Knute der Werbetreibenden, verloren die Distanz und ihren Auftrag aus den Augen. Von wegen „unabhängig“ und „überparteilich“… Sie schauten nicht mehr länger den Mächtigen auf die Finger, sondern ließen sich zu Hofberichterstattern degradieren. Ganz gleich, ob Zeitungen, TV oder Radio – (fast) nirgendwo wurde (und wird) den Problemen wirklich auf den Grund gegangen. Man läuft nicht nur sehenden Auges ins Verderben, sondern schreibt es sogar herbei und greift jeden an, der es anders sieht. Warum?

Heute steckt nicht nur der Karren im Dreck, sondern auch der Kutscher, der ihn fuhr. Wen wundert es also, wenn die Wut wächst? Und wen wundert es, wenn sich die Regierungen nun rüsten und auf den Aufstand der Massen vorbereiten? Doch warum wurde vorher nichts getan, um das Problem zu lösen? Das es nicht so weiter gehen kann, das war doch vorher schon klar. Das es in einem Dilemma endet, war seit Jahren absehbar. Haben wir es hier wirklich nur mit Doofheit und Ignoranz, mit Eigeninteressen und reiner Profitgier zu tun oder steckt nicht doch mehr dahinter?

Warum wird an unsinnigen Theorien festgehalten?

Wir wissen – und das nicht erst seit heute – dass unser Wirtschaftssystem krank ist. Auch wenn wir es selbst nicht so merkten – ein Blick in andere, ärmere Länder zeigt seit Jahrzehnten, dass wir stets auf ihre Kosten und zu ihrem Schaden handelten. Die unsinnige Philosophie des Wachstums erscheint, wenn man sich die Endlichkeit des Planeten und seiner Ressourcen anschaut, genauso offensichtlich. Ganz einfach gesprochen: Andere Menschen mussten in Armut leben oder sogar mit ihrem Leben bezahlen, nur weil wir bei uns in Saus und Braus leben und ständigen Wachstum wollten. Nur vorher hat es die Industrienationen kaum gekratzt, und die internationalen Konzerne (mit Freibriefen der Politiker ausgestattet) hatten leichtes Spiel, diese Länder in ihre Klauen zu bekommen.

Ein System des brutalen Sozialdarwinismus, dass nur auf den kurzen Gewinn schielte, nie aber auf ökologische oder soziale Konsequenzen. Diese Konsequenzen sind da und jetzt bekommen wir es auf ein Mal mit der Angst zu tun. Wo aber war unsere Wut vorher, als es uns noch gut, und „nur“ den anderen schlecht ging? Warum aber halten viele „Experten“ an dem alten System fest? Geht es ihnen nicht um das beste, was heißt nachhaltigste, sondern um das für sie profitabelste System?

Alles spricht dafür, denn so beratungsresistent sollte niemand sein – und schon gar nicht, wenn er Verantwortung für Millionen Menschen hat und sich des Volksvermögens bedienen kann… Was wir für pure Dummheit halten könnten, scheint jedoch nichts weiter zu sein, als ein gewollter Fahrplan ins Chaos. Denn die Märkte – und das war abzusehen – waren vorher schon übersättigt, ausgelutscht und somit unrentabel geworden. Für manche politische Strategen der Startschuss für die globale Neuordnung, welche sich nun durch die Zerschlagung der Wirtschaftssysteme und ein soziales Chaos durchsetzen soll. Je chaotischer, desto besser, denn nur so ist wenig Gegenwehr zu erwarten.

Der Aufstand der Massen erscheint als logische Folge der politischen Verfehlungen, denen wir tatenlos zugesehen und davon profitiert haben, doch er könnte auch der Durchsetzung globaler Allmachtsansprüche dienen. Ansprüche, die sich systemisch so nicht durchsetzen lassen, doch im rechtsfreien Raum chaotischer Zustände wie von selbst ergeben könnten.

Ein Problem mit System

Wenn man sieht, dass längst alle Märkte bei uns gesättigt sind, Maschinen die Arbeiter immer weiter verdrängt haben und die Idiotie des Wachstums an ihre natürlichen Grenzen gestoßen ist, dann wundert man sich auch nicht mehr über die Strategien der Regierungen. Hier ein paar Stationen auf dem Weg ins Dilemma und politische Aktionsmuster, die wir weltweit beobachten können:

  1. Setze zunächst die Forderungen der Wirtschaft um (Liberalisierung der Märkte)
  2. Dulde Ungerechtigkeit, solange sie Dir und/oder dem Kapital Vorteile bietet.
  3. Unterdrücke dabei alle Bewegungen, die sich dem Prozess in den Weg stellen.
  4. Halte die Massen dumm und abhängig – lenke sie ab und beschäftige sie mit Unwichtigem.
  5. Siehe tatenlos zu, wie Volkswirtschaften und sozialen Systeme durch Privatisierung und Profitstreben zerstört werden.
  6. Drohe jedem der sich dagegen äußert mit fürchterlichen Konsequenzen für das Gemeinwohl.
  7.  Schaffe ein Bedrohungszenario, um Andersdenkende als Sympathisanten zu kriminalisieren.
  8. Begründe die Beschneidung der Freiheit mit dem Wunsch, eben diese Freiheit zu erhalten.
  9. Bereite Dich (in „guten“ Zeiten) auf den großen Sturm vor, rüste auf und schaffe Gesetze.
  10. Inszeniere eine weltweite Krise, um widerspenstige Staaten zu zügeln.
  11. Sauge möglichst viel Kapital aus der realen Wirtschaft, von den Staaten und Bürgern ab.
  12. Sähe Zwietracht unter den Menschen („Teile und herrsche“).
  13. Sähe Zwietracht unter den Völkern und liefere ihnen Waffen, am besten an alle gleichzeitig.
  14. Vereinnahme die Medien für Deine Zwecke und lass sie Deine Lügen verbreiten.
  15. Schaffe ein Klima gegenseitigen Misstrauens, des Neids und Egoismus.
  16. Zentralisiere regionale Gewalt in internationalen und regionalen Allianzen.
  17. Regiere diese nun zentralistisch, so wie Du es willst und sorge für chaotische Zustände.
  18. Führe dann die Zentralregierungen zu einer einzigen „Rettungszentrale“ zusammen.
  19. Unterstelle alle Gesetze, militärische und politische Gewalt dieser „Weltzentrale“.
  20. Legitimiere sodann militärische Gewalt unter dieser Weltzentrale… und lege dann los.

usw.

Diese Liste ließe sich noch weiter führen, doch diese 20 Punkte reichen schon, um ein Gefühl für den Gesamtplan zu entwickeln. Gerade der Punkt 12 bildet sich schon seit einiger Zeit in der Medienwelt und im Internet gut ab. Denn man kann nicht gerade von Vertrauen und Zusammenhalt sprechen, wenn man sich unsere Gesellschaft ansieht.

Das Prinzip „Teile und herrsche“ ist alt, doch es funktioniert noch immer. Und so muss man mit ansehen, wie der Aufstand der Massen, der ein Aufstand der Vernunft sein sollte, womöglich zu einem Chaos anzuwachsen droht, in dem die Verursacher leichtes Spiel haben. Denn sind die Massen erst mal außer Rand und Band, dann kann gegen sie „legitim“ vorgegangen werden – zum Beispiel durch Ausrufung des Notstands.

Und man kann sagen, das Politiker, Wirtschaftslobbyisten und große Medienhäuser alles daran gesetzt haben, Probleme ins Leben zu rufen und auszuweiten, die Ungerechtigkeit, Spaltung, Wut und womöglich Aufruhr nach sich ziehen. Lediglich ein kleiner Anteil unabhängiger Medien stemmt sich dagegen, wird jedoch entweder mundtot gemacht, dämonisiert oder gar nicht wahrgenommen.

Was kommt am Ende heraus?

Gewiss, irgendwann muss man aufschreien. Irgendwann ist der Leidensdruck zu groß. An die Einsicht der Politiker und Wirtschaftsverantwortlichen zu appellieren dürfte jedoch erfolglos bleiben. Die Wut ist verständlich… Wer ständig mit Katastrophen konfrontiert, mit Sozialneid vollgepumpt und mit existenziellen Ängsten klein gehalten wird, kann diesem Druck nur bis zu einem gewissen Grad widerstehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Gefahren von Außen betrachtet tatsächlich vorhanden sind oder von den Medien nur als Spektakel inszeniert werden.

Irgendwann ist Schluss. Bei den Deutschen dauert das immer etwas länger, da sie nun mal den Autoritäten hörig sind, doch dann wird es besonders unappetitlich. Wer nun an die „friedliche Revolution“ in der DDR denkt, sollte zumindest den Gedanken zulassen, dass hier der Westen in besonderer Weise mit agierte. Der Stolz sollte also eher der eigenen Courage gelten als dem tatsächlichen Erfolg. Denn immerhin gehörte sehr viel Mut und auch Rückrat dazu, gegen die Herrschaft der damaligen Elite aufzubegehren. Ob es jedoch noch einmal so friedlich abgehen würde, darf bezweifelt werden – denn immerhin hatte der Westen ein Interesse am Ost-Markt (um seinen eigenen Zerfall hinauszuzögern).

Der  Aufstand der Massen muss vielmehr ein Aufstand der Courage und des gerechten Empfindens sein. Denn es bedarf mehr als Wut, um die Probleme zu lösen und einen Weg in die Zukunft zu finden. Diese Courage muss von den Menschen ausgehen, von jedem Einzelnen. Es geht nicht um Revolte. Es geht nicht um Straßenschlachten, Zerstörung und Gewalt, sondern um neue Strategien.

Denn: Wer sollte nach einer Revolution die Thröne besteigen? Die Wütenden? Die Unversöhnlichen? Oder wieder die alten Verursacher? Wie kann garantiert werden, dass die Welt nicht wieder zu dem wird, was sie bis vor kurzem war? Ein gnaden- und seelenloser Ort, an dem jeder nur an sich und die seinen denkt. Ein Ort, an dem das Materielle höher geachtet wird, also das Geistige? Ein Ort, an dem die Reichen und Mächtigen die Helden sind, und nicht die Guten und Gerechten?

Wenn der (unvermeidliche) Aufstand erfolgreich sein soll – schlimm das es überhaupt so weit kommen muss – dann muss er schlauer sein, durchdachter und vor allem gerechter und weiser. Ansonsten haben wir es mit neuen Herrschern zu tun, die im Geiste aber nicht anders sind – nur eben vorher zu wenig Macht hatten. Es gibt andere Wege als das Chaos, doch wann und wo wird darüber gesprochen werden? Wer nimmt es in die Hand? Wem kann man wirklich vertrauen? Das sind die Fragen, die sich die Menschen zunehmend stellen. Sie zu beantworten wird wichtiger sein, als der Aufstand an sich.

Noch habe ich bei denen die die Wut anheizen und Dritten Schuld zuweisen, keine wirklichen Lösungen gehört. Diejenigen die Lösungen haben/hätten, aber sich nicht selbst in den Vordergrund drängen, werden hier kaum wahrgenommen. Wenn also keine Alternativen angestrebt werden, dann wird es uns gehen wie den beiden Bauernkindern, die so lange um einen Laib Brot kämpfen, bis sie nur noch Krümel in den Händen halten. Ohne Einigkeit wird es keinen Erfolg geben und ohne Alternativen keine Zukunft.

Bildquellen: A. Dreher, Pixelio.de
Autor: Marek Als kleiner Junge lief ich immer mit einem Bleistift in der Hand herum und fragte die Menschen in meiner Umgebung Löcher in den Bauch. Denn genauso stellte ich mir einen Reporter vor: wie einen Detektiv mit Schreibblock... Auch heute noch versuche ich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzutreten – so wie meine Helden von damals. Und das Projekt „Für eine bessere Welt“ ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
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9 Antworten auf "Der Aufstand der Massen"

  1. Nibiru 8 Jahren ago .Antworten

    Es ist schwierig, hier die Kräfte auseinander zu devidieren. Nach meiner Erfahrung gibt es, was den Grad gesellschaftlicher „Verschlagenheit“ betrifft, keine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Gruppen in der Bevölkerung. Wer unredlich handelt, dazu noch Geld und Macht im Rücken hat, hat natürlich einen größten Wirkungskreis. Doch das heisst nicht, dass jemand ohne dies sich redlich verhält. es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, für das wir eine Lösung brauchen.

    Nibiru

  2. otto 8 Jahren ago .Antworten

    Liebe Leser, liebe Blogger

    so können wir nur hoffen, dass aufgeklärte menschen und konzepte der retardierung und dem feudalen system des angehenden 21. jahrhunderts den gar-aus garantieren und diesen erwirken!

    Diabolos und satanas in gestalt von habgier und nötigung – wir sollen mit unserem „demokratischen, aktiven Wahlrecht“ diesen verlogenen dreckshaufen verjustierter und deregulierter idioten auch noch legitimieren – seit schröder und fischer, kohl und a.m. fällt dieses land in praelutherische um nicht zu sagen in vor-christliche zeiten zurück: damit ist gleichzeitig die aufklärung futsch (kant, voltaire et cetera ) und das christlich welt- und wertebild!

    Was hat die römische, was die griechische , was die us-amerikanische und davor die britische weltordnung so dekadent und irrwitzig werden lassen ? Die gier, die gier und die gier !!!!!

    Rechtsgelehrte und pharisäer, blaublüter und andere erbschleicher raus aus ihren allmachtsträumen, weg von ihren mikros (den medien) und vernichten ihres alchmistischen gebräus, was so fal und fad schmeckt und den zweck verfehlt zu betäuben, das volk, den alten lümmel !!!!

    Jagt sie aus ihren ämtern, aus ihren büroetagen, landtagen und reichstagen von denen aus sie unheil stiften und brandschatzend wir raubritter das land (in der substanz: ein fruchtbares L.) verheeren !!

    Das muss whr tun: das geht nicht ohne abschiedstränen der amts-,protektions- und privilegienverliebten landes- und volksverräter !!

    LG, ein dreifaches hoch an die echte&ungeheuchelte menschenliebe … otto n.

  3. Jürgen 10 Jahren ago .Antworten

    Ich habe den nachfolgenden Text im Internet entdeckt, den ich toll finde und jetzt überall hin verschicke. Per Internet erreicht man viele Menschen. Es entstehen wenig eigene Kosten und man kann damit Betroffene und Verursacher erreichen. Vielleicht bewegt das etwas:

    Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel …

    Ich habe eine ganz tolle Idee, die Sie und andere Volksvertreter begeistern könnte: Eine „Abwrackprämie für Menschen“ ab 50+. Ein tolles Konzept, das ich Ihnen als Betroffener vorstellen möchte:

    Als Folge der maßlosen Gier unsere Banker, dem rücksichtslosen Streben unserer Mitmenschen nach immer mehr (was auch immer), dem ewigen Größenwahn von Managern und Politikern, habe ich zum Jahresanfang einen langen und hart umkämpften Arbeitsplatz verloren und dazu noch einen tollen Chef.
    Zwei Jahre lang war ich zuvor erwerbslos, habe bis heute über 800 Bewerbungen und Anfragen ergebnislos verschickt und bin in wenigen Wochen HARTZ IV – Empfänger, weil mich die Gesellschaft (Personalvermittler, Personalchefs und all die Leute, die mich gar nicht kennen) nicht wollen oder eine Chance geben.
    Mit HARTZ IV verliere ich alles, was ich mir in den Jahren meines Lebens in diesem Land angeschafft habe. Dafür wird der Gerichtsvollzieher schon sorgen. Mit dem Zwangsverkauf meines Wagens habe ich in der tiefsten Provinz nicht mal mehr die Möglichkeit, auf Jobsuche zu gehen bzw. zu Vorstellungsgesprächen zu fahren, wenn denn noch mal welche zustande kommen.

    Inzwischen musste ich lernen, dass alles was ich bis heute an umfangreichen Erfahrungen, Kenntnissen und Qualifikationen angesammelt habe, niemanden interessiert und junge, pickelige Personalchefs und Personalsachbearbeiter/innen mit 22 Jahren auch gar nicht wissen und einschätzen können, welchen Schwung und Dynamik ich zusätzlich noch mitbringe. Sie bestimmen aber mit ihren Ferndiagnosen über meine Existenz und mein Leben.
    Da ich zudem noch den Makel besitze, demnächst zur „50+ Generation“ zu gehören, sind Lebenslauf und Zeugnisse von vornherein unwichtig und zweitrangig.
    Ihre aufmunternden Worte „In jeder Krise liegt auch die Chance für einen Neuanfang“, war sicherlich nicht für unsere Altersgruppe gedacht. Denn all die, die in diesem Alter ihre Existenzgrundlage verlieren, werden nie wieder Arbeit finden. Politiker sind ja professionelle Sprücheklopfer, Das erkennt man auch an dieser Aussage: „Wir werden verstärkt aus der Krise gehen!“ Ja, das stimmt, denn Politiker haben keine Existenzangst und überstehen jede Krise, in dem die einfach ausgesessen wird und Unternehmer haben sich dann mit Staatshilfe so gesundgeschrumpft, dass sie die „Alten“ praktisch losgeworden sind. Sie glauben wirklich an das, was auch Sie sagen? Nach der Krise kommt der große Aufschwung? Das mag schon sein, aber für wen? Nicht für die „Abteilung 50+“ !!!!!!!!!

    Um es etwas abzukürzen:

    Ich lebe in einem Land und dort in einer strukturschwachen Region, Unternehmen sind an mir nicht interessiert, alle Bewerbungen führen zu nichts und mit HARTZ IV findet bei mir der große „Ausverkauf“ statt, denn mit HARTZ IV beginnt für mich die Armut und ich muss alles verkaufen, was irgendeinen Wert hat, bevor der Gerichtsvollzieher alles abholt. Ich bin nicht verantwortlich für Bankenkrise, Wirtschaftskrise, Rezession, Fehlentscheidungen, Missmanagement und asozialem Verhalten der Bevölkerung gegenüber, aber ich muss nun alles alleine ausbaden, wofür andere verantwortlich sind ????? All das lassen Sie zu? Das Menschen die Bankenkrise jetzt ausbaden müssen? Alles geht so weiter, als wenn nichts passiert ist ?????
    Banker, Manager und „Volksvertreter“ sind für all das verantwortlich, weil sie vor lauter Geltungssucht und Raffgier den Hals nicht voll bekommen und ich muss nun damit rechnen, dass auf Grund meiner Arbeitslosigkeit der Gerichtsvollzieher meine Wertsachen abholt, weil ich meinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann ???? Wo bitte bleibt für Menschen in meiner Situation die staatliche Hilfe, Existenzerhaltungskredite, Bürgschaften? Wo bleiben staatliche Hilfsmaßnahmen für die, die alles verlieren, das bisschen an Hab und Gut, das sie sich in ihrem Leben angeschafft haben ????
    Alles was uns jetzt bleibt, sind 20 Jahre bis zum Renteneintrittsalter von 70 (wenn man es bis dahin überhaupt schafft), anschließend Altersarmut, alleine / isoliert leben und sterben, niemand interessiert sich für unser und mein Schicksal und dann ist man noch in einem kleinen Dorf gestrandet, von dem man nicht mal mehr ohne fremde Hilfe weg kommt.

    Da Sie und Ihre Volksvertreterkollegen ein bzw. zwei Konjungturpakete verabschiedet haben, von denen ich / wir wie üblich noch nichts abbekommen habe, skrupellose Banker und Mitmenschen Millionen von Menschen in die Arbeitslosigkeit schubsen, die für all das, wie auch Volksvertreter, niemals zur Rechenschaft gezogen werden und wir Bürger am Ende der „Nahrungskette“ wie Arschlöcher und Sklaven von Profit und Gier behandelt werden, die noch nicht einmal mehr berufliche Zukunftsperspektiven haben und ihrem Schicksal, das durch andere verursacht wurde, alleine gelassen werden, schlage ich nun die „Abwrackprämie für Menschen“ vor. Sie hatten mit dem Vorläufer „Abwrackprämie für alte Autos“ doch so einen großen Erfolg. Der könnte sich doch wiederholen !!! ??? Sehen wir das doch mal ganz pragmatisch:

    „Alte Menschen“ oder die, die auch schon ab 40 für die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt offensichtlich völlig wertlos geworden sind, die von Personalchefs und Volksvertretern nicht mehr beachtet und geachtet werden, sind in diesem asozialen Sozialstaat Deutschland ungeliebt. Es werden immer mehr und niemand will sie. Zudem sind diese Menschen so dreist und wollen auch noch eine Rente bzw. Altersversorgung. Unverschämte Forderungen, denn die Verantwortlichen habe die Rentenkassen ja schon längst geplündert. Mit HARTZ IV und dem bevorstehenden Renteneintrittsalter (= je leerer die Rentenkasse, desto höher das Renteneintrittsalter) von 70 kann man die jammernden Alten ab 50 einigermaßen ruhig halten. Unterkunft, Scheibe Brot in die Wohnung werfen und dann muss Ruhe sein. Übrigens ist das auch von unseren „Volksvertretern“ Peter Hartz und Wolfgang Clement raffiniert gelöst: Wie bekommt man es hin, dass wir einen lästigen Teil der Bevölkerung los werden oder „ruhig stellen“ HARTZ IV = Schnauze halten und ab in die Armut. Gilt natürlich nicht für Politiker. Bei einer unbegrenzten Anzahl von Nebenbeschäftigungen in Aufsichtsratvorständen hat man auch kaum Zeit, sich um die Bedürfnisse des gemeinen Volkes zu kümmern. Mit 40 bekommen viele schon keine Arbeit mehr, weil sie unter anderem „zu alt“ in unserer Gesellschaft sind. Das gilt natürlich nicht für verkalkte Politiker / Betonköpfe, die noch mit über 65 an ihrem Stuhl / an ihrer Macht kleben. Politiker, egal woher sie kommen, egal was sie gelernt haben und egal wie unfähig sie sind, werden nie ihren Job los, nur weil sie zu alt sind. Zurück zu meiner tollen Idee:

    Also, wie wäre es, wenn eine „Abwrackprämie für Menschen ab 50“ (auf Wunsch auch eher) eingeführt wird. Gilt dann für all diejenigen, die in unserem asozialen Land unerwünscht sind und das Land leider nicht mit ausreichend Eigenkapital verlassen bzw. auswandern können (es sind laut Medien seit einigen Jahren jährlich ca. 100.000). Endlich verlassen die Deutschen freiwillig ihre Heimat. Warum das wohl so ist?
    Für die, die zurückbleiben und die asoziale deutsche Mentalität weiter ertragen müssen dieser Vorschlag:
    Sie bzw. die Bundesrepublik bezahlt allen, die freiwillig von der „Langen Anna“ auf Helgoland springen, eine bestimmte Summe im Voraus. Das Geld wird von den Betroffenen noch einmal auf einer Weltreise als „Abschlussfeier“ verjubelt, letzte Stopp wäre dann Helgoland und nach dem Sprung vom Felsen kehrt endlich Ruhe in der ewig jammernden Bevölkerungsschicht ein. Volkswirtschaftlich ist das eine tolle Idee: Jammernde Erwerbslose, die in diesem Land nie wieder Arbeit finden, sind Sie dann los, die Zahl derjenigen, die so dreist sind und HARTZ IV überleben und dann noch Rente einfordern, wird reduziert, die Sozialkassen werden entlastet, es werden mehr Wohnungen frei. Millionen von Menschen ab 50, die sich immer wieder erfolglos bewerben entlasten somit die Unternehmer und den Rest der Bevölkerung. Und ganz wichtig: Niemand wird diese ewig nervenden Fragen stellen: Wo ist das Geld der Rentenkassen geblieben? Immer weniger werden endlich immer mehr raffen können, die nur noch von Ihnen vertreten werden und zwar in einer „Einheitspartei der Reichen und Schönen“. All das, was unsere Volksvertreter begeistern wird: Hemmungslos reich werden!!! Und diese tolle Idee fördert das bereits gute Verhältnis der jungen Generation gegenüber den Alten, für die sie nicht mehr aufkommen müssen und die ihnen bei der Karriere im Weg stehen.
    Wir, der „Kaffeesatz der Bundesrepublik“, die über keine Vertretung in der Gesellschaft verfügt, würde dann nach und nach immer weniger werden, denn was haben wir für eine Zukunft in einem Land, in dem uns niemand mehr will, wir für den Rest der Bevölkerung nur eine Belastung und Belästigung darstellen?
    20 Jahre mit HARTZ IV und völlig perspektivlos mit Sklavenarbeit (= 1-€-Jobs) dahinvegetieren? Ist da eine „Abwrackprämie für Menschen“ und Sterbehilfe nicht humaner? Viele Bundesbürger/innen vereinsamen durch HARTZ IV, leben und sterben alleine und warten nur noch auf einen „schnellen Abgang“. Wo bitte, liebe Frau Merkel, sind wir noch ein Sozialstaat, wenn es für die Bevölkerungsgruppe ab 40 keine Existenzmöglichkeit in einer der reichsten Industrienation der Welt gibt?

    Die Bundesregierung und alle Parteien haben das große Glück, dass über 20 Millionen HARTZ IV –Empfänger und Rentner schweigen und alles wie eine dumme Schafherde hin nimmt, die zum Schlachthof gefahren wird. Einmal regt man sich noch auf, es wird einmal geblökt und sich dann dem Schicksal ergeben. Nur das ist der Grund, warum sich gewissenlose Volksvertreter und Manager mit uns alles erlauben können, weil sie niemand in ihrem asozialen Handeln bremst.

    So gesehen ist die Idee mit der „Abwrackprämie für Menschen“ doch nicht schlecht. Oder?

    Zum Schluss noch folgende Begebenheit in „Ihrem“ Land:
    Vor einigen Tagen sprach ich mit einem zwanzigjährigen, drogensüchtigen jungen Mann, der sich seit Schulabschluss „hauptberuflich“ von einer Therapie zur anderen schleppt, sich bei „Hotel Mama“ eingenistet hat, sogar zu faul ist HARTZ IV zu beantragen und sich durchs Leben schnorrt, ob er sich nicht mal Gedanken über seine beruflichen und privaten Zukunftsperspektiven und eine Berufsausbildung machen wolle, gab er folgende Antwort:

    Ich bin 20 Jahre alt, mir geht es gut, es reicht zum Leben und Überleben, mein Beruf ist das Schnorren und das kann ich gut. Wozu soll ich eine Lehre machen? Damit ich so ende wie du? Einen Aktenordner mit Zeugnissen unter dem Arm und trotzdem 20 Jahre HARTZ IV und Altersarmut? Ich mache drei Jahre eine Lehre, mit Pech geht es dann schon nicht mehr weiter, ständig Existenzängste im Nacken, ob ich weiterleben darf oder den Job verliere und von 40 – 70 von HARTZ IV leben? Dazu brauche ich doch keine Ausbildung machen. Ich lebe nach dem Motto: „Wer nichts hat, der kann auch nichts verlieren bzw. dem kann man auch nichts nehmen! Ich habe keine Verlustängste, schlafe ruhig und sorgenfrei nach einer Kiste Bier und was ich sonst noch brauche das schnorre ich mir!“ Recht hat der Junge !?!?!?!?!?!?

    Liebe Grüße aus der Unterschicht, von der Basis !!!

    lesen – nachdenken – kopieren – weiter verschicken – etwas bewegen in diesem asozialen Land

  4. marek 10 Jahren ago .Antworten

    Hallo Heidi,

    dieser Blog versucht genau diese Alternativen „heraus zu kitzeln“. Wir werden hier demnächst noch weitere Seiten einrichten, die sich speziell mit den Projekten und Aktionen beschäftigen, so dass man sie alle auf einen Blick hat. Im Moment findet man rund 300 Beiträge, in denen Aktionen vorgestellt werden, aber es passiert so viel, dass wir uns entschlossen haben, darüber hinaus auch Entwicklungen und Mißstände zu beschreiben.

    Am liebsten wäre uns natürlich, wenn wir den Kreis der Autoren erweitern könnten, aber entweder sind die Leute selbst (und in anderen Bereichen) aktiv, oder aber sie haben keine Zeit, da sie im Hamsterrad sind und damit beschäftigt sind, ihre Nase über Wasser zu behalten.

    Die Zugriffszahlen steigen permanent, obwohl wir noch gar nicht dazu kamen, groß Werbung für den Blog zu machen. Mittlerweile liegen wir bei 200.000 Zugriffen im Monat – das kann man natürlich noch steigern, aber es ist schon fast ein Fulltime-Job. Ausserdem schreiben wir ja auch noch Artikel zum Thema in Zeitschriften, halten Vorträge, machen Interviews etc. … alles neben dem Beruf. Deshalb freuen wir uns natürlich sehr über Unterstützung. und besonders auch über Anregungen, Kritik etc. Ich wundere mich darüber, dass andere Blogbetreiber hier sehr maulig reagieren, wenn man andere Perspektiven und Meinungen einbringt. Wir wünschen uns das sogar, denn dann hat man eine Chance zu einer gemeinsamen Basis zu kommen. Und die brauchen wir in Zukunft. Hier wird viel Zeit verloren und Solidarität verspielt.

    Wir überlegen ausserdem, ob wir in Zukunft auch vermehrt versuchen sollten, den „Wutkonzepten“ etwas entgegen zu setzen, da wir denken, dass wir demnächst mit äußeren Umständen zu tun bekommen könnten, die man mit Wut und Gewalt eher verschlimmern als verbessern wird.

    Es gibt noch Einiges zu tun – und das Meiste steht uns allen wohl noch bevor.

    Viele Grüße,
    Marek

  5. Heidi 10 Jahren ago .Antworten

    Hallo Marek,

    Sie schreiben: „Ein Glück, dass es besonnene Kräfte gibt, die wirklich anpacken wollen – über alle ideologische Grenzen hinaus – und das Prinzip gegenseitiger Anteilnahme und Verantwortung zur ersten Pflicht erheben.. . .“

    Wer, Was, Wo? – wäre hilfreich, wenn Sie konkreter würden – so ist mir das zu schwammig!

    Übrigens, welche Zugriffszahlen habt Ihr eigentlich?
    Sollten doch viel mehr Leute auf eurer tollen Seite landen.

    Wenn Ihr gestattet, werde ich künftig in den Foren, in denen ich mich herumtreibe, ab und an eure Seite loben.
    Oder ist das nicht gewünscht?

  6. marek 10 Jahren ago .Antworten

    Hallo Amy,

    wir haben in den letzten Wochen und Monaten allerhand Feedbacks (im Blog und per Mail) erhalten, die sich mit den möglichen Alternativen zu bestehenden Konzepten auseinander setzen. Grundsätzlich freuen wir uns sehr darüber. Immerhin sind wir ja genau mit der Haltung angetreten, eben diese positiven Beispiele und Alternativen journalistisch zu unterstützen. Allerdings machte uns die wachsende Anzahl wutentbrannter Inhalte etwas stutzig. In diesen geht es hauptsächlich um blanken Hass gegen „die da oben“ und den Wunsch „endlich“ mit Gewalt vorzugehen. Einer Idee, der ich absolut misstrauisch begegne.

    Ich habe die 70er Jahre recht gut mitbekommen und könnte entmutigt sein, dass die Hauptforderungen dieser Zeit (Kernkraft, Rüstung, Kriege, Soziale Ungerechtigkeiten) nach über 20 Jahren nur schemenhaft umgesetzt wurden. Ein wirkliches Urteil zur Effizienz dieser Bewegungen mag ich mir nicht bilden, denn es war von vorneherein klar, dass man es hier mit einem gigantischen Gegner zu tun bekommen würde. Die entsprechenden Lobbys wurden in diesen Jahren immer mächtiger und setzten sich durch. Heute ist die Situation aus vielen Gründen anders: Die Welt wurde weiter geplündert, mit allen damit verbundenen ökologischen und sozialen Folgen. Die Machthaber waren auch nicht untätig und haben sich nun noch breiter aufgestellt. Die Medien zogen nach und heute (habe gerade darüber geschrieben) sind sie in der Lage, eine komplett andere Wirklichkeit zu erzeugen.

    Dennoch bin ich sehr optimistisch. Einerseits gibt es das Internet, und damit ein Kommunikationsmedium das Millionen von Menschen die Augen noch weiter öffnet. Andererseits gibt es wirklich eine neue Generation, die sich ernsthaft die Köpfe über tatsächliche Alternativen zerbricht und bereit ist, diese auch organisatorisch zu verfolgen. Demos reichen eben nicht. Doch der Kampf der Lager scheint unvermeidlich.

    Wir haben vor rund zwei Jahren mit dem Projekt begonnen, um uns auf diese Alternativen zu konzentrieren und neue Ideen zu unterstützen. In der jüngsten Zeit denken wir aber vermehrt darüber nach, der hoch kochenden Wut etwas entgegen zu halten, denn diese droht das Chaos noch zu beschleunigen (Aktio = Reaktio). Wir lesen in den Blogs, hören Gespräche und reagieren auf Beiträge in Zeitungen, Radio und Fernsehen, um dem gesellschaftliche Übersprungsverhalten entgegen zu wirken. Uns scheint – gerade jetzt und in den kommenden Monaten – besonders wichtig, nicht nur zu fördern, sondern gleichfalls zu beschwichtigen und, mehr und mehr, auch organisatorische Möglichkeiten friedlichen, zivilrechtlichen Widerstandes zu nennen. Denn: Entweder siegt die Vernunft, die Krisenmacher ziehen sich zurück und lassen Alternativen zu, oder aber sie setzen sich zur Wehr – und das mit den Mitteln der Unterdrückung und Gewalt.

    Es ist eine Frage der Projektion. Wie sehen wohl die nächsten Monate aus? Wie entwickelt sich die Krise weiter? Steht nach dem Chaos der Finanzmärkte nun auch ein Kollaps der Gesellschaften bevor? Dann müssen wir uns auf eine grundsätzlich andere Situation gefasst machen. Eine Situation in der es etwas gänzlich anderes wäre, für eine bessere Welt zu handeln als heute.

    Mir persönlich fehlt die tatsächliche Allianz. Zu sehr sitzt das Konkurrenzdenken auch genau in den Bewegungen, die hier gemeinsam etwas bewirken könnten. Da wird um Ideologien gestritten oder man hält sich auf damit, wer nun für 9/11 verantwortlich sei, übertrumpft sich gegenseitig in Gewaltfantasien – nur eine echte Allianz entsteht nicht. Selbst in den großen Organisationen, die sich um Missstände kümmern, existieren innere Abgrenzungen, Profil- und Machtkämpfe, Ausgrenzungen und ideologisches Herrschaftsdenken. Das hält alles auf und sorgt dafür, dass wir die einmalige (vielleicht auf lange Zeit die letzte) Chance einer wirklich breit getragenen Bewegung verspielen. Wenn nur die Wut die Menschen eint, dann wird als „Strategie“ auch nur Wut heraus kommen.

    Ein Glück, dass es besonnene Kräfte gibt, die wirklich anpacken wollen – über alle ideologische Grenzen hinaus – und das Prinzip gegenseitiger Anteilnahme und Verantwortung zur ersten Pflicht erheben. Das mag manchen zu lasch sein, doch letztlich – so glaube ich – wird aus genau diesen Bewegungen das hervor gehen, was wir uns als unsere Zukunft in einer besseren Welt wünschen.

    Grüße,
    Marek

  7. Hallo Marek,

    ich glaube, das Vertrauen in „die da oben, die es schon richten werden“ ist endgültig vorbei und ein verhältnismäßig großer Anteil der Menschen ist bereit, auch kritische Perspektiven zu den etablierten „Regeln des Systems“ und den scheinbar unumstößlichen „so wirds gemacht“-Ansätzen einzunehmen.

    Der steigende Erfolg von Graswurzelideen & -unternehmungen bestätigen dies, ganz im Gegensatz zu den häufig wiedergekauten Ansichten über die „unpolitische, unengagierte Jugend“. Die junge Generation versucht sich momentan abseits von festgefahrenen Partei- und traditionellen Vereinsstrukturen in eigenen Projekten selbst für neue und andere Lösungen einzusetzen, die eben nicht naiv-idealistisch „das ganze System“ umstürzen sondern Alternativen in ganz konkreten, meist überschaubaren Szenarien etablieren wollen.

    Zum Hintergrund kann ich James Gilligans Bücher „Violence: Reflections on a National Epidemic“ & „Preventing Violence (Prospects for Tomorrow)“ empfehlen. Auch wer nicht mit dem eher psycho-analytischen Zugang zum Gewaltproblem, den Mr Gilligan gewählt hat,ü bereinstimmt, wird doch recht aufschlussreich beschrieben finden, warum als suboptimal erkannte Zustände (Krieg, Gewalt, Armut in einer Gesellschaft, Unterentwicklung in vielen Teilen der Welt …) dennoch aufrecht erhalten werden: Es profitieren immer noch genug Entscheidungsträger oder -macher vom Unglück der anderen und der Großteil der Welt ist damit beschäftigt, nicht selbst ins Unglück zu stürzen. (Das ist mal zugespitzt, was Gilligan beschreibt.) In diesen subjektiven Dilemma-Situationen fällt es einer kritischen Masse nicht leicht, von der individuellen Situation zu abstrahieren und sich über das „große Ganze“ Gedanken zu machen, weil dieser Masse ja der bereits erwähnte „Kampf ums eigene Überleben“ auferlegt wird.

    Einen weiteren Grund für ein Graswurzelevoltution von vielen Ideen und Projekten (im Gegensatz zum „Aufstand aller“) sehe ich in der Unwahrscheinlichkeit des Obama-Effekts, zumindest in Deutschland, denn viele Projekte sind hier vor ganz andere pragmatische (n.b.: nicht unbedingt höhere) Hürden gestellt, als in anderen Ländern. Das „Unmögliche“ auf den traditionell eingefahrenen Wegen anzustreben oder gar zu erreichen, scheint der jungen Generation in hier offenbar eher auf eigenen Pfaden möglich.

    Die Vielzahl der neuen Ideen und der wahrgenommenen (vorhandenen) Alternativen, bspw. das soziale Unternehmertum, oder die Initiativen im Bereich Mikrokredite, zeigen doch, dass ein gewisser Optimismus unter denen herrscht, die etwas anpacken wollen. Dass diese Ansätze eher nicht auf die eigene Community gerichtet werden, ist, glaube ich wiederum ein eher deutsches Phänomen, wobei sich das auch wieder ganz gut mit der o.g. Gewaltentstehungstheorie von Gilligan vereinbaren lässt: Hilfe für Hartz IV-Empfänger zu organisieren (die häufig als selbstverschuldet im Elend lebend dargestellt oder gar kriminalisiert werden) ist weniger sexy, als Kindern in Afrika zu helfen. Aber das ist wieder ein anderer Diskurs über Armut und welche Strategien zur Armutsbekämpfung als legitim angesehen werden.

  8. Michael 10 Jahren ago .Antworten

    Demos bringen nichts! Entweder man bleibt friedlich und nichts ändert sich oder man macht Krawall, dann wird alles noch schlimmer. Wie wäre es mal mit nem bundesweiten Generalstreik bis nichts mehr geht? So lange streiken, bis das Unterdrückersystem still steht.!!! Erst dann kommt Bewegung ins Spiel.

    M.

  9. Tim 10 Jahren ago .Antworten

    Jetzt heißt es Ruhe bewahren und intelligent vorgehen! Ich habe Zweifel. Denn viele sind richtig heiß auf Krawall.
    Es kocht bereits.

    Tim

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